21.10.2017

Lesungen 18.06.2017


1. Lesung vom 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Ex 19,2-6a

Lesung aus dem Buch Exodus:

In jenen Tagen kamen die Israeliten in die Wüste Sinai.
Sie schlugen in der Wüste das Lager auf.
Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg.
Mose stieg zu Gott hinauf.
Da rief ihm der Herr vom Berg her zu:
Das sollst du dem Haus Jakob sagen und den Israeliten verkünden:
Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe,
wie ich euch auf Adlerflügeln getragen
und hierher zu mir gebracht habe.
Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet,
werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern
und als ein heiliges Volk gehören.



Israel schlägt das Lager in der Wüste beim Gottesberg auf. Gottesberg deswegen, weil hier sich Gottesoffenbarung ereignet. Gott gibt sein Gesetz und Israel bekundet hier, dieses zu beachten. Im Bund wird dies verankert, festgeschrieben. Die Freiheit aus der Knechtschaft die Israel erlangt - auf Adlerflügel getragen - ufert nicht in Zügellosigkeit aus, sondern mündet ein in die Möglichkeit, sich auf den rettenden Gott einzulassen - Freiheit auf Gott hin. Hier am Sinai liegt der Beginn und Ausgangspunkt der Fortschreibung einer Schiene der Geschichte Gottes mit Israel, die eben Ausdruck findet in einer Vielfalt und Reichhaltigkeit an Gesetzesformulierungen. Die Bücher Levitikus, Numeri, Deuteronomium. zeugen reichlich davon.


Der Bericht über die Gotteserscheinung am Berg Sinai gehört zu den fundamentalen Daten der Geschichte Israels. Im vorliegenden Abschnitt erhält Mose Anweisungen für die Vorbereitung auf die Gotteserscheinung (vgl. 19,16-20). Zuerst wird nochmals auf das Geschehen des Auszuges aus Ägypten hingewiesen. In dem folgenden Geschehen am Berg Sinai folgt die Mitteilung des Dekaloges an Mose. (Kap. 20, 1-17). Mose erhält den Auftrag, dem Volk Israel eine Botschaft zu übermitteln. Israel, als das Volk Gottes, soll auf die Stimme des Herrn hören. Es ist auch mitverantwortlich dafür, daß alle Völker der Erde den wahren Gott erkennen und ehren können.


Antwortpsalm am 11. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 100,1-5

R Wir sind das Volk des Herrn,
die Herde seiner Weide. – R


Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde!
Dient dem Herrn mit Freude!
Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der Herr allein ist Gott.
Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum,
sein Volk und die Herde seiner Weide. - (R)

Tretet mit Dank durch seine Tore ein!
Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels!
Dankt ihm, preist seinen Namen!.
Denn der Herr ist gütig,
ewig währt seine Huld,
von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue. - R


2. Lesung vom 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 5,6-11

Lesung aus dem Brief an die Römer:

Schwestern und Brüder!
Christus ist schon zu der Zeit,
da wir noch schwach und gottlos waren,
für uns gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen,
daß Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch (Gottes) Feinde waren,
werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.



Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt! Und Paulus betont nochmals. bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahin gegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber. Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.


Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an. "Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte". Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten. (Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)


Ruf vor dem Evangelium am 11. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mk 1,15


Halleluja. Halleluja.
Das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium.
Halleluja.


Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 9,36 - 10,8

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit,
als Jesus die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Da sagte er zu seinen Jüngern:
Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht,
die unreinen Geister auszutreiben
und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
Die Namen der zwölf Apostel sind:
an erster Stelle Simon, genannt Petrus,
und sein Bruder Andreas,
dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus,
und sein Bruder Johannes,
Philippus und Bartholomäus,
Thomas und Matthäus, der Zöllner,
Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus
und Judas Iskariot, der ihn später verraten hat.
Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen:
Geht nicht zu den Heiden,
und betretet keine Stadt der Samariter,
sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.



Jesus sieht die Not und das Elend der Herde. Aus dem Erbarmen Jesu mit dieser heraus, wird verständlich, dass dem Matthäus Anliegen ist, das Wirken Jesu in der Gemeinde weiter verankert zu wissen. Aus der Notzeit wird Erntezeit. Ernte ist gewöhnlich Bild für die Endzeit. Jedoch durch das Wort Jesu beginnt das Sammeln bereits, indem die Jünger in die Welt hinausgehen und Jesu Namen verkünden. Der Mensch schafft dies jedoch nicht selbst, sondern Gott sucht sich seine Boten. Vo da her wird verständlich, dass Gott um Arbeiter gebeten werden muss. Die Existenz der zwölf Jünger setzt Matthäus als gegeben voraus. Durch sie dringt Jesu Wort weiter in die Welt hinaus. Die Hinzufügung "an erster Stelle" bei Simon bezieht sich auf die Reihung innerhalb der Apostelgruppe. Petrus nimmt anscheinend eine besondere Stellung/Bedeutung in der matthäischen Gemeinde ein. An ein besonderes Amt braucht dabei jedoch nicht gedacht werden. Dass sich Jesus nirgends einpressen lässt, zeigt auch die Existenz zweier gegensätzlicher Personen, die extremer nicht sein können, im Jüngerkreis. Matthäus, der Zöllner, der für die Römer gearbeitet, und Simon Kananäus, der gegen sie gekämpft hat. Siehe Einheitsübersetzung Anmerkung zu Mt 10,4 - Kananäus ist nicht Eigenname sondern Beiname im Sinne von "der Zelot", "der Eiferer". Das Gebot; heidnisches Gebiet zu meiden, ergibt selbst im Matthäusevangelium einen Widerspruch. Im letzten Kapitel des Evangeliums beauftragt Jesus im Gegensatz zu diesem Passus sehr wohl die Jünger, zu allen Völkern zu gehen und sie zu taufen. Heidnisches Gebiet wird nämlich nur bei Götzenfesten gemieden. Indem Matthäus dies in unserer Perikope jedoch so aufgreift, gibt er vor, dass Jesus sich zuerst Israel zuwendet, und seine Mission sich erst nach seiner Ablehnung den anderen Völkern öffnet. Wesentlich ist die zuvor von Jesus erteilte Vollmacht an die Jünger, die Heilungen ermöglicht. Die Verkündigung kommt erst nach dem Aufzählen der Namen der Zwölf. Es liegt der innere Zusammenhang unbedingt vor. Verkündigung ist ebenfalls an die Vollmacht Jesu gebunden. Wort und Wundererfolge gehören zusammen. Eines lässt sich ohne das andere nicht verstehen. Der Auftrag, Kranke heilen, Tote erwecken, usw. unterstreicht die enge Verbundenheit der Jünger mit Jesus und die Berechtigung daraus, ebenfalls das Himmelreich als nahe zu verkünden. Was Jesus weitergegeben hat, geben die Jünger ebenfalls frei weiter.


Der Schreiber des Matthäus-Evangeliums möchte in diesem Abschnitt deutlich machen, daß die in den vorausgegangenen Kapiteln beschriebenen Vollmachten Jesu vom Herrn an seine Jünger und damit an seine Gemeinde weitergegeben werden. "Das Bild läßt an die gehetzte und völlig erschöpfte oder mindestens an eine von schlechten Hirten irregeleitete und verwahrloste Herde denken. Diese Notlage ist Erntezeit Gottes." Die Jünger werden darum zuerst zum Beten aufgefordert. "Nicht der Mensch kann das notwendige Neue schaffen; Gott allein erwählt seine Boten". Ernte ist in der Hl. Schrift oftmals auch das Bild vom letzten Gericht (Jes. 9,2f; Hos 6,11; Joel 4,13). Die beiden Abschnitte Gebet und danach Aussendung scheinen nicht recht zusammen zu passen. Auf die Namensnennung der Zwölf folgt der Auftrag, zu den verlorenen Schafen Israels zu gehen; die "verlorenen Schafe Israels sind die, die zu dem neuen Volk Gottes gehören werden". Vor der Verkündigung folgt erst noch die Vollmacht zur Heilung. Beides gehört zusammen. Interessanterweise fehlt der eindrückliche Ruf zur Buße (vgl. Kap. 4,13). "Vielleicht auch, weil die Jünger anders als Jesus und Johannes (der Täufer) in der Solidarität mit den Sündern stehen; vielleicht, weil vor allem anderen das Heilsangebot betont werden soll". Die Weisung, die frei empfangenen Gaben ebenso frei weiterzugeben, ist der Urchristenheit sehr wichtig (vgl. 2 Kor 11,7, 1 Kor 9.3-18). (Vgl. NTD 2, Göttingen 1976.)