29.06.2017

Lesungen 24.06.2017


1. Lesung vom Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers:
Jes 49,1-6

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Hört auf mich, ihr Inseln,
merkt auf, ihr Völker in der Ferne!
Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen;
als ich noch im Schoß meiner Mutter war,
hat er meinen Namen genannt.
Er machte meinen Mund zu einem scharfen Schwert,
er verbarg mich im Schatten seiner Hand.
Er machte mich zum spitzen Pfeil
und steckte mich in seinen Köcher.
Er sagte zu mir:
Du bist mein Knecht, Israel,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Ich aber sagte:
Vergeblich habe ich mich bemüht,
habe meine Kraft umsonst und nutzlos vertan.
Aber mein Recht liegt beim Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.
Jetzt aber hat der Herr gesprochen,
der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat,
damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammle.
So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt,
und mein Gott war meine Stärke.
Und er sagte:
Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist,
nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten
und die Verschonten Israels heimzuführen.
Ich mache dich zum Licht für die Völker;
damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.



Die heutige Lesung aus dem AT ist als zweites Gottesknechtslied überschrieben. Es ist ein Text aus dem Deuterojesaja, dem Trostbuch aus der Zeit des Babylonischen Exils. Gottes Weg mit seinem Volk ist kein Zufall, sondern bewusstes Tun. Daher ist die "Berufung im Mutterleib" (Jes 49,1 und Jes 49,5) wichtig. In seinem Auftreten mit dem machtvollen Wort kann Johannes der Täufer diese Beschreibung ausfüllen, auch wenn die messianische Auslegung der Gottesknechtslieder eher auf Jesus angewendet wird.


Die Lesung ist dem Buch Jesaja entnommen. Jesaja lebte im 8. Jahrhundert vor Christus in Jerusalem. Im 6. Kapitel berichtet er über seine Berufung, die im Todesjahr des Königs Usija erfolgte (um 740 v. Chr.). Er wirkte über 40 Jahre lang. Jesaja hatte Gott als den "Heiligen Israels" gesehen (vgl. Jes 6). Wir finden von Kap. 42 bis 52 vier verschiedene Gottesknechtslieder. Sie könnten ursprünglich einmal selbständig gewesen sein und dann in das jesajanische Gesamtwerk eingefügt worden sein. Wichtig ist für uns die Überlegung, wer mit dem "Knecht des Herrn", dem "æbæd jahwe", gemeint ist. Ist damit eine einzelne Person gemeint, oder steht er als Kollektiv für ganz Israel? Wir dürfen beides vermuten - auf alle Fälle versteht die Redaktion von Trito-Jesaja diese Figur schon als individuell (vgl. Jes 61,1-3). Das Neue Testament identifiziert den Gottesknecht dann schon mit Jesus, dem endgültigen Heilsmittler. In diesem zweiten Gottesknechtslied spricht der Knecht selbst zu uns. Der Berufene ist vom Mutterleib an ausersehen, Israel zu Gott zurückzuführen. Das war dem Knecht bisher noch nicht gelungen. Es ergeht ihm wie vielen Propheten vor ihm - er sieht seine Sendung gescheitert. Aber genau in dieser Situation weitet Gott seine Zusage ins Unglaubliche hinein aus: Er erneuert seinen Auftrag, die Sendung wird sogar noch erweitert. Der Knecht Gottes soll nun nicht nur zu Israel gehen, sondern sein Auftrag gilt für alle Völker, bis an das Ende der Erde.


Antwortpsalm am Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers
Ps 139,1-3. 13-16

R Ich danke dir, Herr:
du hast mich wunderbar gestaltet. – R

Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir.
Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit all meinen Wegen. - (R)

Du hast mein Inneres geschaffen,
mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.
Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. - (R)

Als ich geformt wurde im Dunkeln,
kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde,
waren meine Glieder dir nicht verborgen.
Deine Augen sahen, wie ich entstand,
in deinem Buch war schon alles verzeichnet. - R


2. Lesung vom Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers:
Apg 13,16. 22-26

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In der Synagoge von Antiochia und Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
Gott erhob David zum König, von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel,
der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes dem ganzen Volk Israel
Umkehr und Taufe verkündigt.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte, sagte er:
Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber seht, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.
Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen!
Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.



Johannes ist der Prophet des Übergangs vom Alten zum Neuen Testament. Das wird auch in diesem Abschnitt aus der Apostelgeschichte deutlich. Paulus als ausgebildeter Pharisaäer zitiert zunächst die Tradition des Messiasglaubens im Judentum, um dann Christus als den Messias zu verkünden. Dabei wird Johannes zum Kronzeugen, der die alte Tradition kennt und in Jesus den Messias kommen sieht. Alte Geschichte wird bejaht und neue Geschichte wird eröffnet. Mit der Öffnung aus der jüdischen Tradition heraus ist es auch leichter möglich, die Heidenchristen zu erreichen. Jesus hat Neues begonnen und Johannes hat dazu den Weg bereitet.


Der Text der Lesung ist der Apostelgeschichte entnommen. Er steht im größeren Zusammenhang der ersten Missionsreise des Paulus (Apg 12,25-14,28). Barnabas, Paulus und Johannes Markus kommen nach Perge in Pamphylien. Dort trennt sich Johannes Markus von ihnen und kehrt nach Jerusalem zurück. Die beiden anderen zogen von Perge weiter nach Antiochia in Pisidien. Dort besuchten sie den Synagogengottesdienst und wurden als Gäste, wie es üblich war, gebeten, Stellung zu nehmen zu den Worten der Schrift. Paulus spricht die Juden und die Heiden an. Seine Rede besteht aus drei Teilen. Paulus beginnt mit einem Überblick auf die gemeinsame Vergangenheit. Er setzt bei der Rettung aus Ägypten, der Wüstenwanderung und der Landnahme an, zeigt dann David als den Träger der Heilsverheißungen und kommt dann schließlich auf den Vorläufer Jesu zu sprechen. Der Mittelteil, der in der Lesung nicht enthalten ist, spricht über Tod und Auferstehung Jesu. Der dritte Teil der Rede ist dann die eigentliche Bekehrungspredigt – sie bringt in Bezug auf die erste Lesung des Geburtsfestes des heiligen Johannes des Täufers (vgl. Jes 49,6) die entscheidende Formulierung und Begründung der paulinischen Heidenmission. Die Heilsbotschaft gehört zuerst den Trägern der Verheißung, den Juden angeboten, lehnen sie das Heil ab, wird es des Heiden weitergegeben.


Ungekürzte Fassung der Lesung: Apg 13,16-26

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In der Synagoge von Antióchia in Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört:
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, in Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt
und fast vierzig Jahre durch die Wüste getragen.
Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet
und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,
für etwa vierhundertfünfzig Jahre.
Danach hat er ihnen Richter gegeben bis zum Propheten Samuel.
Dann verlangten sie einen König,
und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch,
einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.
Nachdem er ihn verworfen hatte,
erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel,
der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel Umkehr und Taufe verkündigt.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber seht, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen
ich nicht wert bin.
Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen!
Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers
Lk 1,76

Halleluja. Halleluja.
Du wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorausgehen und ihm den Weg bereiten.
Halleluja.


Evangelium vom Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers:
Lk 1,57-66. 80

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft,
und sie brachte einen Sohn zur Welt.
Ihre Nachbarn und Verwandten hörten,
welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte,
und freuten sich mit ihr.
Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes
und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte:
Nein, er soll Johannes heißen.
Sie antworteten ihr:
Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen,
welchen Namen das Kind haben solle.
Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf:
Sein Name ist Johannes.
Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen,
und er redete und pries Gott.
Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken,
und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten:
Was wird wohl aus diesem Kind werden?
Denn es war deutlich, daß die Hand des Herrn mit ihm war.
Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark.
Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag,
an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.



Bei der Kindheitsgeschichte im Lukasevangelium handelt es sich um eine nachträgliche Ergänzung des Evangeliums. Im Stil vergleichbarer Texte wird auch in diesen Kapiteln beschrieben, wie sich früh an den Besonderheiten zeigte, dass es mit diesem Menschen etwas Besonderes sein würde. Mit Blick auf Johannes sind die späte Schwangerschaft seiner Mutter Elisabeth und die Heilung des Vaters Zacharias von der Stummheit zu nennen. Auch die Namensnennung ist ein Zeichen. Es wird kein Name gewählt, der die Familientradition fortführt. Johannes ist ein neuer Name und zeigt an, dass mit ihm Neues beginnt. Und in seiner Wortbedeutung wird er Programm: "Gott ist gnädig!"


Die Evangelienperikope berichtet von der Geburt des Täufers. Die heilsgeschichtliche Sendung des Johannes klingt schon in seiner Namensgebung an. Johannes heißt: Gott ist gnädig. Es war so üblich, dass der Sohn den Namen des Vaters bekam, deshalb wird vom Staunen der Nachbarn berichtet, als Elisabeth sagte: Sein Name sei Johannes. Nachdem der stumme Zacharias seine Sprache wieder erlangt hatte, stimmt er einen wunderbaren Lobgesang an ("Benedictus"), der heute noch täglich im Stundengebet der katholischen Kirche gebetet wird. Leider ist dieser Lobgesang (Lk 1,67-79) aus dem Evangeliumstext ausgenommen. Es handelt sich dabei um einen prophetischen Hymnus. Der Schlussvers der Evangelienperikope spricht vom Aufenthalt des Johannes in der Wüste. Darin kann man einen Anklang sehen an die Nähe des Täufers zu Qumran (beim Toten Meer). Dort lebte eine asketische jüdische Sekte, die rituelle Waschungen vertrat und auf das Kommen des Messias wartete. Johannes dürfte diese Gemeinschaft zwar gekannt haben, ihr aber nicht angehört haben.