22.08.2017

Lesungen 13.08.2017


1. Lesung vom 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kön 19,9a. 11-13a

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In jenen Tagen
kam Elija zum Gottesberg Horeb
Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des Herrn erging an ihn:
Komm heraus,
und stell dich auf den Berg vor den Herrn!
Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach,
ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elija es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.



Elija hatte viele Erfahrungen mit Gott gemacht. In seinem Namen hatte er gegen den Baalskult gekämpft. Sein Gott hatte ihm deutlich gemacht, dass er über das Ziel hinausgeschossen hatte. Aber er machte ihm auch seine Treue deutlich. Nun sollte am Berg Horeb eine neue Erfahrung kommen. Elija wird eingeladen: "Stell dich dem Herrn!" Wie in einer Geschichtsausstellung wird an alte Gotteserfahrungen erinnert: Sturm, Beben und Feuer waren Erfahrungen mit Gott. Und sie waren Erfahrungen, die in anderen Religionen eine Rolle spielten. Jetzt beginnt das neue: Gott zeigt sich im Säuseln. Das Hebräische Wort Ruach erinnert an den Geist, der über der Urflut schwebt. Gott zeigt sich in einem leisen Zeichen. Nur der, der genau hinhört, erkennt ihn. Elija hatte in den 40 Tagen seit seinem Zusammenbruch gelernt, zu hören.


Die erste Lesung des 19. Sonntags ist dem 1. Buch der Könige entnommen. Zum Verständnis des Textes ist es hilfreich, sich die Vorgeschichte vor Augen zu führen. Der Prophet Elija führt einen erbitterten Kampf gegen den Baalskult. Das Volk Israel besteht aus ehemaligen Nomaden, die sich im Raum Palästina niedergelassen haben. Sie "sickerten" in die Siedlungsgebiete kanaanäischer Ackerbauern und Stadtbewohner ein. Diese verehrten Baal und andere Fruchtbarkeitsgötter. Die Einwanderer - nun selbst seßhafte Ackerbauern - waren versucht, mit den neuen Gewohnheiten auch die Religion der Seßhaften anzunehmen. Lebensinhalt des Propheten Elija ist es, für den alten Jahweglauben zu kämpfen. Dabei ist er nicht zimperlich. Er beschwört auf dem Berg Karmel ein Gottesurteil herauf und nimmt dieses zum Anlaß, die Baalspriester und Propheten niederzumetzeln. Obwohl er scheinbar einen Sieg errungen hat, muß er in die Wüste fliehen. Erschöpft wünscht er sich den Tod. Ein Engel Gottes richtet ihn auf und stärkt ihn. Er nimmt Zuflucht beim Gottesberg Horeb. Der Horeb gilt als der Berg, auf dem sich Jahwe Mose geoffenbart hat und mit Israel den Bund geschlossen hat. Von Mose wird eine ähnliche Gotteserfahrung erzählt, wie sie in der heutigen Lesung vorliegt ( Ex 33,18-23). Der vorliegende Text ist nicht aus einem Guß. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man mehrere Ungereimtheiten. Die sind ein Zeichen, daß der Text mehrmals überarbeitet worden ist, um darin neuere theologische Anliegen unterzubringen. Hauptanliegen des Textes ist es, einen Umbruch bezüglich der Gottesvorstellungen deutlich zu machen. Für die Religionen der umliegenden Völker Israels waren gewaltige Naturereignisse wie Blitz, Donner, Erdbeben usw. Erscheinungen, in denen sie ihre Gottheiten erkannten. Die Propheten entmystifizierten in ihrer Predigt diese Naturerscheinungen. Für sie offenbart sich Gott im Wort, in der Botschaft, die er seinen Propheten mitteilt. Gott spricht zu seinen Dienern. Das Wort überwiegt nun an Bedeutung den Riten und kultischen Vollzüge. Die Stimme Gottes hört, wer das "leise Säuseln" wahrzunehmen vermag.


Ungekürzte Fassung der Lesung
1 Kön 19,1-13:

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch daß er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.
Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.
Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß!
Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.


Antwortpsalm am 19. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 85,9-14


R Erweise uns, Herr, deine Huld,
und gewähre uns dein Heil! – R


Ich will hören, was Gott redet:
Frieden verkündet der Herr seinem Volk
und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.
Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten.
Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. - (R)

Es begegnen einander Huld und Treue;
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor;
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. - (R)

Auch spendet der Herr dann Segen,
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her,
und Heil folgt der Spur seiner Schritte. - R


2. Lesung vom 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 9,1-5

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht,
und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist:
Ich bin voll Trauer,
unablässig leidet mein Herz.
Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein
um meiner Brüder willen,
die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.
Sie sind Israeliten;
damit haben sie die Sohnschaft,
die Herrlichkeit,
die Bundesordnungen,
ihnen ist das Gesetz gegeben,
der Gottesdienst
und die Verheißungen,
sie haben die Väter,
und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus,
der über allem als Gott steht,
er ist gepriesen in Ewigkeit.
Amen.



Die Juden wissen sich aus ihrer Geschichte erwählt von Gott. Paulus hat erfahren: Es gibt eine andere Berufung. Christus spricht sie aus als sein Geschenk. Und er spricht sie frei aus an jeden, dem er sie schenken will. Bevor dieses Anliegen in den Kapiteln 9 - 11 dargelegt wird, beginnt Paulus sehr persönlich. Seine Ergriffenheit über die Berufung steht im Mittelpunkt der heutigen Lesung.


Mit dem 9. Kapitel beginnt im Römerbrief ein längerer Abschnitt, in dem sich Paulus mit einem Konflikt auseinandersetzt, der ihn persönlich in besonderer Weise trifft. Er ist der Abstammung nach Jude, war selbst Pharisäer und hat eine solide jüdische theologische Ausbildung erhalten. Vor seiner Bekehrung eiferte er leidenschaftlich für seine jüdische Religion und bekämpfte das neu entstehende Christentum als unnötige und unerlaubte Abweichung vom wahren Glauben. Was nun? Hatte er sich geirrt. Ist all das, was er damals geglaubt hat, nun irrelevant? Paulus sucht mit der Tatsache fertig zu werden, daß die meisten seiner Volksgenossen den "neuen Weg", wie man das Christentum anfangs nannte, ablehnten. Dabei zeigt sich, daß er sich seinem Volk nach wie vor innigst verbunden ist. Für die Rettung seines Volkes bietet er sich selbst als Opfer an. In den nächsten Kapiteln bietet Paulus ein theologisches Konzept, in dem die jüdische Herkunft des Christentums nicht nur nicht geleugnet wird, sondern einen festen theologischen Platz hat.


Ruf vor dem Evangelium am 19. Sonntag im Jahreskreis (A) 
Ps 130,5

Halleluja. Halleluja.
Ich hoffe auf den Herrn,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Halleluja.


Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 14,22-33

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Gleich darauf forderte er die Jünger auf,
ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren.
Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
Nachdem er sie weggeschickt hatte,
stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.
Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt
und wurde von den Wellen hin und her geworfen;
denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen;
er ging auf dem See.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen,
erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst,
und sie schrien vor Angst.
Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte:
Habt Vertrauen, ich bin es;
fürchtet euch nicht!
Darauf erwiderte ihm Petrus:
Herr, wenn du es bist,
so befiehl, daß ich auf dem Wasser zu dir komme.
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot
und ging über das Wasser auf Jesus zu.
Als er aber sah, wie heftig der Wind war,
bekam er Angst
und begann unterzugehen.
Er schrie: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn und sagte zu ihm:
Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Und als sie ins Boot gestiegen waren,
legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder
und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.



Während der Sturm auf dem See im NT mehrfach genannt wird, ist der Seewandel des Petrus Sondergut bei Matthäus. Das heißt, dass diese Aussage ihm besonders wichtig ist. Die Fähigkeit, über das Wasser zu gehen, ist eine göttliche. Wenn Petrus daran für einen Moment Anteil bekommt, zeigt es die Dimension der Wertschätzung des Petrus bei Gott. Und es unterstreicht den Charakter der Berufung des Simon zum Petrus. Erst nach diesem Wunder wird der Sturm gestillt, und die Jünger finden zu ihrem Bekenntnis. Das Matthäusevangelium ist an eine judenchristliche Gemeinde gerichtet. So ist zu vermuten, dass die Psalmen mitgehört wurden, in denen der Beter im Wasser bald untergeht, aber doch noch errettet wird.


Im Evangelium dieses Sonntags wird uns eine Erzählung aus dem Matthäusevangelium vorgetragen, die sich in ähnlicher Gestalt auch bei Markus und bei Johannes (nicht aber bei Lukas) findet. Dies ist ein Hinweis, daß diese Geschichte im Leben der Christen der ersten Generation einen wichtigen Platz einnahm. Über die Parallelen bei Markus und Johannes hinaus weiß Matthäus noch vom zu versinken drohenden Petrus zu erzählen. Die Erzählung ist dicht angefüllt mit symbolträchtigen Elementen: Nacht, Wasser, Wellen, Gegenwind... Diese sind über den historischen Hintergrund hinaus bedeutsam geworden. Sie vermögen das Lebensgefühl vieler Jesusjünger bildhaft auszudrücken. Petrus wurde zu einer exemplarischen Gestalt eines im Glauben angefochtenen Jüngers. Mehr als eine Wundergeschichte ist diese Erzählung eine Erscheinungs- und Offenbarungsgeschichte. Sie zielt auf das Erkennen der Göttlichkeit Jesu hin und schließt mit dem Glaubensbekenntnis: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.