17.11.2017

Lesungen 15.04.2017

15. Apr `17
Osternacht (A)


1. Lesung von der Feier der Osternacht:
Gen 1,1 - 2,2

Lesung aus dem Buch Genesis:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut,
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gott sah, daß das Licht gut war.
Gott schied das Licht von der Finsternis,
und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.
Dann sprach Gott:
Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte also das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
So geschah es, und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort,
damit das Trockene sichtbar werde.
So geschah es.
Das Trockene nannte Gott Land,
und das angesammelte Wasser nannte er Meer.
Gott sah, daß es gut war.
Dann sprach Gott:
Das Land lasse junges Grün wachsen,
alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen,
und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin.
So geschah es.
Das Land brachte junges Grün hervor,
alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen,
alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem Samen darin.
Gott sah, daß es gut war.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten,
von Tagen und Jahren dienen;
sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
die über die Erde hin leuchten.
So geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das größere, das über den Tag herrscht,
das kleinere, das über die Nacht herrscht,
auch die Sterne.
Gott setzte die Lichter an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde hin leuchten,
über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, daß es gut war.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen,
und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen.
Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle Arten von gefiederten Vögeln.
Gott sah, daß es gut war.
Gott segnete sie und sprach:
Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und bevölkert das Wasser im Meer,
und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor,
von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes.
So geschah es.
Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes,
alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden.
Gott sah, daß es gut war.
Dann sprach Gott:
Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.
Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels, über das Vieh,
über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.
Gott schuf also den Menschen als sein Abbild;
als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, und vermehrt euch,
bevölkert die Erde, unterwerft sie euch,
und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
Dann sprach Gott:
Hiermit übergebe ich euch
alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen,
und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels
und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat,
gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung.
So geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Es war sehr gut.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.



Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist. Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt: 1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind. 2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen. 3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes. 4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes. 5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar. Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.


Kurzfassung der
1. Lesung von der Feier der Osternacht:
Gen 1,1. 26-31a

Lesung aus dem Buch Genesis:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und Gott sprach:
Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.
Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels, über das Vieh,
über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.
Gott schuf also den Menschen als sein Abbild;
als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, und vermehrt euch,
bevölkert die Erde, unterwerft sie euch,
und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
Dann sprach Gott:
Hiermit übergebe ich euch
alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen,
und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels
und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat,
gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung.
So geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Es war sehr gut.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.


Antwortpsalm nach der 1. Lesung
Ps 104,1-2. 5-6. 10. 12,13-14b. 24 und 1ab

R Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu. - R

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.          
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid,
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. - (R)           

Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet,
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 
Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,
die Wasser standen über den Bergen. - (R)    

Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern,
sie eilen zwischen den Bergen dahin. 
An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. - (R)     

Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.  
Du lässt Gras wachsen für das Vieh,
auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut. - (R)        

Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.        
Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du! - R     

Oder:

Antwortpsalm nach der 1. Lesung
Ps 33,4-7. 12-13. 20. 22

R Von deiner Huld, o Herr, ist die Erde erfüllt. – R

Das Wort des Herrn ist wahrhaftig,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn. - (R)

Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen,
ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.
Wie im Schlauch fasst er das Wasser des Meeres,
verschließt die Urflut in Kammern. - (R)

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
die Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.
Der Herr blickt herab vom Himmel,
er sieht auf alle Menschen. - (R)

Unsere Seele hofft auf den Herrn,
er ist für uns Hilfe und Schild.
Lass deine Güte über uns walten, o Herr,
denn wir schauen aus nach dir. - R


2. Lesung von der Feier der Osternacht:
Gen 22,1-18

Lesung aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Gott sprach:
Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija,
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar.
Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel,
holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak,
spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg
zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem.
Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
Bleibt mit dem Esel hier!
Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten;
dann kommen wir zu euch zurück.
Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
und lud es seinem Sohn Isaak auf.
Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
So gingen beide miteinander.
Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater!
Er antwortete: Ja, mein Sohn!
Dann sagte Isaak:
Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
Abraham entgegnete:
Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn.
Und beide gingen miteinander weiter.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf,
fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Schon streckte Abraham seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Jener sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus,
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest;
du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
Als Abraham aufschaute, sah er:
Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin, nahm den Widder u
nd brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht),
wie man noch heute sagt: Auf dem Berg läßt sich der Herr sehen.
Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweitenmal vom Himmel her zu
und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn:
Weil du das getan hast
und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.



Die Lesung erzählt von Abraham, dem Stammvater des Volkes Israel, dem erst in hohem Alter ein legitimer Sohn und Stammhalter geschenkt worden war. An ihn knüpft er seine ganze Hoffnung. Gott verlangt von ihm, das eigene Kind zu opfern. Als Motiv wird genannt, daß Gott Abraham auf die Probe stellen wollte. Es gibt viele Versuche, die unglaubliche Härte der Geschichte wegzuinterpretieren. Etwa der Versuch, in der Erzählung eine Gegengeschichte zu den damals außerhalb Israels üblichen Menschenopfern zu sehen. Die Geschichte wolle zeige, daß Gott keine Menschenopfer will. Abraham hatte jedoch seinen Sohn in Gedanken vielfach geopfert, bevor der Engel Gottes Einhalt geboten hat. Oder die Deutung als symbolische Geschichte: Söhne werden geopfert für das Vaterland, für heilige und unheilige Kriege, für den väterlichen Ehrgeiz... Es kostet Kraft, die Geschichte auszuhalten, wie sie dasteht. Gott und das, was er von uns will, ist für uns Menschen oft hart und unverständlich. Auf der Suche nach dem Willen Gottes können wir auch irren. Den Mißbrauch des Namens Gottes verbietet das zweitwichtigste Gebot des Dekalogs. Sich von Gott ein Bild zu machen, birgt das Risiko eines eigenmächtigen Gottesbildes in sich. Die Erzählung kann Anlaß sein, die eigenen Gottesvorstellungen und -bilder zu hinterfragen und die Unbegreiflichkeit Gottes neu zu erahnen.


Mit der Widersprüchlichkeit Gottes werden wir in dieser Stelle konfrontiert. So schwierig wie damit umzugehen, so schwierig faßt sich diese Opferszene an. Alles erinnert an Wallfahrtsorte, zu denen die Israeliten pilgerten, um Gott Opfer darzubringen. Diese Orte sind an gewisse Ereignisse geknüpft, wie Gott erscheint, Gott spricht, oder an Gotteserfahrung, die Abraham zuteil wurde. Jeder kann somit hingehen und opfern wie dies die Urväter des Glaubens taten. Diese Kultstätten haben die landnehmenden Leute Abrahams genauso, wie später die zwölf Stämme von Ägypten kommend im "Gelobten Land" vorgefunden bzw. einfach von der anstämmigen Bevölkerung übernommen. Eine weitere Schicht in dieser Geschichte ist, daß Menschenopfer im Umfeld Israels, d.h. bei der anderen Bevölkerung üblich waren. Waren auch bei den Israeliten Menschenopfer üblich? Jedenfalls sollte das Geopferte Gott zugeführt werden. Und es sollte nur das Beste sein. Somit war das Opfern der Erstgeburt angebracht. Dies wurde mit dem Vieh gemacht. Mit den Erstgeborenen der Menschen? Bekannt ist, daß die Israeliten die zu opfernde Erstgeburt der Menschen durch Opferung eines Tieres auslösten. Letztendlich opfert Abraham seinen Sohn doch nicht. Werden folglich in Israel nicht Menschenopfer dargebracht, heißt dies nicht, Israel verehre deswegen Gott weniger als die anderen, die dies tun. Und wird dadurch nicht aufgezeigt, daß dieser Gott ein Gott der Lebenden ist?! Wieviele Menschenopfer fordern die Herren dieser Welt?


Kurzfassung der
2. Lesung in der Feier der Osternacht:
Gen 22,1-2. 9a.10-13. 15-18

Aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
Gott sprach:
Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija,
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf.
Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer,
um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu:
Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
Jener sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus,
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest;
du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
Als Abraham aufschaute, sah er:
Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin, nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweitenmal
vom Himmel her zu und sprach:
Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn:
Weil du das getan hast
und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 2. Fastensonntag, Lesejahr B:
Gen 22,1-18

Lesung aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Gott sprach:
Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija,
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar.
Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel,
holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak,
spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg
zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
Als Abraham am dritten Tag aufblickte,
sah er den Ort von weitem.
Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
Bleibt mit dem Esel hier!
Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten;
dann kommen wir zu euch zurück.
Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
und lud es seinem Sohn Isaak auf.
Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
So gingen beide miteinander.
Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater!
Er antwortete: Ja, mein Sohn!
Dann sagte Isaak:
Hier ist Feuer und Holz.
Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
Abraham entgegnete:
Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn.
Und beide gingen miteinander weiter.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf,
fesselte seinen Sohn Isaak
und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Schon streckte Abraham seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Jener sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus,
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest;
du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
Als Abraham aufschaute, sah er:
Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin, nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht),
wie man noch heute sagt:
Auf dem Berg läßt sich der Herr sehen.
Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweitenmal vom Himmel her zu
und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn:
Weil du das getan hast
und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.


Antwortpsalm nach der 2. Lesung
Ps 16,5. 8. 9-10. 2. 11

R Behüte mich, Gott,
denn ich vertraue auf dich. – R

Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
Du hältst mein Los in deinen Händen.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. - (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis;
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. - (R)

Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. - R


3. Lesung von der Feier der Osternacht:
Ex 14,15-15,1

Lesung aus dem Buch Exodus:

In jenen Tagen, als die Israeliten sahen,
daß die Ägypter ihnen nachrückten, erschracken sie sehr.
Der Herr sprach zu Mose: Was schreist du zu mir?
Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen.
Und du heb deinen Stab hoch,
streck deine Hand über das Meer, und spalte es,
damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können.
Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten,
damit sie hinter ihnen hineinziehen.
So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht,
an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen.
Die Ägypter sollen erkennen, daß ich der Herr bin,
wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern
meine Herrlichkeit erweise.
Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte,
erhob sich und ging an das Ende des Zuges,
und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat an das Ende.
Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten.
Die Wolke war da und Finsternis, und Blitze erhellten die Nacht.
So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus,
und der Herr trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Er ließ das Meer austrocknen, und das Wasser spaltete sich.
Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein,
während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand.
Die Ägypter setzten ihnen nach;
alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter
zogen hinter ihnen ins Meer hinein.
Um die Zeit der Morgenwache
blickte der Herr aus der Feuer- und Wolkensäule
auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung.
Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen.
Da sagte der Ägypter:
Ich muß vor Israel fliehen; denn Jahwe kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten.
Darauf sprach der Herr zu Mose:
Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet
und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt.
Mose streckte seine Hand über das Meer,
und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück,
während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen.
So trieb der Herr die Ägypter mitten ins Meer.
Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter,
die ganze Streitmacht des Pharao,
die den Israeliten ins Meer nachgezogen war.
Nicht ein einziger von ihnen blieb übrig.
Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden
mitten durch das Meer gezogen,
während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand.
So rettete der Herr an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter.
Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen.
Als Israel sah,
daß der Herr mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte,
fürchtete das Volk den Herrn.
Sie glaubten an den Herrn und an Mose, seinen Knecht.
Damals sang Mose mit den Israeliten dem Herrn dieses Lied; sie sagten:
Ich singe dem Herrn ein Lied,
denn er ist hoch und erhaben.
Rosse und Wagen warf er ins Meer.



Das Buch "Exodus" erzählt den Anfang der Geschichte der zu einem Volk gewordenen Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs von der Unterdrückung in Ägypten über die Befreiung, die wunderbare Rettung am Schilfmeer, den Weg durch die Wüste, den Bundesschluß am Sinai, den Bundesbruch, die Erneuerung des Bundes und die anschließende Errichtung des Zeltheiligtums als Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk. Ein Ereignis, das den Glauben und das Gottesverständnis des israelitischen Volkes zutiefst prägt, ist der Auszug aus Ägypten und die Rettung am Schilfmeer. Diese "Großtat" Jahwes steht paradigmatisch für die Zuwendung Gottes zu den Schwachen und Gebeugten, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Die Erfahrung der Mosegruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Arbeitssklaven des Pharaos Ramses II. (ca. 1290-1230 v. Chr.) gehörte, wird zum fundamentalen Ereignis der Heilsgeschichte, weil sie das Befreiungswalten Gottes und den Vorausblick auf sein endzeitliches Heilsschaffen bezeugt. Von den Propheten und den Psalmisten und auch im Neuen Testament wird immer wieder auf diese Urerfahrung der Befreiung zurückgegriffen. Die Erzählung läßt verschiedene Stränge erkennen, wo nachträglich verschiedene Berichte mit einander verwoben wurden. Sehr deutlich erkennbar etwa bei der Schilderung des Durchzugs, wo zuerst von der Austrocknung des Meeres durch einen starken Wind, dann aber vom "Wasser, das links und rechts von den Israeliten wie eine Mauer stand" die Rede ist. Den verschiedenen Schreibern ging es darum, den Auszug aus Ägypten nicht als Zugeständnis des Pharaos sondern als Befreiungstat Jahwes herauszustellen. Die Verwendung der Stilmittel des sogenannten "Jahwekrieges", z.B. der Gottesschrecken der die Ägypter befällt, die mirakelhafte Schilderung der Wolken- und Feuersäule und die Passivität und Hilflosigkeit des Volkes unterstreichen, daß einzig und allein Gott der Handelnde ist. Die beherrschende Gestalt dieses "Spiels der Befreiung" ist Gott. Die anderen Beteiligten, Mose, die Israeliten, die Ägypter und der Pharao, die Naturphänomene können nur auf das Tun Jahwes reagieren.


Antwortpsalm nach der 3. Lesung
Ex 15,1b-6. 13.17-18

R Wir singen dem Herrn ein Lied,
denn er ist hocherhaben. – R


Ich singe dem Herrn ein Lied,
denn er ist hocherhaben.
Rosse und Wagen warf er ins Meer.
Meine Stärke und mein Lied ist mir der Herr,
er ist für mich zum Retter geworden. - (R)

Er ist mein Gott, ihn will ich preisen;
den Gott meines Vaters will ich rühmen.
Der Herr ist ein Krieger,
Jahwe ist sein Name. - (R)

Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer.
Seine besten Kämpfer versanken im Schilfmeer.
Fluten deckten sie zu,
sie sanken zur Tiefe wie Steine. - (R)

Deine Rechte, Herr, ist herrlich an Stärke;
deine Rechte, Herr, zerschmettert den Feind.
Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast,
du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. - (R)

Du brachtest sie hin und pflanztest sie ein
auf den Berg deines Erbes.
Einem Ort, wo du thronst, Herr, hast ihn gemacht;
ein Heiligtum, Herr, haben deine Hände gegründet.
Der Herr ist König für immer und ewig. - R


4. Lesung von der Feier der Osternacht: Jes 54,5-14

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Jerusalem, dein Schöpfer ist dein Gemahl,
«Herr der Heere» ist sein Name.
Der Heilige Israels ist dein Erlöser,
«Gott der ganzen Erde» wird er genannt.
Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau.
Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?,
spricht dein Gott.
Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen,
doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.
Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn;
aber mit ewiger Huld habe ich Erbarmen mit dir,
spricht dein Erlöser, der Herr.
Wie in den Tagen Noachs soll es für mich sein:
So wie ich damals schwor,
daß die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird,
so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten.
Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen
und die Hügel zu wanken beginnen -
meine Huld wird nie von dir weichen
und der Bund meines Friedens nicht wanken,
spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir.
Du Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist, sieh her:
Ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit
und Grundmauern aus Saphir.
Aus Rubinen mache ich deine Zinnen,
aus Beryll deine Tore
und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen.
Alle deine Söhne werden Jünger des Herrn sein,
und groß ist der Friede deiner Söhne.
Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein.
Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten,
und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.



Die vierte Lesung der Osternacht ist Teil des Deuterojesaja, des "Evangelisten des ersten Testamentes", bei dem auch die vier Gottesknechtslieder zu finden sind. Nach dem letzten (Jes 52:13-53,12) hat die Redaktion eine Fülle von göttlichen Verheißungen angefügt: Vorgängiger Grund für das Heil Gottes ist das Leiden des Gottesknechtes, zumindest scheint das das Anliegen der Redaktion zu sein. Adressaten der Verheißungen sind Jerusalem und seine Bewohner. In Vv. 5-6 der Lesung wird Jerusalem direkt angesprochen. Dann ist es Gott selbst, der bis zum Ende der Lesung und darüber hinaus zu Wort kommt. Dem Verfasser dieses Textes macht die Leser auf die Herkunft der Verheißungen aufmerksam: Drei Mal werden wir in der Lesung – im gesamten Abschnitt 54:1-17 fünf Mal - daran erinnert, aus wessen Mund diese Worte kommen: V. 6 "dein Gott." V. 8 "dein Erlöser, der Herr." Und V. 10 "der Herr, der Erbarmen hat mir dir." Damit wird Wesentliches von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ausgesagt: Es ist ein Gott für ein bestimmtes Volk, in diesem Abschnitt nicht primär ein Gott aller Völker. Es ist ein Gott, der seinem Volk Gutes will, nämlich erlösen: "ga’al" (loskaufen) ist zunächst ein juridischer Begriff und meint die Pflicht eines Verwandten (des Lösers). Auch mit Gott steht das Volk Israel in einem solchen Verwandtschaftsverhältnis, durch das es Gott als seinen Löser ("go’el") ansieht. Jahwe ist nicht nur der Löser, er ist zudem auch barmherzig, eine Grundeigenschaft Gottes, die im Alten Testament fast ausschließlich Gott zugeschrieben wird.


Antwortpsalm nach der 4. Lesung
Ps 30,2. 4-6. 12a. 13b

R Herr, du zogst mich empor aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – R


Ich will dich rühmen, Herr,
denn du hast mich aus der Tiefe gezogen
und lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren.
Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes,
aus der Schar der Todgeweihten mich zum Leben gerufen. - (R)

Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen,
preist seinen heiligen Namen!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - (R)

Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen gewandelt,
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
R Herr, du zogst mich empor aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. - R


5. Lesung von der Feier der Osternacht:
Jes 55,1-11

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser!
Auch wer kein Geld hat, soll kommen.
Kauft Getreide, und eßt,
kommt und kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen.
Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir,
hört, dann werdet ihr leben.
Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen
gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies.
Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Völker, die du nicht kennst, wirst du rufen;
Völker, die dich nicht kennen, eilen zu dir,
um des Herrn, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den Herrn, solange er sich finden läßt,
ruft ihn an, solange er nahe ist.
Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne.
Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt,
wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will,
und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.



Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu. In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld. Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn. Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an. Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.


Antwortpsalm nach der 5. Lesung
Jes 12,2-6

R Ihr werdet Wasser schöpfen voll F
aus den Quellen des Heils. – R


Gott ist meine Rettung;
ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.
Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr.
Er ist für mich zum Retter geworden. - (R)

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude
aus den Quellen des Heils.
bcdDankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
Macht seine Taten unter den Völkern bekannt,
verkündet, sein Name ist groß und erhaben! - (R)

Preist den Herrn: denn herrliche Taten hat er vollbracht;
auf der ganzen Erde soll man es wissen.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion,
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - R


6. Lesung von der Feier der Osternacht:
Bar 3,9-15. 32-4,4

Lesung aus dem Buch Baruch:

Höre, Israel, die Gebote des Lebens;
merkt auf, um Einsicht zu erlangen.
Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde,
siechst dahin in einem fremden Land,
bist unrein geworden, den Toten gleich,
wurdest zu den Abgeschiedenen gezählt?
Du hast den Quell der Weisheit verlassen.
Wärest du auf Gottes Weg gegangen,
du wohntest in Frieden für immer.
Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit,
dann erkennst du zugleich,
wo langes Leben und Lebensglück,
wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind.
Wer hat je den Ort (der Weisheit) gefunden?
Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?
Doch der Allwissende kennt sie;
er hat sie in seiner Einsicht entdeckt.
Er hat ja die Erde für immer gegründet,
er hat sie mit Tieren bevölkert.
Er entsendet das Licht, und es eilt dahin;
er ruft es zurück, und zitternd gehorcht es ihm.
Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten.
Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir.
Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer.
Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm.
Er hat den Weg der Weisheit ganz erkundet
und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen,
Israel, seinem Liebling.
Dann erschien sie auf der Erde
und hielt sich unter den Menschen auf.
Sie ist das Buch der Gebote Gottes,
das Gesetz, das ewig besteht.
Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben;
doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod.
Kehr um, Jakob, ergreif sie!
Geh deinen Weg im Glanz ihres Lichtes!
Überlaß deinen Ruhm keinem andern,
dein Vorrecht keinem fremden Volk!
Glücklich sind wir, das Volk Israel;
denn wir wissen, was Gott gefällt.



Die ältesten Textzeugen für das Buch Baruch sind griechisch. Nach eigener Angabe soll das Buch vom Sekretär des Propheten Jeremia während der Exilszeit verfaßt worden sein. Es wird zuerst den Babel lebenden Israeliten vorgelesen und soll dann nach Jerusalem geschickt werden, um auch dort vorgetragen zu werden. Die heutige Gestalt dürfte der Text im ersten vorchristlichen Jahrhundert erhalten haben. Grundsätzlich neue Ideen bringt das Buch Baruch nicht, seine Leistung ist eine Zusammenschau von geschichtlichen, weisheitlichen und prophetischen Texten des Alten Testaments. In der Hoffnung auf die Bestrafung der fremden Herren unterstreicht es die loyale Haltung zum Tempel und den mosaischen Gesetzen und das Vertrauen auf die Verheißungen Gottes. Der Lesungsabschnitt greift einen Teil aus der Mahnrede von Baruch heraus. In diesem Text spricht der Autor aus, worauf es ihm ankommt und was er mit seiner Schrift erreichen will: Israel soll lernen, die Dinge "weise" anzupacken, sich richtig zu verhalten und das Leben gut zu gestalten. Dabei geht es nicht um eine abstrakte, philosophische Weisheit, sondern um anzuwendende Weisheit, Verstehen, Erkenntnis und Einsicht. Um die Situation des Volkes zu verbessern, ist es notwendig, die Gesetze Gottes zu befolgen und die Größe Gottes anzuerkennen. Dann sind es die Gesetze, die zum Leben führen, die Weisheit, die Rat und Hilfe gibt. Der Grund für den Zustand, in dem sich das Volk befindet, das Exil, ist, daß Israel seinen Gott verlassen hat. Es hat keinen Sinn, bei Menschen auch nicht bei anderen Völkern nach der Weisheit zu fragen, denn nur Gott kennt den Weg der Weisheit. Er ist der Gott Israels, der Schöpfer und damit der einzige Gott. Er wählt nicht das Mächtige, Große und Berühmte um es mit Weisheit auszustatten, vielmehr hat Gott die Weisheit seinem Volk gegeben. Die Gebote Gottes sollen das Volk zu Leben und Glück führen. Sich nicht an die Gebote, an die Weisheit Gottes zu halten führt zu Unheil und Tod: Umkehr ist notwendig, der falsche Weg muß verlassen werden. Kein anderes Volk soll sich rühmen können, die Weisheit zu besitzen, was eintreten könnte, wenn das Volk Israel nicht der göttlichen Weisung folgt und so ins Unglück gerät.


Antwortpsalm nach der 6. Lesung
Ps 19,8-12

R Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. - R.

Die Weisung des Herrn ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Gesetz des Herrn ist verlässlich,den Unwissenden macht es weise. - (R)

Die Befehle des Herrn sind richtig,
sie erfreuen das Herz;
das Gebot des Herrn ist lauter,
macht hell die Augen. - (R)

Die Furcht des Herrn ist rein,
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahr,
gerecht sind sie alle. - (R)

Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
wer sie beachtet, hat reichen Lohn. - R


7. Lesung von der Feier der Osternacht:
Ez 36,16-17a. 18-28

Lesung aus dem Buch Ezechiel:

Das Wort des Herrn erging an mich:
(Hör zu), Menschensohn!
Als Israel in seinem Land wohnte,
machten sie das Land durch ihr Verhalten und ihre Taten unrein.
Da goß ich meinen Zorn über sie aus,
weil sie Blut vergossen im Land und das Land mit ihren Götzen befleckten.
Ich zerstreute sie unter die Völker; in alle Länder wurden sie vertrieben.
Nach ihrem Verhalten und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet.
Als sie aber zu den Völkern kamen,
entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen;
denn man sagte von ihnen:
Das ist das Volk Jahwes, und doch mußten sie sein Land verlassen.
Da tat mir mein heiliger Name leid,
den das Haus Israel bei den Völkern entweihte, wohin es auch kam.
Darum sag zum Haus Israel:
So spricht Gott, der Herr:
Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel,
sondern um meines heiligen Namens willen,
den ihr bei den Völkern entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid.
Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen,
den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.
Und die Völker - Spruch Gottes, des Herrn - werden erkennen,
daß ich der Herr bin,
wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.
Ich hole euch heraus aus den Völkern,
ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land.
Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein.
Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust
und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke,
daß ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab.
Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein.



Gedeutete Geschichte: Israels Zerstreuung unter den Völkern wird von dem Propheten Ezechiel verstanden als Strafe. Durch sein Verhalten hat Israel das ihm anvertraute Land „unrein“ gemacht. Angesprochen werden der Götzendienst und das Blutvergießen. Obwohl nicht näher spezifiziert, setzt der Prophet voraus, dass die Menschen eine Verbindung zu ihrer Geschichte herstellen – und ihr Geschick verstehen. Ezechiel wendet dann den Blick: Selbst in der Fremde entweihen sie „überall, wohin sie kamen“ den heiligen Namen Gottes. Der Prophet deutet auch an, wie das geschieht: Das Volk Jahwes habe sein Land verlassen müssen, sei also in Ungnade gefallen – sagt „man“. Was die Leute sagen, nimmt sich Gott zu Herzen. Auf ihn fällt die Erfahrung Israels zurück – und wird von ihm angenommen. Ezechiel kündet einen neuen Anfang an: Gott wird seinen Namen wieder heiligen – indem er vor den Augen der Völker Israel herausholt, sammelt und in sein Land bringt. Betont: „Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“ In drei Sätzen legt der Prophet die Verheißung eines neuen Anfangs aus: „Ich gieße reines Wasser über euch aus …“ Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch … Es ist eine Steigerung, die allerdings auch weit über das hinausgeht, was geschichtlich erfahrbar sein kann. Dass Israel wieder in dem Land wohnt, „das ich euren Vätern gab“, belegt zwar, dass – wie in der alten Bundesformel – Israel „mein Volk“ und „ich euer Gott“ bin, aber das reine Wasser, das neue Herz, Gottes Geist sind Gaben, auf die kein Rückblick möglich ist, wohl aber Bitte und Hoffnung. Es gehört zum Geheimnis des heiligen Namens, dass Menschen zu keiner Zeit sagen können, sie könnten ihre Geschichte mit Gott abschließen. Zu Pfingsten tritt die Kirche in eine Hoffnungsgeschichte ein, die lange vor ihr von Gott um seines Namen willen angefangen hat.


Antwortpsalm nach der 7. Lesung
Ps
42,3. 5. 10a. 43., 3-4.

R Wie der Hirsch verlangt nach frischem Wasser,
so verlangt meine Seele, Gott, nach dir. – R

Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen
und Gottes Antlitz schauen? - (R)

Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Ich sage zu Gott meinem Fels:
„Warum hast du mich vergessen?“ - (R)

Sende dein Licht und deine Wahrheit, damit sie mich leiten;
sie sollen mich führen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.
So will ich zum Altare Gottes treten, zum Gott meiner Freude.
Jauchzend will ich dich auf der Harfe loben, Gott, mein Gott.
R Wie der Hirsch verlangt nach frischem Wasser,
so verlangt meine Seele, Gott, nach dir. - R

Oder: (falls eine Taufe gespendet wirdJ

Antwortpsalm nach der 7. Lesung
Ps 51,12-15. 18-19

R Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott. – R

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht;
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! - (R)

Mach mich wieder froh mit deinem Heil;
mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege,
und die Sünder kehren um zu dir! - (R)

Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben;
an Brandopfern hast du kein Gefallen.
Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist,
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. - R


Epistel von der Feier der Osternacht:
Röm 6,3-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,
sind in seinen Tod getauft.
Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod;
und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
von den Toten auferweckt wurde,
so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod,
dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.
Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt,
damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde
und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben,
so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde,
sein Leben aber lebt er für Gott.
So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind,aber für Gott leben in Christus Jesus.



Verse 6,1-4: Im Text Röm 6,1-11 zeigt Paulus auf, daß in der Taufe eine neue Lebensgemeinschaft mit Christus begründet wird. Wenn Paulus in Röm 5 meint, daß einer großen Sünde eine immer noch größere Gnade gegenüberstehe, so stellt er in Röm 6,1 die rhetorische Frage, ob wir etwa in der Sünde bleiben sollen, damit die Gnade weiter zunehme. Das soll jedoch keineswegs geschehen, denn durch die Taufe haben wir eine neue Existenzweise; wir sind für die Sünde gestorben, und können folglich nicht mehr in der Sünde leben. Die Formulierung "auf Jesus getauft sein" ist für Paulus bereits ein terminus technicus für einen Ritus. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer wird jetzt auf Christus getauft. Bei der Taufe zieht der Täufling gleichsam Christus an und gehört nun Gott an. Das "mit Christus sterben" wird gedeutet als "mit Christus begraben werden", damit auch wir, wie er, von den Toten auferweckt werden. Die Taufe ist somit Beginn eines neuen Lebens, welches erst im Tod zur Vollendung gelangt. Verse 6,5-7: Die Taufe ist nicht nur ein äußerliches Zeichen, sondern bewirkt auch das Zusammenwachsen mit Christus; sogar mit seinem Tod. In den Versen 6 und 7 wird die Aussage von V. 5 näher interpretiert: Der alte Mensch ist der Mensch vor der Taufe, der in Sünde lebt. Unser alter Mensch wird in Christus mitgekreuzigt, damit der Leib der Sünde vernichtet werde und wir als neue Menschen auferstehen. Verse 8-11: Wenn wir mit Christus gestorben sind, so sind wir auch mit ihm auferstanden. Aufgrund des Zeugnisses der Überlieferung wissen wir, daß Christus nicht mehr stirbt und der Tod keine Macht mehr über ihn hat. Vers 11: In der Taufe vollzieht sich ein Herrschaftswechsel, Wir gehören nicht mehr der Macht des Bösen, sondern Christus an.


Antwortpsalm nach der Epistel
Ps 118,1-2. 16-17. 22-23

R Halleluja, Halleluja, Halleluja. – R

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig! - (R)

„Die Rechte des Herrn ist erhoben,
die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!“
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden. - (R)

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder. - R


Evangelium von der Feier der Osternacht, Lesejahr A:
Mt 28,1-10

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Nach dem Sabbat
kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche
Maria aus Magdala und die andere Maria,
um nach dem Grab zu sehen.
Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben;
denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab,
trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz,
und sein Gewand war weiß wie Schnee.
Die Wächter begannen vor Angst zu zittern
und fielen wie tot zu Boden.
Der Engel aber sagte zu den Frauen:
Fürchtet euch nicht!
Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.
Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen:
Er ist von den Toten auferstanden.
Er geht euch voraus nach Galiläa,
dort werdet ihr ihn sehen.
Ich habe es euch gesagt.
Sogleich verließen sie das Grab
und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern,
um ihnen die Botschaft zu verkünden.
Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte:
Seid gegrüßt!
Sie gingen auf ihn zu,
warfen sich vor ihm nieder und umfaßten seine Füße.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Fürchtet euch nicht!
Geht und sagt meinen Brüdern,
sie sollen nach Galiläa gehen,
und dort werden sie mich sehen.



Was Matthäus erzählt, sind eigentlich drei Geschichten in einer: Die Geschichte der beiden Marias, die zum Grab gehen und dort eine Botschaft hören, die sie den Jüngern überbringen sollen – die Geschichte der Wächter, die ausgeschaltet werden und als Zeugen nicht in Frage kommen – und die Geschichte der ersten Begegnung der Frauen mit dem auferstandenen Jesus. Matthäus setzt in diesem Dreiklang eigene Akzente. Ein Beben begleitet die Erscheinung des Engels, der den Stein wegwälzt und sich auf ihn setzt. Die Szene erzählt von einem Machtwechsel, in dem der Tod hergeben muss, was er sich genommen hat – oder was ihm von Menschenhand anvertraut wurde. Die Wächter, sonst hartgesotten, zittern vor Angst und fallen „wie tot“ zu Boden. Aber die eigentliche Auferstehung erzählt auch Matthäus nicht – er gibt nur die Botschaft des Engels weiter, der als Bote Gottes mit seinem Wort die Geschichte deutet. Die Frage, ob das Grab „leer“ war, wird auch von den Frauen nicht geprüft – „sogleich“ verlassen sie nach der Botschaft das Grab, um ihren Auftrag auszuführen: „schnell“ zu den Jüngern zu gehen und ihnen die Auferstehung zu verkünden. Hier ist alles auf die Zusage abgestellt, dass es so geschieht, „wie er gesagt hat“. Dies duldet keinen Aufschub und keinen Verzug. Besonders wichtig ist für die Osterbotschaft, die alle Evangelien verkünden, das dies am „ersten Tag“ geschieht – am ersten Tag hat Gott Licht und Finsternis geschieden und damit erst die Voraussetzungen für die Schöpfung, die er „gut“ nennt, geschaffen. Die Ostergeschichte ist eine Schöpfungsgeschichte. In der Osternacht wird darum als erste Lesung auch Gen 1 gelesen: Es wird Licht! Herausragend ist auch, dass Frauen zu Zeugen berufen werden. Das gehört einstimmig zur Überlieferung des Osterevangeliums. Das Entsetzen, von dem der erste Evangelist, Markus (Kap. 16), erzählt, wird auch von Matthäus bewahrt, aber von einer großen Freude ergänzt. In Galiläa wird die Geschichte, die dort mit der Jüngerberufung einmal angefangen hat, fortgeführt. Dem Evangelisten liegt daran, die nachösterliche Zeit mit der vorösterlichen verbunden zu sehen: Die Osterbotschaft legt das Evangelium aus, das von Jesus längst verkündet wurde (vgl. den Neuansatz in Mt. 5, der Bergpredigt). Dieses Evangelium ist der Todfeind des Todes – ein Abgesang auf seine Macht. Um ihn ist es jetzt schon geschehen.


In der Osternacht (und auf Wunsch auch am Ostertag) wird die Erzählung von der Auffindung des leeren Grabes in der Version des Evangelisten Matthäus als Evangelium vorgetragen. Diese Erzählung steht im letzten Kapitel des Matthäusevangeliums und bildet den Höhepunkt und Abschluß seiner Geschichte vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu. Matthäus faßt darin die Eckpunkte seiner Osterbotschaft zusammen, die zugleich auch die Eckpunkte des Glaubens der Christen der ersten Generation waren: - Das leere Grab als (un)umstrittenes Faktum. Das leere Grab galt den Anhängern Jesu als unbestreitbares Faktum, an das sie sich festhielten. Dass dies von ihren Gegnern in Zweifel gezogen wurde, geht gerade aus dem Matthäustext hervor. Er weiß ausführlicher als die anderen Evangelisten vom Mißtrauen der Hohenpriester und Pharisäer und von der Bewachung des Grabes Jesu (Mt. 27, 62-66) zu berichten. - Die Erscheinung Jesu vor den Frauen. Nach Matthäus erschien Jesus Maria von Magdala und "der anderen Maria", noch bevor er sich den Jüngern zeigte. Matthäus setzt aber auch deutliche theologische Akzente der Osterbotschaft: - Die Auferstehung Jesu ist ein eschatologisches Ereignis, ein Ereignis der Endzeit. Das Erbeben der Erde, die Erscheinung der Engel und das Öffnen der Gräber zeigen den Beginn der Endzeit an. - Die Nachricht von der Auferstehung Jesu ist eine "Botschaft von oben", ist übernatürlich und lässt sich mit allein innerweltlicher Erkenntnis nicht begreifen. Sie fordert den Glauben derer, die Jesus suchen. - Die Auferstehung Jesu wird von Ereignissen begleitet, die sie als eine Offenbarung Gottes ausweisen. Das Erscheinen Gottes wird von Erdbeben begleitet. - Die Auferstehungserfahrung ist mit einer Sendung verbunden: Die Frauen werden sowohl vom Engel als auch vom Auferstandenen mit dem Auftrag bedacht, die Frohe Botschaft weiterzusagen.