16.12.2017

Lesungen 01.01.2008


1. Lesung vom Hochfest der Gottesmutter Maria:
Num 6,22-27

Lesung aus dem Buch Numeri:

Der Herr sprach zu Mose:
Sag zu Aaron und seinen Söhnen:
So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten
und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu
und schenke dir Heil.
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen,
und ich werde sie segnen.



Diese Segensworte werden seit ca. 3000 Jahren gesprochen. Am Anfang der drei Imperative steht jeweils der Gottesname Jahwe; dies macht deutlich, dass es nur Gott selbst ist, der segnen kann. Der Priester - hier repräsentiert durch Aaron und seine Söhne - ist nur Vermittler dieser alleinigen göttlichen Vollmacht. Gott segnet und schenkt dem Menschen seine Zuwendung. Dadurch wird alles heil und gut, wobei im Alten Testament an irdisches Wohlbefinden gedacht ist; es sind die Gaben Gottes für das konkrete Leben hier auf der Erde.


Herrscher "legten" im Altertum gleichsam ihren Namen auf Städte, Gegenstände oder Personen, um ihren Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. Wenn im vorliegenden Segensgebet über einen Menschen der Name Gottes ausgerufen wird, so bezeugt dies, dass er Eigentum Gottes ist bzw. werden soll. Der Mensch geht in Gottes Eigentum über, und Gott beginnt für ihn zu sorgen. Am Anfang der dreifachen Segensworte steht jeweils der Gottesname Jahwe; dies macht deutlich, dass es nur Gott selbst ist, der segnen kann. Der Priester - hier repräsentiert durch Aaron und seine Söhne - ist nur Vermittler dieser alleinigen göttlichen Vollmacht. Gott segnet und schenkt dem Menschen seine Zuwendung. Dadurch wird alles heil und gut, wobei im Alten Testament an irdisches Wohlbefinden gedacht ist; es sind die Gaben Gottes für das konkrete Leben hier auf der Erde.


2. Lesung vom Hochfest der Gottesmutter Maria:
Gal 4,4-7

Lesung aus dem Brief an die Galater:

Als die Zeit erfüllt war,
sandte Gott seinen Sohn,
geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,
damit er die freikaufe,
die unter dem Gesetz stehen,
und damit wir die Sohnschaft erlangen.
Weil ihr aber Söhne seid,
sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz,
den Geist, der ruft:
Abba, Vater.
Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn;
bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.



Die "Erfüllung der Zeit" mußte kommen. Gott wollte die Zeit, in welcher der Mensch unter dem Gesetz wie ein Sklave war, beenden. Daher sandte er seinen Sohn als Bevollmächtigten, damit die Zeit dieser Welt ein Ende hat, und das "Reich Gottes" beginnt. "Geboren von einer Frau" zeigt uns: Er ist nicht einfach erschienen, wie eine himmlische Vision, sondern er wurde Mensch durch das Wirken des Geistes in der Jungfrau Maria. Er teilte mit uns Menschen aber nicht nur die menschliche Natur, sondern auch die geschichtliche Lage: Er stellte sich unter das Gesetz, unter dem die Menschen standen. Das Ziel der Entsendung Gottes ist, die Menschen "freizukaufen", d.h. ein Befreiungswerk. Aber damit nicht genug: Der reiche Gott ist bereit, uns arme Menschen zu adoptieren, an Kindes statt anzunehmen. Mit dieser Adoption "sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz", sodass wir in diesem Geist Abba, Vater, rufen dürfen. Wir dürfen es wagen Gott anzureden, so wie ein Kind seinen Vater anspricht. Denn der Geist des Sohnes befähigt uns zu diesem kindlichen Gebetsruf. Jetzt ist es aber unsere Aufgabe, das, was wir sind, auch zu leben und uns im Leben als Kinder Gottes zu erweisen. Wer Sohn ist, ist auch Erbe. Nicht durch eigene Leistung, sondern durch gnädige Zuwendung Gottes, sind wir Miterben Christi, wenn wir die Bereitschaft haben, mit ihm zu leiden, um auch mit ihm verherrlicht zu werden (vgl. Röm 8,17).


Der Begriff "Annahme an Sohnes statt" ("freikaufen") ist ein Rechtsbegriff. Menschen, die nicht leibliche Söhne sind, werden dadurch gleichsam als leibliche Söhne angenommen. Nachdem Gott seinen Sohn in diese Welt gesendet hat, sendet er den Heiligen Geist auch denen, die an ihn glauben. Durch diesen Geist können sie als "Söhne" in einer vertrauten Beziehung zu Gott leben und ihn als Vater, "Abba", bezeichnen. Bildlich und in der Sprache der Theologen gesprochen, wird es durch die Lösung vom Dasein als Sklave und die Annahme als Sohn ermöglicht, das Erbe Gottes in Empfang zu nehmen - die Fülle des gelobten Landes, die Fülle des Lebens und der Gnade Gottes.


Evangelium vom Hochfest der Gottesmutter Maria:
Lk 2,16-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem
und fanden Maria und Josef
und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie,
was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten,
staunten über die Worte der Hirten.
Maria aber bewahrte alles, was geschehen war,
in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
Die Hirten kehrten zurück,
rühmten Gott und priesen ihn für das,
was sie gehört und gesehen hatten;
denn alles war so gewesen,
wie es ihnen gesagt worden war.
Als acht Tage vorüber waren
und das Kind beschnitten werden sollte,
gab man ihm den Namen Jesus,
den der Engel genannt hatte,
noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.



Die Hirten finden die Offenbarung Gottes im angegebenen Zeichen bestätigt. Sie verkünden Maria und Josef und den Menschen, was ihnen selber verkündet worden ist. Die Frucht dieser Verkündigung ist Verwunderung. Wer die Offenbarung des Göttlichen erlebt, wundert sich, sei es dass er gläubig und ehrfurchtsvoll staunt, sei es dass er ahnungsvoll bewundert oder auch kritisch und verständnislos ablehnt. Wer staunt, hat den Anstoß zum Glauben erhalten; der Glaube selbst bleibt eine persönliche Entscheidung. Maria staunt nicht nur, sondern sie "bewahrte... alles in ihrem Herzen". Sie wird immer wieder Neues über ihr Kind hören und es glaubend zusammenfügen. So wird sie zum Urbild aller Glaubenden und dadurch zum Urbild der Kirche. Die Hirten aber "rühmten Gott und priesen ihn", als sie zurückkehrten. Diese Verherrlichung Gottes zieht sich wie ein Faden durch das ganze Evangelium des Lukas. Die Hirten sind die ersten Augenzeugen und Verkünder der Frohbotschaft. Jesus wurde durch seine Geburt in die Ordnung des Alten Bundes hineingeboren und in die Verpflichtung des damit einhergehenden Gesetzes. Daher auch die Beschneidung am achten Tag, die als ein Zeichen des Bundes und ein Kennzeichen des Gottesvolkes ist. Mit der Beschneidung ist die Namensgebung verbunden. Dieser Name, von Gott selbst bestimmt und Maria und Josef durch den Engel mitgeteilt, ist Jesus und deutet inhaltlich an, was er sein wird: Gott ist der Retter, der in Jesus das Heil bringt.


Im Gegensatz zur Beschneidung und Namensgebung Johannes des Täufers (Lk 1,59ff.) wird die Beschneidung bei Jesus nur "nebenbei" erwähnt. Viel wichtiger erscheint dem Evangelisten die Namensgebung, denn Gott selbst hat dem Kind seinen Namen, Sendung und Auftrag gegeben - nicht Josef oder Maria bestimmen seinen Lebensweg! "Jesus" ist die griechische Schreibform des hebräischen Jeschuah (Spätform von Jehoschua, was "JHWH ist Hilfe" bedeutet). Im Prinzip ist der Name Jesus ein zu damaliger Zeit recht gebräuchlicher jüdischer Name und Gott wird somit bei seiner Menschwerdung den Menschen auch in diesem gleich. Die Beschneidung ist ein Zeichen des Bundes, der Zugehörigkeit zu JHWH (vgl. hierzu: Gen 17,23ff.; Ex 4,25), der Zugehörigkeit zu Israel (Ex 12,48; Röm 4,11), ist Erinnerungszeichen an die Verpflichtung des Bundes (Dtn 30,6; Jer 4,4; Ez 44,7; Gal 5,3) und Zeichen der Unterscheidung von anderen Völkern (Ri 14,3; 1 Sam 14,6; 2 Sam 1,20). Die Beschneidung wurde vom Gesetz her auf den achten Tag nach der Geburt festgelegt und zumeist vom Vater vollzogen. In neutestamentlicher Zeit wurde damit auch die Namensgebung verbunden.