24.07.2017

Lesungen 09.07.2017


1. Lesung vom 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Sach 9,9-10

Lesung aus dem Buch Sacharia:

So spricht der Herr:
Juble laut, Tochter Zion!
Jauchze, Tochter Jerusalem!
Siehe, dein König kommt zu dir.
Er ist gerecht und hilft;
er ist demütig und reitet auf einem Esel,
auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.
Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim
und die Rosse aus Jerusalem,
vernichtet wird der Kriegsbogen.
Er verkündet für die Völker den Frieden;
seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer
und vom Eufrat bis an die Enden der Erde.



Der Abschnitt aus dem Buch Sacharja stammt aus dem "Messiaskapitel". Es wird den Gesandten Gottes geben, der anders kommt als erwartet (siehe Vers 9). Darin unterscheidet er sich von den Königen, die man kennt. Aber dann werden sich die Wünsche nach Macht und Stärke erfüllen (Vers 10). Hier sind alle bekannten Bilder des Messias Wahrheit geworden. Das Messiasthema setzt sich gegen die ersten 7 Kapitel des Sacharja ab. Es gibt nicht mehr - wie in Sach 1- 8 - eine zeitliche Zuordnung. Es werden Bilder in Erinnerung gebracht, die ihre eigene Tradition haben.


Sacharja, ein Visionär aus einer Priesterfamilie stammend, fasste die Botschaft der früheren Propheten zusammen und richtete den Blick auf die Ereignisse in einer fernen Zukunft. Die heutige Perikope ist dem zweiten Teil des Buches entnommen, das mit Kapitel 9 beginnt. Es geht hier um Verheißungen und Gerichtsworte aus späterer Zeit. Der sogenannte "zweite Sacharja" hat nach dem Tod Alexanders des Großen gewirkt. Hier tauchen Heilsworte auf, die im Neuen Testament ihre Erfüllung finden. Der einstige Einzug Davids in die eroberte Jebusiterstadt findet seine Erfüllung im friedlichen Einzug Jesu in das Jerusalem des ersten Jahrhunderts. Nachdem Jerusalem seine Schuld gebüßt hat, wird sein König "für die Völker den Frieden verkünden". Selbst die Philister, die Erzfeinde Israels, werden zum Rest gehören, der unserem Gott zueigen ist, wenn sie sich von ihren heidnischen Sitten zum wahren Gott bekehrt haben, also auch das Gesetz beobachten, das den Genuss von Blut und unreinen Tieren verbietet (9,7).


Mit Kap. 9 beginnt ein neuer Abschnitt im Sacharjabuch. 9,1-8 erzählt von Rettungstaten Gottes an seinem Volk und der Vernichtung der Feinde. In 9,9-17 ist plötzlich nicht mehr Krieg, sondern der Friedenskönig im Mittelpunkt. (Es wird aber dennoch als zukünftiges Geschehen verstanden). Der kurze Abschnitt Verse 9-10 ist dem Heroldsruf nachempfunden: der Ankündigung eines Herrschers. Der Herold ist hier aber Gott selbst. Genannt werden die Eigenschaften des Herrschers (gerecht; ihm selbst wird geholfen; er ist "arm" und "niedrig" – er ist steht so für das arme Israel!). Die Nennung des Esels V. 9b bezieht sich auf Gen 49,10f. Vers 10a berichtet die Auswirkungen dieses Kommens auf die Welt: Krieg und Kriegsgerät wird abgeschafft (vgl. Gottesknecht, Jes 42) Vers 10b zitiert Ps 72,8 auf: der endzeitliche Herrscher ist Herrscher der Welt. Die Stelle übernimmt sowohl messianische Verheißungen wie auch Motive aus den Gottesknechtliedern. Diese Verse werden in Mt 21,5 beim Einzug Jesu in Jerusalem aufgegriffen. Vgl. Mt 11,29 (Evang. dieses Sonntags): Jesus ist "demütig". Sein Leben ist vorbildhaft das Leben des "Armen", der alles von Gott erhofft und erwartet.


Antwortpsalm am 14. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 145,1-2. 8-11. 13c-14

R Ich will dich rühmen, mein Gott und König. - R
(Oder: Halleluja.)


Ich will dich rühmen, mein Gott und König,  VIII. Ton
und deinen Namen preisen immer und ewig;
ich will dich preisen Tag für Tag
und deinen Namen loben immer und ewig. - (R)

Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. - (R)

Danken sollen dir, Herr, all deine Werke
und deine Frommen dich preisen.
Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden,
sollen sprechen von deiner Macht. - (R)

Der Herr ist treu in all seinen Worten,
voll Huld in all seinen Taten.
Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf. – R 


2. Lesung vom 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 8,9. 11-13

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Ihr seid nicht vom Fleisch,
sondern vom Geist bestimmt,
da ja der Geist Gottes in euch wohnt.
Wer den Geist Christi nicht hat,
der gehört nicht zu ihm.
Wenn der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat,
auch euren sterblichen Leib lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder,
so daß wir nach dem Fleisch leben müßten.
Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müßt ihr sterben;
wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet,
werdet ihr leben.



Paulus ist ein Leben in der Gegenwart Christi ein großes Anliegen der Verkündigung. Hat Gott Raum im Herzen seiner Gläubigen? Diese Frage bestimmt die Lesung aus dem Römerbrief. Sie ist Teil der Einheit zwischen Röm 8,1 - 8,17. Wenn Gott keinen Raum hat, dann kann nicht gut werden, was der Mensch plant. Wenn Gott Raum hat und sich dies im Heiligen Geist zeigt, dann sollen die Früchte des Geistes zu spüren sein. Geistempfang war für Paulus der Abschluss der Einführung in die Gemeinde. Zuvor stand die Taufe als öffentlichem Bekenntnis zu Christus. In der Erfahrung des Geistes gab Gott noch einmal sein Ja zur Tauferfahrung.


Der Brief an die Römer beschreibt im achten Kapitel das Leben im Geist Gottes. Gott hat uns mit der Rechtfertigung Gaben geschenkt, die uns den Vollbesitz des Heiles sichern wollen (1-39). Wir haben den Heiligen Geist (1-11) und die Kindschaft Gottes (12-17) empfangen. Gottes Geist ist lebendig und wirkt in allen, die zu Christus gehören. Er gibt uns Kraft in der ständigen Auseinandersetzung zwischen Fleisch (Schwäche des der Sündenherrschaft verfallenen Menschen) und Geist (Gottes Kraft, die uns die Liebe gibt). Er versichert uns die Auferweckung des Leibes und lässt uns zu Gott "Abba" sagen. Er gibt uns Anteil an der Herrlichkeit Christi.


Die vorgeschlagene Perikope 8,9.11-13 ist dem Abschnitt 8,1-17 entnommen; der besseren Verständlichkeit wegen ist als Perikope 8,9-17 zu bevorzugen. Es geht um die neue Existenzweise aufgrund der Taufe: nicht mehr das "Fleisch" beherrscht den Menschen, sondern der "Geist" Gottes. Er befreit den Menschen. Die Stelle mündet in die Hoffnung auf die Auferstehung. Es geht aber wesentlich um das Leben hier, das durch den Geist bereits Anteil an dem ewigen Leben erhält. "Geist" und "Leib" meinen beide den ganzen Menschen! Unter "Fleisch" versteht Paulus den Menschen, der nur aus sich selbst vertraut. Indem wir durch den Geist an Jesus Anteil haben, leiden wir mit ihm, aber wir erhalten auch an der Auferstehung und der Herrlichkeit Anteil. (Erben / Miterben / Kinder und Söhne Gottes).


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 14. Sonntag im Jahreskreis:
Röm 8:1-17

Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer:
Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die,
welche in Christus Jesus sind.
Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus
hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte,
sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches,
das unter der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde,
um an seinem Fleisch die Sünde zu verurteilen;
dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde,
die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben.
Denn alle, die vom Fleisch bestimmt sind,
trachten nach dem, was dem Fleisch entspricht,
alle, die vom Geist bestimmt sind,
nach dem, was dem Geist entspricht.
Das Trachten des Fleisches führt zum Tod,
das Trachten des Geistes aber zu Leben und Frieden.
Denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott;
es unterwirft sich nicht dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht.
Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen.
Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt,
da ja der Geist Gottes in euch wohnt.
Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.
Wenn Christus in euch ist,
dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde,
der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit.
Wenn der Geist dessen in euch wohnt,
der Jesus von den Toten auferweckt hat,
dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat,
auch euren sterblichen Leib lebendig machen,
durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder,
so daß wir nach dem Fleisch leben müßten.
Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müßt ihr sterben;
wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet,
werdet ihr leben.

Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen,
sind Söhne Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen,
der euch zu Sklaven macht,
so daß ihr euch immer noch fürchten müßtet,
sondern ihr habt den Geist empfangen,
der euch zu Söhnen macht,
den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!
So bezeugt der Geist selber unserem Geist,
daß wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;
wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi,
wenn wir mit ihm leiden,
um mit ihm auch verherrlicht zu werden.


Ruf vor dem Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt 11,25

Halleluja. Halleluja.
Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.
Halleluja.


Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 11,25-30

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
weil du all das den Weisen und Klugen verborgen,
den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden;
niemand kennt den Sohn, nur der Vater,
und niemand kennt den Vater, nur der Sohn
und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir,
die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht,
und meine Last ist leicht.



Es sind drei Abschnitte in diesem Sonntagsevangelium zusammengefasst. Zum einen ist der Dank Jesu an den Vater in den Versen 25 - 27, dann die Einladung Jesu zur Ruhe in ihm und schließlich seine Aufforderung, sein Joch aufzunehmen. Im ersten Teil ist Gott der Ansprechpartner, im zweiten alle Glaubenden und im dritten die Jünger Jesu. Das heutige Evangelium hat in der Kirchengeschichte eine große Rolle gespielt. Am Vers 27 entschied sich die Frage, ob Jesus wahrer Gott und Mensch ist oder nicht. Wenn der Vater das Reich übergeben hat, ist dies dann ein Hinweis darauf, dass Jesus nicht von Anfang an als Sohn bei Gott war und daher seine Gottheit in Frage steht?


Die meisten Wunder Jesu ereigneten sich in dem kleinen Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth um Kapernaum, Chorazin und Bethsaida. Die Bewohner dieser Gegend zeigten trotzdem nur sehr wenig Interesse an Jesus. Darum trifft sie die Drohrede Jesu unvermeidlich. Aber nicht alle versagen Jesus den Glauben. Die "Unmündigen" (nicht die Kinder, sondern die einfachen, kleinen Leute, die nicht viel gelten, aber ihr Vertrauen auf Gott setzen), nehmen die Offenbarung Gottes an. Die Worte Jesu enthalten zuerst dankenden Lobpreis (25.26), dann Selbstoffenbarung (27): Jesus ist der Menschensohn, dem alles übergeben ist und Gottes Sohn, der in einzigartiger Gemeinschaft mit seinem Vater lebt. Für die einfachen Menschen gilt seine Einladung. Ihnen, die ihre Lasten kaum mehr tragen können, gibt er Kraft, sodass sie nicht überfordert werden.


Der Lobpreis Jesu Verse 25-27 folgt unmittelbar auf die Weherufe in Verse 20-24. Ihm schließen sich die Verse 28-30, der Ruf an die Mühseligen und Beladenen an. V. 25 spiegelt wohl die Verkündigungssituation Jesu wider: Er wird von den Gelehrten abgelehnt, von den vielen aus dem Volk aber angenommen. V. 27 ist ein Offenbarungswort: Die Gotteserkenntnis ist hier an die Offenbarung (durch den Sohn, durch Jesus) gebunden. V. 28-30: Der, dem alles übergeben worden ist (V. 27) lädt nun alle zu sich ein. Die Einladung ergeht an die "Mühseligen und Beladenen" – damit sind wieder die Unmündigen von V. 25 aufgegriffen. Ihnen wird "Ruhe" verheißen (vgl. Jes 28,12). Es geht um das "Joch" des Gesetzes: Wer sich an Jesus und seine Weisung hält, trägt ein leichtes Joch. Jesus stellt den Menschen vor die Entscheidung. Der Mensch soll von Jesus lernen – aber nicht einzelne Sätze, sondern von seinem Leben. Die Grundstimmung der Perikope ist Freude über das Heil, das Jesus offenbart (vgl. auch Sach 9,9-10!).