15.12.2017

Lesungen 25.12.2014


1. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Tag:
Jes 52,7-10


Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Wie willkommen sind auf den Bergen
die Schritte des Freudenboten,
der Frieden ankündigt,
der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen,
ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der Herr tröstet sein Volk,
er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei
vor den Augen aller Völker.
Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.



Die historische Situation ist schnell beschrieben: Israel, seit mehr als einem Menschenalter in der babylonischen Gefangenschaft, sieht die Möglichkeit, in das "gelobte Land" zurückkehren zu können. Aber der Prophet – es ist der "3. Jesaja" – beschreibt die Hoffnung als ein Sichtbarwerden von Jahwes Heil: Er kehrt nach Zion zurück, er tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem. Ein sehr eindrückliches Bild: Er macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen der Völker. Ja, die ganze Erde wird zum Zeugen bestellt. In dieser Lesung wird deutlich, was "Evangelium" ist, lange, bevor "Evangelium" eine literarische Gattung wurde, die wir im Neuen Testament finden. Der Evangelist, hier als „Freudenbote“ vorgestellt, kündigt Frieden (hebr. Schalom) an, bringt eine frohe Botschaft und verheißt Rettung. Was er zu sagen hat, ist in dem Satz zusammengefasst: Dein Gott ist König. Mit dieser Aussage werden die politischen Mächte zu Statisten – Hoffnungen aber auch davon befreit, sich an Menschen und ihre Programme zu binden. Jes 52 lässt nicht nur den Freudenboten (Singular!) auftreten, sondern auch die Wächter. Was sie sehen, verbreitet sich in Windeseile: Jahwe kehrt zurück. Mit ihm – in dieser Reihenfolge – kann Israel die Geschichte seiner Rückkehr erzählen.


Als "Deutero-Jesaja" wird der zweite Teil des Jesajabuches bezeichnet (Kapitel 40-55). Er ist ungefähr gegen 550 entstanden, also zur Zeit des Babylonischen Exils. Der Prophet schreibt an die Verbannten in Babylon und erinnert sie an die Zuwendung Gottes in der Heilsgeschichte. Grundlegend ist für ihn die Befreiung Israels aus Ägypten, aber auch der Bund Gottes mit Abraham, Noah und den Vätern. Davon ausgehend entwirft er das Bild eines erlösenden Auszugs aus der Verbannung in Babylon. Das ganze Buch ist als Rede formuliert. In Kapitel 52 redet Gott zu der Stadt Jerusalem, zu Zion und verheißt ihr Frieden, Freude und Rettung. Die frohe Botschaft, die Jesaja dem Volk Israel sagen will, verspricht, daß Gott der "König" Israels ist und er nach Zion zurückkehrt. Im Gegensatz zu den menschlichen Königen, die das Volk in Krieg und Unterdrückung geführt haben, führt Gott in den Frieden und in die Freiheit. Der Hintergrund dafür, daß die Israeliten ihren Gott jetzt auch als "König" bezeichnen können, ist, daß sich der Eingottglaube inzwischen soweit gefestigt hat, daß andere Kulte, wie zum Beispiel die Kinderopfer für den Gott"könig" Moloch keine Konkurrenz für Jahwe mehr darstellen. Jahwe ist im Glaubensbewußtsein des Volkes nicht mehr nur der Stammesgott der Israeliten sondern König der ganzen Erde: alle Völker bis an die Enden der Erde sehen auf ihn. Gerade in dieses neue Bewußtsein hinein sagt der Propheten den Israeliten zu, daß Jahwe trotz allem "sein Volk" nicht im Stich läßt sondern nach Jerusalem zurückkehrt. Der Trost für die Verbannten in Babylon ist weniger, daß sie einmal nach Jerusalem zurückkehren dürfen, als daß Gott Jerusalem die Treue hält und er ihr König ist, obwohl das Volk es nicht verdient hat.


Die erste Lesung ist dem zweiten Teil Buch des Propheten Jesaja entnommen. An die Israeliten, die in Babylon in Gefangenschaft sitzen, richtet der Prophet sein Wort. Gott begleitet sein erwähltes Volk auch in der Gefangenschaft. Er bleibt sich und seinem Plan des Heiles für Israel treu. Die Fesseln der Unfreiheit sollen gelöst werden. Das Volk wird getröstet und in die Heimat geführt. Die Freudenboten sagen den nahen Frieden an.


2. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Tag:
Hebr 1,1-6

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott
einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen
durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt
und durch den er auch die Welt erschaffen hat;
er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit
und das Abbild seines Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort,
hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
er ist um so viel erhabener geworden als die Engel,
wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt:
Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt,
und weiter: Ich will für ihn Vater sein,
und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt,
sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.



Der Hebräerbrief – ein Brief? – umreißt am Anfang ohne Umschweife die Weite des Christuszeugnisses, das dann allerdings sehr spezifisch entfaltet wird. Auf dichtem Raum stehen drei Gegenüberstellungen: Den Vorzeiten werden diese "letzten Tage" gegenübergestellt, der propehtischen Rede "vielfach und auf vielerlei Weise" die eine Rede durch den Sohn - und den Engeln der "so viel höher" Gewordene. Der Name Jesus wird nicht genannt – und der Hebräerbrief setzt voraus, dass alle wissen, von wem die Rede ist. Der Sohn wird als "Abglanz" der Herrlichkeit Gottes, als "Abbild" seines Wesen vorgestellt. Was das heisst, wird in einem Satz zusammengebunden: er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort, der hat die Reinigung von den Sünden vollbracht und er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt. Verbindender Gedanke ist, dass er von Gott zum Erben "über alles" gesetzt wurde und einen Namen ererbt hat, der höher ist als der Name eines Engels. Als der Hebräerbrief geschrieben wurde, gab es noch kein Weihnachtsfest, keine Weihnachtsstimmungen und keine Weihnachtsbräuche. Dass Hebr 1,1-6 heute aber zu Weihnachten gehört, ist gleichwohl eine glückliche Erfahrung. Sehr nüchtern wird in wenigen Strichen nachgezeichnet, was Weihnachten bedeutet. Dabei fällt auf, dass das Schema "einst" und "jetzt" unsere eigene Gegenwart einholt und bestimmt. Sind wir auch auf der – Höhe? Klaus Hemmerle hat diese Höhe so zu beschreiben versucht: Der zur Weihnacht geboren wurde, hat nicht auf Probe mit uns gelebt, ist nicht auf Probe für uns gestorben, hat nicht auf Probe geliebt. Er ist das Ja und sagt das Ja, ein ganz unwiderrufliches göttliches Ja zu uns, zur Menschheit, zur Welt. Dieses Ja kann uns tragen, kann uns heraus reißen aus Vorläufigkeiten, Unsicherheiten, Halbheiten, Vergeblichkeiten. Er will uns begleiten und so befähigen, selber Ja zu sein, nicht auf Probe, nicht nur zur Hälfte, nicht nur "ja aber". Mögen wir sein Ja erfahren in uns, über uns, um uns, uns mögen andere es erfahren durch uns.


Der Hebräerbrief ist eine geschriebene Predigt oder fast ein theologischer Traktat und beginnt deshalb auch nicht wie die anderen Briefe mit einer Briefeinleitung, sondern stellt seinen theologischen Grundgedanken an den Anfang: Gottes Offenbarung in seinem Sohn ist einzigartig und nicht vergleichbar mit früheren Offenbarungen. So wie diese zentrale christologische Aussage am Anfang steht und die Leser bzw. Hörer in die Gegenwart des Heilshandeln Gottes holt und sie in einem weiteren Schritt zum Mit-handeln einlädt, versucht der Hebräerbrief auch mit Hilfe traditioneller Formen jüdischer Schriftauslegung Hilfen auf dem Weg des neuen Gottesvolkes zu geben. Auf die christologischen Abschnitte folgen jeweils aufmunternde, ermahnende Abschnitte, die die Leser und Hörer auf ihrer Wanderschaft zum eschatologischen, endzeitlichen Ziel, der himmlischen Stadt begleiten und stärken sollen. In sorgfältig ausgearbeitetem Griechisch versucht der Autor die unbegreifliche Größe des Handelns Gottes zu beschreiben: Gott spricht zu den Menschen, nicht durch Engel oder Menschen, sondern "durch den Sohn", der ihm selbst an Macht und Herrlichkeit gleich ist. Das Bild für die Befreiungstat Gottes, das der Hebräerbrief hier verwendet ist die Katharsis, die Reinigung. Der ganze Brief ist geprägt von einer Sprache, die dem christlichen Verständnis relativ fremd ist: Er versucht das Heilsgeschehen in der jüdischen Kult- und Opfersprache auszudrücken und damit zu zeigen, daß in Jesus Christus Gott alles, was er bisher getan hat, in den Schatten stellt. Daß es sehr mißverständlich ist, diesen Brief ohne das notwendige Wissen über die kultischen Riten und die liturgische Sprache der Juden zu lesen, zeigen die Ansichten über eine Opfer- und Bluttheologie, Reinigungsriten, kultische Vorschriften, die das christliche Gottesdienstfeiern hartnäckig vereinnahmen wollen.


Die neutestamentliche Lesung ist dem Hebräerbrief entnommen. Dieser Brief richtet sich an Christen, die der jüdischen Tredition und vor allem dem jüdischen Tempelkult sehr verbunden sind, und möchte ihnen eine theologische Deutung der Ereignisse um Jesus Christus geben. Gott spricht durch seinen Sohn den er in die Welt gesandt hat. Nach vielen Propheten die sich zum Sprachrohr Gottes gemacht haben, erreicht uns jetzt das machtvolle Wort des Sohnes Gottes- Jesus. Durch Jesus ist Gott selbst, sein Wesen, für uns Menschen verständlicher geworden. Jesus ist das Angebot des Heils für alle.


Evangelium vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Tag:
Joh 1,1-18

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden,
und ohne das Wort wurde nichts,
was geworden ist.
In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht erfaßt.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt,
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief:
Dieser war es, über den ich gesagt habe:
Er, der nach mir kommt, ist mir voraus,
weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.



Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt). Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme. Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters. Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras. So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.


Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1). Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden: * 1-5 (das präexistente Sein des Logos); * 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen); * 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen). Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c). Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9): Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein. Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben. Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche). Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen. Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.


Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen. Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel. In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt". Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.


Kurzfassung des
Evangeliums vom Weihnachtsfest
und vom 2. Sonntag nach Weihnachten:
Joh 1,1-5. 9-14

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden,
und ohne das Wort wurde nichts,
was geworden ist.
In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht erfaßt.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt,
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.