18.10.2017

Kontexte 17.09.2017


Vergebungsbereitschaft

Aus: Augustin Schmied, Farben des Anfangs. Jesus und seine Botschaft. Biblische Betrachtungen. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2015.


Auf dem Hintergrund seiner Botschaft vom gütigen und barmherzigen Gott und Vater erwartet Jesus, dass die Glaubenden ihrerseits bereit sind, einander zu vergeben (vgl, Mt 5,44f.48; 6,12-15; 18,21-35). Besonders pointiert ist dieser Zusammenhang von göttlicher und zwischenmenschlicher Vergebung im Gleichnis vom „unbarmherzigen Gläubiger“ dargestellt (Mt 18.23-35).93 Da wird einem „Diener“ von seinem „Herrn“ eine Riesenschuld erlassen. Der so Geschonte und Beschenkte geht nun aber ungemein lieblos und erbarmungslos mit einem seiner Kollegen um. Das veranlasst dann den Herrn zu einem schonungslosen Eintreiben der Summe, die ihm der erste Diener schuldig war. „Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater mit jedem von euch verfahren, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt“ (Mt 18,34f).

Ist das zuletzt zitierte Jesuswort nicht eine zu unbarmherzige Drohung, wenn man bedenkt, wie schwer es unter Umständen sein kann zu verzeihen?

Da ist ein Mann, dessen 18-jähriger Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Verursacht wurde der tödliche Unfall durch einen 21-Jährigen, der unter Alkohol am Steuer gesessen hatte. Der Vater des Toten war lange Zeit nicht in der Lage, dem Unfallfahrer zu verzeihen, obwohl dieser ihm gesagt hatte, wie unglücklich er selber sei, weil ihm das passiert ist. Könnte man diesen Vater verurteilen, weil er noch nicht vergeben konnte? Verzeihen ist schwer, wenn einem großes Leid zugefügt wurde (selbst wenn das nicht beabsichtigt war). Könnte das nicht auch der „himmlische Vater“ verstehen? Warum dann das angedrohte schreckliche Strafgericht?

Schauen wir uns nochmals das Gleichnis an. Beim ersten Diener geht es um eine riesige Schuldsumme: zehntausend „Talente“. Ihm ist sein Kollege, der andere Diener, nur 100 Denare schuldig. Kein Vergleich mit der ersten Summe! Umgerechnet stünden 60 Millionen Euro ganze 100 Euro gegenüber! Doch der, dem 60 Millionen erlassen wurden, hat kein Erbarmen mit dem, der ihm 100 Euro schuldet. Er fordert die sofortige volle Rückzahlung. Diese Unbarmherzigkeit macht seine Kollegen traurig - und ihren Herrn wütend. Der fordert nun ebenfalls ungerührt die volle Rückzahlung.

Die Geschichte ist von Jesus bewusst überscharf gezeichnet worden. Vergebung ist für Jesus eben eine ernste und wichtige Sache. Ohne Vergebungsbereitschaft ist unser Verhältnis zu Gott gestört. Ohne den Willen zur Vergebung kann es auch kein stabiles und gesundes Zusammenleben der Menschen geben. Jesus will uns aber nicht entmutigen. Deshalb stellt er uns zuerst die grenzenlose Geduld und Vergebungsbereitschaft Gottes vor Augen. Das soll uns zu einem barmherzigen Verhalten motivieren.
Wir dürfen im Sinne Jesu an einen Vergebungswillen Gottes glauben, der alles übersteigt, was wir von uns aus erwarten können. Gott ist kein strafsüchtiger Schuldverfolger. Barmherzigkeit prägt sein tiefstes Wesen. Er will dem, der schuldig geworden ist, helfen, auf einen neuen Weg zu kommen.



Schuldnerberatung

Aus: Augustin Schmied, Farben des Anfangs. Jesus und seine Botschaft. Biblische Betrachtungen. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2015.


Ohne Job schnappt Schuldenfalle zu

Arbeitslosigkeit ist laut Kreditschutzverband die zweithäufigste Ursache für eine Privatpleite. An erster Stelle liegen ehemalige Unternehmer.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5079432

Schuldnerberatung

Scheitern darf laut Erste-Group-Vorstand Bosek nicht stigmatisiert werden. Er hat einen Tag in der Schuldnerberatung verbracht. Eine große Schuldenfalle ist die Selbstständigkeit.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5211439/



Vergebung

Aus: Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2012.


In der Antike galt die Vergebung im Sinne des Verzeihens als Tugend der Könige, sie ist Großmut, welche Souveränität voraussetzt. Wirklich vergeben kann nur Gott. »Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?« (Lk 2,7). So ist Vergebung nur möglich in der Kraft und der Vorgabe der Heilstat Gottes in Christus (Röm 3,25f). Sie ist nur möglich im Licht der Aussage, dass auch Gott uns mit sich versöhnt hat, als wir noch seine Feinde waren (Röm 5,10). Nach dem Vorbild Gottes sollen auch wir verzeihen: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir einander vergeben« (Mt 6,12; Lk 11,4). Als solche ist sie aber auch nötig. Deshalb gilt: »Vergebet einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat« (Eph 4,32). »Wie der Herr euch vergeben hat. so verpebt auch ihr!« (Kol 3,13)



»Wie auch wir vergeben unseren Schuldigem«

Aus: Kardinal Carlo M. Martini, Die Bergpredigt. Ermutigung zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2011 (2006).


»Vergib uns unsere Schuld.« Vielleicht scheint es uns so, als ob wir uns diese Bitte doch recht leicht zu eigen machen könnten. Ich habe jedoch viele Menschen kennen gelernt, die um Vergebung der Schuld gebeten haben, aber nicht bis auf den Grund ihrer Seele selbst daran glauben konnten und deshalb immer noch voller Verwirrung und Bitterkeit waren, niedergedrückt von der Last ihrer Schuld. Sie konnten nicht daran glauben, dass Gott uns die Sünden restlos und ganz vergibt, weil er der Barmherzige und Großzügige ist. Wir sind eingeladen, einmal darüber in Ruhe nachzudenken, ob wir wirklich die Gewissheit empfinden, dass Gott uns vergibt und dass er es auf königliche Weise tut.

»Wie auch wir vergeben unseren Schuldigem.« Manchmal erscheint es uns so, als hätten wir keine Feinde und auch keine Schuldner, als schuldeten wir niemandem etwas und umgekehrt. Wenn wir aber unser Gewissen einmal ernsthaft erforschen, dann stoßen wir auf eine geheime Bitterkeit, zum Beispiel gegenüber Menschen, von denen wir Achtung, Aufmerksamkeit, Zuwendung erwartet hätten und die uns enttäuscht haben - Vorgesetzte innerhalb der Kirche, Freunde, sogar die eigenen Eltern. Viele Menschen merken gar nicht, welche Gefühle der Bitterkeit, der Unzufriedenheit, des Grolls sie in ihrem Herzen hegen - Gefühle, die dann in schweren, schmerzhaften Momenten aus ihnen hervorbrechen und zu einer Explosion von Klagen und Vorwürfen führen, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten.



Wo warst Du?

Aus Theresia Hauser, Du bist nahe, Sich betend erinnern. Schwabenverlag, Ostfildern 1996.


Wenn ich mich zu ihnen setze
hör ich sie reden
was andere ihnen Schlimmes angetan
Enttäuscht und bitter
sehen manche auf ihr Leben
in ihren alternden Jahren
Verletzte Gefühle
angestaut aus uralten Konflikten
mit Wurzeln im Kindesalter
treiben heute noch Gallenkraut
Sie verschaffen sich Luft

Ich frage Dich
mein Gott
wo warst Du im Leben dieser
Menschen?
Sie berufen sich auf Dich
Wo warst Du im erlittenen Kummer
in den enttäuschten Hoffnungen
den durchkreuzten Plänen
in ihrem Mißachtet- und Verlassensein?

Wo bist Du jetzt
zwischen all den sie Kränkenden?
Wer verteilt unter ihnen
Recht und Unrecht?

Könnten wir es doch Dir überlassen

Mein Gott
schenke mir und allen alternden
Menschen
daß wir uns mit dem Leben
versöhnen können
so wie es war

Laß uns unsere Ganzheit finden
unter dem Blick Deiner Liebe



Iran: Säureopfer verzichtet auf Rache

© DiePresse.com - 31.07.2011 | 18:18 | (Die Presse)



Größer als unser Herz

Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen. Bernardus Verlag, Aachen 2009.



Vergeben und Versöhnen

Aus: Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.



Vergessene Schulderfahrung

Aus: Karl Kardinal Lehmann, Frei vor Gott. Glauben in öffentlicher Verantwortung. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2003.