27.04.2017

Lesungen 26.03.2017


1. Lesung am 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
1 Sam 16,1b. 6-7. 10-13b

Lesung aus dem Buch Samuel:

In jenen Tagen
sprach der Herr zu Samuel:
Fülle dein Horn mit Öl,
und mach dich auf den Weg!
Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai;
denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.
Als Samuel den Eliab sah, dachte er:
Gewiß steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter.
Der Herr aber sagte zu Samuel:
Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt,
denn ich habe ihn verworfen;
Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,
der Herr aber sieht das Herz.
So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten,
aber Samuel sagte zu Isai:
Diese hat der Herr nicht erwählt.
Und er fragte Isai:
Sind das alle deine Söhne?
Er antwortete:
Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe.
Samuel sagte zu Isai:
Schick jemand hin, und laß ihn holen;
wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen,
bevor er hergekommen ist.
Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen.
David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.
Da sagte der Herr:
Auf, salbe ihn! Denn er ist es.
Samuel nahm das Horn mit dem Öl
und salbte David mitten unter seinen Brüdern.
Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.



Das erste und zweite Buch Samuel bilden mit den Königsbüchern eine Einheit. Wir finden Erzählungen über die erste israelitische Königszeit. Die Abfassungszeit liegt nach 932 v. Chr., d.h. nach der Teilung des Reiches, aber vor 586 v. Chr., denn das Haus David wird noch als regierendes Haus im Südreich vorausgesetzt. In dieser Zeitspanne sind die Samuelbücher entstanden, unter Verwendung festgefügter mündlicher und schriftlicher Traditionen. Der Sinn der Bücher ist nicht so sehr Geschichtsschreibung. Vielmehr geht es darum, die Geschichte des Volkes Israel in allen Ereignissen auf die Führung Gottes hinzudeuten. Die Davidsgeschichten, die mit 1 Sam 16 beginnen, sind nicht einheitlich. Das Zwiegespräch zwischen Jahwe und Samuel (16,1-13), durch das Samuel auf den rechten Sohn Isais hingeführt wird, ist ein Lehrstück. Der Kernsatz, der den Sinn dieser Erzählung zusammenfasst, ist 16,7: "Sieh nicht auf sein Aussehen... Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz." Dieser Abschnitt schließt mit der Salbung Davids durch Samuel. Ein zweiter Erzählstrang erwähnt auch noch eine spätere Salbung Davids nach dem Tode Sauls in Hebron als eigentliche Königssalbung (2 Sam 5,3). So gesehen ist dieser erste Abschnitt als Bestimmungssalbung zu sehen.


Jahwe legt schon sehr früh ein Augenmerk auf David. Zugleich vollzieht sich ein Übergang von der Geschichte Sauls, der ja noch König ist, zur Geschichte Davids. Saul hat sich das Missfallen Jahwes zugezogen, das Königtum soll aber nicht als ganzes fallen gelassen werden. Somit erhält Samuel den Befehl David zu salben. Samuel weiss nur, dass ein Sohn Isais aus Betlehem der Erwählte ist. Er begibt sich auf den Weg, wissend, dass ihn die Leute Sauls verfolgen könnten. Deshalb beauftragt ihn Jahwe zusätzlich, ein Schlachtopfer dort vorzunehmen, um die ganze Geschichte zu tarnen. Diese Anweisung steht in den ausgelassenen Texteilen (vgl. "ungekürzte Version") der Perikope. Genauso haben die Ältesten Betlehems Angst betreffs des Kommens Samuels - dies ist ebenfalls in der Sonntagsperikope ausgelassen -, weil sie um das Zerwürfnis zwischen Samuel und Saul wissen, und befürchten, dass ihnen Nachteile daraus erwachsen könnten. Stark kontrastiert wird der Unterschied zwischen David und seinen Brüdern. Die Jugend und das Nicht-Anwesend-Sein Davids zur Kultfeier unterstreichen die noch Kultunfähigkeit des letzten Sohnes Isais. Die Salbung bewirkt die lebenslange Geistbegabung. Aus Vorsicht gegenüber Saul fällt dabei nicht das Wort König.


Die erste Lesung stammt aus dem ersten Buch Samuel. David wird als junger Hirtenknabe vom Propheten Samuel zum König gesalbt. Bis zu seiner vollen Regentschaft kommt es aber zu leidvollen Auseinandersetzungen mit dem regierenden König Saul. Saul wird von einem bösen Geist geplagt, der gute Geist Jahwes ist von ihm gewichen. Samuel erweist sich als getreuer Diener Jahwes. Gott selbst trifft die Wahl. Im Gehorsam gegenüber Gott salbt Samuel David, den jüngsten Sohn Isais. Mit seiner Salbung zum König wird David vorherbestimmt, die kommende Geschichte Israels entscheidend zu beeinflussen. Als augenscheinliches Zeichen der Erwählung wird David mit Öl gesalbt; dadurch tritt er in ein besonderes Naheverhältnis zu Jahwe, dessen Geist ihn unterstützt.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung am 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
1 Sam 16,1-13


Lesung aus dem Buch Samuel:

Der Herr sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der Herr sagte: Nimm ein junges Rind mit, und sag: Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen.

Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde. Samuel tat, was der Herr befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden? Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch, und kommt mit mir zum Opfer! Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.

Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiß steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.

Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt. Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.

So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und laß ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es.

Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.


Antwortpsalm am 4. Fastensonntag (A)
Ps 23,1-6


R Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen. - R

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
nd führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. - (R)

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. - (R)

Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl
du füllst mir reichlich den Becher. - (R)

Lauter Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang,
und im Haus des Herrn
darf ich wohnen für lange Zeit. - R


2. Lesung am 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
Eph 5,8-14

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Schwestern und Brüder!
Einst wart ihr Finsternis,
jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden.
Lebt als Kinder des Lichts!
Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.
Prüft, was dem Herrn gefällt,
und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis,
die keine Frucht bringen,
sondern deckt sie auf!
Denn man muß sich schämen,
von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden.
Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet.
Alles Erleuchtete aber ist Licht.
Deshalb heißt es:
Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten,
und Christus wird dein Licht sein.



Der Epheserbrief dürfte ein Brief sein, der von Paulus oder eher in seiner Tradition an eine Gemeinde in Kleinasien gerichtet war. Seine Gedanken kreisen im lehrhaften Teil (1,3 - 3,21) um das eine Anliegen: "Christus ist unser Friede. Er hat Juden und Heiden durch das Kreuz mit Gott versöhnt in einem einzigen Leib (der Kirche)." Der zweite Teil des Briefes mahnt die Christen in dieser neuen Wirklichkeit zu leben. Solche "Haustafeln" gehörten im ersten Jahrhundert auch zur Form der Sittenlehre bei Heiden und Juden. In die Warnung vor den Werken der Finsternis flicht der Briefschreiber drei Verszeilen (wahrscheinlich) aus einem urchristlichen Taufruf ein: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein (5,14). Das vornehmlich an Christen aus dem Heidentum gerichtete Schreiben ist ein Loblied auf die Gnade Gottes und eine Ermahnung zu christenwürdigem Leben.


Als absolute Gegensätze stehen Licht und Finsternis gegenüber. Sie sind zwei Machtsphären, in denen wir existieren. Parallel dazu gibt es im Johannesevangelium. In den Schriften von Qumran wird ebenfalls dieses Thema behandelt. Jedenfalls sind wir nicht leblos den Sphären ausgesetzt, sondern ziehen in eigenen Aktivitäten die eine oder andere an uns. Wir können keine Schuld abschieben. Mit Bedacht wird auch unterschieden, indem Licht mit Frucht in Beziehung gebracht wird, Finsternis jedoch mit Werken. Werke bleiben steril. Licht ist im Neuen Testament erhellend und Helligkeit. Erleuchtung ist somit weiters nicht ein Anstrahlen sondern Verwandlung. Um letztlich Christus erblicken und erfahren zu können bedarf es der Verwandlung.


Die zweite Lesung des vierten Fastensonntags ist aus dem Epheserbrief genommen. Nach Ansicht vieler Exegeten stammt der Brief an die Epheser aus nachpaulinischer Zeit, steht inhaltlich dem Kolosserbrief nahe und ist als eine meditative Erbauungsschrift anzusehen, die noch im ersten Jahrhundert verfaßt wurde und die Autorität des hl. Paulus für sich in Anspruch nimmt. Der Textabschnitt ist einfach strukturiert: Es wird vor Rückfall in ein unchristliches Leben gewarnt, wie die Söhne des Ungehorsams es führen (Vers 6). Einst und Jetzt werden einander als Finsternis und Licht gegenübergestellt. Dieser Dualismus erinnert an die Gnosis und an Qumrantexte. Vers 14 stammt wahrscheinlich aus einem christlichen Tauflied, eventuell entnommen aus einem Lied größeren Umfangs. Es wurde wohl während der Tauffeier von einem Vorsänger oder von der ganzen Gemeinde gesungen.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Fastensonntag (A)
vgl. Joh 8,12

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – R

(So spricht der Herr:)
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, hat das Licht des Lebens.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!


Evangelium vom 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 9,1-41

Vorschlag zum Lesen mit verteilten Rollen: PDF-Format / RTF-Format

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Unterwegs sah Jesus einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger:
Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt,
so daß er blind geboren wurde?
Jesus antwortete:
Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist,
die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm:
Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten:
Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da fragten sie ihn:
Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete:
Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig,
bestrich damit meine Augen und sagte zu mir:
Geh zum Schiloach, und wasch dich!
Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er?
Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag,
als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Der Mann antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen;
dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
Einige der Pharisäer meinten:
Dieser Mensch kann nicht von Gott sein,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben,
daß er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie:
Ist das euer Sohn,
von dem ihr behauptet, daß er blind geboren wurde?
Wie kommt es, daß er jetzt sehen kann?
Seine Eltern antworteten:
Wir wissen, daß er unser Sohn ist
und daß er blind geboren wurde.
Wie es kommt, daß er jetzt sehen kann,
das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat,
das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst,
er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.
Das sagten seine Eltern,
weil sie sich vor den Juden fürchteten;
denn die Juden hatten schon beschlossen,
jeden, der ihn als den Messias bekenne,
aus der Synagoge auszustoßen.
Deswegen sagten seine Eltern:
Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
Da riefen die Pharisäer den Mann,
der blind gewesen war, zum zweitenmal
und sagten zu ihm:
Gib Gott die Ehre!
Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.
Er antwortete:
Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
Nur das eine weiß ich,
daß ich blind war und jetzt sehen kann.
Sie fragten ihn:
Was hat er mit dir gemacht?
Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen:
Ich habe es euch bereits gesagt,
aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören?
Wollt auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn:
Du bist ein Jünger dieses Menschen;
wir aber sind Jünger des Mose.
Wir wissen, daß zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mann antwortete ihnen:
Darin liegt ja das Erstaunliche,
daß ihr nicht wißt, woher er kommt;
dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
Wir wissen, daß Gott einen Sünder nicht erhört;
wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.
Noch nie hat man gehört,
daß jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre,
dann hätte er gewiß nichts ausrichten können.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren,
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, daß sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf, sagte er zu ihm:
Glaubst du an den Menschensohn?
Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr?
Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagte zu ihm:
Du siehst ihn vor dir;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte:
Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
Da sprach Jesus:
Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus antwortete ihnen:
Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
Darum bleibt eure Sünde.



Das Evangelium des Johannes wurde gegen Ende des 1. Jahrhunderts (90 - 100) geschrieben und wird seit alters her das "geistliche Evangelium" (Clemens von Alexandrien, um 200 n. Chr.) genannt. Man wollte damit das Unterscheidende im Hinblick auf die anderen drei Evangelien (Synoptiker) kennzeichnen. Der johanneische Jesus offenbart sein Wesen als der von Gott gesandte Sohn durch Wunder (z.B. 2,11) und durch die für das vierte Evangelium typischen Offenbarungsreden. Beide sind eng aufeinander bezogen; auf eine Wundererzählung folgt daher häufig eine längere Rede oder auch eine "theologische Auseinandersetzung", die den tieferen Sinn des Wunders erschließt und die Menschen vom äußeren Geschehen zum Geheimnis der Person des Wundertäters hinführen soll. Joh nennt die Wunder (mit einer Ausnahme in 4,48) Zeichen. Sie sind die Wegzeichen, die in die Richtung weisen, in die die Menschen gehen sollen. Wer sie zu deuten versteht und ihnen folgt, kommt zu Jesus. Joh hat seine Wunderberichte einer vorliegenden Sammlung (der sogenannten "Zeichenquelle", die Jesus vor allem als Wundertäter schildert) entnommen. Vier von den sieben Wundern, die er berichtet, sind nicht bei den Synoptikern zu finden (Weinwunder: 2,1-11; Heilung des Lahmen: 5,1-9; Heilung des Blinden: 9,1-7; Auferweckung des Lazarus: 11,17-44). Den größten und auch theologisch bedeutsamsten Teil des Joh machen jedoch die "Reden" aus (Kap. 3; 4; 6; 8; 10; 15; 17). In ihnen erhebt Jesus immer wieder den Anspruch, der von Gott gesandte Offenbarer und einzige Mittler des Heils zu sein. Am ursprünglichen Schluss seines Evangeliums gibt der Evangelist den Zweck seiner Schrift an: Er hat dieses Evangelium geschrieben, "damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen" (20,31). Dies entspricht dem Ziel des Gekommenseins Jesu, der von sich sagt: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (10,10). Leben und Glauben sind Zentralbegriffe des Joh; dieses Leben gibt es nach Joh aber nur im Glauben an Jesus Christus, dem Sohn Gottes. (aus: Walter Vogel, Religion - CD für den Religionsunterricht) Jesus heilt in dieser Sonntagsperikope einen Blinden. Er ist Licht und bringt das Licht. Verhör und Diskussionen schließen sich an die Heilung an. Am Schluss werden der Glaube des Geheilten und die Verblendung der Pharisäer einander gegenübergestellt (35-41). Im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen Gegnern (zwischen Judentum und dem Christentum) steht die Messiasfrage. Den Namen des Teiches Schiloach deutet der Evangelist als den "Gesandten", was auf Jesus hinweist, der Gesandter Gottes ist.


Die Frage der Jünger setzt die allgemein antike Vergeltungsauffassung voraus. Die Anrede Jesu als Rabbi verweist dahin, dass es um eine theologische Gesetzesstreitfrage geht. Die Konsequenz der Gesetzesfrömmigkeit mündet in der Auffassung, dass Krankheit die vergeltende und strafende Maßnahme Gottes ist. Jesus weist diese Zusammenhänge eindeutig zurück. Zugleich wird die Heilung Demonstration der Wirkkraft Gottes. Umständlich mutet die Vorgangsweise Jesu bezüglich der Heilung an. Auf die Erde spucken, Speichel, umrühren... Speichel gilt im Altertum als Heil- und Wundermittel. Eine weitere Sache liegt darin, wie sich später herausstellt bzw. wie der Evangelist einige Verse später nachträgt, dass das ganze an einem Sabbath passiert, und Speichel mit Erde verrühren da eben nicht erlaubt ist. Das Wasser des TeichesSchiloach bewirkt ebenfalls nicht das Wunder. Das Wunder geht dem Waschen durch Jesus voraus. Dann setzt das Streitgespräch ein. Speziell der Evangelist Johannes arbeitet in seiner Darstellung Jesu mit Streitgesprächen zwischen ihm und den Schriftgelehrten. Ein darin ständig wiederkehrender Zug ist, dass je länger das Streitgespräch dauert desto mehr das Niveau sinkt. Das Volk fällt in ratloses Staunens über diese Wunderheilung. Der Geheilte muss alles nochmals erzählen, der Heiler ist aber weg. Dann werden die Verwandten verhört. Die Pharisäer setzten alles dran, um Jesus nicht als Propheten anerkennen zu müssen. Weiters generalisiert der Evangelist, indem er von Pharisäern hinüberrutscht in die Verallgemeinerun "die Juden wollten nicht glauben". Eine Übertreibung des Evangelisten liegt in der Frage, ob der Heiler Sünder ist. Ein Sünder kann solches Wunder nicht tun? In der Antike waren jedoch Heilungen, auch solche wie diese nichts Extravagantes. Die Frage Jesu an den Geheilten, ob er an den Menschensohn glaube, unterstreicht, dass es nicht alleine um den Glauben betreffs der letzten Tage geht, sondern um das Hier und Heute. Der Heilsbringer ist bereits jetzt anzuerkennen.


Der Evangelientext ist dem Johannesevangelium entnommen. Er besteht aus mehreren Teilen: Zum einen aus dem Bericht der Blindenheilung, der keine direkte Verbindung zu den anderen drei Evangelien aufweist, und dadurch auf eine eigene von ihnen unabhängige Überlieferung hinweist. An ihn schließen sich sodann Dialogszenen in Form von Verhören an. Im letzten Teil kommt es zu einer Begegnung zwischen Jesus und dem Geheilten, der vom Geheilten zum Glaubenden wird. Der Teich Schiloach, durch den die Heilung des Blindgeborenen vollendet wird, wird durch die Namensdeutung (Schiloach = der Gesandte) mit Jesus in Verbindung gebracht. Jesus heilt als der Gesandte des Vaters. Das Anrühren des Breies ist Arbeit und somit für die gläubige Juden ein Sabbatbruch. Er wird zum "Aufhänger” für die Anklage Jesu. Die eingangs gestellte Frage, wer den gesündigt habe und somit schuldig an der Blindheit des Mannes sei, ist zwar nur ein Randthema der Perikope. Wie schwer sich Anschauung dieser Art ausrotten läßt, zeigt sich sogar noch in unseren Tagen (AIDS als Strafe Gottes?).


Kurzfassung des Evangeliums vom 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 9,1 .6-9. 13-17. 34-38

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

Jesus spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm:
Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere,
die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten:
Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag,
als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Der Mann antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen;
dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten:
Dieser Mensch kann nicht von Gott sein,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren,
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, daß sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf, sagte er zu ihm:
Glaubst du an den Menschensohn?
Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr?
Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagte zu ihm:
Du siehst ihn vor dir;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.