23.02.2017

Lesungen 13.01.2008


1. Lesung vom
Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A/B/C:
Jes 42,5a. 1-4. 6-7

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

So spricht Gott, der Herr:
Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Völkern das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht,
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf sein Gesetz warten die Inseln.
Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,
der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.



Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus. Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4). Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an. "Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein. "Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können. Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind. All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.


Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit). Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor. "Seht, das ist mein Knecht" Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt... Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes. In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel In Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters? Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn. Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen. In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.


Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe. Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr A:
Jes 42,1-7:

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

(So spricht Gott, der Herr:)
Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Völkern das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht,
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf sein Gesetz warten die Inseln.
So spricht Gott, der Herr,
der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat,
der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht
und allen, die auf ihr leben, den Geist:
Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,
der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.


2. Lesung vom
Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A:
Apg 10,34-38

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus;
dieser ist der Herr aller.
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat und alle heilte,
die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.



Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein2, "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt. Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll." Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm"). In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."


Die Apostelgeschichte steht in engem Zusammenhang mit dem Lukasevangelium. Sie schließt an die Osterberichte an und erzählt über die Anfänge des Christentum. Ein wesentlicher Schritt für die junge Kirche ist das Hinaustreten aus dem rein jüdischen Bereich. In der Zuwendung zu den „Heiden“ wird das Christentum zu einer selbständigen Religion. War es bisher notwendig, Jude zu sein, um Christ werden zu können, gehen die christlichen Gemeinden jetzt einen eigenständig Weg. Dass die Entscheidung nicht einfach war, zeigt uns die Apostelgeschichte. Der Abschnitt, welcher der Lesung vorausgeht, erzählt eine Vision des Petrus, die ihn über die Grenzen des jüdischen Gesetzes hinausführt und danach die Taufe des ersten "Heiden", des Hauptmannes Kornelius. In Apg 10,34-38 versteht Petrus seine Vision und begreift, dass es bei der Zugehörigkeit zum Volk Gottes nicht um Blutsverwandtschaft sondern um den Glauben geht. Gott ist Herr über alle Völker, es gibt keine besseren oder schlechteren Völker, die Entscheidung, zum Volk Gottes zu gehören, muss jeder Mensch selber fällen und verantworten. Danach fasst Petrus in kurzen Worten das Wesentliche des christlichen Glaubens zusammen: Jesus Christus, der verkündet und geheilt hat, gekreuzigt wurde und von Gott auferweckt wurde. Jesus Christus ist das zentrale Ereignis, das Volkszugehörigkeit, religiöse Vorschriften und alte Traditionen in die zweite Reihe stellt. Für die jungen christlichen Gemeinden geht es um ihre Identität, um die in inneren Konflikten und offenen Auseinandersetzungen gerungen wird. Persönliche und theologische Argumente, Diskussionen, Streitereien und Gebet kennzeichnen diese Zerreißprobe bis in die Reihen der Apostel. Zwischen Angst und Hoffnung, Fortschritt und Bewahrung der Tradition ist es auch für Petrus nicht leicht, hier zu entscheiden. Aber Gott kommt seinem Handeln zuvor und gießt seinen Geist auch über die nicht getauften Heiden aus und schafft so neue Tatsachen, der sich dann auch die Gemeinde in Jerusalem nicht verschließen kann, als Petrus später alles berichtet. Petrus und die Judenchristen müssen begreifen, dass Gott Menschen beruft, ohne sich an traditionelle Regeln zu halten. Es braucht noch eine Weile, bis aus dem Verstehen auch ein Tun wird, erst etwas später wird der Apostel Paulus mit der Heidenmission beauftragt.


Evangelium vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr A:
Mt 3,13-17

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes,
um sich von ihm taufen zu lassen.
Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm:
Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
Jesus antwortete ihm:
Laß es nur zu!
Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.
Da gab Johannes nach.
Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen,
da öffnete sich der Himmel,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Gefallen gefunden habe.



Mt. weicht von seiner Vorlage in Mk 1,7-11 ab, überliefert die Taufe Jesu aber in einem anderen Rahmen. Das gibt ihm die Möglichkeit, die Taufgeschichte pointiert nachzuerzählen. Der Täufer Johannes will Jesus nicht zur Taufe zulassen. Er hat nur ein Argument - und das wird ihm entwunden: Um die Gerechtigkeit zu erfüllen (eine beliebte Formulierung des Matthäus), muss sich Jesus von Johannes taufen lassen. Jesus stellt sich auf die Seite der Sünder. In dieser Szene wird nicht einmal eine Verbrüderung erzählt, sondern die Unterordnung Jesu. Dem entspricht, dass Matthäus die Predigt des Täufers, die er aus Markus hätte übernehmen können, weglässt: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich … Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Matthäus, der die Bedeutung Jesu kennt und erzählt, relativiert sie hier sogar. So erscheint Jesus in dieser Szene als einer "von uns". Die Offenbarung fällt aus dem Himmel. Diese Erzählebene richtet die Blicke neu aus. Als Jesus aus dem Wasser steigt, sieht er den Geist auf sich herabkommen. Eine Stimme aus dem Himmel spricht: "Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe." Aber wer sieht und hört hier was? Jesus? Nur Jesus? Matthäus lässt mich zuschauen. Und zieht mich ins Vertrauen. Die Frage, woher die Geschichte kommt, kann nur stellen, wer nichts gesehen, nichts gehört hat. Was der Geist bewirkt, wird im Evangelium erzählt. Die Geschichte von der Taufe Jesu erzählt am Anfang der Geschichte Jesu (bevor sein Weg überhaupt beginnt), dass Gott sich zu ihm bekennt, ihn Sohn nennt, an ihm Gefallen gefunden hat. Das ist eine Proklamation, eine Inthronisation, eine Epiphanie. Am Ende seines Evangeliums werden die Jünger beauftragt, in alle Welt zu gehen, zu lehren, zu taufen. "Und siehe: ich bin bei euch alle Tage bis an die Enden der Erde" (Mt 28,28f.).


"Eine programmatische Geschichte” - so fasst Gnilka seinen Kommentar zur vorliegenden Perikope zusammen. Die Perikope ist einheitlich und nach vorne und hinten klar abgegrenzt. Der kurze Text kann in drei Teile gegliedert werden: Einleitung, Johannes-Jesus-Dialog und Offenbarungsgeschehen. Seinen programmatischen Charakter erhält der Text durch drei Klammern, die im ganzen Matthäusevangelium wiederholt auftauchen und damit einen roten Faden’ legen: “Dies ist mein geliebter Sohn” - diese Wendung findet sich wieder in der Beschreibung der Verklärung Jesu (Mt 17:5) und erhält eine Antwort im Aufschrei des Hauptmanns unter dem Kreuz Jesu (Mt 27:54). Entstanden ist diese Erzählung vermutlich aus einer Tradition des älteren Markusevangeliums und einer weiterführenden Bearbeitung durch den Autor des Matthäusevangeliums.


Die Taufe Jesu wird von allen vier Evangelien berichtet. Die Abweichung vom Markustext, ein Gesprächseinschub zwischen dem Täufer und Jesus, ist Hinweis auf ein dem Evangelisten wichtiges Thema, nämlich, wie die neue Gerechtigkeit erfüllt werden soll. Jesus ist Sohn Gottes im Sinne der Gottesknechtslieder, der den Weg des Gehorsams geht. Der Knecht Gottes ist schon im Alten Testament nicht nur zu Israel gesandt. Er hat auch eine Aufgabe für die anderen Völker. "Du bist mein Sohn" erinnert an das Psalmwort: "Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt" (Ps2:7) - ursprünglich ein Wort an den König bei dessen Thronbesteigung, das den König als von Gott bestellten Hirten legitimiert. Hier bei der Taufe Jesu wird festgehalten, daß Jesus von Anfang an Gottes Gesalbter (= Messias, Christus) ist. Die Taufe des Johannes mit Wasser hat keine Sünden vergebende Kraft, sie ist Umkehrtaufe, welche die Umkehrbereitschaft des Volkes besiegelt. Nun aber kommt der "Größere", auf den Johannes hingewiesen hat und reiht sich ein in die Schar derer, die der Taufe bedürfen. Jesu Antwort auf den Einwand des Täufers löst das Problem: "Nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen". Jesus und der Täufer werden so als Vorbilder im Tun der neuen und ganzen Gerechtigkeit hingestellt. "Gerechtigkeit" gehört zu den Schlüsselbegriffen des Matthäusevangeliums. Sie ist das Thema der Bergpredigt und bezeichnet das rechte und vollkommene Verhalten des Jüngers nach dem Evangelium. Die Herabkunft des Geistes Gottes wird als Erfahrung Jesu dargestellt. Die Himmelsstimme wirkt amtlicher und proklamatorischer als bei Markusund Lukas. Statt "Du bist ..." heißt es hier "Dieser ist mein geliebter Sohn", d.h. es wird öffentlich bekanntgemacht.