27.04.2017

Lesungen 15.01.2017


1. Lesung vom 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 49,3. 5-6

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Der Herr sagte zu mir:
Du bist mein Knecht, Israel,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Jetzt aber hat der Herr gesprochen,
der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat,
damit ich Jakob zu ihm heimführe
und Israel bei ihm versammle.
So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt,
und mein Gott war meine Stärke.
Und er sagte:
Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist,
nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten
und die Verschonten Israels heimzuführen.
Ich mache dich zum Licht für die Völker;
damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.



Es sind Worte aus einem "Ebed-Jahwe-Lied" (das Lied vom Knecht Gottes), das im Buch Deuterojesajas (Kap. 40 bis 55) überliefert wird. Es ist die Zeit des babylonischen Exils. Für die Menschen eine furchtbare Katastrophe. Der Tempel in Jerusalem ist verwüstet, und sie selbst weinen an den "Flüssen Babels", wie es im Psalm heißt. Im Lied wird ein breiter Horizont abgesteckt. Der Knecht Gottes soll das Volk Israel nicht nur zurückbringen und einen neuen Anfang machen - er soll zum Licht der Völker werden, damit Jahwes Heil die ganze Welt umspannt. Die Menschen, die in der Verbannung zuerst an sich denken und von ihrer alten Heimat träumen, die von der Geschichte Gerechtigkeit erwarten und nicht länger Wunden lecken wollen, hören in diesem Lied, dass der Knecht Gottes sich nicht von ihnen vereinnahmen lassen kann. Es ist ein feiner Unterton - in Babel - zu hören: Jahwes Volk teilt das Licht mit den Völkern. Es gibt Ausleger, die meinen, dass in den Liedern vom Knecht Gottes das Volk Israel selbst "Knecht Gottes" ist. Die Lieder vom Knecht Gottes enthalten so große Verheißungen, dass sie aber schon im Neuen Testament und im Urchristentum auf Jesus bezogen wurden. Alte gottesdienstliche Texte preisen Gott "durch deinen Knecht Jesus".


Als erste Lesung dieses Sonntags wird das sog. Zweite Lied vom Gottesknecht aus dem Jesajabuch vorgetragen. Der Text läßt sich schwer einordnen. Er folgt ziemlich unvermittelt auf den vorausgehenden Teil und steht in einem Zusammenhang mit Jes 42,1-9, dem Ersten Lied vom Gottesknecht. Das Lied spricht in der Ich-Form von der Berufung eines Propheten, sodaß man zuerst einmal meinen könnte, Buchautor und Prophet seien identisch. In Vers 3 aber wird der Prophet mit "Israel" angeredet. Dies läßt die Annahme zu, daß das Volk Israel die Rolle des Propheten und Gottesknechtes wahrzunehmen habe. Andererseits könnte die Anrede "Israel" aber auch eine Titulierung des Propheten sein. Jahweh, der ihn als Knecht in Dienst nimmt, nennte ihn nach diesem Verständnis "Gottesstreiter" oder "Gotteskämpfer" (vgl. Gen 32,29). Wer mit dem Gottesknecht letztendlich gemeint ist, läßt sich nicht eindeutig klären. Die Bezeichnung "Knecht" muß nicht im Sinne von Sklave oder niederer Diener verstanden werden. Sie wurde auch für hohe Staatsämter, die in Abhängigkeit vom König ausgeübt wurden, verwendet und könnte auch mit "Minister" oder "Berater" übersetzt werden. Inhaltlich geht es um die Erwählung und Einsetzung des Gottesknechtes in sein Amt. Die Formulierung in Vers 3 ruft Psalm 2,7-9 und die Inthronisierungszeremonie des Königs in Jerusalem in Erinnerung. Der Prophet nimmt die ihm zugemessene Würde selbstbewußt an (Vers 5a). Die Aufgabe des Gottesknechtes wird in drei Kreisen beschrieben: - Der Gottesknecht wird eingesetzt, damit Jahweh an ihm seine Größe und Herrlichkeit offenbaren kann (Vers 3). - Der Gottesknecht soll die Verherrlichung Gottes herbeiführen, indem er das Volk, das im Exil verstreut unter anderen Völkern lebt, heim nach Jerusalem führen wird. Diese unter den herrschenden Verhältnissen menschlich gesehen unmögliche Aufgabe übernimmt der Prophet in Vertrauen auf Gott. - Schließlich wird der Auftrag des Gottesknechtes noch ausgeweitet: Er soll Licht werden für die Völker und das Heil Gottes bis zu den Enden der Erde sichtbar machen. Seine Sendung überschreitet die engen nationalen Grenzen und gilt für die ganze Menschheit. Spätere Texte (Lk 2,32: "ein Licht zur Erleuchtung der Heiden" und Mt 28,19: Die Aussendung der Jünger durch den Auferstandenen) werden auf diese Sendung des Gottesknechtes Bezug nehmen.


Antwortpsalm am 2. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 40,2. 4ab. 7-10

R Mein Gott, ich komme;
deinen Willen zu tun macht mir Freude. - R

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn.
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er legte mir ein neues Lied in den Mund,
einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. - (R)

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen,
Brand- und Sündopfer forderst du nicht.
Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt;
darum sage ich: Ja ich komme.
In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist. - (R)

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude,
deine Weisung trag‘ ich im Herzen.
Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde,
meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es. - R


2. Lesung vom 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kor 1,1-3

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Paulus,
durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu,
und der Bruder Sosthenes
an die Kirche Gottes, die in Korinth ist,
an die Geheiligten in Christus Jesus,
berufen als Heilige mit allen,
die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen,
bei ihnen und bei uns.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.



Auch der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth beginnt - wie alle Briefe - mit einer Anrede. Nach antikem Vorbild ist es eine entfaltete Anrede. Am Anfang nennen sich die Schreiber: Paulus und Sosthenes. Dann werden die Empfänger genannt: "an die Kirche Gottes, die in Korinth ist" - und die Menschen werden angesprochen als "die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns". Der Friedenswunsch schließt schließlich die Anrede ab: "Gnade sei mit euch..." Die Anrede stimmt einen hohen Ton an - wenn man bedenkt, wie viel Streit es in Korinth gab. Paulus ist alles andere als unangefochten. Es gibt Parteiungen und Schulbildungen - gegen Paulus. Der Apostel gilt als schwach, seine rhetorischen Fähigkeiten als nicht ausreichend, was er sagt, als nicht "weise". Der Brief, den Paulus schreibt, trägt zum Teil Züge eines "Tränenbriefes" - und doch rechtfertigt Paulus sich nicht selbst, sondern das Evangelium, das in den "Schwachen" mächtig ist. Paulus spricht die Korinther - bevor alles andere überhaupt gesagt werden kann - darauf an, was sie sind: Kirche Gottes, in Christus Geheiligte. So werden Getaufte angesprochen, die in einer gemeinsamen Geschichte mit Gott verbunden sind. Paulus wird am Ende den Brief (in dem u.a. auch das "Hohelied der Liebe" steht - 1 Kor 13) beschließen mit den Worten: "Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch! Meine Liebe ist mit euch allen in Christus Jesus!"


Als 2. Lesung dieses Sonntags wurde der Briefanfang des 1. Korintherbriefes ausgewählt. Sie enthält nichts als den Absender und Adressaten des Briefes sowie einen Segensgruß. Abgesehen davon, daß dieser Abschnitt Einblick gibt, wie man damals sozusagen ein Briefkuvert formal gestaltete, fungieren diese drei Verse als eine Art Ouvertüre des weiteren Schreibens und fassen die Hauptargumente des ganzen Briefes zusammen. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Streitigkeiten in der Gemeinde Anlaß zu diesem Brief gegeben haben. In Korinth sind Lehrer aufgetreten, die die Autorität und den Inhalt der Verkündigung des Paulus, der immerhin die Gemeinde in Korinth gegründet hat, in Frage stellen. Vor diesem Hintergrund weist sich Paulus bereits in der Absenderangabe als der "durch Gottes Willen berufene Apostel Jesu Christi" aus. Die Autorität seiner Predigt und auch dieses Briefes bezieht er aus seiner Berufung und nicht etwa aus der Brillanz seiner Ausführungen. Paulus scheut sich aber auch nicht, die Adressaten bei ihrer Würde als von Gott durch Christus Berufene und Geheiligte anzureden. Damit steckt er den Horizont dafür ab, was er ihnen zu sagen hat und mit welchem Anspruch er es sagt. Abgeschlossen wird diese Briefeinleitung durch einen Gnaden- und Friedenswunsch. Beide, Absender und Empfänger des Briefes, stehen unter dem Wohlwollen des einen Gottes. Dieser Text zeugt von großer Hochachtung vor den Konfliktpartnern und kann als Beispiel für den Umgang mit Konflikten in den Gemeinden und in der Kirche dienen.


Ruf vor dem Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis (A)
Joh 1,14a.12a

Halleluja. Halleluja.
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Halleluja.


Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Joh 1,29-34

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sah Johannes der Täufer
Jesus auf sich zukommen
und sagte:
Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Er ist es, von dem ich gesagt habe:
Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist,
weil er vor mir war.
Auch ich kannte ihn nicht;
aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser,
um Israel mit ihm bekanntzumachen.
Und Johannes bezeugte:
Ich sah, daß der Geist vom Himmel herabkam
wie eine Taube und auf ihm blieb.
Auch ich kannte ihn nicht;
aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen,
er hat mir gesagt:
Auf wen du den Geist herabkommen siehst
und auf wem er bleibt,
der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.
Das habe ich gesehen, und ich bezeuge:
Er ist der Sohn Gottes.



Der Evangelist Johannes überliefert in seiner "Sehweise" die Taufe Jesu. Über ihr stehen die Worte aus dem "Prolog": Das Wort wurde Fleisch. Johannes lässt den Täufer sagen: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" - und bezeugen: "Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb." Mit "das habe ich gesehen, und ich bezeuge" schließt der Abschnitt mit dem Bekenntnis zu Jesus, dem Sohn Gottes. Die Synoptiker - Markus, Matthäus und Lukas - hatten in der Taufgeschichte Jesu erzählt, dass er sich unter die Sünder einreiht. Eine Stimme aus dem Himmel stellt ihn als den Sohn vor, an dem Gott Wohlgefallen hat - und auf den "ihr" hören sollt. Der Evangelist Johannes hat die Szene beleuchtet: Das Lamm Gottes kommt, der Geist bleibt auf ihm - er ist der Sohn Gottes. Jeweils dazwischen eingeschoben lässt er dem Täufer das Wort, stellvertretend für Menschen: "Auch ich kannte ihn nicht" (zweimal). Alles, was der Täufer sieht und bezeugt, ist Offenbarung. Meister Mathis, genannt Grünwald, hat im Isenheimer Altar, heute in Colmar zu bewundern, die Szene gestaltet. Mit einem überlangen Finger weist der Täufer auf den Gekreuzigten, der die Mitte des Altars einnimmt. Auf dem Bild zu sehen ist auch ein Lamm.


Das Evanglium dieses Sonntags verkündet das Zeugnis, das Johannes der Täufer von Jesus abgibt (vgl. Joh 1,19). Dieses Zeugnis hat die synoptischen Erzählungen von der Taufe Jesu zum Hintergrund. Im Gegensatz zu den anderen Evangelien aber werden der Vorgang der Taufe und die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes bei Johannes nicht beschrieben. Dieser spricht über Jesus (bzw. läßt den Täufer sprechen) in der für ihn typischen Überhöhung. Jesus ist für Johannes das Lamm Gottes, das eigentliche Paschaopfer. Johannes nimmt hier bereit österliches Geschehen voraus. Nach dem Johannesevangleium wird Jesus im Gegensatz zu den anderen drei Evangelisten genau zu dem Zeitpunkt den Tod erleiden, an dem im Tempel die Paschalämmer geschlachtet werden. Der Evangelist verbindet mit dem Bildnamen "Lamm Gottes" eine Aussage, die im Kern mit dem Paschalamm nichts zu tun hat: "das die Sünde der Welt hinwegnimmt". Der Tod Jesu wird als Sühne für die Schuld der Menschen erkannt. Weiters läßt er den Täufer sagen, daß Jesus der sei, der nach ihm kommt, jedoch schon vor ihm war. Jesus ist der, der am Anfang war (vgl. den Prolog Joh 1,1 ff). Aufgabe des Täufers ist, Zeugnis für Jesus abzulegen. Er hat Jesus als den mit dem Geist Ausgestatteten erkannt. Dies weist ihn als Sohn Gottes, als Messias aus. Dieser Textabschnitt stellt einen Baustein im schrittweisen Offenbarwerden des Sohnes Gottes am Beginn seines Wirkens dar. Jesus wird sich in der darauffolgenden Erzählung den ersten Jüngern zeigen und bei der Hochzeit zu Kana sein erstes Zeichen setzen, das ihn als Messias ausweist.