21.02.2017

Lesungen 24.12.2016


1. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Vorabend:
Jes 62,1-5


Lesung aus dem Buch Jesaja:

Um Zions willen kann ich nicht schweigen,
um Jerusalems willen nicht still sein,
bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht
und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit
und alle Könige deine strahlende Pracht.
Man ruft dich mit einem neuen Namen,
den der Mund des Herrn für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des Herrn,
zu einem königlichen Diadem in der Rechten deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich «Die Verlassene»
und dein Land nicht mehr «Das Ödland»,
sondern man nennt dich «Meine Wonne»
und dein Land «Die Vermählte».
Denn der Herr hat an dir seine Freude,
und dein Land wird mit ihm vermählt.
Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt,
so vermählt sich mit dir dein Erbauer.
Wie der Bräutigam sich freut über die Braut,
so freut sich dein Gott über dich.



Der Text entstammt dem 3. Teil des Jesaja-Buches. Das babylonische Exil ist vorbei, aber Jerusalem ist besetzt und Teil des persischen Reiches. Dennoch besteht eine große Freiheit für das jüdische Volk - wie übrigens auch schon zur Zeit des Exils selbst. Die Autoren des dritten Jesaja-Buchteils blicken voll Hoffnung und Zuversicht in eine gute Zukunft: Fremde Herrscher sind zwar da, lassen aber viel Gnade walten.


Recht und Gerechtigkeit prägen diesen Abschnitt aus "Tritojesaja", dem dritten Teil des Jesajabuches. Der Prophet spricht mit jener Leidenschaft, die den Propheten des Herrn zueigen ist. Angelpunkt, um den es sich in der Lesungsperikope dreht, ist die Gottesstadt, Jerusalem mit dem Berg des Herrn, dem Zion. An ihr wird die Gerechtigkeit Gottes der Welt offenbar. Der Begriff der Gerechtigkeit ist im Ersten Testament vielschichtig. Gerecht ist einerseits der, der so handelt, dass das Wohl einer Gemeinschaft gesichert ist. Die göttliche Gerechtigkeit ist im Alten Orient oft mit dem Tun des Menschen verbunden. Der Mensch, der gerecht lebt, darf sich der Gerechtigkeit und der Nähe Gottes sicher sein. Letztlich aber geht die Gerechtigkeit von Gott aus. Von ihm kommt die Fähigkeit, sich der Gemeinschaft gegenüber treu und loyal zu verhalten. Gottes Gerechtigkeit ist Quelle von Recht und Ordnung und damit von erfülltem Leben in Israel. Diese Sicht von Gerechtigkeit wird auch in unserem Abschnitt deutlich gemacht. Als Grund dafür, dass in Jerusalem das Licht der Gerechtigkeit erstrahlt, wird genannt: Gott ist mit dieser Stadt. Jerusalem wird Ort der Gegenwart Gottes. Das Verhältnis zwischen dem Herrn und seiner Stadt wird in wunderbaren Worten mit der Beziehung zwischen Bräutigam und Braut verglichen.


Die aus dem babylonischen Exil heimgekehrten Judäer befanden sich in einer schwierigen Situation. Die Menschen hatten den Glauben an Gott und das Vertrauen auf das versprochene Heil verloren. Die Sammlung des Tritojesaja ("Dritter Jesaja") versucht, anhand verschiedenartiger Texte dem Volk Hoffnung zu geben. In den Kapiteln 60 - 62 wird das leuchtende Bild der Gottesstadt Jerusalem aufgezeigt. In der Form der Volksklage, die den Hörern bekannt war, versucht der Prophet aufzuzeigen, daß Gott sein Volk liebt und nur daraus sich Glück und Heil erwarten lassen.


Antwortpsalm für den Heiligen Abend
Ps
89,20a. 4-5. 16-17. 27. 29.

R: Von den Taten deiner Huld, o Herr, will ich ewig singen. - R

Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen:
„Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten
und David, meinem Knecht, geschworen:
Deinem Haus gebe ich auf ewig Bestand,
und von Geschlecht zu Geschlecht richte ich deinen Thron auf.“ - (R)

Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß!
Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.
Sie freuen sich über deinen Namen zu der Zeit,
über deine Gerechtigkeit jubeln sie. - (R)

Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du,
mein Gott, der Fels meines Heiles.
Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren,
mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen. – R


2. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Vorabend:
Apg 13,16-17. 22-25  

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In der Synagoge von Antióchia in Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört:
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, in Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt.
Dann erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel,
der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel Umkehr und Taufe verkündigt.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber seht, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen
ich nicht wert bin.



Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, beschreibt in der Lesung eine Missionssituation des Apostels Paulus. Mit seiner Predigt zur Gemeinde von Antiochia setzt Paulus das Wirken des Gottessohnes in den gesamten Heilsplan Gottes ein. Bindeglied zwischen Altem und Neuem Bund ist Johannes der Täufer. Die Predigt wendet sich an die Judenchristen und die Christen, welche anderen Religionen entstammten.


Die Lesungsperikope entstammt dem Bericht der Apostelgeschichte über die erste Missionsreise des Apostels Paulus (Apg 13,4-14,28). Darin wird von großen Missionserfolgen sowohl bei Juden wie auch bei Heiden erzählt. Innerhalb dieses Berichts nimmt die Verkündigung des Apostels in der Synagoge von Pisidien einen herausragenden Platz ein. Sie macht deutlich, dass die Verheißungen, die an das alttestamentliche Gottesvolk ergangen sind, sich in Jesus erfüllten, dass das von Gott zugesagte Heil aber über das Gottesvolk hinaus jedem, also auch den Heiden, gilt. So ist der ganzen Zuhörerschaft in der Synagoge von Pisidien genüge getan, die sich sowohl aus Juden wie aus gottesfürchtigen Heiden zusammensetzt. Die Predigt beginnt mit dem Gedanken, dass Gott die Väter Israels erwählt hat und dieses Volk durch die Geschichte geführt hat. Dann kommt Paulus aber schnell auf Jesus zu sprechen, den er als von Gott gesandten Retter Israels verkündet, für welchen Johannes der Täufer den Weg bereitet hat. Der Apostel will damit die Hinwendung der Juden zu Jesus und seine Anerkennung als verheißenen Messias bewirken. Indem er auf die Umkehrpredigt Johannes des Täufers verweist, hält er fest, dass niemand den Messias erkennen wird, der nicht bereit ist, ein anderer Mensch zu werden.


Ungekürzte Fassung der Lesung: Apg 13,16-26

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In der Synagoge von Antióchia in Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört:
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, in Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt
und fast vierzig Jahre durch die Wüste getragen.
Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet
und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,
für etwa vierhundertfünfzig Jahre.
Danach hat er ihnen Richter gegeben bis zum Propheten Samuel.
Dann verlangten sie einen König,
und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch,
einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.
Nachdem er ihn verworfen hatte,
erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel,
der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel Umkehr und Taufe verkündigt.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber seht, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen
ich nicht wert bin.
Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen!
Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.


Ruf vor dem Evangelium am Heiligen Abend
vgl. Apg
3,19

Halleluja. Halleluja.
Morgen wird die Sünde der Erde getilgt,
und über uns herrscht der Retter der Welt.
Halleluja.  


Evangelium vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Vorabend:
Mt 1,1-25

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:
Abraham war der Vater von Isaak,
Isaak von Jakob,
Jakob von Juda und seinen Brüdern.
Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar.
Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram, Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon. Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai,
Isai der Vater des Königs David.
David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war.
Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa, Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija. Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija, Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija. Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.
Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, Schealtiël von Serubbabel, Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor. Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud, Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob.
Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias;
von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.
Im ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen,
von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen
und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete -
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war
und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte:
Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht,
Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
einen Sohn wird sie gebären,
und man wird ihm den Namen Immanuel geben,
das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,
und nahm seine Frau zu sich.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.
Und er gab ihm den Namen Jesus.



Der Evangelist Matthäus führt die lukanische Formulierung "Denn er [Josef] stammte aus dem Haus und Geschlecht Davids” (Lk 2,4b) aus, indem er einen Stammbaum Jesu als Ausgangslage des Heilsgeschehens gestaltet. Lukas liefert diesen Stammbaum nach, als das Wirken Jesu schon eröffnet war (Lk 3). Dieser 'Stammbaum' des Matthäus ist ein literarisches Werk (Gnilka, Matthäus), dessen Vorlage sich in der jüdischen Tradition wiederfindet. Man muss ein wenig Abstand nehmen von der Chronologie, da etliche genannte Personen nicht die Zeiträume abdecken, für die sie stehen. Dann aber lässt sich durchaus die literarische Absicht des Evangelisten erkennen: Im Sohn vollendet sich das Heilswerk Gottes, das seinen Anfang in den Väter- (und Mütter-)gestalten des Alten Israels und seinen Weg nahm über König David. Abraham und David nehmen dabei verheißungsgeschichtliche Positionen von erhöhter Relevanz ein - daher sind sie in diesem Stammbaum auch herausragende Kompositionselemente (Vers 17).


Die Erzählung ist eine Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Dahinter steht die Glaubensüberzeugung, welche bereits das Urchristentum hatte, dass nämlich Jesus ein Kind des Heiligen Geistes und nicht ein Kind des Josef ist sowie dass die Geburt Jesu ein prophetisch vorausgesagtes Erlösungsgeschehen bedeutet, welches die Empfängnis durch eine Jungfrau einschließt. Dieser Inhalt wird in der Evangelienperikope im Rahmen einer Geschichte erzählt, in welcher ein Traum Josefs und das deutende Wort eines Engels beschrieben werden. Ein mit dem bloßen Verstand unfassbares Offenbarungsereignis soll so auf menschlich nachempfindbare Weise nahegebracht werden. Traumoffenbarungen sind der antiken Vorstellungswelt nicht außergewöhnlich. Ebenso nicht außergewöhnlich ist dem mit der biblischen Tradition vertrauten Menschen die Figur des Engels als Offenbarungsmittler (vgl. etwa Gen 28,11-16; 31,11-13). Als Hintergrund setzt die Erzählung die Verhältnisse hinsichtlich der jüdischen Eheschließung voraus. Josef war schon mit der Verlobung der rechtliche Ehegatte von Maria. Doch erst mit der Überführung in sein Haus hätte die eigentliche eheliche Gemeinschaft begonnen. Wenn sich eine Frau in der Zeit zwischen der Verlobung und der Überführung in das Haus des Ehegatten mit einem anderen Mann einließ, galt dies im Normallfall als Ehebruch. Josef, der um die Schwangerschaft Mariens weiß, entschließt sich, ihr in diskreter Weise einen Scheidungsbrief auszustellen. Er möchte sie nicht der Bestrafung wegen Ehebruchs ausliefern (vgl. Dtn 22,23f). In diese Situation fügt sich nun der Offenbarungstraum. Neben einer Erklärung über die Herkunft des Kindes, mit dem Maria schwanger geht, enthält dieser Traum den Hinweis auf die Bedeutung dieses Kindes. Es soll ihm der Name "Jesus" gegeben werden. Dahinter steht das hebräische "Jehoschua", was soviel heißt wie "Jahwe ist Hilfe". Weiters wird auf Jes 7,14 verwiesen, wo eine Rettergestalt mit dem Namen "Immanuel" - "Gott mit uns" verheißen wird. In Jesus, so die Aussageabsicht, ist Gott rettend, schützend, helfend, tröstend seinem Volk nahe und gegenwärtig. Dies gilt nicht bloß für das alttestamentliche Gottesvolk, sondern auch für jenes des Neuen Testaments, für die Kirche. Und es gilt bis an das Ende der Zeiten.


Die als "erweiterte Fußnote" zu Mt 1,16 angefügte Darstellung, wie die Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geist Josef offenbart wurde, ist eine in Erzählform gebotene christliche Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Die Matthäus aus der Glaubensüberzeugung urchristlicher Kreise gewisse Tatsache, daß nicht Josef, sondern der Heilige Geist der wahre Erzeuger Jesu ist, wird schon in Vers 18 ausgesprochen. Die Bedenken des "gerechten" Josef werden vom Offenbarungsengel durch die Enthüllung zerstreut, daß das Kind im Schoße Marias vom Heiligen Geist gezeugt ist. Ein weiteres Wort offenbart ihm, daß es ein Knabe ist, dem er den Namen Jesus geben soll. Daran schließt Matthäus ein Erfüllungszitat (Verse 22-23): Es ist ein prophetisch vorhergesagtes Geschehen, das die jungfäuliche Empfängis einschließt und im Zusammenhang der Erlösung steht. Offenbarungen durch Träume sind in der antiken Welt verbreitet. Engel sind für das Judentum häufig Offenbarungsvermittler und auch dem Urchristentum als Boten Gottes vertraut. Es sind Darstellungsweisen für ein sonst unfaßbares Offenbarungsgeschehen. Die Überlegungen Josefs setzen die Verhältnisse jüdischer Eheschließung und jüdische Anschauungen voraus. Schon mit der Verlobung (Heiratsvertrag) ist Josef rechtlich der Ehegatte Marias, doch mit der Überführung in sein Haus beginnt die eheliche Gemeinschaft. Wenn sich eine Braut mit einem anderen Mann einließ, galt das als Ehebruch. Josef, der die Schwangerschaft Marias erkennt, will sie nicht "bloßstellen", nicht in Verruf bringen, sondern ihr im Stillen den Scheidebrief ausstellen, damit sie nicht beschämt oder gar als Ehebrecherin bestraft wird. Hauptpunkt der Offenbarung ist die Herkunft des Kindes vom Heiligen Geist. Trotz des Ausdrucks "erzeugt" bleibt (wie bei Lk 1,35) jede geschlechtliche Vorstellung fern, anders als in heidnischen Mythen, wo Götter mit Jungfrauen geschlechtlich verkehrten. Der Gedanke der geisterzeugten jungfräulichen Empfängnis hat eher an jüdisch-hellenistischen Vorstellungen einen Anhalt. Matthäus will mit der Erzählung zugleich die Bedeutung des göttlichen Kindes den Lesern vor Augen führen. In der Namensgebung, die hier Josef zufällt, wird Jesus, abgeleitet von hebräisch Jehoschua (= Jahwe ist Hilfe), als Retter seines Volkes vorgestellt. Für Matthäus gewinnt der in Jes 7,14 dem Kind beigelegte Name "Immanuel" (= "Gott mit uns") eine hervorragende Bedeutung. Denn in Jesus ist Gott helfend, rettend, schützend mit seinem Volk und im Ausblick auf das neue Gottesvolk diesem nahe und gegenwärtig bis ans Ende der Welt.


Kurzfassung des
Evangeliums vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Vorabend:
Mt 1,18-25
 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete -
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war
und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte:
Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht,
Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
einen Sohn wird sie gebären,
und man wird ihm den Namen Immanuel geben,
das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,
und nahm seine Frau zu sich.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.
Und er gab ihm den Namen Jesus.