21.09.2017

Lesungen 06.08.2017


1. Lesung vom Fest der Verklärung des Herrn:
Dan 7,9-10. 13-14

Lesung aus dem Buch Daniel:

Ich, Daniel, sah in einer nächtlichen Vision:
Throne wurden aufgestellt,
und ein Hochbetagter nahm Platz.
Sein Gewand war weiß wie Schnee,
sein Haar wie reine Wolle.
Feuerflammen waren sein Thron,
und dessen Räder waren loderndes Feuer.
Ein Strom von Feuer ging von ihm aus.
Tausendmal Tausende dienten ihm,
zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm.
Das Gericht nahm Platz,
und es wurden Bücher aufgeschlagen.
Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen:
Da kam mit den Wolken des Himmels
einer wie ein Menschensohn.
Er gelangte bis zu dem Hochbetagten
und wurde vor ihn geführt.
Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen.
Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft.
Sein Reich geht niemals unter.



In Dan. 7 wird ein prophetisches Traumbild überliefert. Daniel sieht in den Himmel. Er nimmt die Bewegung wahr: Throne werden aufgestellt, ein „Alter“ nimmt Platz und eine nicht mehr überschaubare Menge ist auf ihn gerichtet. Es ist eine Gerichtsszene. Besonders auffällig ist die Beschreibung des „Alten“: er ist rein, geläutert und verzehrend zugleich. Vor dem Feuer können die Mächte, die Geschichte machen, nicht bestehen. Die Macht wird den Herrschern der Welt genommen und dem „Menschensohn“ übergeben, der – so VV 13-14 – mit den Wolken des Himmels kommt. Ihm werden Herrschaft, Würde und Königstum gegeben, alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Die entscheidenden Worte, die einander bedingen, sind: „Ihm“ (allein) und „alle“. Es gibt keine Sonder-, Parallel- oder Ausnahmewelten. Durch die Auslegung der Evangelien ist im „Menschensohn“ menschliche Niedrigkeit und göttliche Hoheit verbunden, er gehört zur menschlichen und göttlichen Sphäre gleichermaßen, ist von Gott jedoch unterschieden. In dem doxologischen Schluss des Herrengebetes „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ wird die himmlische Szene auf Gott hin, der als Vater angerufen wird, durchsichtig. Wirkungsgeschichtlich ist zu bedenken, dass die – apokalyptische – Sicht des Daniel das Gottesbild nachhaltig geprägt hat: der alte Mann über den Wolken geistert nicht nur durch manche Kindervorstellung. Was die Lesung jedoch sehr deutlich macht, ist, dass hier ein Richter Platz nimmt, der rein ist. Der Blick auf den „Alten“ legt auch offen, dass er die Reiche kommen und gehen sah: Jetzt geht es nicht mehr weiter. Ein Strom von Feuer geht von ihm aus! Inhaltlich gehört Dan. 7 eng mit Dan. 2 zusammen. Daniel fasst die „ganze“ Weltgeschichte in vier Reichen zusammen, die aufeinander folgen. Aber nicht der historische Ablauf, sondern die Gegenüberstellung zum Reich Gottes weist die Weltgeschichte als dämonisch aus. In seinem prophetischen Traumbild wird das „Ende der Geschichte“ antizipiert.


Die überaus dichte Bilderwelt, mit der Daniel seine Vision zu beschreiben versucht, spricht unmittelbar an – und lässt neue Bilder entstehen. Im Kreis der Propheten ist Daniel der Apokalyptiker: Er enthüllt die Zukunft, verbirgt sie aber gleichzeitig. Für Berechnungen gibt er keine Anhaltspunkte. Aber seine Botschaft öffnet historische und biographische Situationen. Daniel sieht den Auftakt eines großes Prozesses. Angeklagt sind die Weltreiche. Für das kleine gedemütigte Israel, ein Schatten seiner selbst, sieht Daniel in einem himmlischen Panorama die dämonischen Mächte, die sich in der Weltgeschichte manifestieren, abgeurteilt und überwunden. Der Richter, der schon das letzte Wort bei der Schöpfung hatte (und als „Hochbetagter“ erscheint), ist rein. Sein fahrbarer Thron ist Feuer. Dieses Motiv findet sich auch in altorientalische Darstellungen: Gott ist unnahbar rein. Von den Urgewalten ist es besonders das Feuer, das ihn begleitet. Er/es verzehrt alles. Daniel sieht in einer „nächtlichen Vision“ eine Gestalt, die sich jeder Beschreibung und Festlegung entzieht: „einer wie ein Menschensohn“. Er kommt mit den Wolken. Ihm wird die Macht über alle Völker, Nationen und Sprachen gegeben. Sein Reich ist ewig. Versuchen, dieser Gestalt ein Gesicht und einen Namen zu geben, hat Daniel keine Chance eingeräumt. Die Formulierungen aber finden sich, immer wieder neu variiert, im neutestamentlichen Christusbild. Nur Jesus erscheint dort als Menschensohn, der viel leiden muss – der Christushymnus in Phil. 2:5-11 bringt größte Erniedrigung und höchste Macht zusammen. Die Apokalypse des Johannes, am Ende des neutestamentlichen Kanons, tritt in das Erbe Daniels ein. Zentral ist bei Johannes das Lamm, das würdig ist, Herrschaft, Ruhm und Herrlichkeit zu übernehmen. Die Erlösten bekommen weiße Gewänder – und haben so Anteil an Gottes Reinheit und Klarheit.


Dieser Text stellt uns das „Herzstück" des Buches Daniel vor. Der Prophet stellt die Weltgeschichte dem Reich Gottes gegenüber. Der „Hochbetagte" als Vorsitzender des Gerichtshofes ist niemand anderer als Gott selbst. Das Alter und das weiße Gewand, wie es auch die Priester trugen, machen feierlich und ehrwürdig. Licht und Feuer begleiten die Gotteserscheinung. Die Verhandlung wird nicht beschrieben, sondern nur die Eröffnung. Der „Menschensohn", der mit den Wolken des Himmels kommt, ist gemäß der Erklärung des Engels (Dan 7,18) Sinnbild für die Gesamtheit der „Heiligen des Höchsten", also ein Bild für das Kollektiv aller Auserwählten. Andererseits kündet er aber auch den „Menschensohn" der Verkündigung der Evangelien an, „der mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen wird" (Mk 13:26). Der damit verknüpfte Gedanke der Weltherrschaft ist messianisch. Der „Menschensohn" wird im Mund Jesu zur Bezeichnung des göttlichen Messias, der seinem Wesen nach nicht irdischer Natur ist.


Antwortpsalm am Fest der Verklärung des Herrn
Ps 97,1-2. 5-6. 8-9

R Der Herr ist König,
er ist der Höchste über der ganzen Erde. – R


Der Herr ist König. Die Erde frohlocke.
Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel,
Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns. - (R)

Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn,
vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt.
Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel,
seine Herrlichkeit schauen alle Völker. - (R)

Zion hört es und freut sich,
Judas Töchter jubeln, Herr, über deine Gerichte.
Denn du, Herr, bist der Höchste über der ganzen Erde,
hoch erhaben über alle Götter. - R


2. Lesung vom
Fest der Verklärung des Herrn:
2 Petr 1,16-19

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Petrus:

Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt,
als wir euch die machtvolle Ankunft
Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten,
sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.
Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen;
denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit,
die zu ihm sprach:
Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Gefallen gefunden habe.
Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört,
als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.
Dadurch ist das Wort der Propheten
für uns noch sicherer geworden,
und ihr tut gut daran, es zu beachten;
denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint,
bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.



2. Petr. 1,17-18 legt die Verklärungsgeschichte aus: Jesus hat Ehre und Herrlichkeit empfangen, er ist der geliebte Sohn – und „wir“, formuliert der Briefschreiber, haben nicht nur die Stimme gehört, sondern auch „seine“ Macht und Größe gesehen. Hier spricht ein Augen- und Hörzeuge. Welche Bedeutung hat dieses Zeugnis? Erstens sind „wir“ nicht klugen, aber ausgedachten Geschichten gefolgt, zweitens ist das Wort der Propheten noch sicherer geworden. 2 Petr. 1,16-19 stellt so heraus, dass die Verkündigung der Ankunft Jesu Christi gut begründet und verlässlich ist. Hat es da Zweifel, Bedenken, Einreden gegeben? Jedenfalls endet die Lesung mit einem Ausblick auf den anbrechenden Tag und dem aufgehenden Morgenstein „in euren Herzen“. Beide Bilder sind eschatologisch geprägt. Bezogen auf die Evangelienüberlieferung ist 2 Petr. 1,17-18 allerdings gänzlich auf Ehre und Herrlichkeit, Macht und Größe bezogen. Das erste Evangelium – Markus – legt aber die Leidensweissagung aus, erzählt bescheiden von einem strahlend weißen Gewand und stellt die Stimme in den Vordergrund: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören“. Der Augen- und Hörzeuge Petrus legt das in seinem Brief pointiert aus.


Petrus führt sich als Augenzeuge (und damit als Autorität) ein, um für die Wahrheit der Verkündigung einzustehen. Klug ausgedachten und erzählten Geschichten steht die Erfahrung gegenüber, die „Stimme der erhabenen Herrlichkeit“ gehört zu haben. Ob es entsprechende Vorwürfe und Einreden gegeben hat? Die Forschung nennt Briefe „echt“ oder „nicht echt“. Ihr Kriterium ist, ob der Verfasser der ist, der er zu sein vorgibt oder ob er „nur“ im Windschatten eines großen Namens segelt. Für die Botschaft selbst trägt diese Frage nicht viel aus. Der „unechte“ Petrus bezieht sich auf das Evangelium von der Verklärung und legt es so aus, dass das „Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden“ ist und als Licht erscheint, das die Durststrecke bis zu dem „Jüngsten Tag“ hell macht. Betont stellt der 2 Petr aus dem Evangelium die Szene heraus, in der die drei Jünger Augenzeugen der Verklärung und Hörzeugen der himmlischen Stimme wurden. Diese Zeugenschaft begründet und rechtfertigt, die machtvolle Ankunft Jesu Christi zu verkünden. In dem herausgehobenen dreifachen „wir“ (wir verkündigten, wir waren Augenzeugen, wir hörten …) werden Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit unterstrichen. Das Evangelium wird als bekannt vorausgesetzt? 2 Petr ist mehr ein Lehrschreiben als ein Brief, aber er hat Menschen vor Augen, die nicht nur weit weg sind von dem „heiligen Berg“, sondern sich auch Zerreißproben und Zweifeln ausgesetzt sehen. Dass der „Morgenstern aufgeht“, ist für 2 Petr eine Folgerung aus dem Evangelium von der Verklärung. 2 Petr ist ein Kronzeuge, wie das von den Synoptikern erzählte Evangelium in einem neuen Kontext zur Sprache kommt und für Klarheit sorgt.


In dieser Textstelle wehrt sich der Verfasser des Zweiten Petrusbriefes zunächst gegen die Vorwürfe, das das, was von der Wiederkunft Christi erzählt werde, schlau ausgedachte Mythen oder bewusst betrügerische Erfindung sei. Menschen unserer Zeit, die die Parusie leugnen, sprechen von einer Lehre, die der menschlichen Sehnsucht entgegenkommt, der aber in der Wirklichkeit nichts entspricht. Die Apostel, einschließlich Petrus, legen Wert darauf, dass sie Augenzeugen der Herrlichkeit Christi bei der Verklärung geworden sind und nur berichten, was sie selbst gesehen haben. Die "Stimme", die über Jesus sprach, kam von Gott selbst. Darin liegt der Grund für die Macht und Herrlichkeit Jesu. Er ist der geliebte Sohn Gottes, die Herrlichkeit Gottes ist auch die Herrlichkeit Jesu. Erst durch das Wort des Vaters war es den Jüngern möglich, das geheimnisvolle Ereignis zu verstehen. Durch das Wort Gottes erfahren wir den Sinn der Geschichte, auch der Geschichte unseres eigenen Lebens. Die Apostel sind "Ohrenzeugen". Sie hörten die Stimme und sie sahen mit ihren Augen die Herrlichkeit Gottes. Auch wir müssen hören und sehen: auf das Evangelium, die Verkündigung der Kirche, aber auch das Antlitz unserer Mitmenschen. Nur so können wir Ansatzweise etwas von der Herrlichkeit Gottes erfahren und zuversichtlich an die Wiederkunft Christi glauben. Das prophetische Wort, das in der Hl. Schrift aufbewahrt ist, ist für uns das "Licht", das "an einem finsteren Ort" - in unserer Welt - scheint Wir aber brauchen dieses Licht, "bis der Tag anbricht" und alle Finsternis ein Ende hat. Mit der Ankunft Christi wird seine Herrlichkeit auch unser Innerstes durchleuchten.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Verklärung des Herrn
(vgl. Mt 17,5)

Halleluja. Halleluja.
Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.


Evangelium vom Fest der Verklärung des Herrn, 6. August,
Lesejahr A: Mt 17,1-9

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit
nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg.
Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;
sein Gesicht leuchtete wie die Sonne,
und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.
Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija
und redeten mit Jesus.
Und Petrus sagte zu ihm:
Herr, es ist gut, daß wir hier sind.
Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Noch während er redete,
warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie,
und aus der Wolke rief eine Stimme:
Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Gefallen gefunden habe;
auf ihn sollt ihr hören.
Als die Jünger das hörten,
bekamen sie große Angst
und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.
Da trat Jesus zu ihnen,
faßte sie an und sagte:
Steht auf, habt keine Angst!
Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus:
Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.



Mt. 16 ist durch das Christusbekenntnis des Petrus geprägt, aber mehr noch von der Leidensansage Jesu. Dass der Weg Jesu noch nicht vollendet ist, drückt sich in der Einleitung Mt. 17,1 aus: Sechs Tage danach. Der siebte steht noch aus. Die Offenbarung Jesu, die in der Verklärungsgeschichte erzählt wird, stellt nicht nur ihn ins Licht, sondern auch und gerade seine Jünger, hier vertreten durch Petrus, Jakobus und Johannes. Ins Licht gestellt werden, heißt: den Berg hinabsteigen und den Weg Jesu mitgehen. Auf dem Berg ist kein Verweilen möglich. Erschienen sind plötzlich Mose und Elija. Sie reden mit Jesus. Worüber sie reden, verschweigt das Evangelium. Ob sie Jesus für seinen Weg stärken? Die Geschichte Gottes mit seinem Volk repräsentieren, ihr Gesichter geben? Das Evangelium ist in mehrfacher Hinsicht offen: Warum geht Jesus auf einen hohen Berg? Warum nimmt er Petrus, Jakobus und Johannes mit? Was erwartet er eigentlich? Und woher kennt Petrus Mose und Elija? Auf diese Fragen wird es keine Antworten geben, aber Spuren: Auf dem Sinai offenbarte sich Jahwe (Ex 33, 18-23; 1 Kön 19, 9-13) Mose und Elija. Sie nehmen Jesus in ihre Mitte. Jesus wird aber herausgehoben. Eine leuchtende Wolke, die schon für Israel Gottes Gegenwart symbolisierte und verbarg, überschattet die Gruppe. Aus der Wolke ruft eine Stimme: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe, auf ihn sollt ihr hören". Auch Mose und Elija? Herausgehoben aber Petrus, Jakobus und Johannes. Von ihnen wird überliefert, dass sie große Angst bekommen. Das Fallen auf die Erde gehört zu jeder Gottesoffenbarung. Jesus hebt seine Jünger auf. Das erste, was zu hören ist, ist: Steht auf, habt keine Angst. Die Jünger sehen dann auch nur noch Jesus. Nach der Verklärung ist der Blick der Jünger jetzt klar Die Verklärungsgeschichte endet mit dem Abstieg. Das ist zwar auch dem hohen Berg geschuldet, aber mehr noch dem Leidensweg Jesu. Die Szene auf dem Berg ist Offenbarung und Vergewisserung. Fragen wir nach Gesten, sticht die Geste besonders hervor, in der Jesus seine Jünger aufhebt. Dass die Verklärungsgeschichte Jesu österliche Züge trägt - man lese die Auferstehungsgeschichte bei Mt. - ist nicht zufällig. Mt. 17,1-9 stellt eine Brücke dar zwischen der Taufe Jesu und seiner Auferstehung: Mt. 3,16f: Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Mt. 28,16-20 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Die Verklärungsgeschichte Jesu wird in 2. Petr. 1,16-19 neu angeeignet und vergewissert. Im Hintergrund des 2. Petrusbriefes steht eine verunsicherte und angefochtene Gemeinde. Ein Blick auf die Geschichte des Festtages hilft, die Verwicklungen und Untiefen wahrzunehmen: Der Armenische Bischof Gregor Arsharuni berichtete im 7. Jahrhundert, Gregor der Erleuchter habe dieses Fest Anfang des 4. Jahrhunderts eingesetzt anstelle des heidnischen Festes "Vartavarh", einem Rosenblütenfest, mit dem Aphrodite verehrt wurde. Die Armenische Kirche feiert das Fest am 7. Sonntag nach Trinitatis als eines ihrer Hauptfeste, ebenso ist es eines der wichtigsten Feste in der syrischen Kirche. Die Orthodoxen Kirchen feiern am 6. August. In der katholischen Kirche wird das Fest erstmals um 850 erwähnt, ab dem 10. Jahrhundert hat es sich ausgebreitet und wird meist auch am 6. August begangen. Papst Callistus III. ordnete 1456 das Fest für die ganze Kirche an in Erinnerung an den an diesem Tag errungenen Sieg über die Türken bei Belgrad. (http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?Kalender/Verklaerung_Jesu.html) Mit der politischen Vereinnahmung des Evangeliums hat sich die Kirche selbst verklärt, den Weg nach unten (Mt. 17,9) aber aus den Augen verloren. Damit war die Verklärungsgeschichte in ihr Gegenteil verkehrt. (Vgl.: http://www.perikopen.de/Gedenktage/Verklaerung_A_Mt17_1-9_Wussow.pdf)


Die Szene der Verklärung (17,1-8) folgt der Jüngerbelehrung über die Kreuzesnachfolge. Vers 2: Die Verklärung ist keine Verwandlung; Jesus wird hier gezeigt als Anführer auf dem Weg zur Vollendung; ein Weg, auf den die Jünger (und damit auch wir) eingeladen sind. Vers 3: Elija und Mose repräsentieren Gesetz (Mose) und Propheten (Elija); Jesus ist die Erfüllung von beidem! Vers 4: Der Vorschlag des Petrus, Hütten zu bauen, zeigt das Verlangen, das Endgültige festzuhalten. Vers 5f zeigt die Dimension Jesu an: aus der Wolke (Gegenwart Gottes) erfolgt die Bestätigung Jesu als Sohn Gottes (vgl. Taufe Jesu). Damit wird auch die Jüngerbelehrung ("Der Sohn Gottes muß leiden ...") bestätigt; Jesu Weg nach Jerusalem und auf das Kreuz zu sind im Sinne Gottes. Vers 7f führt in die irdische Wirklichkeit zurück. Christus ist hier der Vollendete, der zur Vollendung führt - dies ist seine Aufgabe als Sohn Gottes. Der Berg als Ort Gottes ist dem Evangelisten Matthäus wichtig (4,8; 17,1; 28,16). Die Erzählung steht im Kontext des Sterbens Jesu (16,21f.25; 17,12) und spricht von der Überwindung des Todes. Vers 9 gehört eigentlich zum folgenden (Schweigegebot; Frage über Elija) und könnte weggelassen werden, da bei Matthäus das Schweigegebot keine besondere Funktion hat.


Die Begebenheit, die uns als "Verklärung Jesu" geschildert wird, zielt auf die österliche Erfahrung von der himmlischen Hoheit Jesu. Jetzt schon sehen die Jünger Jesus in der Herrlichkeit seine Auferstehungsleibes. Das, was die Jünger erfahren haben, liegt jenseits historischer Nachprüfbarkeit. Ist es deshalb aber weniger wirklich? Der Text enthält viele alttestamentliche Anspielungen. So ist der Berg im Alten Testament der klassische Ort der Gottesbegegnung, besonders im 24. Kapitel des Buches Exodus, wo vom Erscheinen Gottes auf dem Berg Sinai erzählt wird. Das Motiv der Wolke kommt ebenfalls dort vor und ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes. Die Wolke führt das Volk Israel aber auch bei seiner Wanderung durch die Wüste. Mose und Elija sind zwei herausragende alttestamentliche Gestalten. Im Verständnis unseres Textes sind sie Repräsentanten der Himmelswelt, Teilhaber an der himmlischen Herrlichkeit. Am Höhepunkt des Evangeliums wird Jesus wie schon bei seiner Taufe als der geliebte Sohn Gottes proklamiert. Die Forderung, auf ihn zu hören, wie auch die vielen Hinweise auf das Alte Testament wollen sagen: In ihm ist der vom Volk erwartete Prophet der Endzeit, der authentische Interpret Gottes erschienen.