16.12.2017

Lesungen 03.06.2017


1. Lesung, Pfingsten am Vorabend:
Gen 11,1-9

Lesung aus dem Buch Genesis:

Alle Menschen hatten die gleiche Sprache
und gebrauchten die gleichen Worte.
Als sie von Osten aufbrachen,
fanden sie eine Ebene im Land Schinar
und siedelten sich dort an.
Sie sagten zueinander:
Auf, formen wir Lehmziegel
und brennen wir sie zu Backsteinen.
So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel.
Dann sagten sie:
Auf, bauen wir uns eine Stadt
und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel
und machen wir uns damit einen Namen,
dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
Da stieg der Herr herab,
um sich Stadt und Turm anzusehen,
die die Menschenkinder bauten.
Er sprach:
Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle.
Und das ist erst der Anfang ihres Tuns.
Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein,
was sie sich auch vornehmen.
Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache,
sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde
und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen.
Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal),
denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt,
und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.



Die Erzählung vom so genannten "Turmbau zu Babel" wurde traditionell so ausgelegt, dass sich die planenden und bauenden Menschen durch Hochmut schuldig machten und dafür von Gott mit der Verwirrung der Sprachen und Zerstreuung über die ganze Erde bestraft wurden. Der biblische Text selbst bietet für eine solche moralische Deutung allerdings keine direkten Anhaltspunkte. Literarisch kunstfertig wird hier das Phänomen "Sprache" aufgearbeitet in seiner ganzen Spannung zwischen der realen Erfahrung von Sprachen als Hindernis des Sich-Verstehens einerseits und der gottgewollten Funktion von Sprache als Mittel gelungener Verständigung in Gemeinschaft andererseits. Dabei umfasst "Sprache als Quelle von Missverständnissen" nicht nur die Schwierigkeiten, die mit verschiedenen Landessprachen verbunden sind und multikulturelle Gesellschaften heute immer mehr herausfordern. Selbst unter Menschen gleicher Muttersprache, also mit gemeinsamer Sprachgeschichte und grundlegendem Konsens über Wortbedeutungen, spricht jede und jeder eine individuelle Sprache: Jedes Wort ist mit persönlicher Erfahrung codiert, das heißt, beim Gebrauch eines Wortes schwingt immer die je eigene lebensgeschichtliche Erfahrung mit. Darüber hinaus können Worte nur bruchstückhaft den inneren Sinndialog, die innere Suche einer Person nach dem Sinn ihres Lebens, ausdrücken. Daher verbindet jeder Mensch mit Begriffen wie "Glück", "Krankheit" oder "Liebe" ganz unterschiedliche Erfahrungen und Gefühle. Soweit die heutige Sprachwissenschaft zu dem, was die Turmbauerzählung anschaulich mit "Verwirrung der Sprache" darstellt: Wo Menschen nur sich selber sehen und in ihrer eigenen Vorstellungswelt verhaftet bleiben, reden sie aneinander vorbei und Verständigung misslingt. Dies hat schließlich Verwirrung und Trennung zur logischen Folge (nicht als Strafe Gottes). Gott aber will für uns Menschen gelungene Kommunikation, die echte Gemeinschaft ermöglicht. So schildert es außer dem Anfang der Turmbauerzählung auch das Evangelium vom Pfingsttag (Apg 2,1-12): Gottes Geist bewirkt, dass völlig fremde Menschen einander verstehen. Dieses gegenseitige Verstehen und Verstanden werden bleibt dabei nicht auf die Ebene gleicher Vokabeln beschränkt, sondern ist so tief greifend, dass die Menschen durch diese neuartige Erfahrung zunächst tief "bestürzt" und verwirrt sind und daraus eine neuartige Gemeinschaft entstehen kann. Solche Augenblicke geglückter Verständigung, "dass einer meine Sprache spricht", dürfen Menschen immer wieder einmal erleben. Einander offen und liebevoll zuzuhören ist eine notwendige, nicht aber hinreichende Vorraussetzung dafür. Darüber hinaus lässt sich eine solche Erfahrung auch heute als "Gnade", Gottesgeschenk, Pfingstereignis deuten. Im alltäglichen Miteinander aber stoßen Menschen schnell an die Grenzen ihrer sprachlichen Verständigung. Das können auch Kommunikationstrainings und guter Wille letztlich nicht ausmerzen, weil es eben teilweise wie oben beschrieben im Phänomen Sprache selbst begründet ist. So bleibt die tiefe menschliche Sehnsucht, so wie ich bin und mich selbst und das Leben sehe, verstanden zu werden, im Letzten noch unerfüllt. Diese Spannung von manchmal schon erfahrenem Vorgeschmack gelungener Gemeinschaft und noch ausstehender Vollendung kennzeichnet den Vorabend des Pfingstfestes und wird in der 2. Lesung (Röm 8,22-27) in anschaulichen Bildern von Schwangerschaft und Geburtswehen beschrieben: Die ganze Welt, auch die Christen, leiden an den Schwächen, Grenzen und Unvollkommenheiten des Lebens und sehnen sich nach Erlösung (VV 22-23). Den Christen aber - so die frohe Botschaft des Paulus - ist der Geist schon geschenkt. So dürfen sie "guter Hoffnung sein" und geduldig ausharren - wie eine Frau, der in den Schmerzen der Geburtswehen der Gedanke an ihr Kind Kraft schenkt durchzuhalten, bis das neue Leben geboren ist. Das Wirken des Geistes Gottes beschreibt Paulus dabei folgendermaßen: "Der Geist tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Vers 26b) Entscheidend sind hier also nicht die Worte, sondern das Gemeinte, das Gott auch ohne Worte versteht. Sich ohne Worte verstehen und verstanden werden ist ebenfalls eine Erfahrung, die Menschen immer wieder einmal erleben können: sei es zwischen Liebenden, im Umgang mit einem Baby oder einem schwer kranken Menschen. Jenseits aller Worte schaffen hier Lächeln, Mitweinen, Berührung und konkrete Hilfe tiefe Beziehung. Das relativiert die Bedeutung von Sprache und hebt die Rolle der inneren Haltung dem anderen gegenüber hervor. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C5/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010.


Antwortpsalm am Pfingstsonntag
Ps 104,1-2. 24-25. 29-31. 34

R Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu. – R

Oder: Halleluja. – R

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr mein Gott, wie groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid,
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. - (R)

Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere. - (R)

Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört;
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde. - (R)

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.

R Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu

Oder: Halleluja.


2. Lesung zu Pfingsten am Vorabend:
Röm 8,22-27


Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer:

Schwestern und Brüder!
Wir wissen,
daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag
seufzt und in Geburtswehen liegt. 
Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
seufzen in unserem Herzen und warten darauf,
daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. 
Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung.
Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung.
Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? 
Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen,
dann harren wir aus in Geduld. 
So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an.
Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen;
der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen,
das wir nicht in Worte fassen können. 
Und Gott, der die Herzen erforscht,
weiß, was die Absicht des Geistes ist:
Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.



Die Erzählung vom so genannten "Turmbau zu Babel" wurde traditionell so ausgelegt, dass sich die planenden und bauenden Menschen durch Hochmut schuldig machten und dafür von Gott mit der Verwirrung der Sprachen und Zerstreuung über die ganze Erde bestraft wurden. Der biblische Text selbst bietet für eine solche moralische Deutung allerdings keine direkten Anhaltspunkte. Literarisch kunstfertig wird hier das Phänomen "Sprache" aufgearbeitet in seiner ganzen Spannung zwischen der realen Erfahrung von Sprachen als Hindernis des Sich-Verstehens einerseits und der gottgewollten Funktion von Sprache als Mittel gelungener Verständigung in Gemeinschaft andererseits. Dabei umfasst "Sprache als Quelle von Missverständnissen" nicht nur die Schwierigkeiten, die mit verschiedenen Landessprachen verbunden sind und multikulturelle Gesellschaften heute immer mehr herausfordern. Selbst unter Menschen gleicher Muttersprache, also mit gemeinsamer Sprachgeschichte und grundlegendem Konsens über Wortbedeutungen, spricht jede und jeder eine individuelle Sprache: Jedes Wort ist mit persönlicher Erfahrung codiert, das heißt, beim Gebrauch eines Wortes schwingt immer die je eigene lebensgeschichtliche Erfahrung mit. Darüber hinaus können Worte nur bruchstückhaft den inneren Sinndialog, die innere Suche einer Person nach dem Sinn ihres Lebens, ausdrücken. Daher verbindet jeder Mensch mit Begriffen wie "Glück", "Krankheit" oder "Liebe" ganz unterschiedliche Erfahrungen und Gefühle. Soweit die heutige Sprachwissenschaft zu dem, was die Turmbauerzählung anschaulich mit "Verwirrung der Sprache" darstellt: Wo Menschen nur sich selber sehen und in ihrer eigenen Vorstellungswelt verhaftet bleiben, reden sie aneinander vorbei und Verständigung misslingt. Dies hat schließlich Verwirrung und Trennung zur logischen Folge (nicht als Strafe Gottes). Gott aber will für uns Menschen gelungene Kommunikation, die echte Gemeinschaft ermöglicht. So schildert es außer dem Anfang der Turmbauerzählung auch das Evangelium vom Pfingsttag (Apg 2,1-12): Gottes Geist bewirkt, dass völlig fremde Menschen einander verstehen. Dieses gegenseitige Verstehen und Verstanden werden bleibt dabei nicht auf die Ebene gleicher Vokabeln beschränkt, sondern ist so tief greifend, dass die Menschen durch diese neuartige Erfahrung zunächst tief "bestürzt" und verwirrt sind und daraus eine neuartige Gemeinschaft entstehen kann. Solche Augenblicke geglückter Verständigung, "dass einer meine Sprache spricht", dürfen Menschen immer wieder einmal erleben. Einander offen und liebevoll zuzuhören ist eine notwendige, nicht aber hinreichende Vorraussetzung dafür. Darüber hinaus lässt sich eine solche Erfahrung auch heute als "Gnade", Gottesgeschenk, Pfingstereignis deuten. Im alltäglichen Miteinander aber stoßen Menschen schnell an die Grenzen ihrer sprachlichen Verständigung. Das können auch Kommunikationstrainings und guter Wille letztlich nicht ausmerzen, weil es eben teilweise wie oben beschrieben im Phänomen Sprache selbst begründet ist. So bleibt die tiefe menschliche Sehnsucht, so wie ich bin und mich selbst und das Leben sehe, verstanden zu werden, im Letzten noch unerfüllt. Diese Spannung von manchmal schon erfahrenem Vorgeschmack gelungener Gemeinschaft und noch ausstehender Vollendung kennzeichnet den Vorabend des Pfingstfestes und wird in der 2. Lesung (Röm 8,22-27) in anschaulichen Bildern von Schwangerschaft und Geburtswehen beschrieben: Die ganze Welt, auch die Christen, leiden an den Schwächen, Grenzen und Unvollkommenheiten des Lebens und sehnen sich nach Erlösung (VV 22-23). Den Christen aber - so die frohe Botschaft des Paulus - ist der Geist schon geschenkt. So dürfen sie "guter Hoffnung sein" und geduldig ausharren - wie eine Frau, der in den Schmerzen der Geburtswehen der Gedanke an ihr Kind Kraft schenkt durchzuhalten, bis das neue Leben geboren ist. Das Wirken des Geistes Gottes beschreibt Paulus dabei folgendermaßen: "Der Geist tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Vers 26b) Entscheidend sind hier also nicht die Worte, sondern das Gemeinte, das Gott auch ohne Worte versteht. Sich ohne Worte verstehen und verstanden werden ist ebenfalls eine Erfahrung, die Menschen immer wieder einmal erleben können: sei es zwischen Liebenden, im Umgang mit einem Baby oder einem schwer kranken Menschen. Jenseits aller Worte schaffen hier Lächeln, Mitweinen, Berührung und konkrete Hilfe tiefe Beziehung. Das relativiert die Bedeutung von Sprache und hebt die Rolle der inneren Haltung dem anderen gegenüber hervor. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C5/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010.


Ruf vor dem Evangelium am Pfingsmontag

Halleluja. Halleluja.

Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Halleluja.


Evangelium zu Pfingsten am Vorabend:
Joh 7,37-39


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag,
stellte sich Jesus hin und rief:
Wer Durst hat, komme zu mir,
und es trinke,  wer an mich glaubt.
Wie die Schrift sagt:
Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. 
Damit meinte er den Geist,
den alle empfangen sollten, die an ihn glauben;
denn der Geist war noch nicht gegeben,
weil Jesus noch nicht verherrlicht war.