26.06.2017

Lesungen 25.03.2017


1. Lesung vom Fest der Verkündigung des Herrn:
Jes 7,10-14

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Der Herr sprach noch einmal zu Ahas; er sagte:
Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen,
sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe.
Ahas antwortete:
Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
Da sagte Jesaja:
Hört her, ihr vom Haus David!
Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen?
Müßt ihr auch noch meinen Gott belästigen?
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
sie wird einen Sohn gebären,
und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns



Die Lesung aus dem Buch Jesaja steht am Anfang des Propheten. In der Zeit der Bedrohung Jerusalems waren die Hoffnungszeichen wichtige Schritte in der Durchhaltekraft des Volkes. In dieser Situation setzt Gott die Hoffnungszeichen der Jungfrau und des symbolischen Namens ihres Kindes: Gott mit uns. In der Auslegungsgeschichte gibt es einen Streit, wie man den Vers 14 zu deuten hat: Geht es um die Jungfrau oder die junge Frau? Da hier aus der Übersetzung auch Konsequenzen für Verständnis und Interpretation entstehen, ist dieser Text sehr wichtig.


Wie an den drei vorigen Sonntagen stammt die alttestamentliche Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. Es ist einer der bekanntesten Texte des gesamten Buches und enthält die berühmte Weissagung von der Geburt des Immanuel, was übersetzt heißt "Gott ist mit uns". Das prophetische Wort Jesajas ergeht im Laufe eines Gesprächs an den jüdischen König Ahas während eines Krieges im Jahre 732 v. Chr.


Der König Ahas muß eine politische Niederlage hinnehmen und verschanzt sich in Jerusalem. Zugleich sieht er sich nach einem Bundesgenossen um, der ihm aus der Bedrohung helfen könnte. Er plant, den König von Assur um Hilfe anzugehen. Dies hätte nicht nur politische sondern auch religiöse Folgen gehabt: Die Staatsgötter der Schutzmacht müßten anerkannt werden, die Bilder im Tempel aufgestellt werden. In dieser Situation richtet Jesaia seine Botschaft an Ahas. Er fordert ihn auf, Assur nicht um Hilfe zu bitten, sondern allein der Hilfe Gottes zu vertrauen. Die vom König geforderte Entscheidung besteht in der Wahl zwischen der vertrauensvollen Treue zu Gott oder dem Abfall zu Götzen. Verse 10-11: Im Auftrag Gottes will Jesaia Ahas zu einer klaren Glaubensentscheidung bewegen. Der Prophet fordert den König auf, sich ein Zeichen von Gott zu erbitten, das ihm Jahwes Gegenwart und Wirkmacht verbürgt. Das angebotene Zeichen soll dem Glauben des Ahas dienen. Vers 12: Ahas leht es ab, ein Zeichen zu fordern, weil er angeblich den Herrn nicht versuchen will. Die Antwort, Gott nicht versuchen zu wollen, ist eine Ausrede und eine Verweigerung des Glaubens. Ahas zieht es vor, sich auf seine "Real-Politik" und nicht auf die Verheißung Gottes zu verlassen. Vers 13: Gott läßt sich nicht "ausmanövrieren", schon gar nicht von frommen Sprüchen. Gottes Geduld mit dem König ist erschöpft, seine Langmut zu Ende. Vers 14: Was der Prophet ausspricht, kann ein Heilswort gleichzeitig wie eine Gerichtsdrohung für Ahas sein. Er verheißt einen im Gegensatz zu Ahas stehenden Idealkönig; mit ihm soll nach vorausgegangener Katastrophe eine Ära paradiesischen Glücks anheben. Gott bleibt der David gegebenen Verheißung treu, wird jedoch die gegenwärtig regierenden Linie unterbrechen und einen Neubeginn setzen. Haupthandelnder dabei ist der persönlich eingreifende Gott. Er wird sich bei seinem Eingreifen einer mit David verbundenen "Jung-Frau" bedienen, die an Gottes Gegenwart und Handeln glaubt und diesem ihrem Glauben Ausdruck verleiht, daß sie ihren Sohn Emmanuel, d.h. "Gott ist mit uns" nennt.


Antwortpsalm am Fest der Verkündigung des Herrn
Ps 40,7-11


R Mein Gott, ich komme;

deinen Willen zu tun macht mir Freude. - R

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, Brand- und Sündopfer forderst du nicht.
Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt;
darum sage ich: Ja, ich komme.
In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist. - (R)

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude,
deine Weisung trag‘ ich im Herzen.
Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde,
meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es. - (R)

Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht im Herzen,
ich spreche von deiner Treue und Hilfe,
ich schweige nicht über deine Huld und Wahrheit
vor der großen Gemeinde. - R


2. Lesung vom Fest der Verkündigung des Herrn:
Hebr 10,4-10

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Das Blut von Stieren und Böcken
kann unmöglich Sünden wegnehmen.
Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt:
Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert,
doch einen Leib hast du mir geschaffen;
an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Ja, ich komme -
so steht es über mich in der Schriftrolle -,
um deinen Willen, Gott, zu tun.
Zunächst sagt er:
Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht,
du hast daran kein Gefallen,
obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
dann aber hat er gesagt:
Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun.
So hebt Christus das erste auf,
um das zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens
sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi
ein für allemal geheiligt.



Der Hebräerbrief, der eigentlich diesen Namen nicht verdient, hat zwei große Themen: Die Bedeutung des wandernden Gottesvolkes und die Bedeutung des Hohepriestertums Christi. Die Lesung ist dem zweiten Teil entnommen. Deshalb wird in Vers Hebr 10,5 ff. gleich abgesetzt: Christus bringt ein anderes Opfer als das, welches man gekannt hat. Er bringt ein neues Opfer, das dem Willen Gottes näher kommt. Sein Opfer ist Gehorsam (Verse 7 und 9). Sein Opfer ist einmalig (siehe Vers 10). ER ist der Schlüssel zum Verstehen der Schrift (Vers 7). Gerade aus der Betonung des Gehorsams wächst der Weg zum Evangelium: Jesus war gehorsam in seiner Bereitschaft, in die Welt zu kommen. Dies konnte er aus dem Gehorsam Marias heraus. Und das wiederum ermöglichte ihm den Gehorsam des Lebens und Sterbens.


Der Hebräerbrief wird zu den sogenannten "katholischen" (d.h. "an alle gerichteten") Briefen gerechnet. Wer ihn schrieb und wer seine Adressaten waren, wissen wir heute nicht mehr. Weil er die hebräische Bibel gut kannte, aber ausgezeichnet Griechisch konnte, nimmt man an, dass der Autor ein gebildeter Judenchrist - vielleicht aus der Diaspora - war, der für Seinesgleichen diesen Text verfasste. Er entstand zwischen 80 und 95 n. Chr. Ursprünglich war der Hebräerbrief nicht als Brief gedacht - es fehlen Anrede und eine Grußliste, wie sie z. B. die Paulusbriefe haben -, sondern war wohl eher eine Art urchristliche Predigt, in der wichtige Stellen des Alten Testamentes ausgelegt werden. Der Verfasser möchte zeigen, dass Christus die Erfüllung der alten Verheißungen ist, um so die alttestamentliche Überlieferung mit dem Neuen, das mit Christus begonnen hat, zu verbinden. Seiner Ansicht nach ist schon im Alten Testament überall von Christus die Rede. Aus heutiger Sicht sagen wir vielleicht, dass der Verfasser des Hebräerbriefs das Alte Testament ungebührlich vereinnahmt. Ich denke, dass sich darin ein Teil der Streitigkeiten zwischen der zahlenmäßig noch überlegenen Synagoge und der kleineren, aber ständig anwachsenden jungen Kirche widerspiegelt. Zwischen Christen und Juden war bereits ein tiefer Graben - beides zugleich konnte niemand sein. Der Autor dieser Schrift will sein jüdisches Erbe nicht preisgeben, aber ebenso wenig sein christliches Bekenntnis, und verfällt daher auf diese besondere Art der Schriftauslegung, um beides vereinen zu können. Im vorliegenden Abschnitt des Hebräerbriefs werden zunächst die Verse 5 - 7 aus dem Psalm 40 zitiert, und zwar nach der griechischen Übersetzung, die die Juden in der Diaspora verwendeten. Psalm 40 ist ein Danklied. Der Beter preist Gott für seine Errettung aus großer Not. In den Versen, um die es hier geht, erklärt der Beter, warum er es nicht einfach bei einem Dankopfer im Tempel bewenden lässt: Gott sind diese Opfer egal. Der wahre Gottesdienst ist es, seinen Willen zu tun, und dazu möchte sich der Psalmbeter aus Dankbarkeit gerne verpflichten. Der Autor des Hebräerbriefs deutet diese Stelle nun ganz neu, indem er die Psalmworte Christus selber in den Mund legt, und liest sie so: Christus erteilt den Opfern der alten Art eine Absage. Denn er ist das wahre Opfer. Aber nicht ein blutiges Tieropfer, sondern ein Opfer der neuen Art: Er kommt, um Gottes Willen zu tun. Wenn Christus also das wahre Opfer ist, dann nicht in erster Linie deshalb, weil er stirbt, sondern weil er zu Gottes Willen ein ungeteiltes Ja sagt.


Einer der Schwerpunkte des Briefes an die Hebräer ist die Ausfaltung der Bedeutung des Hohepriestertums Jesu Christi. In Abhebung von und zu den Opfern im älteren Testament wird klar angesprochen, dass Gott an den vorangegangenen Opferformen keinen Gefallen mehr hat und diese Opferformen werden gleichsam außer Kraft gesetzt. Er setzt nun ein zweites Opfer, die Opfergabe seines Leibes in Kraft - ein Opfer von völlig neuer Qualität. Die Opferthematik steht in diesem Textabschnitt im Vordergrund. Doch bei genauerem Studium erhält Vers 7, "Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun." eine große Bedeutung. Hier wird angesprochen, dass Jesus der verheißene und erwartete messianische Heilsmittler ist. Dies rückt die Perikope nicht nur in die Nähe der alttestamentlichen ersten Lesung, sondern erklärt auch ihre Verwendung in der Adventzeit, in der die erwartete Begegnung mit Jesus Christus als Erfüllung aller Sehnsüchte und Vorbereitung auf sein zukünftiges Kommen am Ende der Geschichte gesehen werden kann.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Verkündigung des Herrn
vgl. Joh 1,14ab


Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! – R

Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut.

Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!


Evangelium vom Hochfest der Verkündigung des Herrn:
Lk 1,26-38

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt.
Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
der aus dem Haus David stammte.
Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte,
was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr:
Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären:
dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen,
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel:
Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr:
Der Heilige Geist wird über dich kommen,
und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
Auch Elisabet, deine Verwandte,
hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria:
Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.



Die Bezeichnung Marias als "Jungfrau" (Vers 27) und die Formulierung von Vers 31 bezieht sich auf Jes 7,14 (vgl. 1. Lesung), und zwar auf die griechische Übersetzung dieser Stelle, die ausdrücklich "Jungfrau" meint statt des ursprünglichen Begriffs "junge Frau". Damit wird in Bezug auf Jesus betont, dass dieses Kind seine ganze Existenz dem Geist und der Kraft Gottes verdankt und dass er von Anfang seines Lebens an Gottes Sohn ist (Vers 35). Im symbolischen Sinn bedeutet "jungfräulich sein": noch in Erwartung sein, offen und leer sein, bereit sein. Mit dieser Haltung wird Maria für Menschen heute zum hilfreichen Modell und trifft den Wunsch vieler nach mehr Gelassenheit. Gerade in Lebenssituationen, die ganz anders sind als erwartet und erwünscht, ist man herausgefordert, die eigenen festen Vorstellungen von der Zukunft loszulassen. Leer davon geworden, wird der Mensch offen und bereit für das Leben, wie es eben gerade jetzt auf ihn zukommt. Im Vertrauen auf das Wirken des Gottesgeistes (Vers 35a) in jedem Menschen kann man dann lernen Ja zu sagen zu Gottes Willen für unser Leben (Vers 38: "mir geschehe"). Dieser Prozess des Leerwerdens, sich Öffnens für Gottes Kraft und sich Einlassens auf seinen Willen lässt sich am Gespräch Marias mit dem Engel schrittweise aufzeigen und auf den Umgang mit konkreten Lebenssituationen heute übertragen. Der Hinweis auf die "Elisabeth, deine Verwandte" (Vers 36) öffnet darüber hinaus den Blick für Weggefährten auf den eigenen Lebenswegen, die sich in Krisenzeiten gegenseitig ermutigen können.


Das Evangelium stammt aus der Kindheitsgeschichte des Lukas. Ein Text, der nicht zum ursprünglichen Anliegen des Lukasevangeliums gehört hat (siehe Lukas 1,1). Die Kindheitsgeschichte ist später eingefügt worden und bringt die Anfänge der Geschichte Johannes des Täufers und der Geschichte Jesu zusammen. Es finden sich in den anderer Kulturen vergleichbaren Texte zu unserem heutigen Abschnitt. Dies legt umso mehr den Schluss nahe, dass es sich um eine Angleichung an Gewohntes handelt, um dann das ganz andere der Botschaft von Jesus zu bringen. Zentral sind hier zwei Dinge: Der Engel Gabriel wird von Gott gesandt – Gott selbst eröffnet die Kommunikation. Maria ist es, die antwortet – erst nach ihrem Ja kehrt der Engel zurück.


Die Verkündigung an Maria weist deutliche Parallelen zur Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers an Zacharias auf, die im Lukasevangelium unmittelbar zuvor geschildert wird. Sie stellt aber auch eine Steigerung dieser vorausgehenden Erzählung dar. Die Erzähltendenz der Verkündigungsszene ist vor jeder mariologischen Aussageabsicht grundlegend christologisch bestimmt. Es soll die Messianität und Gottessohnschaft Jesu theologisch fundiert werden. Aus der Erzählung erwächst als Bekenntnis: Jesus ist der endzeitliche Messias, der den Davidsthron einnehmen wird, er ist der aus einer Jungfrau geborene "Sohn des Höchsten" bzw. "Sohn Gottes", er ist der "Heilige" Gottes. Eigentlich handelt es sich also um eine Christuserzählung. Dennoch geht es in der Schilderung des Verkündigungsgeschehens auch um eine facettenreiche Charakterisierung Mariens. Sie ist mit Josef verlobt, lebt also noch nicht mit ihm zusammen, gilt aber nach altjüdischem Recht bereits als seine Ehefrau. Sie ist die "Begnadete", d.h. sie ist durch die Gunst und Zuwendung Gottes ausgezeichnet. Nach einem erschrockenen Nachsinnen und nach einer um Verständnis suchenden Frage gelangt sie zur Einwilligung in den Willen Gottes. Passive Verfügbarkeit und aktive Bereitschaft sind bei Maria keine Gegensätze, sondern gehören zusammen.