23.10.2017

Lesungen 05.06.2017


1. Lesung vom Pfingstmontag, Lesejahr A:
Apg 10,34-35. 42-48a

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Er hat uns geboten,
dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen:
Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten,
daß jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.
Noch während Petrus dies sagte,
kam der Heilige Geist auf alle herab,
die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden,
die mit Petrus gekommen waren,
konnten es nicht fassen,
daß auch auf die Heiden
die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern,
die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an,
sie im Namen Jesu Christi zu taufen.



Die Lesung ist Teil der sogenannten Korneliusgeschichte. Sie gehört zur vorlukanischen Tradition und berichtet von der Taufe der ersten Heiden. Eigentlich besteht sie aus 8 verschiedenen Szenen, die eng miteinander verflochten sind. Die heutige Lesung beinhaltet Teile der 4., 6. und die 7. Szene. Die Vorgeschichte: In Cäsarea erfährt der gläubige - aber Heide, d. h. Nichtjude - Hauptmann Kornelius von einem Engel, dass seine Gebete erhört worden seien, und er nach Petrus in Joppe schicken soll. Zur gleichen Zeit erfährt Petrus in Joppe in einer Vision anhand eines Gefäßes mit allerlei Tieren, dass er nichts unrein nennen darf, was Gott rein gemacht hat. Die vom Hauptmann ausgeschickten Boten berichten ihm über den Auftrag des Engels, und so weigert sich Petrus nicht, mit den Boten zum Heiden Kornelius mitzugehen. Mit der Begegnung zwischen Kornelius und Petrus beginnt nun die Lesung. Der Judenmissionar Petrus wird gegen seinen Widerstand von Gott und seinem Geist zum Heidenmissionar berufen. Petrus ist die Hauptperson der Erzählung, er wird zum Überschreiter der trennenden Schranke zwischen Heiden und Juden. Die Verse 34 und 35 sind eine Querverbindung auf die Vision des Petrus mit den reinen Tieren aller Art: es gibt keine unreine Speise, keine unreinen Tiere und deshalb auch keine unreinen Menschen mehr. Das Ziel, das Gott mit seiner Vision und Lukas mit seiner Erzählung verfolgen geht dahin, dass Petrus und mit ihm die Judenchristen dazu geführt werden, mit den "Unreinen" (Heiden) zusammen zu essen. In der von Petrus angeordneten Taufe stellt er sich ohne Zögern hinter die Willensentscheidung Gottes, die durch die überraschende Sendung des Geistes manifestiert wird. Wenn Petrus abschließend noch einige Tage in Cäsarea bleibt, so will Lukas sagen, dass nun Tischgemeinschaft zwischen den Juden- und Heidenchristen möglich ist, und dass Petrus zu ihr bereit ist.


Alternative 1. Lesung vom Pfingstmontag, Lesejahr A:
Ez 36,16-17a. 18-28

Lesung aus dem Buch Ezechiel:

Das Wort des Herrn erging an mich:
(Hör zu), Menschensohn!
Als Israel in seinem Land wohnte,
machten sie das Land durch ihr Verhalten und ihre Taten unrein.
Da goß ich meinen Zorn über sie aus,
weil sie Blut vergossen im Land und das Land mit ihren Götzen befleckten.
Ich zerstreute sie unter die Völker; in alle Länder wurden sie vertrieben.
Nach ihrem Verhalten und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet.
Als sie aber zu den Völkern kamen,
entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen;
denn man sagte von ihnen:
Das ist das Volk Jahwes, und doch mußten sie sein Land verlassen.
Da tat mir mein heiliger Name leid,
den das Haus Israel bei den Völkern entweihte, wohin es auch kam.
Darum sag zum Haus Israel:
So spricht Gott, der Herr:
Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel,
sondern um meines heiligen Namens willen,
den ihr bei den Völkern entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid.
Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen,
den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.
Und die Völker - Spruch Gottes, des Herrn - werden erkennen,
daß ich der Herr bin,
wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.
Ich hole euch heraus aus den Völkern,
ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land.
Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein.
Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust
und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke,
daß ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab.
Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein.



Gedeutete Geschichte: Israels Zerstreuung unter den Völkern wird von dem Propheten Ezechiel verstanden als Strafe. Durch sein Verhalten hat Israel das ihm anvertraute Land „unrein“ gemacht. Angesprochen werden der Götzendienst und das Blutvergießen. Obwohl nicht näher spezifiziert, setzt der Prophet voraus, dass die Menschen eine Verbindung zu ihrer Geschichte herstellen – und ihr Geschick verstehen. Ezechiel wendet dann den Blick: Selbst in der Fremde entweihen sie „überall, wohin sie kamen“ den heiligen Namen Gottes. Der Prophet deutet auch an, wie das geschieht: Das Volk Jahwes habe sein Land verlassen müssen, sei also in Ungnade gefallen – sagt „man“. Was die Leute sagen, nimmt sich Gott zu Herzen. Auf ihn fällt die Erfahrung Israels zurück – und wird von ihm angenommen. Ezechiel kündet einen neuen Anfang an: Gott wird seinen Namen wieder heiligen – indem er vor den Augen der Völker Israel herausholt, sammelt und in sein Land bringt. Betont: „Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“ In drei Sätzen legt der Prophet die Verheißung eines neuen Anfangs aus: „Ich gieße reines Wasser über euch aus …“ Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch … Es ist eine Steigerung, die allerdings auch weit über das hinausgeht, was geschichtlich erfahrbar sein kann. Dass Israel wieder in dem Land wohnt, „das ich euren Vätern gab“, belegt zwar, dass – wie in der alten Bundesformel – Israel „mein Volk“ und „ich euer Gott“ bin, aber das reine Wasser, das neue Herz, Gottes Geist sind Gaben, auf die kein Rückblick möglich ist, wohl aber Bitte und Hoffnung. Es gehört zum Geheimnis des heiligen Namens, dass Menschen zu keiner Zeit sagen können, sie könnten ihre Geschichte mit Gott abschließen. Zu Pfingsten tritt die Kirche in eine Hoffnungsgeschichte ein, die lange vor ihr von Gott um seines Namen willen angefangen hat.


Antwortpsalm am Pfingstmontag (A)
Ps 117,1-2


R Ihr werdet meine Zeugen sein
bis an die Grenzen der Erde. – R
(Oder: Halleluja.)

Lobet den Herrn, alle Völker,
preist ihn, alle Nationen! - (R)

Denn mächtig waltet über uns seine Huld,
die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. - R


2. Lesung vom Pfingstmontag, Lesejahr A:
Eph 4,1b-6

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Führt ein Leben,
das des Rufes würdig ist, der an euch erging.
Seid demütig, friedfertig und geduldig,
ertragt einander in Liebe,
und bemüht euch,
die Einheit des Geistes zu wahren
durch den Frieden, der euch zusammenhält.
Ein Leib und ein Geist,
wie euch durch eure Berufung
auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist;
ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
ein Gott und Vater aller,
der über allem und durch alles und in allem ist.



In Ephesus haben Menschen einen Ruf bekommen. Die Formulierung deutet an, dass an höherer Stelle Zukunftsaussichten verteilt werden. Die werden denn auch mit Namen benannt. Auf dem ersten Blick scheint es, als ob – vertraute – Mahnungen aneinandergereiht werden. Aber eine genauere Sicht zeigt sehr schnell, dass es um die „Einheit des Geistes“ geht, die durch den Frieden, der uns zusammenhält (also schon vorher gegeben ist), gewahrt werden soll. Demut, Friedfertigkeit, Geduld und Verträglichkeit sind Gaben des Friedens, der von Gott kommt. Die „Einheit des Geistes“ wird buchstabiert: ein Leib, ein Geist, eine gemeinsame Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Der letzte Satz beschließt die Perspektive auf die Einheit: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. Mit „über“, „durch“ und „in“ fällt von der Einheit ein Licht auf die Vielfalt „von allem“ und bezieht sie auf die Mitte. Dass die Formulierung trinitarisch ist, öffnet einen weiten Blick.


Ruf vor dem Evangelium am Pfingsmontag

Halleluja. Halleluja.

Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Halleluja.


Evangelium vom Pfingstmontag, Lesejahr A:
Joh 15,26 - 16,3.12-15

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn aber der Beistand kommt,
den ich euch vom Vater aus senden werde,
der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht,
dann wird er Zeugnis für mich ablegen.
Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen,
weil ihr von Anfang an bei mir seid.
Das habe ich euch gesagt,
damit ihr keinen Anstoß nehmt.
Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen,
ja es kommt die Stunde,
in der jeder, der euch tötet,
meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
Das werden sie tun,
weil sie weder den Vater noch mich
erkannt haben.
Noch vieles habe ich euch zu sagen,
aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener kommt,
der Geist der Wahrheit,
wird er euch in die ganze Wahrheit führen.
Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden,
sondern er wird sagen, was er hört,
und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen;
denn er wird von dem, was mein ist,
nehmen und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist mein;
darum habe ich gesagt:
Er nimmt von dem, was mein ist,
und wird es euch verkünden.



Von dem Geist wird im Evangelium bezeugt: Es ist der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht und für Jesus Zeugnis ablegt, ihn verherrlicht, ihn verkündigt – und die Jünger in die "ganze" Wahrheit führt. Der Geist wird hier als "Beistand" vorgestellt; andere Übersetzungen sprechen vom "Fürsprecher", "Anwalt", "Tröster". Was er sagt und tut, kommt aus dem Innersten Gottes. Das Evangelium charakterisiert auch die Situation, in die die Jünger geraten: sie werden verfolgt und ausgestoßen. In der Auseinandersetzung, die unweigerlich auf sie zukommt, stellt sich Gott selbst auf ihre Seite: fürsprechend und verteidigend. Johannes kann, als er das Evangelium schreibt, auf Erfahrungen zurückschauen, die Menschen gemacht haben. In der Anfechtung waren sie nicht allein, ihnen wuchsen Worte zu, die sie sich selbst nicht zutrauten - und nicht zuletzt: in der Auseinandersetzung geht ihnen auf, was Jesus gesagt hat. Mit dem Wort des Evangelisten: die "ganze" Wahrheit. Auch dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium hat in der Geschichte eine unheilvolle Wirkung gehabt. Aus der schmerzlichen Trennung von Synagoge und Kirche, die hier angesprochen wird, rechtfertigten sich Antisemitismus und Judenhass. Das Evangelium wurde umgedreht, in sein Gegenteil verkehrt: Der Satz "es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten" traf – Juden. Es gehört zur "ganzen" Wahrheit, diese unheilvolle Geschichte wahrzunehmen. Christen, die sich den "Beistand" schenken lassen, stehen anderen Menschen bei. Im Evangelium selbst wird ein Weg gewiesen: ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Zeugnis ist das vom Geist in die Wahrheit geführte Leben. Und die alte hebräische Wortbedeutung von Wahrheit spiegelt die Treue und Verlässlichkeit Gottes wider.