24.04.2017

Lesungen 31.12.2013


Lesung für einen Jahresschlussgottesdienst:
Röm 10,9-15


Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Schwestern und Brüder,
wenn du mit deinem Mund bekennst:
«Jesus ist der Herr»
und in deinem Herzen glaubst:
«Gott hat ihn von den Toten auferweckt»,
so wirst du gerettet werden. 
Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt,
wird Gerechtigkeit und Heil erlangen. 
Denn die Schrift sagt:
Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. 
Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen.
Alle haben denselben Herrn;
aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. 
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft,
wird gerettet werden. 
Wie sollen sie nun den anrufen,
an den sie nicht glauben?
Wie sollen sie an den glauben,
von dem sie nichts gehört haben?
Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? 
Wie soll aber jemand verkündigen,
wenn er nicht gesandt ist?
Darum heißt es in der Schrift:
Wie sind die Freudenboten willkommen,
die Gutes verkündigen! 



In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief werden der Glaube des Herzens und das Bekenntnis des Mundes zusammengesehen: Das Wort ist im Mund und im Herzen zu Hause. Gemeint ist das Wort Gottes, das Paulus verkündigt. Was Paulus verkündigt hat, wird besonders in dem Bekenntnis: "Jesus ist Herr" verbunden. Dabei ist das Bekenntnis "Jesus ist der Herr" im Glauben begründet, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat. Paulus unterscheidet zwar Mund und Herz, trennt sie aber nicht. Er hätte auch schreiben können: Das Bekenntnis, Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, wurzelt im Glauben "Jesus ist der Herr". Der Mund sagt also nichts anderes als das Herz glauben kann, und im Herzen kann kein Glauben sein, der nicht aussprechbar wäre und bekannt werden könnte. Dass Herz und Mund im Einklang sind, bezieht Paulus auf das Heil. Dabei fällt der Unterschied zwischen Juden und Griechen einfach weg. Im Schlusssatz formuliert Paulus, dass jeder, der den Kyrios (Jesus) anruft, gerettet wird. Diese Zuversicht entspricht dem Herrsein Jesu, das in der Auferweckung nicht nur sichtbar wird, sondern alle Glaubende in das neue Leben einbezieht.


Paulus beschäftigt sich in seinem Brief an die Römer u. a. mit dem Verhältnis zwischen Juden und Griechen auf der einen Seite und Christen auf der anderen. Es liegt ihm daran aufzuzeigen, dass alle die Chance haben, gerettet zu werden. Das Entscheidende ist, den Glauben an Jesus Christus zu bekennen. Im vorliegenden Abschnitt ist in Vers 9 eine Passage eingearbeitet, die vielleicht einmal ein Taufbekenntnis war. Hier werden zentrale Aussagen des christlichen Glaubens zusammengefasst. Immer wieder bezieht sich Paulus auf Worte der Schrift, auf Worte des Glaubens. Damit greift er die überlieferten Texte der Heiligen Schrift auf und deutet sie neu. Das entspricht der damaligen Auslegungsmethode. Das Vertrauen in die Schrift war sehr groß. In ihr sprach Gott selbst - über die Zeiten hinweg. Die konkrete und aktualisierte Ausdeutung fand jeweils neu statt - vor dem Hintergrund der jeweiligen Alltagserfahrungen. Somit handelt es sich bei dieser Methode um eine wesentlich auf den Hörer bezogene Auslegung. Das ermöglichte auch, Texte der Tora im christlichen Horizont zu deuten, auch wenn dadurch der ursprüngliche Sinn gänzlich verloren ging, vielleicht sogar konterkariert wurde. Entscheidend war immer, wie das Wort Gottes vor dem Hintergrund der jeweiligen Alltagserfahrungen verstanden werden konnte. So konnte Paulus auch in Jesus Christus die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen sehen. Im Glauben an Jesus Christus finden für Paulus die alttestamentlichen Weisungen ihr Ziel.


Die zweite Lesung ist dem Römerbrief des Apostels Paulus entnommen. Im 9. bis 11. Kapitel setzt sich Paulus mit dem Schicksal Israels auseinander. Er selbst kommt ja aus der jüdischen Tradition, war ein übereifriger gläubiger Jude. Ihn und viele christgläubige Juden beschäftigt nun die Frage: Hat das, was wir bis jetzt geglaubt haben, nun keine Bedeutung mehr? Oder war es gar umsonst? Paulus erklärt das bisher Geglaubte als im Glauben an Jesus Christus vollendet und als aufgehoben (im mehrfachen Sinn des Wortes). Er stellt dies dar, indem er - in für jüdische Ohren atemberaubender Weise - die alttestamentlichen Forderungen des Glaubens auf Jesus Christus überträgt. Diese Forderungen sieht er im christlichen Gottesdienst erfüllt. Dort wird Jesus als der Kyrios angerufen und bekannt. Kyrios (zu deutsch: Herr) ist ein hellenistischer Titel des Kaisers, der Göttlichkeit beansprucht. Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (die sog. Septuaginta) verwendet diesen Titel für Gott, die Christengemeinde für Jesus Christus. Die alttestamentliche Forderung, das Wort Gottes auf Schritt und Tritt im Herzen und im Mund zu tragen (Dtn 30,14) ist mit dem christlichen Bekenntnis zum Kyrios Jesus Christus erfüllt. Ebenso die Verheißung des Jesaja "Wer mit dem Herzen glaubt, wird nicht zugrunde gehen" (Jes 28,16); wie auch die Zusage des Propheten Joel: "Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden".


Evangelium für einen Jahresschlussgottesdienst:
Mt 25,14-30

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging:
Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte,
mit ihnen zu wirtschaften,
und er gewann noch fünf dazu.
Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu.
Der aber, der das eine Talent erhalten hatte,
ging und grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück,
um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere und sagte:
Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener.
Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen,
ich will dir eine große Aufgabe übertragen.
Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte:
Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener.
Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen,
ich will dir eine große Aufgabe übertragen.
Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Zuletzt kam auch der Diener,
der das eine Talent erhalten hatte,
und sagte:
Herr, ich wußte, daß du ein strenger Mann bist;
du erntest, wo du nicht gesät hast,
und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
weil ich Angst hatte,
habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Hier hast du es wieder.
Sein Herr antwortete ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du hast doch gewußt, daß ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht,
dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.
Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem,
der die zehn Talente hat!
Denn wer hat, dem wird gegeben,
und er wird im Überfluß haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis!
Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.



Das Gleichnis von den Talenten gehört zur Endzeitrede Jesu (Mt 24, 1 – 25, 46). Jesus spricht exklusiv zu seinen Jüngern. In diese Rede sind drei Gleichnisse eingebettet: Das Gleichnis vom treuen und vom bösen Knecht, das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen und das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Die große Bildrede vom Endgericht schließt die Rede ab. Nach Ulrich Luz (EKK) handelt es sich bei diesem Gleichnis um matthäisches Sondergut. Bei der lukanischen Variante (Lk 19,12-27) handelt es sich um eine Fassung, die vermutlich selbständig überliefert worden ist. Von der Form her liegt bei diesem Gleichnis eine Parabel vor, d.h. in dieser Geschichte wird eine bestimmte Handlung geschildert, die den Zuhörer zur Stellungnahme herausfordert. Was wollte Jesus mit dieser Parabel sagen? Die Vorschläge der Ausleger sind vielfältig. Einig sind sie sich darüber, dass sie sich auf das Verhältnis der Menschen zu Gott bezieht. Die konventionalisierten Metaphern "Herr" und "Sklave" lassen kaum eine andere Deutung zu. Fast alles andere wird dagegen unterschiedlich beurteilt. Die Grundfragen sind: Handelt es sich bei der "Abrechnung" um eine feste Metapher für das letzte Gericht oder nur um einen erzählerischen Zug, der die Wichtigkeit des Anspruchs der Parabel einsichtig machen will? Im zweiten Fall neigen die Ausleger zu einer allgemein-menschlichen Deutung der Parabel, im ersten deuten sie sie als Gerichtsgleichnis. Liegt das Gewicht allein auf dem dritten Sklaven, oder sind auch die beiden ersten Sklaven wichtig als positive Identifikationsmodelle? Je nach dem deutet man die Parabel eher polemisch oder paränetisch. Liegt das Gewicht nur auf der Abrechnung am Schluss oder auch auf der Gabe des Geldes am Anfang? Je nach dem wird die Parabel als reines Gerichtsgleichnis oder als Parabel von der Wirksamkeit des Gottesreichs verstanden. Und schließlich: Welches ist die Beziehung dieser Parabel zum Wirken Jesu? Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997, S. 503 Diese Parabel, die Matthäus in einer Überlieferung vorfand, wird von ihm nun in einen bestimmten Zusammenhang gestellt: Sie steht mit den beiden oben genannten Gleichnissen, bzw. Parabeln unmittelbar nach der Mahnung Mt 24, 44 "Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet." Somit gibt Matthäus einen Interpretationszusammenhang vor, der auf Jesu Leben und Wirken verweist und die Gefahr eingrenzt, durch die isolierte Betrachtung der Parabel zu einem Gottesbild zu kommen, das missverständlich ist. Es ist Jesus, auf den sich die Parabel bezieht. Im Lichte seiner Botschaft ist die Geschichte zu deuten. (christologische Dimension) Außerdem wird durch den Zusammenhang die endzeitliche Bedeutung klargestellt. (eschatologische Dimension) Schließlich geht es darum, die Gegenwart vor dem Hintergrund dieser endzeitlichen Perspektive zu gestalten. (paränetische Dimension) Noch zwei interessante Einzelheiten: In Mt 25, 26 übersetzen Luther und Einheitsübersetzung: "Du böser und fauler Knecht", bzw. "Du bist ein schlechter und fauler Diener". Das griechische Wort, das mit "faul" übersetzt wird, ist "oknhroV " (oknäros), das die Bedeutung von "zögernd, träge, bedenklich, ängstlich" hat. Die Übersetzung mit "faul" schließt an die westliche Auslegungstradition an, die von der Übersetzung des griechischen Wortes durch das lateinische "piger" (faul, verdrossen, langsam, träge) geprägt ist. Das Vergraben von Geld wird in rabbinischen Quellen als sorgfältiger Umgang mit anvertrautem Geld bewertet (im Gegensatz zu der Aufbewahrung in einem Tuch). Es gab bei anvertrautem Geld die Möglichkeit, die Summe als "geschlossenes" Depositum oder als "offenes" Depositum zu betrachten. Über ein "geschlossenes" Depositum kann der Verwahrer nicht verfügen. Wenn er es sachgerecht aufbewahrt, haftet er nicht für den Verlust. Über ein "offenes" Depositum kann der Verwahrer verfügen, er haftet aber auch bei Verlust. Literatur: Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, EKK I/3, Zürich und Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn 1997


Die letzte große Rede Jesu im Evangelium nach Matthäus besteht aus sieben Gleichnissen über die "Vollendung" der Welt und der Kirche durch die erneute Ankunft Christi (in der neutestamentlichen Bibelwissenschaft hat sich für die Kapitel Mt 24 und 25 die Bezeichnung "apokalyptische Rede" entwickelt). Das historische Umfeld des heutigen Evangeliums kann wahrscheinlich im städtischen Milieu Israels angesiedelt werden. Sicherlich existierte ein "antiker Vorläufer" einer heutigen Bank und das wirtschaftliche Leben war derart ausgeprägt, dass es möglich war, mit seinem Geld zu "wirtschaften" – auch wenn wir alle Details heute nicht mehr rekonstruieren können. Reiche Gutsbesitzer handelten mit den damaligen Metropolen Rom oder Alexandria. Während der Auslandsreisen des Besitzers eines Unternehmens oder Gutes wurde ein treuer Mitarbeiter (gleichgültig ob Sklave oder Angestellter) mit der Fortführung und Betreuung des Eigentums des Besitzers betraut. Wollte man nicht mit dem anvertrauten Geld wirtschaften, so musste man es an einem geheimen Ort vergraben, denn die damaligen Lehmbauten boten gegen Einbrecher nur bedingten Schutz. Ein Talent Silbergeld war damals viel Geld. Es entsprach etwa 5.000 Denaren. Ein Denar war in etwa der Tageslohn eines Arbeiters und reichte gerade für die Ernährung und die Bedürfnisse einer sechsköpfigen Familie an einem Tag. Matthäus vergleicht in diesem Evangelium Jesus mit dem Mann, der auf Reisen ging. Beide vertrauen den ihren jeweils das gesamte Vermögen an. Für die Christen bedeutet dies, dass jeder von ihnen verschiedene Gaben und Aufgaben in der Kirche erhalten hat (vgl. hierzu auch die verschiedenen Charismen im Römerbrief des Paulus) und nun in individueller Verantwortung mit diesen "haushalten" oder "wirtschaften" muss. Jeder Erfolg der erzielt wird, geht letztlich auch wieder an Christus zurück. Sicherlich existiert auch die Gefahr, dass mancher stolz wird und auf seinen eigenen "Talenten" sitzen bleibt. Der dritte Knecht hat hingegen Angst, etwas falsch zu machen, und fängt daher erst gar nicht an, mit den ihm anvertrauten Gütern zu wirtschaften – er lebt offensichtlich nach dem Motto "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben". Weiters fühlt sich dieser Knecht wahrscheinlich den anderen gegenüber benachteiligt und nicht ganz so ernst genommen. Weshalb hat ihm denn der Besitzer sonst nur so wenig anvertraut? Er übersieht jedoch die Tatsache, dass Gottes Liebe nicht mit der Anzahl von anvertrauten "Gegenständen" gleichgesetzt werden kann. Gott gibt jedem die seine und nicht jedem die gleiche Gabe. Gott wird – so Matthäus - den Menschen am Ende der Tage nicht danach fragen, wie er mit dem anvertrauten Gut des Anderen gehandelt hätte, sondern was er aus dem ihm anvertrauten Schatz gemacht hat. Matthäus warnt in diesem Evangelium also vor der Gefahr, dass wir unser Eigenstes nicht schätzen, es vergraben, ungenützt lassen und uns so um die Chance eines mit den Gaben Gottes anvertrauten „wahrhaft gelebten Lebens“ bringen.


Das Gleichnis von den Talenten im Mathäusevangelium steht im Kontext der Rede Jesu über die Endzeit. Es geht um die Frage nach unserem Verhalten in diesem Leben und seinen Auswirkungen auf das Leben danach. Im Anschluß an unsere Stelle lesen wir bei Mathäus noch die Schilderung des Weltgerichtes. Diesen Zusammenhang müssen wir mitbedenken. Zum Wert des anvertrauten Geldes ist zu sagen, daß ein Talent etwa 6000 Drachmen entsprach. Eine Drachme war der Tageslohn eines Arbeiters. Es handelte sich also um Summen, die bei Verlust nicht so ohne weiteres zu verdienen waren aber Jesus bezeichnet sie als "Kleinigkeit". Dies unterstreicht noch das Risiko des Auftrags und die Dringlichkeit, den Einsatz der Talente nicht auf die lange Bank zu schieben.