27.06.2017

Lesungen 06.01.2009


1. Lesung vom Fest der Erscheinung des Herrn:
Jes 60,1-6

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Auf, werde licht, Jerusalem,
denn es kommt dein Licht,
und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
Denn siehe,
Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,
doch über dir geht leuchtend der Herr auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Blick auf und schau umher:
Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern,
deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
Du wirst es sehen,
und du wirst strahlen,
dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.
Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu,
die Schätze der Völker kommen zu dir.
Zahllose Kamele bedecken dein Land,
Dromedare aus Midian und Efa.
Alle kommen von Saba,
bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.



Der Teil des Jesaja-Buches, aus dem die heutige Lesung stammt wird 'Tritojesaja' genannt, womit angdeutet ist, dass nicht von einer Einheit des Buches, sondern von drei unterschiedlich entstandenen Teilen ausgegangen wird. Die Kapitel 60 bis Ende sind nach dem Babylonischen Exil entstanden. In diese Zeit fällt die Neublüte des Volkes Israel und vor allem auch der Stadt Jerusalem mit einem Tempel-Neubau. Die Tempelstadt ist in diesen Kapiteln des Jesaja-Buches direkt mit 'du' angesprochen. Die Worte der Perikope spiegeln die durch die gottgeschenkte Freiheit wiederentzündete Lebensfreude des Propheten und der Menschen.


Die Lesung ist dem Tritojesaja entnommen. Im Hintergrund steht die Heimkehr des in Babylon exilierten Volkes nach Jerusalem. Aber der neue Anfang wird nicht nüchtern erzählt, sondern in die helle und erhellende Perspektive der Geschichte Gottes mit seinem Volk gestellt. Am Anfang steht die Aufforderung, im Licht der kommenden Herrlichkeit Jahwes hell zu sein - ungeachtet der Finsternis, die über der Erde liegt. Jahwe selbst erscheint. Hier knüpft die prophetische Botschaft an die priesterschriftliche Schöpfungsgeschichte an: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht (Gen 1,1-3). Dem Volk Israel wird der 1. Tag der Schöpfung noch einmal geschenkt. Mit der Konsequenz: Völker wandern zu diesem Licht und Könige zu diesem strahlenden Glanz. Die (Welt)Geschichte wird in eine Schöpfungsgeschichte verwandelt. Israel, dezimiert, traumatisiert und deprimiert, erlebt, wie es sich in neuem Glanz sammelt und sogar die anderen Völker erhellt: als Zeichen für die ruhmreichen Taten Jahwes. Das Volk Israel bezeugt, dass Jahwe in seiner Herrlichkeit erscheint - und die Finsternis, die die Erde bedeckt, wird von Licht aufgebrochen. Das ist Hoffnung und Gewissheit in einem. Zum Neuanfang gibt es Weihrauch und Gold, Kostbarkeiten, die geradezu für verschwenderische Fülle stehen. "Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit." Die Überlieferung in Mt 2,1-12 knüpft unmittelbar an die prophetische Verheißung für Israel an. Nur: Gold, Weihrauch (und Myrrhe) werden von den Magiern dem neugeborenen König gebracht. Die antike und mittelalterliche Auslegung hat aus den Magiern in Anlehnung an Jes 60,1-6 Könige gemacht, bezogen auf die Gaben: "drei" Könige.


Der Text dieser Lesung ist vom Thema und der Gedankenführung her eng mit Jes 40 ff verbunden, ja nahezu verwandt. Jahwe holt nach der dunklen Zeit des babylonischen Exils (538 v. Chr.) sein Volk heim. Jerusalem wird zur herrlichen und glücklichen Stadt, während die heidnische Umwelt in Not und Elend liegt. Dies wird bildlich dargestellt durch "Licht" und "Finsternis". Die Herrlichkeit des Herrn ist so groß, dass alle Völker mit ihren Königen nach Jerusalem ziehen, um mit ihren Gaben dem Gott Israels zu huldigen; und der "Reichtum des Meeres", den diese Handelsvölker haben, ist gewaltig. Wie zu den Zeiten des Königs Salomon die Königin von Saba mit reichen Geschenken nach Jerusalem kam (vgl. 1 Kön 10), so werden auch jetzt große Karawanen aus dem nord- und südwestlichen Arabien kommen und Weihrauch und Gold mitbringen. Auch alle Israeliten, die weit verstreut in der Diaspora leben, werden kommen und die anderen Völker werden durch den Auftrag Jahwes für freies Geleit sorgen (vgl. Jes 49,22).


2. Lesung vom Fest der Erscheinung des Herrn:
Eph 3,2-3a. 5-6

Lesung aus dem Epheserbrief:

Ihr habt gehört,
welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis mitgeteilt.
Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt;
jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten
durch den Geist offenbart worden:
daß nämlich die Heiden Miterben sind,
zu demselben Leib gehören
und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben
durch das Evangelium.



Die vorliegende Perikope aus dem Epheser-Brief liest sich wie eine paulinische Beichte: Paulus anerkennt, dass die Heiden 'Miterben' sind - eine Haltung, die einzunehmen ihm die Entscheidungen des Apostelkonzils (44/49 n. Chr.) auferlegt haben, nachdem er selber lange vertreten hat, die Christen müssten zunächst nach dem Gesetz des Mose Beschnittene also Juden sein. Ob der Brief an die Gemeinde von Ephesos aus der Feder des Paulus stammt oder seinen Geist nur atmet, ist umstritten.


Die Lesungsperikope bildet einen kleinen Ausschnitt aus dem Zusammenhang von Eph 3,1-12. Darin geht es einmal um die Persönlichkeit des Apostels Paulus, zum anderen wird über die Adressaten des Epheserbriefes als ehemalige Heiden reflektiert. Hinzuweisen ist, daß der Epheserbrief ebenso wie der Kolosserbrief mit höchster Wahrscheinlichkeit von einem Apostelschüler, jedoch nicht von Paulus selbst stammen. Die Worte, die in diesen Briefen zu vernehmen sind, wurden dem Apostel in den Mund gelegt. Paulus erscheint in der Perikope zusammen mit anderen Aposteln und Propheten als Vermittler der Offenbarung des Geheimnisses Christi. Das ist sein ihm durch Gottes Gnade übertragenes Amt. Darin gehört er zum Fundament, auf dem die weitere kirchliche Verkündigung aufbaut. Zu dem genannten Geheimnis Christi bzw. zu dessen Konsequenzen gehört, daß die Heiden Anteil am Heil erlangen und zusammen mit den Juden in der Kirche vereint sein sollen. Es besteht kein Unterschied mehr zwischen dem auserwählten Volk und den Völkern, insofern sich diese zu Jesus Christus hinwenden. Mit dieser Aussage ist die Lesungsperikope auf die Evangelienstelle des Epiphaniefestes abgestimmt.


Die Briefempfänger dürften Paulus nicht persönlich gekannt haben; er geht aber davon aus, dass sie "gehört" haben, durch wessen Vermittlung die frohe Botschaft und damit das Heil zu ihnen gekommen ist. Für Paulus ist seine Berufung ein Gnadengeschenk, also etwas Unverdientes, das aus dem freien Entschluß Gottes auf ihn gekommen ist. Grundlage seines Apostolates ist die Offenbarung des "Geheimnisses Christi", die ihm zuteil geworden war. Erstaunlich ist, dass der Einzelgänger Paulus, der sich immer wieder auf die Besonderheit seiner Berufung bezieht, an dieser Stelle von zahlreichen "Aposteln und Propheten" spricht. Wie läßt sich das mit dem Berufsbewußtsein des Apostels vereinbaren? Ich denke, Paulus versteht sich zwar als der "Apostel der Heiden", aber diese Botschaft und ihre Verkündigung sind von so großer Bedeutung, dass der Überbringer selbst in den Hintergrund treten muss: Die Heiden sind "Miterben" - eigentlich "Miteinverleibte" - und Teilhaber an der Verheißung Jesu Christi. Paulus schafft für dieses völlig neue Geheimnis der Offenbarung ein neues Wort: griechisch "syssoma" - "Mitleib" - und wird mit dieser hart klingenden Bezeichnung bei seinen ersten Lesern wohl Erstaunen und Verwunderung ausgelöst haben.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom Fest der Erscheinung des Herrn:
Eph 3,2-6

Lesung aus dem Epheserbrief:

Ihr habt gehört,
welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis mitgeteilt,
das ich soeben kurz beschrieben habe.
Wenn ihr das lest, könnt ihr sehen,
welche Einsicht in das Geheimnis Christi mir gegeben ist.
Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt;
jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten
durch den Geist offenbart worden:
daß nämlich die Heiden Miterben sind,
zu demselben Leib gehören
und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben
durch das Evangelium.


Evangelium vom Fest der Erscheinung des Herrn:
Mt 2,1-12

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes
in Betlehem in Judäa geboren worden war,
kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
Wo ist der neugeborene König der Juden?
Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
Als König Herodes das hörte,
erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
Er ließ alle Hohenpriester
und Schriftgelehrten des Volkes
zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen,
wo der Messias geboren werden solle.
Sie antworteten ihm:
In Betlehem in Judäa;
denn so steht es bei dem Propheten:
Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich
und ließ sich von ihnen genau sagen,
wann der Stern erschienen war.
Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte:
Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist;
und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir,
damit auch ich hingehe und ihm huldige.
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her bis zu dem Ort,
wo das Kind war;
dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen,
wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
da fielen sie nieder und huldigten ihm.
Dann holten sie ihre Schätze hervor
und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Weil ihnen aber im Traum geboten wurde,
nicht zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.



Die Perikope zerfällt in zwei Teile: Da ist zum einen die Erzählung von den Fremden aus dem Orient auf ihrem Weg nach Bethlehem via Jerusalem. Darin eingeschlossen ist die Begegnung mit Herodes in Jerusalem, die den bald folgenden Kindermord einleitet und begründet. Der Weg der Fremden erinnert ein wenig an die altestamentliche Wallfahrt, die zu Pessach oder dem Laubhüttenfest den Juden empfohlen bzw. geboten war. So ziehen auch die Fremden herauf aus einer ganz anderen Welt, um anzudeuten, wie umspannend die Reichweite des neuen Retters ist. Der Stern, dem die Weisen folgten, hat seit je her Anlass zu Spekulationen gegeben, die ohne abschließende Erkenntnis geblieben sind. Die moderne Exegese geht von alttestamentlichen Rückgriffen aus - so heißt es etwa in Num 24,17: "Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen." Ein Hinweis auf die Geschenke findet sich in Jes 60,6: "Alle kommen von Saba, / bringen Weihrauch und Gold / und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn."


Mt 2,1-12 korrespondiert mit Mt 28, 18-20. Am Anfang des Evangeliums kommen die Magier als Vertreter der heidnischen Welt nach Bethlehem, am Ende des Evangeliums werden die Jünger in die Welt gesandt. Beide Texte rahmen das Evangelium und geben ihm eine universale Ausrichtung im "Kommen" und "Gehen". In beiden Fällen wird Gott als Handelnder offenbar. Die Erzählung hat einen kunstvollen Aufbau und verzahnt die politische Geschichte (Herodes) mit der durch den Stern initiierten Gottesgeschichte. Es ist also eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen spielt, aber in der Zeit verankert wird. Die Magier folgen nicht nur dem Stern, sondern fordern Herodes und seine (Hof)Theologen heraus, der Verheißung nachzugehen, die in Bethlehem den "Hirten meines Volkes Israel" hervorgehen sieht. Der Stern führt die Magier auf einen "Umweg" zur Krippe, um die politische und theologische Elite in das Geschehen einzubeziehen. Die Magier partizipieren auf diese Weise an der missio Dei. Werden sonst die Mächtigen hofiert und die Zentralen der Macht ins Licht gesetzt, wird die Anbetung an der Krippe sichtbar: Kniefall und Huldigung sind die Zeichen einer besonderen Wertschätzung und Würde, die hier dem neugeborenen König der Juden zuteil werden. Ihm "dargebracht" (= geopfert) werden die Schätze, die die Magier mitbringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Matthäus hat in einem Satz die Bedeutung Jesu herausgestellt und mit den Verheißungen - vgl. Jes 60 - verbunden. Mt 2,1-12 ist die matthäische Version der Weihnachtsgeschichte, die bis zum heutigen Tage die orthodoxe Tradition leitet. Eine besondere Bedeutung hat in dieser Geschichte der Stern, der aufgeht, führt und stehen bleibt. Dieser Dreiklang, nicht typisch für einen Stern, weist ihn als "Boten" des Himmels aus, der mit der Sternenkunde nicht sichtbar gemacht werden kann. Von der Anbetungsszene an der Krippe erschließt sich über den Umweg Jerusalem die Herkunft der Magier. Darüber hinaus weist der Stern den Blick in die Höhe. Wer ihm folgen will, muss von seinem Weg auch absehen und das Ungewohnte zulassen. Neben dem Stern sind es die unterschiedlichen Reaktionen, die die Geschichte gliedern. Herodes und "ganz Jerusalem" erschrecken - die Magier sind von "großer Freude" erfüllt.


Die Evangelienstelle von der Huldigung der Sterndeuter versagt sich der neueren Exegese zufolge dem Bemühen um eine genaue historische Interpretation. "Ihre Anziehungskraft", so betont etwa Joachim Gnilka, "liegt in ihrem legendarischen Charakter, und er sollte nicht rationalisiert werden". Legenden aber erhalten ihre Wirksamkeit nicht zuletzt von der Farbigkeit und den Kontrasten, mit denen verschiedene Personen oder Personengruppen geschildert werden. Daran kann eine Interpretation des Textes wichtige Anhaltspunkte finden. Die Haupthandlungsträger der Geschichte sind zweifellos die Sterndeuter. Weder werden ihr Name noch ihre Zahl noch ihre genaue Herkunft genannt. Sie werden als Heiden vorgestellt, die ein geheimnisvolles Wissen besitzen, welches sie aus der Beobachtung der Sterne beziehen. Den neuen Stern, den sie aufgehen haben sehen, vermögen sie auf den "König der Juden", den Messias des Volkes Israel, zu deuten, und sie verlassen ihre Heimat, um ihm zu huldigen. Worin diese Huldigung im Kern besteht, verrät der griechische Urtext: Die Sterndeuter vollziehen vor dem Jesuskind die Proskynese, d.h. sie werfen sich auf den Boden und berühren mit der Stirn die Erde. Die tiefere Bedeutung des Geschehens liegt darin, daß es gerade Heiden sind, die zu Jesus kommen und ihm huldigen. Damit wird das alttestamentliche Motiv der Völkerwallfahrt aufgenommen (vgl. hier besonders Jes 60,6 und Ps 72,10 f). Wenn es heißt, der Stern habe die Sterndeuter auf dem Weg von Jerusalem nach Betlehem geführt, dann verweist das auf die Führung Gottes. Es besteht eine Analogie zur Führung des Volkes Israel beim Exodus durch die Feuersäule (vgl. z.B. Ex 13,21). Herodes hört mit Argwohn das Ansinnen der Sterndeuter. Ihm geht es um die unbedingte Sicherheit seiner Macht. Zur historischen Gestalt des Herodes ist zu sagen, daß ihm im Jahre 40 v. Chr. vom römischen Senat der Titel eines Königs von Judäa verliehen wurde. Er war ein beim Volk wenig beliebter, skrupelloser Herrscher. In der Geschichte von der Huldigung der Sterndeuter ist er die dunkle Kontrastfigur. Gemäß einem in der antiken Literatur verbreiteten Motiv, jenem vom verfolgten Königskind, ist er dessen Gegenspieler und Widersacher. Die Rolle der Hohenpriester und Schriftgelehrten besteht in der Konsultation des verunsicherten Königs Herodes. Von Bedeutung ist, daß die Hohenpriester ansonsten überwiegend in der Passionsgeschichte vorkommen, wo sie als Initiatoren der Hinrichtung Jesu erscheinen. Die Schriftgelehrten wiederum zählen gemeinsam mit den Pharisäern zu den Hauptkontrahenten Jesu während seines öffentlichen Wirkens. So wirft die Ablehnung Jesu von Teilen des Volkes Israel ihre Schatten voraus. In diesem Sinn ist auch das Erschrecken von ganz Jerusalem zusammen mit Herodes zu deuten. So schält sich als eine Hauptaussage der Geschichte heraus: Mitglieder des Volkes Israel, welche durch ihre Schriften über die Heilspläne Gottes Bescheid wissen müßten, versperren sich im Unglauben gegen ihre eigene Erkenntnis oder halten zumindest Distanz, während das messianische Heil von denen, die aus der Ferne kommen, angenommen wird. Bleibt noch die Person am Ende der Reise der Sterndeuter: Jesus selbst. Was geht über ihn aus der Evangelienstelle hervor? Zunächst wird seine Geburt in Betlehem erwähnt, eher beiläufig zwar, doch sie ist der Auslöser der ganzen Geschichte. Wenn die Sterndeuter Jesus als "König der Juden" bezeichnen, dann liegt auch darin möglicherweise ein Verweis auf die spätere Ablehnung Jesu, die im Kreuz kulminiert. Immerhin trägt die Kreuzesinschrift diesen Titel, während er ansonsten kaum gebraucht wird. Bei den Konsultationen des Herodes mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ist sofort vom Messias die Rede. Darin eingeflochten ist vom Evangelisten ein sogenanntes Reflexionszitat, bestehend aus Micha 5,1 und 2 Sam 5,2: eine Ankündigung der Geburt des Messias in Betlehem. Bedeutend an dem Zitat ist die Gleichsetzung von Fürst und Hirt, will sagen: Der kommende Messias wird sein Volk nicht beherrschen, sondern weiden, er wird ein sanftmütiger König sein. Damit tritt der Kontrast zwischen Herodes und Jesus auf subtile Weise zum Vorschein. Am Ziel ihrer Reise sehen die Sterndeuter "das Kind und seine Mutter". Manche Ausleger verstehen diese Formulierung wegen des Fehlens von Josef als einen verhaltenen Hinweis auf die Jungfrauengeburt und damit auf die Gottessohnschaft Jesu. Immerhin kann die Formulierung als möglicher biblischer Ansatzpunkt von unzählig vielen Mariendarstellungen - Maria mit dem Jesuskind am Arm - gedeutet werden.