29.06.2017

Lesungen 04.06.2017


1. Lesung vom Pfingstsonntag:
Apg 2,1-11


Lesung aus der Apostelgeschichte:

Als der Pfingsttag gekommen war,
befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen,
wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten;
auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen,
in fremden Sprachen zu reden,
wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden,
fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob,
strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt;
denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten:
Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter,
Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien,
von Pontus und der Provinz Asien,
von Phrygien und Pamphylien,
von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin,
auch die Römer, die sich hier aufhalten,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber,
wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.



Aus allen Ländern versammeln sich Menschen am Pfingsttag, zum Wochenfest, in Jerusalem. Dieses Schawuot-Fest war im Judentum ein Erntefest, wurde dann im Spätjudentum als Bundeserneuerungsfest und im Zusammenhang mit den Gedächtnisfeiern zur Gesetzgebung am Sinai begangen. Es ist anzunehmen, dass es sich bei den "fremden Sprachen” (2,4) nicht um die Muttersprachen der Fremden handelt, sondern eher um Glossolalie (Zungenrede) - vielleicht in fremden Sprachen. Als Quellen des Pfingstberichtes wird zum einen 1 Kor 12,3.10 (Apg 2 ist der Ausbruch der Ankündigung von 1 Kor) und weitere Berichte über Sprachenwunder angenommen. In diesem Bericht wird dann schon ein Problem leise angedeutet, was dann später im Apostelkonzil noch zum Tragen kommen soll: Wer ist Empfänger des Heiligen Geistes? - Der Pfingstbericht erzählt, dass alle ohne Unterschied den Geist empfingen - später werden sich die Apostel streiten, ob, wer Christ werden will, zunächst Jude werden muss.


Die Schilderung des Pfingstereignisses ist in der Apostelgeschichte bedeutungsvoll allen anderen Berichten vom Wirken des Heiligen Geistes vorangestellt. Auch der feierliche Ton, in dem die Schilderung gehalten ist, weist auf die Bedeutung des Ereignisses hin. Es soll ein Geschehen von geschichtsmächtigem Charakter dargestellt werden. Die Herabkunft des Heiligen Geistes bewirkt, dass die Gemeinde Jesu in die Weltgeschichte eintritt und das Evangelium allen Völkern verkündet. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, schildert den Vorgang in den Farben alttestamentlicher Gotteserscheinungen. Seine Erzählung trägt Anklänge an Ex 19,16-19 und 1 Kön 19,11f. Zugleich hat das erzählte Geschehen Erfüllungscharakter. Es erfüllt sich, was beispielsweise in Joel 3,1-5 prophetisch verheißen wurde und was auch Jesus angekündigt hat (vgl. die johanneischen Abschiedreden oder Apg 1,8). Der Beginn der Perikope heißt wörtlich übersetzt: "Als sich der Pfingsttag erfüllte …". Mit dem Reden in fremden Sprachen, welches die versammelten Jünger erfüllte, ist vermutlich das Phänomen der Glossolalie gemeint. Dabei handelt es sich um jene ekstatischen Zungenrede, wie sie später auch aus der Gemeinde von Korinth bekannt ist (vgl. 1 Kor 12-14). Von dem merkwürdigen Verhalten der Geistträger angelockt oder aufgeschreckt, kommt es in Jerusalem zu einem Volksauflauf. In der Menge befinden sich auch Diasporajuden aus unterschiedlichen Sprachen und Völkern. Mit ihrer Erwähnung wird auf den universalen Zug des Geschehens nachdrücklich hingewiesen. Die als Völkerliste angelegte Aufzählung von Juden aus unterschiedlichen geographischen Bereichen verweist auf das kommende missionarische Wirken der Jesusjünger über den engen Bereich von Palästina hinaus.


Die Lesung trägt das Pfingsterreignis aus der Apostelgeschichte vor. Die Apostelgeschichte enthält den einzigen ausdrücklichen und ausführlichen Bericht darüber. Was sich zum Pfingstfest in Jerusalem ereignete, ist die Erfahrung der Christen der ersten Generation: Die Ausgießung des Geistes Gottes über alle, die Jesus nachfolgen. Diese Erfahrung wird in unserem Text durch symbolträchtige Phänomene hörbar und sichtbar: das Brausen, das einem Sturm gleicht, und die Feuerzungen, welche das Sprachenwunder sichtbar machen, und schließlich das unerwartete öffentliche Auftreten der Jünger. Das Pfingstfest wurde von den Juden fünfzig Tage nach dem Paschafest (Ostern) gefeiert. Es war ursprünglich ein Erntedankfest und wurde auch als Gedächtnis der Gesetzgebung auf dem Sinai begangen. Nach einer jüdischen Legende über die Gesetzgebung am Sinai hat sich die Stimme Gottes in die 70 Sprachen der Völker verteilt, sodaß jedes Volk die 10 Gebote in seiner Sprache vernahm. Lukas greift dieses Motiv auf und fügt in seine Erzählung eine Völkerliste ein. Ursprünglich dürfte es sich um zwölf Völker gehandelt haben. Die in Jerusalem anwesenden Vertreter dieser Völker sind jedoch Juden. Man kann an heimgekehrte Diasporajuden denken. Die Öffnung den Heidenvölkern gegenüber findet nach Lukas erst später statt. In der erneuerten katholischen Liturgie ist das Pfingstfest wieder fest mit dem Osterfestkreis verbunden. Ostern dauert demnach 7 Wochen. Die Auferstehung und die Ausgießung des Geistes Gottes gehören zusammen.


Antwortpsalm am Pfingstsonntag
Ps 104,1-2. 24-25. 29-31. 34

R Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu. – R

Oder: Halleluja. – R

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr mein Gott, wie groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid,
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. - (R)

Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere. - (R)

Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört;
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde. - (R)

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.

R Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu

Oder: Halleluja.


2. Lesung vom Pfingstsonntag:
1 Kor 12,3b-7. 12-13

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Keiner kann sagen:
Jesus ist der Herr!,
wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
damit sie anderen nützt.
Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat,
alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind,
einen einzigen Leib bilden:
so ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe
alle in einen einzigen Leib aufgenommen,
Juden und Griechen, Sklaven und Freie;
und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.



Der eine Geist wirkt verschiedene Gaben, die immer im Sinne der Einheit zu sehen sind. Sie alle haben ihren Ursprung in Gott. Ausgelassen werden die Verse 1 Kor 12,8-11, in denen die verschiedenen Geistesgaben exemplarisch genannt werden. Im weiteren Verlauf (1 Kor 14) werden die Gaben auf ihren Nutzen in der Gemeinde beschrieben. Und dazwischen das Hohe Lied der Liebe (1 Kor 13). So ist es nicht nur eine numerische Reihenfolge, sondern eine inhaltliche: Zwischen 1 Kor 12 und 1 Kor 14 steht 1 Kor 13. Aus der Liebe heraus ist verständlich, dass die Gaben des Geistes geschickt werden. Und aus der Haltung der Liebe werden sie nutzbar für die Gemeinde.


Die Perikope steht im Kontext der Stellungnahme des heiligen Paulus zu den außergewöhnlichen ekstatischen Charismen, etwa der Zungenrede, in der Gemeinde von Korinth. Es gibt eine starke Tendenz unter den Gemeindemitgliedern, dass diese Charismen überbewertet werden. Umgekehrt haben diejenigen, welche nicht mit ihnen begabt sind, gewisse Minderwertigkeitsgefühle. So sind große Spannungen entstanden. Die Gemeinde ist zwischen den verschiedenen Polen hin- und hergerissen. Der Apostel macht sich im Hinblick auf diese Situation gewissermaßen zum Anwalt der Vielfalt. Er betont die Vielzahl der Charismen, die alle aus dem einen Heiligen Geist hervorgehen, und er weist darauf hin, dass die unterschiedlichen Gnadengaben auf die Gemeinschaft hingeordnet sind, also den anderen hilfreich und dienstbar sein sollen. Das Fundament aller Gaben ist das Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn. Daran müssen sich die außergewöhnlichen Charismen bewerten lassen. Und es gilt: Wer das Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn in seinem Herzen trägt und auf seinen Lippen führt, ist im Geist, ganz gleich in welche Richtung er begabt ist. Um die Einheit in der Vielheit auszudrücken verwendet Paulus das Bild vom Leib mit den vielen Gliedern. Allen Gemeindemitgliedern gewährt Christus Raum in sich. Von daher ergibt sich ganz selbstverständlich eine gegenseitige Zuordnung und ein Miteinander. Keiner ist für sich alleine Glied am Leib Christi. Es ist wiederum der Geist, der die Zuordnung der Christen zum Leib Christi und die Einheit dieses Leibes bewirkt. Der Geist ist gewissermaßen die alles und alle verbindende Seele des Christusleibes, er ist der innere Zusammenhalt der Gemeinde.


Die Lesung ist dem Ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther entnommen. In der jungen Gemeinde in Korinth gibt es große Spannungen. Paulus kämpft leidenschaftlich um die Einheit der Gemeinde. Ein Streitpunkt ist das Zueinander der unterschiedlichen Begabungen (Charismen). Eine sehr auffällige (und von manchen begehrte Gabe) ist eine ekstatische Verzückung, die sich in der sog. Zungenrede äußert. Paulus bemüht sich in seinem Schreiben, die Zungenrede als Gabe des Geistes anzuerkennen, sie zugleich aber nicht überzubewerten. Entscheidend ist für ihn, daß alle Begabungen Geschenk des Geistes Gottes sind. Das Kriterium ihrer Echtheit ist jedoch ihre Ausrichtung auf die Einheit.


Erweiterte Fassung der Lesung: 1 Kor 12,1-13

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:
Auch über die Gaben des Geistes möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen,
meine Brüder.
Als ihr noch Heiden wart, zog es euch, wie ihr wißt,
mit unwiderstehlicher Gewalt zu den stummen Götzen.
Darum erkläre ich euch:
Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht!
Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!,
wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
damit sie anderen nützt.

Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen,
dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, 
dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft,
einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen,
einem andern Wunderkräfte,
einem andern prophetisches Reden,
einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden,
wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede,
einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist;
einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat,
alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind,
einen einzigen Leib bilden:
so ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe
alle in einen einzigen Leib aufgenommen,
Juden und Griechen, Sklaven und Freie;
und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.


2. Lesung vom Pfingstsonntag, Lesejahr C (Auswahl):
Röm 8,8-17

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen.
Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt,
da ja der Geist Gottes in euch wohnt.
Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.
Wenn Christus in euch ist,
dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde,
der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit.
Wenn der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat,
auch euren sterblichen Leib lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder,
so daß wir nach dem Fleisch leben müßten.
Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müßt ihr sterben;
wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet,
werdet ihr leben.
Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen,
sind Söhne Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen,
der euch zu Sklaven macht,
so daß ihr euch immer noch fürchten müßtet,
sondern ihr habt den Geist empfangen,
der euch zu Söhnen macht,
den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!
So bezeugt der Geist selber unserem Geist,
daß wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;
wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi,
wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.



Innerhalb des größeren Abschnitts von Röm 8,1-17 geht es um die Frage, wie ein Leben im Geist Gottes aussehen kann. Die ausgelassenen Verse Röm 8,1-7 setzen Gesetz und Gnade, Fleisch und Geist gegeneinander. Hier nun die positive Deutung: Im Geschenk des Gottesgeistes wird Freiheit erlebt. Im Geschenk des Gottesgeistes wird Gott erkannt. Im Geschenk des Gottesgeistes wird die Berufung zu "Erben Gottes" erkennbar.


Grundthema dieses Abschnittes ist das neue Leben, das den Getauften geschenkt ist. Dieses neue Leben ist vom Geist Gottes bestimmt, an dem der Getaufte teilhat. In einem ersten Gedankenkreis betont Paulus, daß der in der Taufe geschenkte Geist Gottes "das Fleisch" überwindet. Mit "Fleisch" bezeichnet Paulus die Neigung des Menschen zum Bösen, die in ihm infolge der Erbsünde vorhanden ist. Für Paulus ist das mehr als eine Abhängigkeit von naturhaften Anlagen oder Gegenbenheiten. Es geht nicht um die Überwindung einer als böse vorgestellten Natur. Durch die Taufe hat der Mensch erst die Befähigung, im Einklang mit Gott zu leben und nicht mehr zu sündigen. In einem zweiten Gedankenkreis geht es Paulus um die Gotteskindschaft. Der Getaufte hat Anteil an der herzlichen und innigen Gottesbeziehung Jesu. Aus diesem Geist heraus kann er Gott mit "Abba" als Vater anreden. Die Gotteskindschaft hat jedoch nicht nur Folgen auf der Ebene der persönlichen Beziehung sondern auch auf der "rechtlichen". Getaufte sind Erben, d.h. sie sind "Freie" und haben teil an allen "Bürgerrechten" im Unterschied zur Abhängigkeit der rechtlosen Sklaven oder Leibeigenen.


Ruf vor dem Evangelium am Pfingstsonntag

Halleluja. Halleluja.

Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!

Halleluja.


Evangelium vom Pfingstsonntag:
Joh 20,19-23

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am Abend des ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten,
kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an und sprach zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben;
wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



Der Evangelist Johannes setzt die Geistsendung unmittelbar in dem Zusammenhang zum Auferstehungsgeschehen: Am Morgen des ersten Tages fanden die Frauen das Grab leer. Und am ersten Tag geschieht auch die Geistmitteilung. Dieser Geist geht aus dem Sohn hervor - als sein Atem. Die Adressaten sind nicht Fremde wie etwa im Pfingstbericht des Lukas, sondern Jesu Vertraute, seine Jünger. Noch ein Unterschied fällt auf: Die Gaben des Geistes sind nicht Aufgaben oder menschliche Fähigkeiten (siehe 1 Kor oder Apg) sondern Geschenke: Friede und Freude.


Die Perikope ist ein Höhepunkt in der Osterbotschaft des Johannesevangeliums. Der Auferstandene erscheint vor den Jüngern und beschenkt sie mit dem Heiligen Geist. Was die kirchliche Liturgie zu Ostern und zu Pfingsten feiert, ist eine zeitliche Entfaltung dieser Geschehenseinheit. Der Auferstandene begründet durch seine Erscheinung und die Geistspendung den Glauben der Jünger und damit auch die Kirche, und er offenbart zugleich die Fruchtbarkeit seines Todes und seiner Erhöhung. So ist es zu verstehen, dass in V. 20 besonders auch das Zeigen der Seite betont wird, jener von der Lanze durchstoßenen Seite des Gekreuzigten, aus der nach Joh 19,34 Blut und Wasser hervorgeströmt sind: Symbole des von Gott gespendeten Lebens. In der vorliegenden Erscheinungsgeschichte wird mehrfach an die Abschiedsreden Jesu (Joh 14-17) angeknüpft. Der Friede war das Vermächtnis Jesu vor seinem Tod (Joh 14,27), jetzt ist der Friede gleich zweimal der Wunsch und die Gabe des Auferstandenen. Vor seinem Tod verheißt Jesus den traurigen Jüngern ein Wiedersehen in voller und ungebrochener Freude (Joh 16,22), jetzt freuen sich die Jünger, als sie den Herrn sehen. In seinem Abschiedgebet hat Jesus von der Sendung der Jünger gesprochen, gleichsam als einer Verlängerung seiner eigenen Sendung vom Vater her (Joh 17,18), jetzt geschieht diese Sendung expressis verbis. Schließlich hat Jesus wiederholt in den Abschiedsreden den Beistand, den Geist der Wahrheit, verheißen (z.B. Joh 14,16. 26; 16,7. 13), jetzt schenkt er den Jüngern diesen Geist. Für die Geistspendung verwendet der Evangelist Johannes das Verbum „anhauchen“–„emphysan“, welches in der griechischen Version des Alten Testaments in Gen 2,7, Ez 37,9 und Weish 15,11 vorkommt. Es handelt sich dabei jeweils um Texte, in denen die lebensspendende Kraft Gottes verkündet wird. Die Mitteilung des Geistes ist also als Gabe eines neuen Lebens zu verstehen. In V. 23 ist zum einzigen Mal im Johannesevangelium von Sündenvergebung die Rede. Die Jünger repräsentieren, in dem sie die Vollmacht zur Sündenvergebung empfangen, die ganze Kirche. Ihr Gesendetsein und ihr Beschenktsein mit dem Heiligen Geist erfährt in dieser Gabe eine besondere Konsequenz. Im wesentlichen besteht die Sündenvergebung darin, diejenigen wieder zu versöhnen oder aber auszuschließen, die des Geistes unwürdig werden, welcher der Kirche verliehen ist.


Das Johannesevangelium endet mit den Erzählungen von den Erscheinungen des Auferstandenen. Für Johannes ist im Osterereignis Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten enthalten. Die aus Furcht vor den Juden verschlossene Tür ist der Anlaß, daß Jesus seine übernatürlich Erscheinung demonstriert.. Er zeigt seine Wundmale als Hinweis auf seinen Tod. Der Friedensgruß ist Ausweis seiner Göttlichkeit. Wie der Schöpfer dem ersten Menschen das Leben eingehaucht hat, haucht er den Jüngern den Heiligen Geist ein. Dieser gibt ihnen neue Lebenskraft. Dieser Geist erweist sich in der Vergebung der Sünden, die der Kirche anvertraut ist.


Evangelium vom Pfingstsonntag, Lesejahr C - Auswahl:
Joh 14,15-16. 23b-26

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten,
und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll.
Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten;
mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest.
Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir,
sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist,
den der Vater in meinem Namen senden wird,
der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern,
was ich euch gesagt habe.



Im Abschiedskomplex Johannes 13 - 17 wird die Verbundenheit mit Gott beschworen. Wer sich auf die Verbundenheit mit Jesus einlässt, wird auch den Vater erfahren, der Jesus gesandt hat. Und er wird den Geist spüren, den Vater und Sohn senden.


Die Perikope ist der ersten Abschiedrede Jesu im Johannesevangelium entnommen. Die beherrschende Zeitform, in der Jesus spricht, ist das Futur. Er belehrt die Jünger, wie sich die Zukunft nach seinem Weggang zum Vater gestalten wird. Ein Grundmerkmal dieser Zeit wird sein, dass die Jünger nicht alleine sind, sondern dass ihnen der Heilige Geist geschenkt ist, der an die Stelle Jesu tritt und seine Offenbarung vergegenwärtigt, erschließt und vertieft. Der Heilige Geist wird im griechischen Urtext der johanneischen Abschiedsreden „Paraklet“ genannt. Das heißt wörtlich übersetzt: der Herbeigerufene (vgl. lat. „Advokat“). Im übertragen Sinn ist ein Helfer oder eben – wie es die Einheitsübersetzung sagt – ein Beistand gemeint. Wenn Jesus von einem „anderen“ Beistand spricht, macht dies deutlich, dass er sich für die Jünger auch selbst als Beistand versteht. Voraussetzung und Konsequenz des Beschenktwerdens mit dem Heiligen Geist als Beistand ist die Liebe zu Jesus und das Festhalten an seinem Wort bzw. an seinen Geboten. Es geht dabei nicht nur um ein bloß verstandesmäßiges Begreifen dessen, was Jesus ist und was er sagt und fordert, sondern um eine Lebenspraxis, die ihm und seiner Weisung entspricht. Für das liebende Festhalten am Wort Jesu ist den Jüngern zusätzlich zum Heiligen Geist eine neue Gemeinschaft mit Jesus und dem Vater verheißen. Wenn in Ez 37,26 f. für die Endzeit von der Wohnung Gottes unter den Menschen gesprochen wird, so kommt diese Wirklichkeit in der vorliegenden Perikope in mehr existentiell-persönlicher Weise zum Ausdruck: Wer Jesus liebt und an seinem Wort festhält, zu dem werden er und der Vater kommen und bei ihm wohnen.


In dieser Abschiedsrede verheißt Jesus den Jüngern einen Beistand, der sie begleiten und führen wird, wenn er nicht mehr bei ihnen ist. Diese Begleiter wird den Jüngern helfen, daß sie sich in der Welt bewähren. Denn sie werden nach seinem Weggang dem Einfluß der Welt ausgesetzt sein. Es wird Auseinandersetzungen um die Wahrheit geben (vgl. Vers 17, der in der liturgischen Perikope leider ausgelassen ist). Der Evangelist nimmt hier offenbar Bezug zu dem, was er in seiner Gemeinde erlebt. Um das Vermächtnis Jesu recht zu verstehen, braucht es den Geist Jesu. Vermutlich hat es in der Umgebung der Gemeinde Leute gegeben, die die Überlieferung auf ihre eigene Weise ausgelegt haben. Entscheidend ist die innere Verbindung mit Jesus durch die Liebe zu Jesus. Wer mit Jesus in Liebe verbunden ist, ist zugleich mit dem Vater in Verbindung, und erfährt den Beistand, d. h. die Begleitung und Führung durch den Heiligen Geist.