18.08.2017

Lesungen 25.12.2014


1. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - In der Nacht:
Jes 9,1-6

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht;
über denen, die im Land der Finsternis wohnen,
strahlt ein Licht auf.
Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude.
Man freut sich in deiner Nähe,
wie man sich freut bei der Ernte,
wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch,
das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers.
Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft,
jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist,
wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.
Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter;
man nennt ihn:
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott,
Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende.
Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich;
er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit,
jetzt und für alle Zeiten.
Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.



Der Text führt vom Dunkel ins Licht und lädt zu einem großen Jubel ein, vergleichbar nur dem Jubel bei guter Ernte und reicher Beute. "Volle" Bilder also für die angesagte neue Zeit. Zweimal wird mit einem "denn" die Begründung formuliert: Jahwe zerbricht das Joch - und es wird ein Kind geboren, das auf seinen Schultern Rat, Stärke, Ewigkeit und Heil trägt. In beiden Sätzen, die die Zuverlässigkeit der Verheißung unterstreichen, geht es um einen Schulter-Wechsel: Die Schultern der Menschen, die die Geschichte ihres Lebens und ihres Volkes tragen müssen, werden frei - und Jahwe bürdet einem Kind auf, was Leben und Zukunft verspricht. Die Namen, die das Kind trägt, geben ihm göttliche Würde. In diesem Kontext fällt die Nähe zum ägyptischen Krönungsritual kaum noch auf. Dass die Worte um 730 v.Chr. geschrieben werden, ist zwar nicht unwichtig zu wissen, aber die mit ihnen verbundenen Erfahrungen und Hoffnungen sind bis heute vielen Menschen vertraut. Jesaja führt aus der Klage heraus. Er sieht schon das Licht, das aufgeht, er hört schon den Jubel, der mitreißt. Jahwe wird die Geschichte wenden. Nicht mit militärischer Intervention, sondern mit einem Kind. Jesaja sieht eine Zeit ewigen Friedens anbrechen mit Recht und Gerechtigkeit als Stützen der Herrschaft.


Der Text wird von einer Bewegung getragen, die vom Dunkel ins Licht führt. Es ist sogar von einem großen Jubel die Rede, vergleichbar nur bei guter Ernte und reicher Beute. "Volle" Bilder also für eine angesagte neue Zeit. Zweimal wird mit einem "denn" die Begründung formuliert: Jahwe zerbricht das Joch – und es wird ein Kind geboren, dass auf seinen Schultern Rat, Stärke, Ewigkeit und Heil trägt. In beiden Sätzen, die die Zuverlässigkeit der Verheißung unterstreichen, geht es um einen Schulter-Wechsel: Die Schultern der Menschen, die die Geschichte ihres Lebens und ihres Volkes tragen müssen, werden frei – und Jahwe bürdet einem Kind auf, was Leben und Zukunft verspricht. Die Namen, die das Kind trägt, geben ihm göttliche Würde. Dass die Worte um 730 v.Chr. geschrieben werden, ist zwar nicht unwichtig zu wissen, aber die mit ihnen verbundenen Erfahrungen und Hoffnungen sind bis heute vielen Menschen vertraut. Jesaja führt aus der Klage heraus. Er sieht schon das Licht, das aufgeht, er hört schon den Jubel, der mitreißt. Jahwe wird die Geschichte wenden. Nicht mit militärischer Intervention, sondern mit einem Kind. Jesaja sieht eine Zeit ewigen Friedens anbrechen mit Recht und Gerechtigkeit als Stützen der Herrschaft.


Israel war vor 722 v. Chr. in zwei kleine Königreiche aufgespalten, in ein Nord- und ein Südreich. Wie die anderen kleinen Königtümer, z. B. Syrien, wurden es von den Großmachtgelüsten der Assyrer bedrängt. Der Prophet Jesaja trat im Südreich auf und forderte, dass sein Volk und der König ihr Vertrauen allein auf Gott setzen sollen und sich jeglichen Bündnisses mit anderen Völkern enthalten sollen. Die Abhängigkeit von der assyrischen Herrschaft und die kriegerischen Auseinandersetzungen, in welche die beide Reiche geraten sind, sieht Jesaja als Folge des mangelnden Gottvertrauens. Jahwe hat sein Volk im Stich gelassen und ist ihm ferne. Der vorliegende Text läßt ich in drei Abschnitte gliedern. Zunächst wird in eine Zeit der Bedrängnis hinein Licht und Freude angekündigt. Offenbar wurde die Situation des Volkes als dunkel und niederdrückend empfunden. Dann wird das Zerbrechen der assyrischen Zwangsherrschaft und das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen verheißen. Der Prophet erinnert an den Tag von Midian, als Gideon mit nur 300 Mann ein zahlenmäßig weit überlegenes Heer der Philister schlug und sich Unabhängigkeit und Respekt verschaffte. Der damalige Sieg wurde dem bedingungslosen Vertrauen auf Jahwe zugeschrieben. Schließlich wir die Geburt eines Kindes angesagt. Auf dieses Kind soll das Volk sein Vertauen setzen. Das Kind trägt große und verheißungsvolle Namen: "Wunderbarer Ratgeber", "starker Gott", "Vater in Ewigkeit" und "Fürst des Friedens". Diese Namen sind das Regierungsprogramm des erwarteten Messias: Er wird mit Klugheit ausgestattet und von Gott selbst eingesetzt sein, wie ein Vater für sein Volk sorgen und eine Friedenszeit heraufführen, in der die Menschen sich entfalten können.


2. Lesung von Weihnachtsfest - In der Heiligen Nacht:
Tit 2,11-14

Lesung aus dem Titusbrief:

Die Gnade Gottes ist erschienen,
um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit
und den irdischen Begierden loszusagen
und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,
während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten:
auf das Erscheinen der Herrlichkeit
unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.
Er hat sich für uns hingegeben,
um uns von aller Schuld zu erlösen
und sich ein reines Volk zu schaffen,
das ihm als sein besonderes Eigentum gehört
und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.



Uns begegnet in diesem kurzen Abschnitt eines ohnehin nur kleinen Briefes das Weihnachtsevangelium in handlicher Form. Der Spitzensatz ist: Gottes Gnade ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Was daraus folgt, ist in wenigen Sätzen zu sagen: Besonnen, gerecht und fromm können wir in dieser Welt leben - während wir auf das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes sowie des Retters Christus warten. Prägnant wird auch zum Ausdruck gebracht, dass Gottes Gnade erschienen ist - während wir auf die "selige Erfüllung unserer Hoffnung“ warten. Was wie ein Gegensatz wirkt, der sich einer zeitlichen Ordnung zu entziehen scheint, ist perspektivisch zusammengeführt. Im "wir" sind die Leser nicht mehr unbeteiligte Zuschauer. Der Schlusssatz hält fest, was er - Christus - schon getan hat: er hat sich (1.) hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und (2.) sich ein Volk zu schaffen, das ihm gehört und das Gute tut. Wir betreten mit diesen Worten die "Weihnachtsstube", das "Wartezimmer der Hoffnung".


Uns begegnet in diesem kurzen Abschnitt eines ohnehin nur kleinen Briefes das Weihnachtsevangelium in handlicher Form. Gottes Gnade ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Was daraus folgt, ist in wenigen Sätzen zu sagen: Besonnen, gerecht und fromm können wir in dieser Welt leben – während wir auf das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes sowie des Retters Christus warten. Christliches Leben und christliche Hoffnung werden hier sehr prägnant zusammengeführt. Im "wir" sind die Leser nicht mehr unbeteiligte Zuschauer. Der Titusbrief ist zweifellos nach innen gerichtet. Der Schlusssatz hält fest, was er – Christus – schon getan hat: er hat sich (1.) hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und (2.) sich ein Volk zu schaffen, das ihm gehört und das Gute tut.


Mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Retter und Heilbringer, begründet der Verfasser des Titusbriefes die Forderung nach einem gerechten, frommen und besonnenen Leben der Gläubigen. Zwischen dem ersten und zweiten "Erscheinen" Gottes in Jesus Christus, soll die Kirche als Gemeinschaft erfahrbar werden, die ihr Leben nach den Tugenden gestaltet und so entsprechend Zeugnis von der Heilstat Gottes gibt. Das Vorbild des Titusbriefes ist das hellenistische Ideal eines ordentlichen, frommen und verantwortungsbewußten Lebens. Die Gnade Gottes hat hier eine erzieherische Wirkung, deren Effekt die Lebenshaltung der Gläubigen von den Abgefallenen unterscheidet. In der Entscheidung für den Glauben geschieht ein Abwendung von der Gottlosigkeit und von den irdischen Begierden, die hier aber nicht genauer definiert werden. Der Blick auf die Erfüllung der Hoffnung nach der Wiederkunft Jesu Christi gehört eng zusammen mit der Forderung nach der Bewährung des Glaubens im gegenwärtigen Leben. Leben und Hingabe Jesu ist für die Kirche Voraussetzung ihrer Existenz, daraus erwächst die Einladung, ja die Verpflichtung für die Gläubigen, das Gute zu tun. Glaube und Handeln sind nicht zu trennen.


Evangelium vom Hochfest der Geburt des Herrn - In der Heiligen Nacht:
Lk 2,1-14

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl,
alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
Dies geschah zum erstenmal;
damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
Da ging jeder in seine Stadt,
um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa
hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt;
denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen
mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren,
kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld
und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen,
und der Glanz des Herrn umstrahlte sie.
Sie fürchteten sich sehr,
der Engel aber sagte zu ihnen:
Fürchtet euch nicht,
denn ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Messias, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden,
das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer,
das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe,
und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.



Die Geburtsgeschichte nach Lukas hat sich als Weihnachtsgeschichte durchgesetzt. Sprachliche Kraft einerseits, bunte Bilder andererseits haben das Evangelium auch für die Menschen attraktiv gemacht, die mit christlichen Überlieferungen sonst nicht mehr viel verbinden. Die Geschichte hat zwei Teile: Einmal wird erzählt, warum Maria und Josef nach Bethlehem gehen. Was Lukas auf ein Gebot des Kaisers Augustus zurückführt, versteckt, dass nach dem Propheten Micha Bethlehem der "geringe" Ort ist, an dem der Herr geboren wird. Es ist Lukas zwar nur ein Nebensatz wert ("weil in der Herberge kein Platz für sie war"), legt aber eine Spur in die Passionsgeschichte: Am Anfang seines sog. Reiseberichtes in Luk. 9,57-62 sagt Jesus, dass der Menschensohn "nichts hat, wo er sein Haupt hinlege". In Auslegungen, Krippenspielen und Weihnachtsgedichten wird gerade dieses „Passionsmotiv“ breit entfaltet. Lukas erzählt sehr knapp, darauf bedacht, keine Nebenschauplätze zu schaffen. Mit "in jener Gegend" leitet Lukas den 2. Teil ein. Ist der 1. Teil, für sich genommen, als eine menschliche Geschichte zu lesen, werden die Engel eine göttliche daraus machen. Das beginnt mit der Verkündigung an die Hirten. Sie sind die ersten Zeugen. Dabei galten gerade sie als nicht glaubwürdig. Bei Lukas sind beide Teile verklammert: durch die Krippe. Maria legt ihren Sohn in eine Krippe - die Krippe dient den Hirten als Zeichen.


Geburt und Kindheit Im Gegensatz zum Markusevangelium enthält das Lukasevangelium auch eine Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu, so wie das Matthäusevangelium. Es fällt auf, daß danach im 3. Kapitel ein eigenständiger Anfang steht, der die vorangehenden Kapitel nicht brauchen würde. Die beiden Kapitel der Kindheitsgeschichte sind stärker vom semitischen Denken und Sprechen geprägt, aber trotzdem finden sich die typischen Stilelemente des Lukas. Auch sind hier schon fast alle theologischen Themen formuliert, die im weiteren Evangelium aufgegriffen und entfaltet werden. Zeitlich ist die Abfassung des Lukas nach dem Jahr 70 n. Chr. (Zerstörung des Jerusalemer Tempels) anzusetzen. Die Trennung zwischen Judentum und Christentum ist noch nicht endgültig, die lukanischen Gemeinden rechnen sich noch zum Judentum. Gerade die Personen, die in der Kindheitsgeschichte vorkommen, sollen die Verbindung zum sogenannten Alten Testament deutlich machen. Als gläubige Juden verstehen sie die Geburt Jesu als Kommen des Messias, den Anbruch der Heilszeit Gottes. Ihr Handeln setzt Maßstäbe für Nachfolge Jesu. Nicht irgendwann So sorgfältig, wie er das ganze Evangelium gestaltet und formuliert, arbeitet er auch hier. Es liegt ihm sehr viel daran, die Geburt Jesu in die konkreten geschichtlichen Umstände hineinzustellen und auf die Weltgeschichte zu beziehen, Ähnliches tut er auch bei der Erzählung von der Auferstehung. Trotzdem sind die historischen Fakten nur der Rahmen, es geht ihm nicht um Geschichtsschreibung, sondern um die Verkündigung der frohen Botschaft. Die Hoffnungen des jüdischen Volkes auf einen königlichen Messias dachten teils an einen neuen König aus dem Stamm Davids, der sein Volk zur alten Blüte zurück führen sollte, teils daß Gott selbst als König kommen sollte um die Schöpfung unter seiner Herrschaft zur Vollendung zu führen. Für Lukas ist Jesus von Anfang an der Sohn Gottes und gehört zugleich zum Stamm Davids. Deshalb muß er in Bethlehem geboren werden, was er mit der Volkszählung begründet, die Kaiser Augustus (31 v. Chr.- 14. n. Chr.) zur Steuererhebung im ganzen Reich durchführen ließ. Geboren im Stall Die Geburt Jesu geschieht im Verborgenen, der Kern der Erzählung liegt in den einfachen und nüchternen Worten der Verse 6-7. Maria bringt ihren Sohn zur Welt, von Elisabeth wurde gesagt: „Sie gebar einen Sohn“ (Lk 1,57). Sie tut, was eine Mutter mit ihrem Kind tut, sie wickelt es und sucht einen Platz wo es geschützt liegen kann. Die Hirten erfahren von der Geburt des Kindes, als gesellschaftliche Außenseiter stehen sie für die Kleinen, Verachteten, Ausgestoßenen, denen als ersten die frohe Botschaft verkündet wird. Sie sind auch diejenigen, die hören, zuhören, beobachten und sich auch auf den Weg machen. Sie brechen auf und finden das Zeichen, von dem ihnen erzählt wird. Auch wenn Furcht die erste Reaktion des Menschen auf die Nähe Gottes ist, lassen sich die Hirten von der Freudenbotschaft, der Frohen Botschaft aus ihrem Gewohnten herausreißen. Zur Botschaft gehört auch ein Lobgesang: die Engel preisen Gottes Herrlichkeit und verheißen den Frieden für die Menschen auf der Erde, Friede im umfassenden Sinn, weil Gott sich den Menschen zu wendet, die offen für seine Gnade sind. Die Hirten möchten sich überzeugen von dem, was ihnen gesagt wird, und sie lassen sich überzeugen von dem, was sie sehen. Sie bleiben nicht beim freudigen Staunen, sondern werden zu Verkündern und stimmen ein in den Lobpreis Gottes. Maria erhält durch die Hirten die Botschaft über ihren Sohn, was sie durch den Engel Gabriel und durch Elisabeth gehört hatte, wird durch die Hirten vertieft. Maria nimmt das Wort in sich auf, die einzelnen Botschaften, wollen zusammengefügt, bedacht und verstanden werden, es ist keine Kleinigkeit was über ihr Kind gesagt wird. Hören, sich auf den Weg machen, über das Gefundene staunen, zum Glauben kommen und in den Lobpreis Gottes einstimmen sind die Schritte der ersten Zeugen der Botschaft, daß Gottesheilszeit begonnen hat, weil er Mensch geworden ist.


Von der Geburt Jesu erzählen nur das Matthäus- und das Lukasevangelium. In beiden Evangelien bilden die sogenannten Kindheitsgeschichten eine in sich geschlossene Einheit, die sich von den Erzählungen über das Wirken Jesu und seine Passion deutlich abheben. Lukas bietet eine kunstvolle Komposition, in der die Ankündigung und die Geburt Johannes des Täufers und Jesu gegenübergestellt werden. Grundtenor ist die Schilderung menschlich betrachtet unmöglicher Ereignisse, die nur als von Gott gewirkt verstanden werden können. Ist die Geburt Johannes' des Täufers schon wundervoll genug, wird sie von der Jesu noch bei weitem übertroffen. Die ursprüngliche Darstellung der Geburt Jesu dürfte vom Evangelisten Lukas selbst noch weiter ausgestaltet worden sein. Bevorzugte Motive seiner Theologie (z. B. die Liebe zu den Armen und Kleinen) treten auch in dieser Erzählung hervor. Der erste Abschnitt erzählt von der Geburt Jesu als einem ganz alltäglichen Ereignis und gibt ihr einen historischen und theologischen Rahmen. Dass es sich dabei nicht um Geschichtsschreibung in unserem heutigen Verständnis handelt, zeigt die Tatsache, daß sich die Volkszählung und die damit in Verbindung gebrachten Namen nicht verifizieren lassen. Vielmehr spricht aus den ersten fünf Versen der Theologe: Die Geburt Jesu fällt in eine Zeit, in der Augustus als unumstrittener Herrscher von messianischem Format Anerkennung genießt. Das Land und Volk, aus dem der Messias hervorgehen soll, wird von Statthaltern dieses großen Regenten beherrscht. Wie tief dieses Volk gesunken ist, zeigt sich in der Tatsache, dass Nachkommen Davids sich der Fremdherrschaft zu unterwerfen haben, indem sie sich in deren Steuerlisten eintragen lassen müssen. In diesen historischen Tiefpunkt des Gottesvolkes fällt die Zeit der Niederkunft. Diese verläuft unspektakulär in einfachen ärmlichen Verhältnissen. Bis hin zu den Windeln nichts Außergewöhnliches. Was sich sichtbarerweise ereignet hat, ist so alltäglich, dass die Bedeutung dieses Geschehens erst durch einen Engel von Gott selbst offenbar gemacht werden muß. Er offenbart die Größe des Ereignisses einfachen Hirten. Diese wurden von der feinen und gelehrten jüdischen Gesellschaft verachtet und galten als von den Heilserwartungen ausgeschlossen, da sie weder den Sabbat noch die Reinheitsvorschriften halten konnten. In diesem zweiten Abschnitt spiegelt sich die ganze Jesusgeschichte wieder: Jesus, der als Mensch in Erscheinung trat und wirkte, wurde in seiner Göttlichkeit nur von den Einfachen und Schlichten erkannt. Diese betrachten ihr Erkennen als Offenbarung Gottes. Alles, was nach außen hin wahrgenommen und als Zeichen gesehen werden kann, ist so unscheinbar und alltäglich wie ein neugeborenes Kind.