17.12.2017

Lesungen 27.08.2017


1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 22,19-23

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr zu Schebna, dem Tempelvorsteher:
Ich verjage dich aus deinem Amt,
ich vertreibe dich von deinem Posten.
An jenem Tag werde ich meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen.
Ich bekleide ihn mit deinem Gewand und lege ihm deine Schärpe um.
Ich übergebe ihm dein Amt,
und er wird für die Einwohner Jerusalems
und für das Haus Juda ein Vater sein.
Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter.
Wenn er öffnet, kann niemand schließen;
wenn er schließt, kann niemand öffnen.
Ich schlage ihn an einer festen Stelle als Pflock ein;
er wird in seinem Vaterhaus den Ehrenplatz einnehmen.



Bei den Drohworten Jesajas sind die meisten Adressaten Völker. Das Drohwort Jes 22,15-22 ist an eine Person gerichtet, Schebna. Es geht um das Amt des Tempelvorstehers und um eine Entmachtung. Nicht mehr Schebna soll es sein, sondern Eljakim. Das wird auch in 2 Kön 18,36f bestätigt. Eljakim ist der Tempelvorsteher, Schebna Staatsschreiber. Wie Gott das Amt verleihen und nehmen kann, kann auch Jesus das Amt verleihen. Alle Ehren des Tempelvorstehers werden auf Petrus angewendet. Da dieser jedoch nicht mehr einem zuzuordnendem Tempel vorsteht, wird wieder deutlich: Es geht um eine Verfasstheit der Kirche, die untermauert werden muss.


Die alttestamentliche Lesung stammt aus dem Buch Jesaja, und zwar aus dessen erstem Teil, der im Wesentlichen auf den historischen Propheten Jesaja aus dem 8. Jahrhundert zurückgeht. - Ein Prophet hat Gottes Willen in ganz konkrete Situationen hinein zu verkünden; und so spricht Jesaja auch Worte über einzelne Beamte am Jerusalemer Königshof. - Die im Lesungstext genannten Namen sind auch aus anderen Büchern des Alten Testaments bekannt.


Der Text der ersten Lesung ist, obwohl der Prophet Jesaja bereits im 8. Jahrhunderts vor Christus gewirkt hatte, erst in der Zeit des babylonischen Exils (586-538 vor Christus) oder kurz danach entstanden und als Zeugnis der Hoffnung in einer tristen Situation zu verstehen. Dazu ist es aber nötig, die unserem Text vorausgehende Stelle (Jes 22, 15-18) miteinzubeziehen: Hier wird von einem Regierungsbeamten namens Schebna erzählt, der wegen seiner Machtarroganz gerügt wird und dem ein schmähliches Ende ankündigt wird. Schebna ist damit aus der Sicht der (Nach-)Exilszeit der Repräsentant des verkommenen Volkes, über das jenes Urteil gesprochen wird, das mit den Deportationen von 586 Wirklichkeit geworden ist. Im Gegensatz dazu spricht nun unser Text von Eljakim. Sein Name bedeutet soviel wie "Gott richtet auf", womit symbolisch der von Gott neu zu errichtende Idealzustand gemeint ist. In den Leseplan des 21. Sonntags wurde die Stelle deswegen aufgenommen, weil sich das Evangelium (vgl. Mt 16, 19) auf das "Schlüsselwort" von Vers 22 bezieht.


Erweiterte Fassung der
1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 22,15-23

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht Gott, der Herr der Heere:
Auf, geh zu dem Verwalter hier, zu Schebna, dem Palastvorsteher, und sag:
Wie kommst du dazu, und wer bist du denn,
daß du dir hier ein Grab aushauen läßt? -
Da läßt er sich hoch oben ein Grab aushauen,
im Felsen sich eine Wohnung ausmeißeln! -
Gib acht, der Herr wird dich in hohem Bogen wegschleudern.
Er wird dich zu einem Knäuel zusammenwickeln
und wie einen Ball in ein geräumiges Land rollen.
Dort wirst du sterben;
dorthin kommen dann deine Prunkwagen,
du Schandfleck im Haus deines Herrn.
Ich verjage dich aus deinem Amt,
ich vertreibe dich von deinem Posten.
An jenem Tag werde ich meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen.
Ich bekleide ihn mit deinem Gewand und lege ihm deine Schärpe um.
Ich übergebe ihm dein Amt,
und er wird für die Einwohner Jerusalems und für das Haus Juda ein Vater sein.
Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter.
Wenn er öffnet, kann niemand schließen;
wenn er schließt, kann niemand öffnen.
Ich schlage ihn an einer festen Stelle als Pflock ein;
er wird in seinem Vaterhaus den Ehrenplatz einnehmen.


Antwortpsalm am 21. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 138,1-3. 6. 8.

Herr, deine Huld währt ewig.
Lass nicht ab vom Werk deiner Hände! - R
Ich will dir danken aus ganzem Herzen,
dir vor den Engeln singen und spielen;
ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin
und deinem Namen danken für deine Huld und Treue. - (R)

Denn du hast die Worte meines Mundes gehört,
deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.
Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief;
du gabst meiner Seele große Kraft. - (R)

Der Herr ist erhaben;
doch er schaut auf die Niedrigen
und die Stolzen erkennt er von fern.
Der Herr nimmt sich meiner an.
Herr, deine Huld währt ewig.
Lass nicht ab vom Werk deiner Hände! - R


2. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 11,33-36

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen,
wie unerforschlich seine Wege!
Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?
Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
Wer hat ihm etwas gegeben,
so daß Gott ihm etwas zurückgeben müßte?
Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung.
Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.



Das 11. Kapitel des Römerbriefs beschreibt die Spannung zwischen dem ersten auserwählten Volk Gottes und dem neuen Volk Gottes. Paulus weiß sich beiden verpflichtet und wünscht sich für allen Heil. Bei allen Versuchen, die er selbst unternimmt, wird deutlich: Heil wirkt kein Paulus, sondern Gott selbst. Hat Paulus bis Röm 11,32 noch an der Diskussion über die Frage der Errettung teilgenommen, setzt mit Röm 11,33 plötzlich einen Lobpreis ein. Er dokumentiert so das Ende der Diskussion. Weil Gottes Größe sich in der Rettung zeigt, kann sie besungen werden.


Die zweite Lesung des kommenden Sonntags ist als Lobpreis das Ende jener Gedankengänge, die Paulus in den ersten elf Kapiteln des Römerbriefes entwickelte. Darin kamen die wundersamen Wege Gottes in der Geschichte zur Darstellung, es wurde von der Treue Gottes angesichts der Sünde gehandelt, vom neuen Leben der an Christus Glaubenden und vom Verhältnis Juden-Christen. Unser Text preist in hymnischer Weise Gott, der sich als souveräner Herr dieser Geschichte erweist.


Ruf vor dem Evangelium am 21. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt 16,18

Halleluja. Halleluja.
Du bist Petrus - der Fels -,
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen,
und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Halleluja.


Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 16,13-20 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit,
als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam,
fragte er seine Jünger:
Für wen halten die Leute den Menschensohn?
Sie sagten:
Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija,
wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete:
Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
Ich aber sage dir:
Du bist Petrus,
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen,
und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird auch im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird auch im Himmel gelöst sein.
Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, daß er der Messias sei.



"Weitere Taten - Belehrung der Jünger" steht als Überschrift über Mt 13,54 - 17,27, darin auch der Text dieses Sonntags. Mt 16,1-12 kennt die Warnung vor Sadduzäern und Pharisäern, in Mt 16,21 beginnt die erste Leidensankündigung. Dazwischen stehen die Verse von heute. Das Bekenntnis des Petrus steht so deutlicher gegen die Leugnung des messianischen Anspruchs durch die Gegner Jesu. Sie werden auch ihn verfolgen und Leid verursachen, aber das Bekenntnis des Petrus und sein Amt bleiben bestehen. In der Antwort Jesu auf das Bekenntnis des Petrus reagiert Jesus auf die Gottessohnschaft und erweitert somit das, was sich mit der messianischen Hoffnung verbindet. Später (Vers 21) ist es dann genau die messianische Seite Jesu, von der die Jünger nicht sprechen sollen. Zugleich geht er mit dem Stichwort der Binde- und Lösegewalt einen neuen Weg, der sich in der österlichen Begegnung des Johannes noch einmal findet. Auf Mt 16,18f berufen sich alle Kirchenväter in ihrer Begründung des Primats der römischen Kirche. Dies lässt vermuten, dass es sich bei diesem Text nicht um eine lückenlose Überlieferung handelt, sondern um eine Komposition, um einen Anspruch begründen zu können.


Die vorliegende Perikope ist der Abschluss des ersten großen Teils des Matthäus-Evangelium, der zweite Teil neigt sich bereits der Passionsgeschichte zu (vgl. Mt 16,21). Der Text gehört zu jenen, die am meisten in der neutestamentlichen Exegese diskutiert wurden. Der Abschnitt, dem als Vorlage Mk 8,27-30 dient, ist in drei durchkomponierte Teile gegliedert: das Jüngergespräch, die Rede an Petrus, die Schlussmahnung. Der Jesus-Rede wird eine Kernposition beigemessen: Sie ist gegliedert in eine Seligpreisung, - die einzige mit namentlicher Anrede, und zwei Verheißungen: das Fels-Sein und die Löse/Binde-Gewalt im Himmel und auf der Erde. Die Exegese geht davon aus, dass diese Rede Jesu aus dem Umfeld des Matthäus kommt. Sie soll die Schlüsselposition dessen festigen und verdeutlichen, der auch sonst der erste der Jünger war, so etwa als Osterzeuge (1Kor 15,5). Ein guter Überblick über die Diskussion findet sich bei Gnilka, Matthäusevangelium. Wirkungsgeschichtlich dient die Verheissung 16,18f als Fundament der Begründung des Vorrangs des Bischofs von Rom als Nachfolger des Petrus vor allen anderen Bischöfen. Es lässt sich auch hier eine kontroverse Diskussion ausmachen. Im weiteren Verlauf des Matthäusevangeliums ist etwa zu finden, dass die Löse/Binde- Gewalt auch einem Kollegium von Christen übertragen wurde und nicht nur bei einem Einzelnen angesiedelt war (18,18).


Die Evangelienperikope des nächsten Sonntags markiert einen Wendepunkt im Wirken Jesu, so wie es im Matthäus-Evangelium dargestellt wird: Jesus widmet sich, nachdem er zunehmend auf Unverständnis im Volk gestoßen ist, vornehmlich seinem Jüngerkreis. Das Messiasbekenntnis des Petrus (Vers 16) ist nach dem Urteil der modernen Exegese als solches kein authentisches Wort des Apostels. Es macht aber deutlich, daß das Auftreten Jesu messianische Erwartungen (Messias, griechisch: Christus, heißt übersetzt "Gesalbter" und meint den endzeitlichen Heilsbringer) geweckt haben muß, wie sie schon in den Verheißungen des Alten Testaments vorkommen. Das hat es den Aposteln ermöglicht, Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung als den Messias zu verkünden. Ebenso entspricht die Verheißung Jesu für Petrus (Verse 18-19) ganz den nachösterlichen Vorstellungen von der Verbindung Christi mit seiner Kirche. Wirkungsgeschichte: Seit dem 4. Jahrhundert und ganz besonders im vorigen Jahrhundert wurde unser Text in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, also des Papstes, verwendet.