17.10.2017

Lesungen 30.07.2017


1. Lesung vom 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kön 3,5. 7-12

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In Gibeon erschien der Herr dem Salomo nachts im Traum
und forderte ihn auf:
Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll.
Und Salomo sprach: Herr, mein Gott,
du hast deinen Knecht
anstelle meines Vaters David zum König gemacht.
Doch ich bin noch sehr jung
und weiß nicht, wie ich mich als König verhalten soll.
Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast:
einem großen Volk,
das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann.
Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren
und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.
Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?
Es gefiel dem Herrn, daß Salomo diese Bitte aussprach.
Daher antwortete ihm Gott:
Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast
und nicht um langes Leben,
Reichtum oder um den Tod deiner Feinde,
sondern um Einsicht gebeten hast,
um auf das Recht zu hören,
werde ich deine Bitte erfüllen.
Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz,
daß keiner vor dir war
und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.



Das weise und verständige Herz ist es, das König Salomo zum legendären und weisen König werden ließ - das "salomonische Urteil" ist sprichwörtlich geworden. Doch dies war nur ein Teil seiner Kompetenz. Er wurde nicht zum Herrscher aufgrund einer Thronfolge, einer speziellen Ausbildung oder einer außergewöhnlichen Karriere erwählt. Seine Kompetenz liegt in der Erwählung durch Gott. Die Bitte, welche Salomo an Gott richten darf, ist möglicherweise ein Teil des damaligen Krönungsritus für einen König. Salomo bittet um die Gnade eines "hörenden Herzens" - man "sieht" nur mit dem Herzen gut - um ein klares Gewissen sowie um die Gabe der Unterscheidung von Gut und Böse. Die Redewendung vom weisen und verständigen Herzen möchte zum Ausdruck bringen, dass die Weisheit von Gott die Weisheit der ägyptischen Pharaonen oder griechischer Philosophen weit übertrifft. Gibeon (El-Gib) ist eine alte kultische Stätte auf einer Anhöhe im Nordwesten von Jerusalem. Sie liegt etwa zehn Kilometer außerhalb der historischen Stadt.


Die Thronbesteigung Salomos wurde von Hofkreisen betrieben, die letzte Entscheidung aber wurde von David kurz vor seinem Tod getroffen, als er Salomo salben ließ, und ihn damit zum Nachfolger machte. Nach seiner Thronbesteigung nun sucht Salomo nach Anlässen, um Gegner zu beseitigen und sein Königtum zu legitimieren. Mit Intrigen anderer und seiner eigenen Gewalt hat er dies zustande gebracht. Was ihm aber fehlt ist ein Zeichen, an dem deutlich wird, dass Gott sich zu diesem König bekennt. Bei Saul und David wurde Gottes Initiative so sehr betont, dass nun durch das Fehlen eines göttlichen Zeichens der Eindruck entsteht, Gott habe Salomo nicht legitimiert. Diesen großen Mangel zu beseitigen, ist nun die Funktion dieser Erzählung. Die Traumoffenbarung beginnt damit, dass Gott dem Salomo eine Bitte freigibt. Salomo fühlt sich von sich aus der schweren Aufgabe des Königseins nicht gewachsen. Mit bewusster Selbstunterschätzung bittet er um das rechte Mittel, um ein "unzählbares Volk" regieren zu können. Das Herz als Zentrum menschlichen Empfindens und Ursprung menschlichen Verhaltens wird im Alten Testament oft zum Ausdruck gebracht. Mit dem "hörenden Herz" scheint vor allem die jeweils richtige innere Eingebung gemeint zu sein, die das Walten Gottes voraussetzt und zur richtigen Entscheidung führt. Die Gottgefälligkeit dieser Bitte bestand in der Uneigennützigkeit. Salomo bekommt deshalb nicht nur die Erfüllung seiner Bitte in unvergleichlich reichem Maße, sondern darüber hinaus auch die Zusage wertvoller irdischer Segensgaben, nämlich Reichtum, Ansehen und langes Leben.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 17. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kön 3,5-12

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In Gibeon erschien der Herr dem Salomo nachts im Traum
und forderte ihn auf:
Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. 
Salomo antwortete:
Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen;
denn er lebte vor dir in Treue,
in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen.
Du hast ihm diese große Huld bewahrt
und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. 
So hast du jetzt, Herr, mein Gott,
deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht.
Doch ich bin noch sehr jung
und weiß nicht, wie ich mich als König verhalten soll. 
Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast:
einem großen Volk,
das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. 
Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren
und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.
Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? 
Es gefiel dem Herrn, daß Salomo diese Bitte aussprach. 
Daher antwortete ihm Gott:
Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast
und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde,
sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, 
werde ich deine Bitte erfüllen.
Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz,
daß keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.


Antwortpsalm am 17. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps
119,57. 72. 76-77.127-130

R Wie lieb ist mir deine Weisheit, o Herr. – R

Mein Anteil ist der Herr,
ich habe versprochen, dein Wort zu beachten.
Die Weisung deinesMundes ist mir lieb,
mehr als große Mengen von Gold und Silber. - (R)

Tröste mich in deiner Huld,
wie du es deinem Knecht verheißen hast.
Dein Erbarmen komme über mich, damit ich lebe;
denn deine Weisung macht mich froh. - (R)

Ich liebe deine Gebote
mehr als Rotgold und Weißgold.
Ich lebe genau nach deinen Befehlen;
ich hasse alle Pfade der Lüge. - (R)

Herr, deine Vorschriften sind der Bewunderung wert;
darum bewahrt sie mein Herz.
Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung,
den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht. - R


2. Lesung vom 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 8:28-30

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben,
alles zum Guten führt,
bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind;
denn alle, die er im voraus erkannt hat,
hat er auch im voraus dazu bestimmt,
an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben,
damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.
Die aber, die er vorausbestimmt hat,
hat er auch berufen,
und die er berufen hat,
hat er auch gerecht gemacht;
die er aber gerecht gemacht hat,
die hat er auch verherrlicht.



Am Ende der ersten acht Kapitel des Briefes an die Römer fasst der Apostel Paulus seine bisherige Botschaft "zum in Jesus Christus geschenkten Heil" zusammen. In einer Reihe von Aussagen über jene Menschen, die Gott lieben, nennt Paulus Zusagen, die an Christen gemacht werden. Es ist seine Überzeugung, dass Gott bei den Berufenen alles zum Guten führen wird. Mit rufen und berufen meint Paulus nicht, dass es sich hier um ein Erkennen und Bestimmen der Menschen handelt, sondern um die Zusage an den Menschen bereits im Voraus. Im Laufe des Weges zur Vollendung werden die die Christen Jesus Christus "gleichgestaltet" (... an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben ...) und als Kinder Gottes und Geschwister Jesu werden wir ihm, der "Ikone des lebendigen Gottes" (vgl. 2 Kor 4,4; Kol 1,15), ähnlich.


Im alttestamentlichen Ordnungs- und Bundesdenken gründet die Überzeugung, dass Gott seine Getreuen schützt und denen seine Huld erweist, die ihn lieben. Dieser Ausdruck steht im Alten Testament und in jüdischen Schriften parallel zu Gottesfurcht und Gesetzesbeobachtung. Für Paulus bedeutet dies, dass Gott "alles zum Guten" – nämlich zum Heil führt. "Alles", darunter sind auch alle Leiden der Gegenwart eingeschlossen. Paulus spricht zweifellos, gestützt auf die Tradition, von so etwas wie der göttlichen Vorsehung. Um ihre unfehlbare Wirkung verständlich zu machen, setzt er aus Eigenem hinzu, dass sie denen gilt, die Gott nach seinem ewigen Plan - "Vorsatz" - berufen hat. Das Zuvorkommen der Liebe Gottes wird hier in ein zeitliches Voraus umgesetzt. Paulus sieht die Heilslaufbahn der Christen ganz aus der Perspektive Gottes. Christus ist das Bild Gottes, und an Christus haben wir wesensmäßig teil. Wie wir das Bild des irdischen (Menschen) getragen haben, so werden wir auch das Bild des himmlichen (= auferstandenen Christus) tragen (1 Kor 15,49). Christus zieht uns gleichsam in seine Herrlichkeit als Sohn Gottes hinein. Die Berufung steht mit dem ursprünglichen Heilsplan Gottes in Zusammenhang. Auf sie folgt die Rechtfertigung und die Verherrlichung.


Ruf vor dem Evangelium am 17. Sonntag im Jahreskreis (A)
vgl. Mt 11,25

Halleluja. Halleluja.
Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.
Halleluja.


Evangelium vom 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 13,44-52

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz,
der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein.
Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann,
der schöne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.
Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz,
das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen.
Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer;
sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe,
die schlechten aber warfen sie weg.
So wird es auch am Ende der Welt sein:
Die Engel werden kommen
und die Bösen von den Gerechten trennen
und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt.
Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
Habt ihr das alles verstanden?
Sie antworteten: Ja.
Da sagte er zu ihnen:
Jeder Schriftgelehrte also,
der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist,
gleicht einem Hausherrn,
der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.



Mit drei Gleichnissen, die zur Entscheidung auffordern, vollendet Matthäus die Seepredigt, welche in sieben Gleichnissen (die Zahl 7 als Symbol für die Ganzheit) das Geheimnis des Gottesreiches offenbart. Das Gleichnis vom im Acker vergrabenen Schatz und der Perle sind Teil der Sonderüberlieferung des Evangelisten Markus. Er greift hier die in der jüdischen Tradition beliebte Form der Erzählung von vergrabenen, verlorenen oder wiedergefundenen Gegenständen auf. Im Mittelpunkt der Erzählungen steht, dass die beiden "Finder" alles verkaufen, um sich diesen einen "Schatz" leisten zu können, sie konzentrieren ihre Bemühungen auf den Erwerb und den Erhalt genau einer einzigen "Sache". Ähnlich ist es mit dem Gleichnis vom Fischfang: Nach dem Anlanden der Netze werden die essbaren und die nicht-essbaren (auch die nach den Reinheitsgeboten "unreinen" Fische) aussortiert. Jetzt ist die Zeit, in der es in der Entscheidung jedes Einzelnen liegt, wie er sich verhält - später ist die Zeit der "Auslese". Die Fülle des Lebens ist nicht billig zu haben, denn Jesus fordert vom Menschen die vollkommene Hingabe, um alles zu gewinnen. Erst am Ende der Tage wird sichtbar werden, wer wirklich Jünger Christi ist. Christsein ist nichts Fertiges. Bis zum Tage Christi ist Raum für Entscheidung, Wachsen und Bewährung sowie Raum für Glaube, Hoffnung und Liebe.


Die beiden Gleichnisse vom Schatz im Acker und der wertvollen Perle gehören zur Sonderüberlieferung des Matthäus. Im Judentum war es eine beliebte Sache, Geschichten von verborgenen und wiedergefundenen Schätzen zu erzählen. Es geht hier Matthäus aber darum, das menschliche Handeln angesichts der Chance des Himmelreiches einzuschärfen. Das Gewicht liegt deshalb in den Gleichnissen nicht auf dem unermesslichen Wert des Schatzes im Acker oder in der Kostbarkeit der Perle, sondern dass die beide Männer alles verkaufen, um sich nur mehr dieser einen Sache ganz zu widmen. Im Gleichnis vom Fischnetz ist das Bild vom Fischerleben am See eingefangen. Das Schleppnetz besaß eine große Ausdehnung. Da es am unteren Rand beschwert war, sank es nach dem Auswurf auf den Grund. Die Korkstücke am oberen Rand ließen es schwimmen und so konnte es mit Booten zum Ufer geschleppt werden. Erst am Ufer schlossen die Fischer die Enden zusammen und zogen das Netz an Land. Die Aussonderung erfolgte nach zwei Gesichtspunkten: es galt sowohl die nicht essbaren, als auch die levitisch unreinen Fische herauszusuchen. Diese warf man weg. Auch in diesem Gleichnis geht es Matthäus um das Himmelreich. Jetzt ist die Zeit des Sammelns, das Gewicht der Entscheidung leitet sich vom Blick auf die kommende und sicher zu erwartende Scheidung ab. Das Anliegen des Matthäus ist nicht, von der Sammlung zu erzählen, sondern von der Scheidung des zuvor im Netz Gesammelten. Dies wird deutlich im Blick auf das Ende der Welt: die Engel werden die Bösen von den Gerechten trennen. Es geht in diesem Gleichnis also um das Endgericht. So wie am Ende des Unterrichts der Lehrer die Schüler fragt, so fragt Jesus seine Jünger, ob sie alles verstanden haben. Das Bild vom Hausvater umschreibt die Aufgabe des christlichen Schriftgelehrten. Er soll ermutigt werden, das Neue zu lehren, aber nicht ohne das Alte.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 13,44-46
 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz,
der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein.
Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann,
der schöne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.