20.11.2017

Lesungen 09.04.2017

09. Apr `17
Palmsonntag (A)


Evangelium zur Palmweihe, Lesejahr A:
Mt 21,1-11

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte
und nach Betfage am Ölberg kam,
schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen:
Geht in das Dorf, das vor euch liegt;
dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr.
Bindet sie los, und bringt sie zu mir!
Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt:
Der Herr braucht sie, er läßt sie aber bald zurückbringen.
Das ist geschehen, damit sich erfüllte,
was durch den Propheten gesagt worden ist:
Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist friedfertig,
und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen,
dem Jungen eines Lasttiers.
Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.
Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie,
und er setzte sich darauf.
Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus,
andere schnitten Zweige von den Bäumen
und streuten sie auf den Weg.
Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!



Vom Einzug Jesu in Jersualem berichten alle vier Evangelisten. Ausgangspunkt für den feierlichen Einzug in Jerusalem ist Betfage auf dem Ölberg. Das Besteigen eines Esels erinnert an die Prophetie Sach 9:9 nach der der Messias nicht mit Roß und Streitwagen, sondern demütig auf einem Esel daherkommt. Ein Friedensfürst also, der keine politischen Ambitionen hat. Jesus offenbart sich in Jerusalem als der Messias (u.a. durch das Reiten auf dem Esel als messianisches Zeichen). Die Ablehnung Jesu aber durch die Führer des jüdischen Volkes hat für Jerusalem schlimme Folgen. Matthäus schreibt dieses Evangelium nieder, nach dem Jerusalem 70 n.. Chr. zerstört wurde und die Judenchristen keine Brücken zu den Juden mehr hatten. Bei den begleitenden Volksscharen, von denen in der Evangelienstelle berichtet wird, handelt es sich wahrscheinlich um galiläische Festpilger. Zahlreiche Menschen breiten Kleider auf den Weg vor Jesus. Auf dem über 3 km langen Weg bis Jerusalem kann das nur eine symbolische Bedeutung haben: eine Ehrung für den Messias. Diese Ehrung wird noch verstärkt durch die von den Bäumen geschlagenen Laubbüschel. Die Zurufe erschließen den Sinn der Handlung. Jesus wird als "Sohn Davids" bejubelt. Der Hosanna-Ruf hatte einen festen liturgischen Ort in der Pascha- und Laubhüttenliturgie. Der ursprüngliche Hilfe- und Bittruf wurde im Laufe der Zeit zu einem Jubelausruf, der stark mit messianischer Erwartung verbunden war.


1. Lesung vom Palmsonntag: Jes 50,4-7 

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers,
damit ich verstehe,
die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.
Jeden Morgen weckt er mein Ohr,
damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
Doch Gott, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, daß ich nicht in Schande gerate.



Es ist das Lied eines Knechtes Gottes. Gleichzeitig ist es ein Lied über den Knecht Gottes. Wer er war? Ein Einzelner? Womöglich Israel selbst? Die Gesichtszüge haben sich nie rekonstruieren lassen. Aber das Lied legt Spuren: Der Knecht Gottes hat die Zunge eines Jüngers und stärkt die Müden mit einem Wort, das aufrichtet - und ihm wird jeden Morgen das Ohr geöffnet, um von Gott das Wort zu bekommen, das ihn hält. Auch, als er geschlagen, geschmäht und bespuckt wird. Dem Lied gelingt, in einem Satz zu sagen, was der Knecht Gottes tut und was mit ihm geschieht. Er wird von der Zusage Gottes gehalten und richtet mit seinem Wort andere, hier: Müde, auf. Im Lied bekommt sein Vertrauen Worte, die seitdem vielen Menschen helfen, Tiefpunkte, Erniedrigungen und Verletzungen auszuhalten, aber auch den Kampf mit der Resignation zu gewinnen. Als drittes Gottesknechtlied wurde dieser Text mit den anderen - insgesamt 4 - in das Buch Jesaja eingefügt. Es ist nicht sicher, wann das geschah, aber was gelegentlich wie ein Fremdkörper wirkt, entpuppt sich als Pfeiler: Die Trost-Botschaft, die Deuterojesaja den Menschen im babylonischen Exil - einer der größten Tragödien überhaupt, die Israel erlebte - gibt, ruht wie eine Brücke auf diesen Pfeilern und wird von ihnen gehalten. Natürlich war damals von Jesus noch nicht die Rede und das später entwickelte Schema "Verheißung - "Erfüllung" noch nicht formuliert, aber der Gottesknecht hat in diesem Lied vertraute Züge, die uns im Evangelium wieder begegnen: dass eine Zunge Kraft hat, Menschen ohne Hoffnungen aufzurichten - und dass das Ohr Leben empfängt. Dieses Lied vom Knecht Gottes ist eine Hommage auf die Sinne - und das sehr sinnliche Wort Gottes. Das Knecht-Gottes-Lied hat in Röm 8,31-39 von Paulus eine bemerkenswerte Auslegung erhalten: In dem Verfahren, in dem die Auserwählten Gottes angeklagt werden, können sie von der Liebe Christi nicht geschieden werden. Das Urteil ist ein Frei-Spruch, ein Lebens-Urteil.


Wie auch am Karfreitag begegnet uns heute eines der vier Gottesknechtslieder, die sich im Deuterojesaja befinden und zum Teil als eigene literarische Schicht gegolten haben (so z. B. bei B. Duhm). Individuell gedeutet kann der Ebed JHWH’s als königliche oder prophetische Gestalt. Andererseits in der kollektiven Deutung als Israel/Jakob, als das Volk Gottes. Das stellvertretende Leiden jenes einen Knechtes bringt Recht für die Völker und die Vergebung der Sünden (vgl. Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12). Es ist eine reine christliche Deutung, in diesem Gottesknecht Jesus Christus sehen zu wollen, in die Texte des Ersten Testamente nach dem Schema Verheissung – Erfüllung die Christologie hineinzulegen, wenngleich es vielfach in unsere katholische Tradition Einzug gehalten hat und diese alttestamentlichen Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja deshalb aus der Karwochenliturgie nicht mehr wegzudenken sind. Eine Einladung erneut an uns, Obacht zu geben und Wert darauf zu legen, dass das Erste Testament in seinem Eigenwert zu lesen ist. Nach der Gottesrede in Jes 50,1-3 hat Gott den Mund eines anderen geöffnet, dessen Rede in diesem Abschnitt mit der zweimaligen Aufforderung zum bewussten Wahrnehmen der Grösse und Hilfe Gottes endet (Vers 9), bevor der Sprecher mit Mahnungen und Aufforderungen erneut einsetzt. JHWH hat seinem Knecht die Sinne geöffnet (Zunge und Ohr), gleichsam als Voraussetzung dafür, alles als Gottesknecht erdulden zu können. Auf ihn hin ist er ausgerichtet. Das und das Vertrauen allein geben ihm Kraft. Die ihm Gewalt antun, hat das Gericht des Herrn bereits getroffen.


Die Leseordnung der Kirche hat für diesen Sonntag eines der Gottesknechtlieder aus dem Buch Deuterojesaja ausgewählt. Der Schüler des Propheten spricht in diesem Text von seiner Beauftragung. Er soll mit der Zunge eines Jüngers den entmutigten Menschen im babylonischen Exil neue Hoffnung machen. Um diesen Dienst aber auch erfüllen zu können, bedarf es eines offenen Ohrs. Gott öffnet dem Jünger das Ohr, damit er wie ein guter Schüler den Menschen zuhören kann. Dieses "Ohrenöffnungsritual" wiederholt sich gleichsam jeden Tag, denn Gott weiß, wie leicht die Menschen unter "verstopften Ohren" leiden können und nur mehr hören, was sie hören wollen. Ein offenes Ohr ist aber die Voraussetzung für gutes und erfolgreiches pastorales Arbeiten und eine aufrichtige Verkündigung. Bevor der Jünger von Gott spricht, gilt es den Menschen gut zuzuhören.


Antwortpsalm am Palmsonntag
Ps 22,8-9. 17-20. 23-24

R Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? – R

Alle, die mich sehen, verlachen mich,
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
„Er wälze die Last auf den Herrn,
der soll ihn befreien!
Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm solch Gefallen hat!“ - (R)

Viele Hunde umlagern mich,
eine Rotte von Bösen umkreist mich.
Sie durchbohren mir Hände und Füße.
Man kann all meine Knochen zählen;
sie gaffen und weiden sich an mir. - (R)

Sie verteilen unter sich meine Kleider
und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, Herr. halte dich nicht fern!
Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! - (R)

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Gemeinde dich preisen.
Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn,
ihr alle vom Stamme Jakobs, rühmt ihn;
erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels! - R


2. Lesung vom Palmsonntag: Phil 2,6-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
"Jesus Christus ist der Herr" -
zur Ehre Gottes, des Vaters.



Paulus zitiert einen Hymnus, der in der frühen Kirche unbefangen das Geheimnis Christi mit dem –alten und in der Mythologie verbreiteten – Schema Abstieg / Aufstieg besingt. Der Entäußerung, die bis in den Tod reicht, wird der "verliehene Name" gegenübergestellt, der im Christus-Bekenntnis "Herr ist Jesus" mündet. Wir begegnen hier dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, das noch ohne streitbehaftete (und auslegungsbedürftige) Sätze zusammenfasst, was christliches Leben ausmacht: dass er das letzte Wort hat, über alles – und für alle. Paulus, ein Meister, der das Evangelium in Briefen zu den Menschen bringt, entwindet den Hymnus mythologischen Denkmustern und verbindet das Leben Jesu mit dem seiner Jüngerinnen und Jünger: Seid untereinander auch so gesinnt… In einem Leben, das dem "Leben in Christus Jesus entspricht", erweist sich das Bekenntnis zu ihm als tragfähig und wirklich. Bedenken, zumal die vielen Bedenken, die von Gottesdienst zu Gottesdienst heute variiert werden, werden von Paulus nicht geteilt. Er hat das Zutrauen, das ein Leben gelingt, in dem Jesus als der "Kyrios" bekannt und angerufen wird. Dass der Ort Philippi keine Insel der Seligen ist, weiß Paulus, hindert ihn aber nicht, den Lebenslauf Christi als Verheißung und Vorbild hinzustellen. Als Paulus den Hymnus aufgreift und ihn zitiert, gibt es die schriftlich ausformulierten Evangelien noch nicht. Heute gelesen, mutet er wie eine Kurzfassung des Evangeliums an, das vierfach überliefert wird und auch die Briefe im NT prägt. Nicht zuletzt geht es darum, Jesu Namen zu tragen (Taufe), sich mit ihm zu schmücken und zu segnen. Im übrigen: der Christus-Hymnus, aus alter Zeit von Paulus gerettet, steht auch dafür, dass, wie der Theologe Edmund Schlink sagte, das Dogma Lobpreis und Lebenshilfe ist (und nicht das Gerüst, um Wahrheiten festzulegen).


Paulus schreibt in seiner Gefangenschaft einen Brief an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, an Philippi. Mit ihr weiss er sich sehr verbunden, ist besorgt um sie. Von daher sind auch die Grundanliegen des Briefes zu verstehen, die sich auch in dieser Lesung widerspiegeln: Inmitten eines heidnischen Umfeldes bedarf die junge Christengemeinde der Festigung und Belehrung im Glauben. Die paulinische Paraklese meint darin mehr als Ermahnung "Dies und jenes sollt ihr tun", sondern vielmehr ein Besorgtsein, ein Sichkümmern, ein Inverantwortunggenommensein über die Distanz hinweg. Paulus wird von Unstimmigkeiten, von Streitereien und Prahlerei gehört haben, worauf er nun reagiert. Die Ermahnung hat dort ihren Platz, wo die Gemeinschaft im Geist und das Wohlwollen des Herzens wohnen. Grund und Motivation für diese geschwisterliche Zurechtweisung, die auch Eingang in unsere katholische Tradition gefunden hat, ist das Gemeinwohl vor allem Eigenwohl. In Phil 2,6-11 schiebt Paulus einen Christus-Hymnus ein. Die feierliche, gehobene Sprache der Mahnrede in den Versen 1-4 deutet bereits an, dass dieser Teil in einem engen Zusammenhang steht mit dem Christuslied, das schon vor Paulus in den Gemeinden gesungen wurde. Vers 5 leitet über: Als getaufte Christen sollen sich die Glieder der Gemeinde in einem neuen, besonderen Verhältnis zu Jesus Christus begreifen: Nicht nur nach dem Vorbild Jesu Christi zu leben, sondern das ganze Dasein als In-Christus-Sein zu verstehen. Durch die feierliche „Ermahnung in Christus“ wird der darauffolgende Hymnus einerseits vorbereitet, andererseits wird die Mahnung des Apostels durch das Lied christologisch begründet. Wenn die Gemeinde eines Sinnes ist, in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dann deutet schon etwas auf von der großen Freude, die Gott am Ende der Zeiten schenkt ( ... macht meine Freude dadurch vollkommen, ...). Das Christuslied selbst läßt zwei Teile erkennen: Die Erniedrigungsaussagen (Verse 6-8), in denen Christus der Handelnde ist, und die Erhöhungsaussagen (Verse 9-11); hier ist Gott der Handelnde. Der ganze Hymnus ist geprägt vom Stilmittel des Parallelismus. Die Verse 6 und 7 stehen einander gegenüber als These und Antithese: Er, der sich in der Daseinsweise Gottes befand, nahm Sklavendasein an; der nicht mit aller Macht daran festhielt, Gott gleich zu sein, entäußerte sich. Das gleiche gilt für die Verse 8 und 9: Er, der sich selbst erniedrigt hat, wird von Gott erhöht – und die Verse 7cd und 10: Der den Menschen völlig gleich gewordene wird vom ganzen Kosmos geehrt. Der Hymnus endet mit der Proklamation: Jesus Christus ist der Herr! Der Name Jesus, der noch einmal an sein Menschsein erinnert, ist zugleich der Hoheitstitel. Aus dem ganzen Abschnitt wird klar: Kultische Verehrung, Bekenntnis des Glaubens und Leben aus seiner Gesinnung gehören zusammen. Durch alle Lebensvollzüge der Gemeinde wird Christus bekannt und geehrt, und durch ihn Gott der Vater. De Hymnus ist geprägt von der Dynamik der Kenosis, der Entäusserung Christi. Gott geht für uns bis ins Letzte hinunter. Am Kreuz aber ist der Wendepunkt - der Aufstieg Jesu Christi nimmt dort seinen Anfang bis zum Lobpreis und dem Bekenntnis aller Geschöpflichkeit.


Der Text des Apostels Paulus steht im Rahmen eines großen Zuspruchs an die Gemeinde (Phil 1,27 - 2,18). In diesen Brief läßt Paulus einen Hymnus (die heutige Lesung) einfließen, der wohl bereits den Urchristen bekannt war und auch liturgisch verwendet wurde. Der Text (oder das Lied) hat zwei Strophen, die mit schöner Linienführung den "Weg des Christus" zeichnen. Im Mittelpunkt steht die Botschaft vom Kreuz. Sie gibt dem Leben des Christen Mitte und Ziel; für die Christen bedeutet das Kreuz Hoffnung und Heil. Am Beginn versucht er das Unsagliche auszusprechen. Im 2. Teil tritt Gott selbst auf den Plan. Gott selbst ist jetzt der Handelnde. Der Schluß des Liedes endet mit dem Ruhme Gott-Vaters. Mit der Erwähnung des Vatergottes wird der Gemeinde im Hymnus gegenwärtig, daß sie zu Gott Vater, Abba (vgl. Röm 8,15) sprechen dürfen.


Ruf vor der Passion am Palmsonntag
Phil 2,8b-9

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – R

Christus wurde für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen gegeben, der größer ist als alle Namen.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!


Passion, Lesejahr A: Mt 26,14 - 27,66

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Matthäus.

Der Verrat durch Judas

Einer der Zwölf namens Judas Iskariot ging zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Die Vorbereitungs des Paschamahles

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Das Mahl

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muß zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.
Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und eßt; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters.

Der Gang zum Ölberg

Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich niemals! Jesus entgegnete ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte - ich werde dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen Jünger.

Das Gebet in Getsemani

Darauf kam Jesus mit den Jüngern zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu ihnen: Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete. Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein Stück weiter, warf sich zu Boden und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Dann ging er zum zweitenmal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, geschehe dein Wille. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum drittenmal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da.

Die Gefangennahme

Während er noch redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest. Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küßte ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. Doch einer von den Begleitern Jesu zog sein Schwert, schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihm: Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte? Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, nach der es so geschehen muß? Darauf sagte Jesus zu den Männern: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag saß ich im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht verhaftet. Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Das Verhör vor dem Hohen Rat

Nach der Verhaftung führte man Jesus zum Hohenpriester Kajaphas, bei dem sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt hatten. Petrus folgte Jesus von weitem bis zum Hof des hohepriesterlichen Palastes; er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde. Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um falsche Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können. Sie erreichten aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt kamen zwei Männer und behaupteten: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen? Jesus aber schwieg. Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes? Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriß der Hohepriester sein Gewand und rief: Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Gotteslästerung selbst gehört. Was ist eure Meinung? Sie antworteten: Er ist schuldig und muß sterben. Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn und riefen: Messias, du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich geschlagen?

Die Verleugnung durch Petrus

Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte: Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen. Doch er leugnete es vor allen Leuten und sagte: Ich weiß nicht, wovon du redest. Und als er zum Tor hinausgehen wollte, sah ihn eine andere Magd und sagte zu denen, die dort standen: Der war mit Jesus aus Nazaret zusammen. Wieder leugnete er und schwor: Ich kenne den Menschen nicht. Kurz darauf kamen die Leute, die dort standen, zu Petrus und sagten: Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich. Da fing er an, sich zu verfluchen und schwor: Ich kenne den Menschen nicht. Gleich darauf krähte ein Hahn, und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Auslieferung an Pilatus

Als es Morgen wurde, faßten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes gemeinsam den Beschluß, Jesus hinrichten zu lassen. Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn dem Statthalter Pilatus aus.

Das Ende des Judas

Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe euch einen unschuldigen Menschen ausgeliefert. Sie antworteten: Was geht das uns an? Das ist deine Sache. Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich. Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran. Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden. Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker. So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke - das ist der Preis, den er den Israeliten wert war - und kauften für das Geld den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.

Die Verhandlung vor Pilatus

Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, so daß der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt? Er wußte nämlich, daß man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Laß die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute nacht einen schrecklichen Traum. Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas! Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm! Als Pilatus sah, daß er nichts erreichte, sondern daß der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Die Verspottung Jesu durch die Soldaten

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Die Kreuzigung

Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.

Der Tod Jesu

Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: Laß doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn! Auch viele Frauen waren dort und sahen von weitem zu; sie waren Jesus seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Das Begräbnis Jesu

Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm ihn und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

Die Bewachung des Grabes

Am nächsten Tag gingen die Hohenpriester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus; es war der Tag nach dem Rüsttag. Sie sagten: Herr, es fiel uns ein, daß dieser Betrüger, als er noch lebte, behauptet hat: Ich werde nach drei Tagen auferstehen. Gib also den Befehl, daß das Grab bis zum dritten Tag sicher bewacht wird. Sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor. Pilatus antwortete ihnen: Ihr sollt eine Wache haben. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt. Darauf gingen sie, um das Grab zu sichern. Sie versiegelten den Eingang und ließen die Wache dort.


Leidensgeschichte am Palmsonntag, Lesejahr A, Kurzfassung:
Mt 27,11-54

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus:

Die Verhandlung vor Pilatus

Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser:
Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete: Du sagst es.
Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten,
gab er keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm:
Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?
Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage,
so daß der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen,
den sich das Volk auswählen konnte.
Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis.
Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war:
Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen,
Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?
Er wußte nämlich, daß man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.
Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen:
Laß die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig.
Ich hatte seinetwegen heute nacht einen schrecklichen Traum.
Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge,
die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen.
Der Statthalter fragte sie:
Wen von beiden soll ich freilassen?
Sie riefen: Barabbas!
Pilatus sagte zu ihnen:
Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt?
Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!
Er erwiderte:
Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?
Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm!
Als Pilatus sah, daß er nichts erreichte,
sondern daß der Tumult immer größer wurde,
ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände
und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen.
Das ist eure Sache!
Da rief das ganze Volk:
Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl,
Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Die Verspottung Jesu durch die Soldaten

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus,
führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters,
und versammelten die ganze Kohorte um ihn.
Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen;
den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand.
Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen:
Heil dir, König der Juden!
Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg
und schlugen ihm damit auf den Kopf.
Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten,
nahmen sie ihm den Mantel ab
und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Die Kreuzigung

Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon;
ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen.
So kamen sie an den Ort,
der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe.
Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war;
als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten,
warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.
Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn.
Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht,
die seine Schuld angab:
Das ist Jesus, der König der Juden.
Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt,
der eine rechts von ihm, der andere links.
Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn,
schüttelten den Kopf und riefen:
Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen?
Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz!
Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten
verhöhnten ihn und sagten:
Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.
Er ist doch der König von Israel!
Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.
Er hat auf Gott vertraut:
der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat;
er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber,
die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.

Der Tod Jesu


Von der sechsten bis zur neunten Stunde
herrschte eine Finsternis im ganzen Land.
Um die neunte Stunde rief Jesus laut:
Eli, Eli, lema sabachtani?,
das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten:
Er ruft nach Elija.
Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken.
Die anderen aber sagten:
Laß doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft.
Jesus aber schrie noch einmal laut auf.
Dann hauchte er den Geist aus.
Da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.
Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich.
Die Gräber öffneten sich,
und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren,
wurden auferweckt.
Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber,
kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.
Als der Hauptmann und die Männer,
die mit ihm zusammen Jesus bewachten,
das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah,
erschraken sie sehr und sagten:
Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!