23.08.2017

Lesungen 12.03.2017


1. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr A:
Gen 12,1-4a

Lesung aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen
sprach der Herr zu Abram:
Zieh weg aus deinem Land,
von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus
in das Land, das ich dir zeigen werde.
Ich werde dich zu einem großen Volk machen,
dich segnen und deinen Namen groß machen.
Ein Segen sollst du sein.
Ich will segnen, die dich segnen;
wer dich verwünscht, den will ich verfluchen.
Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
Da zog Abram weg,
wie der Herr ihm gesagt hatte.



Die alttestamentliche Lesung stammt aus dem Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel. Nach der so genannten Urgeschichte bildet der Text von der Berufung Abrahams aus Ur in Chaldäa dort in mehrfacher Hinsicht einen Anfang: Es ist der Anfang des so genannten Abraham-Zyklus, es ist damit auch der Anfang der Erzählungen von den Patriarchen und der Anfang der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel überhaupt.


Die Perikope stellt den Beginnn der Abrahamserzählung (Gen 12-25) dar. Gen 11,27-32 war der Übergang von der Urgeschichte zu den Vätererzählungen. Die größere Einheit ist 12,1-9 (Verheißung an Abraham und Wanderung). Die Verse 1 bis 3 bilden die theologische Einleitung dazu mit der Betonung auf der Verheißung. Den Rahmen bilden der Befehl Gottes zum Aufbruch (Vers 1) und die Ausführung durch Abraham (Vers 4a). Die Weisung zum Aufbruch soll Abraham (einen Nomaden, der das Wandern gewohnt war!) aus einer Notsituation retten bzw. vor Not bewahren. Die 3 Kreise, aus denen er aufbricht (Land - Verwandtschaft - Vaterhaus) zeigen den völligen Neuanfang. Im Zentrum der Verheißung steht der Segen (Verse 2-3) mit der Steigerung: Abraham (2), alle, die mit Abraham in Berührung kommen (3a) und schließlich die ganze Menschheit (3b). Die Grundverheißung "Ich will dich segnen" meint nicht eine einzelne Aktion, sondern einen steten Prozeß; "barak" = "segnen" meint: Kraft der Fruchtbarkeit, des Wachsens, des Gelingens - als ständige Haltung Gottes zu Abraham. Weil Abraham gesegnet wird, kann er auch zum Segen für andere werden - ja noch weiter: das Verhalten der Menschen gegenüber A.bewirkt für sie Fluch oder Segen.


Der Text der Lesung leitet die Patriarchengeschichte des Buches Genesis ein. Man hat in diesem Erzählkomplex (Gen 12-50) die Überlieferungen und Sagen einzelner Halbnomadenverbände über jene Personen zusammengestellt, die als Stammväter betrachtet wurden und historisch wohl in der Zeit zwischen 1500 und 1200 v. Chr. zu situieren sind. Abraham (hier in der Form Abram) war der Stammvater eines dieser Verbände. Er wird in der Patriarchengeschichte aber nicht nur als der Urvater eines Stammes gesehen, sondern als der Ahnherr des ganzen Volkes Israel schlechthin. Sein Name bedeutet soviel wie "Mein Vater ist erhaben". In den der Lesung vorangehenden Kapiteln des Buches Genesis ist der "Fluch" ein zentrales Motiv. Unser Text erzählt nun vom fulminanten Beginn der Segensgeschichte Gottes. Abraham selbst erfährt Segen, aber er soll auch zum Exponenten dieses Segens werden. Durch ihn (und damit durch ganz Israel) sollen sowohl die nähere Mitwelt als auch die fremden Völker das Heilswirken Gottes erfahren. Die Segensgeschichte kann beginnen, da Abraham den Aufbruch aus dem Gewohnten in unbekanntes Neuland wagt, sein Leben radikal ändert und es an den Ruf Gottes bindet. Die Erzählung wird zur permanenten Herausforderung für Israel: Entsprechen wir noch dem verkündeten Willen Gottes? Handeln wir so, daß wir den anderen Völkern ein Segen sind?


Antwortpsalm am 2. Fastensonntag (A)
Ps 33,4-5. 18-20. 22

R: Lass deine Güte über uns walten, o Herr,
denn wir schauen aus nach dir, - R

Das Wort des Herrn ist wahrhaftig,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn. - (R)

Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,
die nach seiner Güte ausschaun;
denn er will sie dem Tod entreißen
und in der Hungersnot ihr Leben erhalten. - (R)

Unsre Seele hofft auf den Herrn;
er ist für uns Schild und Hilfe.
Lass deine Güte über uns walten, o Herr,
denn wir schauen aus nach dir. - R


2. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr A:
2 Tim 1,8b-10

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus:

Mein sohn!
Leide mit mir für das Evangelium.
Gott gibt dazu die Kraft:
Er hat uns gerettet;
mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen,
nicht aufgrund unserer Werke,
sondern aus eigenem Entschluß und aus Gnade,
die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde;
jetzt aber wurde sie
durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart.
Er hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht
durch das Evangelium.



Die Perikope ist Teil von 1,6-14, die im Zusammenhang gelesen werden sollten (siehe: "Erweiterte Fassung"). Dieser Abschnitt ist eine Ermahnung zu furchtlosem Zeugnis und zu Treue im Glauben. Zentral ist "Charisma" (Gnadengabe, Vers 6): Sie gibt Kraft zur Geduld im Leiden; Vorbild ist Paulus selbst. Dieses Charisma wird per Handauflegung übertragen - ist also nicht mehr mit den Charismen von 1 Kor 13 zu vergleichen, sondern meint eher das "Amts-Charisma" der Leitung. Timotheus ist eingesetzt als Verwalter des ihm von Gott anvertrauten Gutes (der "Lehre", der "Überlieferung"). Verse 9-10: stellen ein hymnusartiges Bekenntnis dar: Gott rettet und beruft. Das Heil hängt nicht an eigenen Werken, sondern ist ganz begründet im Willen Gottes; es ist Gnade "von Anfang an". Glaube und Werke sind beides Resultate dieser Gnade, nicht Bedingungen! Diese Gnade, dieses Heilswirken Gottes haben sich in Jesus Christus auch geschichtlich geoffenbart. Die "Erscheinung" (Epiphanie) des Heils ist eine zeitübergreifende Wirklichkeit. Verse 11 f: Timotheus wird auf diese Frohbotschaft verpflichtet; Treue im Glauben muß sich auch zeigen in Treue zum Apostel; in der Verkündigung des Glaubens erweist Gott selbst seine Kraft.


Die Lesung entstammt dem Zweiten Brief an Timotheus. Der Verfasser dieses Briefes schreibt zwar im "Ich" des Apostels Paulus, nach der neueren Forschung dürfte er aber nicht mit diesem identisch sein, da das Bild der Kirche, wie es zwischen den Zeilen durchleuchtet, gegenüber der Zeit des Paulus ein anderes geworden ist. Wir begegnen im Timotheusbrief etwa schon einer stärkeren Institutionalisierung des kirchlichen Amtes. In dieser Situation spricht sich der Verfasser des Briefes am Beginn der Textstelle gegen jede Verflachung des apostolischen Bekenntnisses aus. Der kirchliche Amtsträger solle bereit sein, sich bedingungslos für das Evangelium einzusetzen, was in Zeiten, in denen Christen und Christinnen Herabwürdigung und Verachtung erfahren, mitunter auch ein "Leiden für das Evangelium" einschließt. Die Kirche, die der Verfasser anvisiert, ist mit jüdisch-gnostischen Irrlehrern konfrontiert. Ihnen gegenüber wird der zentrale paulinische Gedanke von der Rettung des Menschen durch die freie Gnade Gottes und ohne menschliches Verdienst verteidigt. Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen. Er ist angewiesen auf das in Christus einsichtig gewordene Heilshandeln Gottes.


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr A und der
2. Lesung vom 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Tim 1,6-14

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus:

Mein Sohn!
Ich rufe dir ins Gedächtnis:
Entfache die Gnade Gottes wieder,
die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist.
Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben,
sondern den Geist der Kraft,
der Liebe und der Besonnenheit.
Schäme dich also nicht,
dich zu unserem Herrn zu bekennen;
schäme dich auch meiner nicht,
der ich seinetwegen im Gefängnis bin,
sondern leide mit mir für das Evangelium.
Gott gibt dazu die Kraft:

Er hat uns gerettet;
mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen,
nicht aufgrund unserer Werke,
sondern aus eigenem Entschluß und aus Gnade,
die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde;
jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters
Christus Jesus offenbart.
Er hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht
durch das Evangelium,
als dessen Verkünder, Apostel und Lehrer ich eingesetzt bin.
Darum muß ich auch dies alles erdulden;
aber ich schäme mich nicht,
denn ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe,
und ich bin überzeugt, daß er die Macht hat,
das mir anvertraute Gut bis zu jenem Tag zu bewahren.

Halte dich an die gesunde Lehre,
die du von mir gehört hast;
nimm sie dir zum Vorbild,
und bleibe beim Glauben und bei der Liebe,
die uns in Christus Jesus geschenkt ist.
Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut
durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.


Ruf vor dem Evangelium am 2. Fastensonntag (A)
vgl. Mt 17,5

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - R
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!


Evangelium vom 2. Fastensonntag, Lesejahr A:
Mt 17,1-9

Vorschlag zum Lesen mit verteilten Rollen: PDF-Format / RTF-Format

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit
nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg.
Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;
sein Gesicht leuchtete wie die Sonne,
und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.
Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija
und redeten mit Jesus.
Und Petrus sagte zu ihm:
Herr, es ist gut, daß wir hier sind.
Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Noch während er redete,
warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie,
und aus der Wolke rief eine Stimme:
Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Gefallen gefunden habe;
auf ihn sollt ihr hören.
Als die Jünger das hörten,
bekamen sie große Angst
und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.
Da trat Jesus zu ihnen,
faßte sie an und sagte:
Steht auf, habt keine Angst!
Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus:
Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt,
bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.



Die Perikope von der Verklärung folgt wie in der Quelle des Evangelisten Markus auf die Belehrung über die Kreuzesnachfolge. Der Exeget Joachim Gnilka zeichnet folgende Gliederung des einheitlichen Abschnittes: Einleitung (Personenwahl, Ortsveränderung) - Hauptteil (sichtbares Geschehen; Reaktion des Petrus; hörbares Geschehen; Reaktion der Jünger) - Nachsatz. Mit Blick auf die Gattung der Erzählung fällt eine große Ähnlichkeit mit der Erzählung von der Gotteserscheinung am Sinai (Ex 24) auf. Die Erscheinung der beiden altestamentlichen Gestalten rückt den Gottessohn in einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang, der bis in die Anfänge des Alten Bundes reicht.


Die Szene der Verklärung (17,1-8) folgt der Jüngerbelehrung über die Kreuzesnachfolge. Vers 2: Die Verklärung ist keine Verwandlung; Jesus wird hier gezeigt als Anführer auf dem Weg zur Vollendung; ein Weg, auf den die Jünger (und damit auch wir) eingeladen sind. Vers 3: Elija und Mose repräsentieren Gesetz (Mose) und Propheten (Elija); Jesus ist die Erfüllung von beidem! Vers 4: Der Vorschlag des Petrus, Hütten zu bauen, zeigt das Verlangen, das Endgültige festzuhalten. Vers 5f zeigt die Dimension Jesu an: aus der Wolke (Gegenwart Gottes) erfolgt die Bestätigung Jesu als Sohn Gottes (vgl. Taufe Jesu). Damit wird auch die Jüngerbelehrung ("Der Sohn Gottes muß leiden ...") bestätigt; Jesu Weg nach Jerusalem und auf das Kreuz zu sind im Sinne Gottes. Vers 7f führt in die irdische Wirklichkeit zurück. Christus ist hier der Vollendete, der zur Vollendung führt - dies ist seine Aufgabe als Sohn Gottes. Der Berg als Ort Gottes ist dem Evangelisten Matthäus wichtig (4,8; 17,1; 28,16). Die Erzählung steht im Kontext des Sterbens Jesu (16,21f.25; 17,12) und spricht von der Überwindung des Todes. Vers 9 gehört eigentlich zum folgenden (Schweigegebot; Frage über Elija) und könnte weggelassen werden, da bei Matthäus das Schweigegebot keine besondere Funktion hat.


Die Begebenheit, die uns als "Verklärung Jesu" geschildert wird, zielt auf die österliche Erfahrung von der himmlischen Hoheit Jesu. Jetzt schon sehen die Jünger Jesus in der Herrlichkeit seine Auferstehungsleibes. Das, was die Jünger erfahren haben, liegt jenseits historischer Nachprüfbarkeit. Ist es deshalb aber weniger wirklich? Der Text enthält viele alttestamentliche Anspielungen. So ist der Berg im Alten Testament der klassische Ort der Gottesbegegnung, besonders im 24. Kapitel des Buches Exodus, wo vom Erscheinen Gottes auf dem Berg Sinai erzählt wird. Das Motiv der Wolke kommt ebenfalls dort vor und ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes. Die Wolke führt das Volk Israel aber auch bei seiner Wanderung durch die Wüste. Mose und Elija sind zwei herausragende alttestamentliche Gestalten. Im Verständnis unseres Textes sind sie Repräsentanten der Himmelswelt, Teilhaber an der himmlischen Herrlichkeit. Am Höhepunkt des Evangeliums wird Jesus wie schon bei seiner Taufe als der geliebte Sohn Gottes proklamiert. Die Forderung, auf ihn zu hören, wie auch die vielen Hinweise auf das Alte Testament wollen sagen: In ihm ist der vom Volk erwartete Prophet der Endzeit, der authentische Interpret Gottes erschienen.