24.07.2017

Lesungen 16.07.2017


1. Lesung vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 55,10-11

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr:
Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
sondern die Erde tränkt
und sie zum Keimen und Sprossen bringt,
wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
sondern bewirkt, was ich will,
und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.



Der Text stammt aus den letzten Versen des Deuterojesajas. Dieser Teil meint die Kapitel 40-55 des Prophetenbuches. Man nimmt an, dass sie nicht dem Propheten selbst zuzuschreiben sind, sondern verschiedenen Autoren, die in seinem Sinn schreiben. Es ist das Trost- und Verheißungsbuch und verkündet Gottes Wort in die Zeit des Babylonischen Exils und kurz danach - das lässt sich anhand beschriebener historischer Momente nachvollziehen.


Das Wort Gottes entlastet den Menschen. Des Menschen Anteil tritt hinter die Wirksamkeit des Wortes, das von Gott kommt und Heilszusage ist. Das macht auch der Hinweis auf die fruchtbaren Folgen von Regen und Schnee deutlich: an der Fruchtbarkeit des Ackers hat der Mensch nicht den entscheidenden Anteil. Jahwes Wort versorgt den Menschen - wie den Säenden mit Samen und wie den Essenden mit Brot. Gott sendet sein Heilswort aus wie einen Boten oder wie einen Arzt. Und das Wort bewirkt das, wozu es ausgesandt ist. Die Kapitel 40-55 des Prophetenbuches sind vom sog. Deuterojesaja oder "zweiter Jesaja" in der Exilszeit geschrieben worden. Die Worte sind Trostworte für das Volk im Exil. Die Knechtschaft wird enden und eine neuer Exodus unter Gottes Führung steht bevor. Der Glaube an den "Einen Gott" (Monotheismus) wird lehrmäßig ausgesagt, die Nichtigkeit der falschen Götter durch ihre Ohnmacht bewiesen. Das Wort, das von diesem Gott ausgeht, bringt Heil, Erlösung und Befreiung. Es ist ein Wort für das Leben der Menschen.


Antwortpsalm am 15. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 65,10-14

R Dein Wort, Herr, fiel auf guten Boden
und brachte reiche Frucht. - R

Du sorgst für das Land und tränkst es;
du überschüttest es mit Reichtum.
Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt,
du schaffst ihnen Korn, so ordnest du alles. - (R)

Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen,
machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.
Du krönst das Jahr mit deiner Güte,
deinen Spuren folgt Überfluss. - (R)

In der Steppe prangen die Auen,
die Höhen umgürten sich mit Jubel.
Die Weiden schmücken sich mit Herden,
die Täler hüllen sich in Korn.
Sie jauchzen und singen. - R


2. Lesung zum 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 8,18-23

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Ich bin überzeugt,
daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit
nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig
auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen,
nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat;
aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit
befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen,
daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt
und in Geburtswehen liegt.
Aber auch wir,
obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
seufzen in unserem Herzen und warten darauf,
daß wir mit der Erlösung unseres Leibes
als Söhne offenbar werden.



Der Römerbrief bringt den Menschen das Geheimnis vom Erlösungsgeschehen nahe. Die Antwort des Menschen auf das verheißene Heil Gottes ist der Glaube. Er überwindet alles und bewirkt Freiheit in Gott. Die vorliegende Perikope beschäftigt sich mit dem menschlichen Unheil als einer Form der genommenen Freiheit.


Der Mensch ist ein Teil der ganzen Schöpfung. Das Leben der Christen in dieser Welt hat als Ziel die Herrlichkeit bei Gott. Der Weg dorthin ist gekennzeichnet durch Solidarität mit der Schöpfung, denn wir stehen wie sie unter dem Gesetz der Vergänglichkeit. Doch als Christen haben wir eine sichere Hoffnung: Gott führt uns und alles Geschaffene den Weg zu Befreiung aus aller Knechtschaft und Verlorenheit hin zur Freiheit und Herrlichkeit, die ihren Grund allein in Gott hat.


Ruf vor dem Evangelium am 15. Sonntag im Jahreskreis (A)
vgl. Mt 13,3

Halleluja. Halleluja.
Der Samen ist das Wort Gottes, der Sämann ist Christus.
Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.
Halleluja.


Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 13,1-23

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

An jenem Tag verließ Jesus das Haus
und setzte sich an das Ufer des Sees.
Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.
Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich;
die Leute aber standen am Ufer.
Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen.
Er sagte:
Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg,
und die Vögel kamen und fraßen sie.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden,
wo es nur wenig Erde gab,
und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
als aber die Sonne hochstieg,
wurde die Saat versengt und verdorrte,
weil sie keine Wurzeln hatte.
Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen,
und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden
und brachte Frucht,
teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
Wer Ohren hat, der höre!
Da kamen die Jünger zu ihm und sagten:
Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
Er antwortete:
Euch ist es gegeben,
die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen;
ihnen aber ist es nicht gegeben.
Denn wer hat, dem wird gegeben,
und er wird im Überfluß haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen,
weil sie sehen und doch nicht sehen,
weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.
An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas:
Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen;
sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen.
Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden,
und mit ihren Ohren hören sie nur schwer,
und ihre Augen halten sie geschlossen,
damit sie mit ihren Augen nicht sehen
und mit ihren Ohren nicht hören,
damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen,
damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.
Ihr aber seid selig,
denn eure Augen sehen und eure Ohren hören.
Amen, ich sage euch:
Viele Propheten und Gerechte
haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht,
und haben es nicht gesehen,
und zu hören, was ihr hört,
und haben es nicht gehört.
Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.
Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört
und es nicht versteht,
kommt der Böse und nimmt alles weg,
was diesem Menschen ins Herz gesät wurde;
hier ist der Samen auf den Weg gefallen.
Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen,
der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,
aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist;
sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird,
kommt er zu Fall.
In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen,
der das Wort zwar hört,
aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt
und der trügerische Reichtum,
und es bringt keine Frucht.
Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät,
der das Wort hört und es auch versteht;
er bringt dann Frucht,
hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.



Das Gleichnis vom Sämann ist das erste einer Reihe von - je nach Zählung - sieben bzw. acht Gleichnissen. Bei dreien liefert Jesus die Interpretation gleich mit. Der Text lässt als Quelle Markus 4 annehmen. Dieses erste Gleichnis wird von seiner Interpretation durch eine Jüngerbelehrung getrennt, die auf die Frage der Jünger nach dem Sinn der Gleichnisse folgt. Die Mahnung resp. Belehrung lässt sich so zusammenfassen: 'Gott ist immer Erster.' Handelt und erwählt er nicht zuerst, dann geht gar nichts. Wer nicht berufen wurde zu verstehen, wird auch nicht verstehen. Im Zusammenhang des ganzen Matthäus-Evangeliums heisst dann 'verstehen': Erben des Gottessreiches sein. Der Interpretationsteil ist eine Engführung des Gleichnisses. Er liefert eine Erklärung für einen bestimmten Personenkreis: für jene Menschen, deren Lebenssituationen dort genannt werden. Damit hat das Evangelium drei Kreise von Hörern des Gleichnisses im Blick: die Menge, der erzählt wird; die Jüngerschar, die ermahnt wird; diejenigen aus der Menge, die in der Interpretation genauer definiert werden.


Das 13. Kapitel bei Matthäus enthält sieben Gleichnisse vom Himmelreich, d.h. von der Königsherrschaft Gottes. Am Anfang steht das Gleichnis vom Sämann und seine Deutung. Jesus "begnügte" sich offensichtlich damit, die Bedenken, Fragen und Zweifel seiner Zuhörer mit Hilfe von Gleichnissen zu beantworten. Allem Anschein nach war er überzeugt, daß die (Lebens)-Vorgänge, die er in seinen Gleichnissen schilderte, auf ihre Weise die Wahrheit und Zuverlässigkeit, die Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit seiner Botschaft bestätigen. Wer etwa sieht, daß jede Saat - nomalerweise - Frucht bringt, weshalb sollte der ausgerechnet an der Fruchtbarkeit seiner Saat zweifeln? Muß diese Tatsache uns nicht Mut machen für unser Leben und unseren Glauben? Muß diese Tatsache uns nicht Mut machen für unsere eigene Saat, die es auzusäen gilt. Die Saat wird gesät und ihr Wesen ist es, Frucht zu bringen. Wir sind eingeladen, unsere eigenen Samenkörner mutig auszusäen und darauf zu vertrauen, daß die Frucht aufgeht, wider alle Steine und Dornen, wider alle Gefahren, die der Saat drohen.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 13,1-9

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

An jenem Tag verließ Jesus das Haus
und setzte sich an das Ufer des Sees.
Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.
Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich;
die Leute aber standen am Ufer.
Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen.
Er sagte:
Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg,
und die Vögel kamen und fraßen sie.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden,
wo es nur wenig Erde gab,
und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
als aber die Sonne hochstieg,
wurde die Saat versengt und verdorrte,
weil sie keine Wurzeln hatte.
Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen,
und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden
und brachte Frucht,
teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
Wer Ohren hat, der höre!