1.03.2017

Lesungen 25.12.2016


1. Lesung vom Hochfest der Geburt des Herrn - Am Morgen:
Jes 62,11-12

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Hört, was der Herr bis ans Ende der Erde bekanntmacht:
Sagt der Tochter Zion:
Sieh her, jetzt kommt deine Rettung.
Siehe, er bringt seinen Siegespreis mit:
Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.
Dann nennt man sie «Das heilige Volk»,
«Die Erlösten des Herrn».
Und dich nennt man «Die begehrte,
die nicht mehr verlassene Stadt».



In prophetischen Schriften werden häufig Städte als Frauen angesprochen. "Die Stadt" ist auch im westsemitischen Kulturkreis grammatikalisch weiblich. Dahinter steht eine alte Vorstellung von Stadtgöttinnen: Städte bieten Schutz und Geborgenheit, sie ernähren ihre Bewohner, darum wurden ihnen weibliche Gottheiten zugeordnet, Israel übernimmt zwar die Metapher, aber nicht die dahinterstehende Göttinnenvorstellung. Sowohl fremde Städte als auch Zion, Jerusalem, werden als Töchter bezeichnet. Schon in Kapitel 1 ist die Tochter Zion die Verlassene, weil sie Gott untreu geworden und von ihm abgefallen ist. In Kapitel 2 wird sie als Dirne bezeichnet, weil ihr Fürsten eine Bande von Diebe ist und keine Gerechtigkeit mehr herrscht, trotzdem wird auch hier schon gesagt, daß Gott Zion retten wird, daß er sie nicht in diesem Zustand des Unrechts läßt. Jerusalem wird dargestellt als kinderlose, unfruchtbar, verlassene und verstoßene Frau ( 49,21; 54,1-6) Gott selbst wird wieder gutmachen, was sich die Stadt durch ihr Verhalten zugezogen hat. Die "Kinder" der Stadt werden zurückgebracht, die Ehre und Versorgung einer israelitischen Frau. Im Orient hatte der Mann das Recht seine Frau zu verstoßen und sie kinderlos und unversorgt zu verlassen. Zion hatte sich die Verstoßung durch ihre Untreue verdient. Die Kapitel 49 und 62 zeigen Gott als den einsichtigen Ehemann, der das volle Ausmaß der Not und der Hilflosigkeit der verlassenen und unversorgten Frau erkennt und sie wieder zu seiner Braut macht. Zion ist für Gott keine ebenbürtige Partnerin, sie ist keine Stadtgöttin, sondern sie ist das, was Gott ihr schenkt. Ihr Heil kommt von Gott, alle Ehrentitel, die ihr gegeben werden, kommen ihr nicht aus eigenem zu, sondern durch das Handeln Gottes. Im Bild des Bräutigams/Ehemanns legt der Prophet wert auf die verständnisvollen, barmherzigen Züge Gottes. Neben den vielen anderen Bildern, die er für Gott verwendet, kann dieser unkonventionelle Mann gut stehen bleiben.


Die Lesungsperikope ist dem dritten Teil des Jesajabuches entnommen. Dieser ist unmittelbar nach der babylonischen Gefangenschaft etwa um das Jahr 520 entstanden und versucht, die neu errungene Freiheit und Eigenständigkeit theologisch zu deuten: Gott hat sich seinem Volk wieder zugewandt. Die Aufbruchstimmung ist eng mit dem Wiederaufbau des Tempels und Jerusalems verknüpft. Die Heimkehr des Volkes wird wie die Rückkehr eines siegreichen Heeres gefeiert, das durch die Führung Gottes einen Sieg errungen hat. Alt und vom ersten und zweiten Teil des Jesajabuches her bekannt ist das Motiv des bedingungslosen Vertrauens in den Beistand Jahwes. Hinzu kommt eine universalistische Denkweise, die das Heil aller Völker in den Blick nimmt, während es in früheren Epochen ausschließlich um das Heil des auserwählten Volkes ging. Die Namen des Gottesvolkes sind das Programm, das es nun zu erfüllen gilt: "das heilige Volk", "die Erlösten des Herrn" und "die begehrte, die nicht mehr verlassene Stadt" bezeichnen eine Naheverhältnis zu Gott, das einerseits sichtbar und spürbar geworden ist, andererseits im Leben des Volkes verwirklicht werden soll.


Antwortpsalm an Weihnachten am Morgen
Ps
97,1. 6. 11-12

R: Ein Licht strahlt heute über uns auf:
geboren ist Christus, der Herr. – R

Der Herr ist König. Die Erde frohlocke.
Freuen sollen sich die vielen Inseln.
Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel,
seine Herrlichkeit schauen alle Völker. - (R)

Ein Licht erstrahlt den Gerechten
und Freude den Menschen mit redlichem Herzen.
Ihr Gerechten, freut euch am Herrn,
und lobt seinen heiligen Namen! – R  


2. Lesung von Weihnachtsfest - Am Morgen:
Tit 3,4-7

Lesung aus dem Titusbrief:

Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes,
unseres Retters, erschien,
hat er uns gerettet -
nicht weil wir Werke vollbracht hätten,
die uns gerecht machen können,
sondern aufgrund seines Erbarmens -
durch das Bad der Wiedergeburt
und der Erneuerung im Heiligen Geist.
Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen
durch Jesus Christus, unseren Retter,
damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden
und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.



Die ausgewählten Verse aus dem Titusbrief möchten die Lebensordnungen, die in diesem Brief mitgeteilt werden, theologisch begründen. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist und durch die wir gerettet sind, ist Richtschnur des menschlichen Verhaltens. Wie wir die Rettung nicht durch Verdienste erworben haben, sollen wir gütig und menschenfreundlich zu allen Menschen sein.


Ruf vor dem Evangelium an Weihnachten am Morgen
Lk
2,14

Halleluja. Halleluja.
Verherrlicht ist Gott in der Höhe,
und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.
Halleluja.


Evangelium von Weihnachtsfest - Am Morgen:
Lk 2,15-20

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Als die Engel die Hirten verlassen hatten
und in den Himmel zurückgekehrt waren,
sagten die Hirten zueinander:
Kommt, wir gehen nach Betlehem,
um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind,
das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie,
was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
Maria aber bewahrte alles, was geschehen war,
in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn
für das, was sie gehört und gesehen hatten;
denn alles war so gewesen,
wie es ihnen gesagt worden war.



Die Hirten finden die Offenbarung Gottes im angegebenen Zeichen bestätigt. Sie verkünden Maria und Josef und den Menschen, was ihnen selber verkündet worden ist. Die Frucht dieser Verkündigung ist Verwunderung. Wer die Offenbarung des Göttlichen erlebt, wundert sich, sei es dass er gläubig und ehrfurchtsvoll staunt, sei es dass er ahnungsvoll bewundert oder auch kritisch und verständnislos ablehnt. Wer staunt, hat den Anstoß zum Glauben erhalten; der Glaube selbst bleibt eine persönliche Entscheidung. Maria staunt nicht nur, sondern sie "bewahrte... alles in ihrem Herzen". Sie wird immer wieder Neues über ihr Kind hören und es glaubend zusammenfügen. So wird sie zum Urbild aller Glaubenden und dadurch zum Urbild der Kirche. Die Hirten aber "rühmten Gott und priesen ihn", als sie zurückkehrten. Diese Verherrlichung Gottes zieht sich wie ein Faden durch das ganze Evangelium des Lukas. Die Hirten sind die ersten Augenzeugen und Verkünder der Frohbotschaft. Jesus wurde durch seine Geburt in die Ordnung des Alten Bundes hineingeboren und in die Verpflichtung des damit einhergehenden Gesetzes. Daher auch die Beschneidung am achten Tag, die als ein Zeichen des Bundes und ein Kennzeichen des Gottesvolkes ist. Mit der Beschneidung ist die Namensgebung verbunden. Dieser Name, von Gott selbst bestimmt und Maria und Josef durch den Engel mitgeteilt, ist Jesus und deutet inhaltlich an, was er sein wird: Gott ist der Retter, der in Jesus das Heil bringt.


Im Gegensatz zur Beschneidung und Namensgebung Johannes des Täufers (Lk 1,59ff.) wird die Beschneidung bei Jesus nur "nebenbei" erwähnt. Viel wichtiger erscheint dem Evangelisten die Namensgebung, denn Gott selbst hat dem Kind seinen Namen, Sendung und Auftrag gegeben - nicht Josef oder Maria bestimmen seinen Lebensweg! "Jesus" ist die griechische Schreibform des hebräischen Jeschuah (Spätform von Jehoschua, was "JHWH ist Hilfe" bedeutet). Im Prinzip ist der Name Jesus ein zu damaliger Zeit recht gebräuchlicher jüdischer Name und Gott wird somit bei seiner Menschwerdung den Menschen auch in diesem gleich. Die Beschneidung ist ein Zeichen des Bundes, der Zugehörigkeit zu JHWH (vgl. hierzu: Gen 17,23ff.; Ex 4,25), der Zugehörigkeit zu Israel (Ex 12,48; Röm 4,11), ist Erinnerungszeichen an die Verpflichtung des Bundes (Dtn 30,6; Jer 4,4; Ez 44,7; Gal 5,3) und Zeichen der Unterscheidung von anderen Völkern (Ri 14,3; 1 Sam 14,6; 2 Sam 1,20). Die Beschneidung wurde vom Gesetz her auf den achten Tag nach der Geburt festgelegt und zumeist vom Vater vollzogen. In neutestamentlicher Zeit wurde damit auch die Namensgebung verbunden.


Dieser Abschnitt der lukanischen Kindheitsgeschichten stellt vor, wie Menschen Zugang zum Mysterium der Geburt Jesu finden können: Die Hirten hören und erzählen weiter und kommen so zum Glauben. Dieser findet Ausdruck im Lobpreis Gottes - wie in der Christengemeinde, in der diese Erzählung überliefert wird. Maria bewahrt und bewegt, was an ihr geschehen ist, was sie selbst erlebt, gehört und gesehen hat, in ihrem Herzen und erkennt darin das Wirken und Erscheinen Gottes.