16.12.2017

Lesungen 15.08.2017


1. Lesung vom Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel:
Offb 11,19a; 12,1-6a. 10ab

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet,
und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel:
ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab.
Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte;
er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind, einen Sohn,
der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird.
Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
Die Frau aber floh in die Wüste,
wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte;
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg,
die Macht und die Herrschaft unseres Gottes
und die Vollmacht seines Gesalbten.



Die Offenbarung des Johannes, ein Trostbuch in der Verfolgungszeit, zeichnet am Beginn der heutigen Perikope das Bild von der siebenten Posaune. Sie verkündet die Herrschaft Gottes, die so sicher kommt, dass jetzt schon der Sieg in Jubel- und Dankliedern gefeiert werden kann. Die Danklieder sind aus Schriftzitaten aus dem Alten Testament zusammengesetzt. Nun wird das Ende angekündigt. Jesus herrscht als König über die ganze Welt. Die Lade, die früher verborgen war, ist nun für alle sichtbar (19). Nun steht der Zugang zu Gott offen. Im Kapitel 12-14, dem Kernstück des Buches, werden treibende Kräfte in der Geschichte gezeigt. Die hier vorgelegte Deutung der Geschichte geht nicht von den innerweltlichen Ursachen aus, wie es allgemein geschieht. Die Kirche muß sich in ihrer Geschichte mit Satan und seinem Treiben in der Welt auseinandersetzen. Der Ausgang dieses Kampfes ist der Sieg über Satan. Die Kirche wird befreit, wenngleich ihre Situation in der letzten Zeit aussichtslos erscheint. Am Ende wird das Lamm und sein Gefolge siegreich sein. Die beiden Gegner (12,1-6) werden gezeigt: eine Frau von Überirdischer Hoheit, das Gottesvolk - ein Drache, die gottfeindliche Macht mit unermesslicher Kraft, Satan. Die Geburt des männlichen Kindes, des messianischen Weltherrschers, konnte aber nicht verhindert werden. Der Messias wird zu Gott entrückt (Himmelfahrt). Die Frau, die Kirche, wird von Gott trotz aller Not der Drangsalszeit (1260 Tage - dreieinhalb Jahre - Zeit des Antichrist) bewahrt. Mit der Menschwerdung Jesu hat der Entscheidungskampf zwischen Gott und Satan um die Herrschaft über die Welt begonnen. Der siegreiche Ausgang in diesem Kampf wurde schon in einem himmlischen Kampf vorgebildet. Der Erzengel Michael, der das Gottesvolk beschützt, und seine Engel besiegten Satan. Ein Hymnus besingt die Wende.


Die erste Lesung beinhaltet einen Auszug aus dem letzten Buch der Hl. Schrift, der Offenbarung (auch "Apokalypse"; genannt; griech.: apokálypsis = Enthüllung). Der Verfasser dieses Buches, der sich Johannes nennt (wahrscheinlich nicht identisch mit dem Apostel Johannes), schrieb dieses Werk gegen Ende der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian (ca. 81-96 n. Chr.). Der Verfasser rechnet damit, daß der Zwang zur göttlichen Verehrung des Kaisers in nächster Zukunft zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird. Das Buch der Offenbarung gilt als erste selbständige christliche Apokalypse. Die Offenbarung vollzieht sich durch "Visionen" und "Auditionen", also durch das Schauen und Hören von himmlischen Botschaften. Was für das Buch im allgemeinen gilt, läßt auch zu unserer Perikope sagen: Der Verfasser verwendet Bilder, Symbole und allegorische Szenen, um sein Hauptthema, den bevorstehenden Triumph der Herrschaft Gottes zu verdeutlichen. Jener endgültige Sieg Gottes, der dann auch am Schluß unseres Ausschnittes thematisiert wird (vgl. Offb 12,10ab). Allen Erwartungen nach möchte der Verfasser jedoch keine Voraussagen über den Gang der Welt- und Kirchengeschichte machen. Ebensowenig ist es seine Intention, das mit der baldigen Wiederkunft Christi verbundene Geschehen in seinem Ablauf genau zu beschreiben. Die Perikope beginnt mit der Beschreibung, daß etwas Unerhörtes passiert. Es geschehen Dinge, die noch nie stattgefunden haben. Die geheimnisvolle Bundeslade, in der das göttliche Gesetz aufbewahrt wird und die so ein Zeugnis für die Gegenwart Gottes gibt, wird für alle sichtbar. Sonst durfte nach jüdischer Tradition nur der Hohepriester alljährlich am Versöhnungstag das Allerheiligste sehen. Dann beschreibt der Verfasser das Erscheinen von Zeichen am Himmel. Zunächst wird eine gewaltige frauliche Figur skizziert. Hier sind unterschiedliche Interpretationen möglich. Mit dem Hinweis auf die Schwangerschaft der Frau und der Geburt eines Kindes lassen sich deutliche Parallelen zu Maria und ihrem Sohn Jesus, dem Christus erkennen. Dieses Bild könnte aber auch auf das Volk Gottes, die Kirche angewandt werden. Die zwölf Sterne stehen somit als Sinnbild für die zwölf Stämme Israels oder (wenn man dies neutestamentlich deuten möchte) für den Zwölferkreis der Apostel. Aus dieser Sichtweise sind die Geburtswehen weniger von der leiblichen Geburt des Messiaskindes zu verstehen als von den Leiden des Volkes Gottes im Verlauf seiner Geschichte. Das Erscheinen des Drachen ist ein Bild für das Zerstörerische, Feindliche, Dämonische und Tödliche, das scheinbar vor niemanden und nichts Halt macht. Selbst das Leben des Kindes ist von der Drachengestalt bedroht. Und doch ist die Macht des Drachens begrenzt. Er kann keinen Einfluß über das Kind gewinnen, da es von Gott erhöht wird. Hier wird offensichtlich Bezug genommen auf das universale Heilsgeschehen in Jesus Christus. Das Wüstenmotiv, welches dann noch aufscheint, erinnert deutlich an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Kann aber auch wieder neutestamentlich auf den Kirche bezogen werden, die sich in Verfolgungszeiten aus der Öffentlichkeit zurückziehen muß und eine Zeitspanne höchster Not und Lebensgefahr allein durch die Hilfe Gottes durchstehen kann. Der rettende Sieg durch die Macht und Herrschaft Gottes bleibt ihr jedoch für alle Zeit sicher. Bernd Michael Pawellek


Die Kapitel 12 - 14 gehören zu den Kernstücken der Offenbarung des Johannes. Der erste Teil dieses Kernstückes wird heute vorgelesen. Der Text ist durchdrungen von mythischen Bildern. Hintergrund sind die konkreten Erfahrungen der christlichen Gemeinden (Verfolgung durch den römischen Staat; Vergöttlichung des römischen Kaisers usw. ...). Trotz aller schweren Bedrängnis soll und kann die Gemeinde zuversichtlich bleiben; der Sieg gehört Gott und dem Christus. Das Bild der Himmelskönigin (mit Sonne bekleidet, auf einer Mondsichel stehend, am Haupt eine Krone von 12 Sternen) stammt aus der astralreligiösen Welt (vgl. auch die göttliche Mutter Ägyptens, Isis). Im Judentum wurde den Gestirnen - im Gegensatz zu den anderen Völkern rundherum - keine göttliche Würde zuerkannt. Sonne, Mond und Sterne sind also für Johannes nur der Schmuck der Frau. Die Zwölfzahl deutet wohl darauf hin, daß sie das Gottesvolk der zwölf Stämme repräsentieren. Völker und Stämme wurden im alten Orient vielfach in Frauengestalt versinnbildlicht. Die Frau am Himmel ist schwanger - sie soll den Messias gebären. Da dieser kein anderer als Jesus von Nazareth ist, könnte es nahe liegen, in der Himmelskönigin Maria, die Mutter Jesu, zu erkennen und sie als die mit der Sonne bekleidete Frau zu verehren. In diesem Sinne hat besonders die mittelalterliche Kirche das Bild verstanden und Maria als Himmelskönigin dargestellt Die Exegeten sehen in der Frau aber eher das wahre Israel, das Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes, aus dem Christus gekommen ist. Die alten, oder die chaotischen Mächte der Welt verkörpern auch das Bild des Drachens. Sie streiten als Widersacher gegen Gott. Das Bild vom Kampf des Drachens gegen die gebärende Frau findet sich in verschiedensten Kulturen, so auch in den griechischen Mythen. Für den Seher ist die Frau das wahre Israel und das Kind der Messias. Mit dem Kommen Jesu Christi hat der letzte Kampf begonnen. In dieser letzten Zeit wird aber auch der besondere Schutz Gottes zugesagt.


Ungekürzte Fassung der Lesung Offb 11,19 - 12,10

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.


Antwortpsalm am Fest Mariä Himmelfahrt
Ps 132,6-7. 9-10. 13-14

R: Erheb dich, Herr,
komm an den Ort deiner Ruhe! – R


Wir hörten von der Lade des Herrn in Efrata,
fanden sie im Gefilde von Jaar.
Lasst uns hingehen zu seiner Wohnung
und niederfallen vor dem Schemel seiner Füße! - (R)

Deine Priester sollen sich bekleiden mit Gerechtigkeit,
und deine Frommen sollen jubeln.
Weil David dein Knecht ist,
weise deinen Gesalbten nicht ab! - (R)

Denn der Herr hat den Zion erwählt,
ihn zu seinem Wohnsitz erkoren:
„Das ist für immer der Ort meiner Ruhe;
hier will ich wohnen, ich hab‘ ihn erkoren.“ - R


2. Lesung vom Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel:
1 Kor 15,20-27a

Aus dem ersten Brief des Apostel Paulus an die Korinther:

Christus ist von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist,
kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge:
Erster ist Christus;
dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.
Danach kommt das Ende,
wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat
und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
Denn er muß herrschen,
bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat.
Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.
Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt.



Die in Korinth offenbar vorhandene Überzeugung, durch den Geistbesitz die Heilsvollendung erlangt zu haben, brachte es wohl mit sich, den christlichen Glauben an die Auferstehung der Toten für überflüssig zu erachten. Eine totalmenschliche Auferstehung im Tod widersprach auch der im Hellenismus vorhandenen Ansicht, der Körper sei nur das hassenswerte Gefängnis der Seele. Mit Berufung auf die urchristliche Grundverkündigung sucht Paulus zuerst die Tatsache der Auferstehung der Glaubenden, dann die Weise der Auferstehung zu besprechen und die konkrete Folgerung für die Gegenwart zu ziehen.


Paulus gibt seiner Gemeinde in Korinth ein deutliches Glaubensbekenntnis von der Auferstehung Jesu Christi. Offensichtlich hatten die Korinther Schwierigkeiten im Glauben an die Auferstehung des Herrn. Auf die Betonung des wahren Menschsein Christi legt Paulus hier besonderen Wert, so daß er die Parallele zwischen Adam (dem "Auslöser des Todes´") und Christus gebraucht. Gott hat durch die Auferweckung seines Sohnes, die Auferstehung für alle Menschen generell möglich gemacht, auch wenn Paulus eine bestimmte Reihenfolge gesetzt sieht, an deren Anfang Christus selbst steht. Entscheidend für die Auferstehung ist die Zugehörigkeit zu Christus, die sozusagen als Privileg für das ewiges Leben gilt. Wer am Auferstehungsglauben rührt, gefährdet den universalen Heilswillen Gottes und die Durchsetzung seines Reiches. Folgend beschreibt Paulus in Etappen das Endgeschehen dieser irdischen Welt. Schließlich gebraucht er die Motive von der Königsherrschaft Christi, die in der Übergabe der Herrschaft an Gott ihre Zielgebung findet. Bernd Michael Pawellek


Der Apostel Paulus stellt in diesem Abschnitt die Tatsache der Auferweckung Jesu Christi als des Erstlings der Entschlafenen in den Mittelpunkt. Zugleich betont er den Zusammenhang der zukünftigen Auferweckung der Toten mit der durch Gottes Eingreifen bereits erfolgten Auferweckung Jesu. Die Folgen der Auferweckung Jesu Christi werden von Paulus zunächst für die Zukunft entfaltet. Der Apostel kämpft gegen die Vorwegnahme der Auferstehung in der Taufe. Beim Wiederkommen Christi kommt es zur endgültigen Vernichtung aller gottfeindlichen Mächte, einschließlich des Todes, der trotz der Versöhnungstat Gottes seine Macht über die Menschen noch bis zur Weltvollendung ausübt. Dem ersten, irdischen Adam, stellt Paulus Jesus Christus als den zweiten, eschatologischen Adam entgegen. Zwischen der Auferweckung Jesu und der Auferstehung aller Toten liegt nach Paulus eine längere Zeitstrecke. Paulus erwartete aber die Parusie (Wiederkunft Christi) wohl noch zu seinen Lebzeiten.


Ruf vor dem Evangelium am Fest Mariä Himmelfahrt
vgl. Lk 11,28

Halleluja. Halleluja.
Selig, die das Wort Gottes hören
und es befolgen.
Halleluja.


Evangelium vom Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel:
Lk 1,39-56

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen,
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.

Da sagte Maria:
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr;
dann kehrte sie nach Hause zurück.



Als Anlaß für den Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth läßt sich die unmittelbar vorausgehende Botschaft des Engel der Verkündigung nennen. Die beiden Frauen werden zu den ersten Menschen, die in der Kraft des Geistes den kommenden Herrn begrüßen. Über das von beiden erfahrene persönliche Wunder hinaus sehen sie dabei das Revolutionäre Gottes, der in die konkreten Verhältnisse hinein wirkt. Maria und Elisabeth machen die erste Begegnung zwischen Jesus und Johannes möglich. Schon im Mutterleib macht Johannes durch sein freudiges Strampeln auf Jesus aufmerksam. Elisabeth interpretiert in geisterfüllter und prophetischer Art den Hinweis ihres ungeborenen Sohnes und bringt staunend die einzigartige Berufung Mariens zum Ausdruck. In der Seligpreisung zeigt Elisabeth die zweifache Qualität Mariens auf: Hören und Glauben. So gilt es nun, das große Handeln Gottes weiterzuerzählen. Maria gibt Elisabeth keine Antwort auf ihren Segensspruch, sondern spricht ein anbetendes Lob von Gott, den Lobgesang, das Magnificat. Das Magnificat ist das große Lob und Danklied, in dem alle Glaubenden der alten Zeit und der kommenden Generationen sich vereinen. Der Schlüssel für das Fest der Aufnahme Mariens liegt sicherlich einerseits in der Kontinuität, daß sich Gott immer wieder als Retter erweist. Anderseits tritt im Lobgesang Mariens ihre demütige Sonderstellung als niedrige Magd in Erscheinung. An dieser Frau hat "der Mächtige wirklich Großes getan hat", so daß sie schließlich nach Ablauf ihres irdischen Lebens seine Herrlichkeit schauen darf.


Im Mittelpunkt des heutigen Abschnittes stehen der Hinweis auf Johannes, den Vorläufer Christi, sowie die Seligpreisung Marias durch Elisabeth und der Lobpreis Marias im Magnificat. Der Hörer und Leser soll darin bestärkt werden, in Johannes den Vorläufer Jesu zu sehen. Außerdem wird auf den vorbildhaften Glauben von Maria verwiesen. Dieser findet letztlich im Lobpreis (Magnificat) seinen Ausdruck. Das aus alttestamentlichen Worten stammende Magnificat soll dazu anregen, das Heilsgeschehen des Neuen Bundes - im Leben der Kirche und des einzelnen - im Licht der Rettungsgeschichte aller Söhne und Töchter Abrahams zu betrachten. Vom Ausblick auf die österliche und endzeitliche Erfüllung her ist es möglich, schon in dieser Zeit ( voll Bedrängnis etc.) Gott, dem Retter, zuzujubeln. Die Begrüßung Mariens wurde später in das "Ave Maria" aufgenommen. Das Magnificat selbst (als Zusammenfassung der von Gott geschenkten Zuwendung an Maria und alle Glaubenden) wurde in die kirchliche Abendliturige (Vesper) aufgenommen.


Das "Magnificat", benannt nach dem ersten Wort der lateinischen Fassung, ist eingebettet in eine historische nicht faßbare Rahmenerzählung, nach der Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth geht. Im Laufe der Zeit wurde dies legendenhaft ausgeschmückt, von einem Gang über das Gebirge und einer Hilfeleistung an Elisabeth ist nach dem Evangelienbericht allerdings nicht die Rede. Johannes macht bereits im Mutterleib durch eine freudige Bewegung auf Jesus aufmerksam, er ist also bereits im Mutterschoß zu seiner Aufgabe bestimmt und befähigt. Elisabeth versteht den Hinweis ihres Kindes und preist mit prophetischen Worten die werdende, vor allen Frauen ausgezeichnete Mutter und ihr noch ungeborenes Kind. "Herr" (griechisch kyrios) ist zunächst - aus nachösterlicher Sicht - der Name des erhöhten Jesus, in ihm klingt andererseits aber auch die Nähe Christi zu Gott an, der auch mit Herr angeredet wird. Marias Antwort, auf die in einer Frage formulierte Anrede Elisabeths ist ein Lobpreis, das Magnifikat, in dem sie die Aufmerksamkeit auf Gott richtet. Im ersten Teil nennt Maria als Grund ihres Jubels zunächst die ihr von Gott geschenkte Aufmerksamkeit, wegen der sie in Hinkunft alle Menschen preisen werden. Im zweiten Teil preist Maria Gott in allgemeinen, alttestamentlichen Wendungen. Den Niedrigen verschafft er rettendes Recht und den Notleidenden Güter. Im dritten Teil deutet Maria das ihr Widerfahrende eindeutig als Handeln Gottes an seinem Volk, in Treue zu den Verheißungen an die alten Patriarchen. Das Magnificat, ein judenchristlicher Hymnus mit vielen Anklänge an das Alte Testament, weist auf den vorbildlichen Glauben Mariens hin. Die an Maria erwiesene Huld wird als Großtat Gottes gepriesen. Maria spricht ihren Lobpreis stellvertretend für alle Erlösten. Die aus dem Glauben Altisraels stammenden Worte des Magnificat regen dazu an, das Heilsgeschehen des Neuen Bundes im Lichte der Rettungsgeschichte aller Töchter und Söhne Abrahams zu sehen. Aus österlichem Blick ist es möglich, in einer Welt voller Bedrängnis über Gott, den Retter aller, zu jubeln. Die Begrüßung Mariens durch Elisabeth wurde von der Kirche in das "Ave Maria", das "Gegrüßt seist du Maria", und ihr Magnificat in die kirchliche Abendliturgie (Vesper) aufgenommen.