22.08.2017

Lesungen 20.08.2017


1. Lesung vom 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 56,1. 6-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr:
Wahrt das Recht, und sorgt für Gerechtigkeit;
denn bald kommt von mir das Heil,
meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.
Die Fremden, die sich dem Herrn angeschlossen haben,
die ihm dienen und seinen Namen lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen,
die an meinem Bund festhalten,
sie bringe ich zu meinem heiligen Berg
und erfülle sie in meinem Bethaus mit Freude.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer finden Gefallen auf meinem Altar,
denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt.



Im Jahr 538 v. Chr. erließ der Perserkönig Kyros das Edikt über den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem (Esra 6,3-5) und erlaubte im folgenden Jahr die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil. Im Jahr 515 wurde der neue Tempel eingeweiht und sollte das Zentrum für die neue Gemeinde in Jerusalem sein. Doch es blieb die Frage offen: Wer gehört zu dieser Gemeinde, wer darf im Tempel beten und Opfer darbringen? Darauf die Antwort Jesajas: Ein neuer Abschnitt der Heilsgeschichte ist angebrochen und braucht daher eine neue Ordnung. Jeder, der vor Gott "recht" ist und sich zu ihm bekennt, darf am Gottesdienst teilnehmen. Die Einhaltung des Sabbat, der im Exil zum entscheidenden Bekenntniszeichen geworden war, wird zum Zeichen der Rechtgläubigkeit - bis zur Zeit Jesu.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 56,1-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr:
Wahrt das Recht, und sorgt für Gerechtigkeit;
denn bald kommt von mir das Heil,
meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.
Wohl dem Mann, der so handelt,
wohl dem Menschen, der daran festhält, den Sabbat zu halten
und nie zu entweihen und seine Hand vor jeder bösen Tat zu bewahren.
Der Fremde, der sich dem Herrn angeschlossen hat, soll nicht sagen:
Sicher wird der Herr mich ausschließen aus seinem Volk.
Der Verschnittene soll nicht sagen: Ich bin nur ein dürrer Baum.
Denn so spricht der Herr:
Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten,
die gerne tun, was mir gefällt, und an meinem Bund festhalten,
ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal,
ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter:
Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird.
Die Fremden, die sich dem Herrn angeschlossen haben,
die ihm dienen und seinen Namen lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen,
die an meinem Bund festhalten,
sie bringe ich zu meinem heiligen Berg
und erfülle sie in meinem Bethaus mit Freude.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer finden Gefallen auf meinem Altar,
denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt.


Antwortpsalm am 20. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps
67,2-3. 5-6. 8

R Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. - R


Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
damit auf Erden sein Weg erkannt wird
und unter allen Völkern sein Heil. - (R)

Die Nationen sollen sich freuen und jubeln.
Denn du richtest den Erdkreis gerecht.
Du richtest die Völker nach Recht
und regierst die Nationen der Erden. - (R)

Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle.
Es segne uns Gott.
Alle Welt fürchte und ehre ihn! - R


2. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 11,13-15. 29-32


Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe, die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Verwerfung für die Welt Versöhnung gebracht hat,
dann wird ihre Annahme nichts anderes sein als Leben aus dem Tod.
Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt.
Und wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden, damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.



Der jüdische Heidenmissionar Paulus (Gal 1,16) wendet sich an seine Lesergemeinde in Rom, die mehrheitlich aus dem Heidentum stammt. Er selbst ist betroffen, daß sein Volk Jesus als den Messias ablehnt, sieht aber zugleich in seiner Missionstätigkeit unter den Heiden die Chance, Angehörige seines Volkes zu interressieren "und wenigstens einige von ihnen zu retten". Denn Gott will die Heiden durch Christus erretten, aber nicht anstatt der Israeliten, sondern zusätzlich zu ihnen. Da alle - Juden und Heiden - Sünder sind, sind alle auf das Erbarmen Gottes angewiesen. Und Gott nimmt trotz der Ablehnung durch einen großen Teil des Volkes Israel seine Verheißungen nicht zurück; er will alle Menschen retten.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Röm 11,13-32

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe, die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Verwerfung für die Welt Versöhnung gebracht hat,
ann wird ihre Annahme nichts anderes sein als Leben aus dem Tod.
Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist es auch der ganze Teig;
ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige.
Wenn aber einige Zweige herausgebrochen wurden
und wenn du als Zweig vom wilden Ölbaum
in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest
und damit Anteil erhieltest an der Kraft seiner Wurzel,
so erhebe dich nicht über die anderen Zweige.
Wenn du es aber tust, sollst du wissen:
Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.
Nun wirst du sagen:
Die Zweige wurden doch herausgebrochen,
damit ich eingepfropft werde.
Gewiß, sie wurden herausgebrochen, weil sie nicht glaubten.
Du aber stehst an ihrer Stelle, weil du glaubst.
Sei daher nicht überheblich, sondern fürchte dich!
Hat Gott die Zweige, die von Natur zum edlen Baum gehören, nicht verschont,
so wird er auch dich nicht verschonen.
Erkenne die Güte Gottes und seine Strenge!
Die Strenge gegen jene, die gefallen sind,
Gottes Güte aber gegen dich, sofern du in seiner Güte bleibst;
sonst wirst auch du herausgehauen werden.
Ebenso werden auch jene, wenn sie nicht am Unglauben festhalten,
wieder eingepfropft werden;
denn Gott hat die Macht, sie wieder einzupfropfen.
Wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgehauen
und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest,
dann werden erst recht sie als die von Natur zugehörigen Zweige
ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden.
Damit ihr euch nicht auf eigene Einsicht verlaßt, Brüder,
sollt ihr dieses Geheimnis wissen:
Verstockung liegt auf einem Teil Israels,
bis die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben;
dann wird ganz Israel gerettet werden,
wie es in der Schrift heißt:
Der Retter wird aus Zion kommen,
er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen.
Das ist der Bund, den ich ihnen gewähre,
wenn ich ihre Sünden wegnehme.
Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde Gottes,
und das um euretwillen;
von ihrer Erwählung her gesehen sind sie von Gott geliebt,
und das um der Väter willen.
Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt.
Und wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden, damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.


Ruf vor dem Evangelium am 20. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt
4,23b

Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.


Evangelium des 20. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 15,21-28

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit
zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief:
Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort.
Da traten seine Jünger zu ihm und baten:
Befrei sie (von ihrer Sorge),
denn sie schreit hinter uns her.
Er antwortete:
Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte:
Herr, hilf mir!
Er erwiderte:
Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen
und den Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie:
Ja, du hast recht, Herr!
Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus:
Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.
Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.



Matthäus übernimmt die Geschichte von Mk (Mk 7,24-30) und formt sie sprachlich um, indem er auch eigene Akzente setzt. Seine Darstellung wirkt durch die direkte Rede gleich zu Beginn lebendiger. Aus dem Exorzismus ist eine Heilungsgeschichte geworden, in der der Glaube der Frau im Mittelpunkt steht. Zwei Auslegungstraditionen ziehen sich durch die Kirchengeschichte. Zum einen wird der Text heilsgeschichtlich gedeutet, wobei die überwiegende allegorische Deutung den Text spiritualisiert. Die Hunde sind in dieser Lesart die Heiden, die Kinder stehen für Israel, der Tisch ist die heilige Schrift, das Brot das Evangelium. Zum anderen wird der Text paränetisch gedeutet, wobei das Verhalten der Frau in den Mittelpunkt gestellt wird. Ihre Demut, bzw. ihr Glaube wird als Vorbild gesehen. Die heidnische Frau begegnet Jesus und bittet ihn um Hilfe, wobei sie ihn in jüdischer Gebetssprache anspricht. Dadurch kann sich die mt Gemeinde mit ihr identifizieren. Die Frau nennt Jesus "Davidssohn" und zeigt darin, dass sie sich an ihn, den Messias Israels, wendet. Obwohl sie um die Priorität Israels weiß, erhofft sie sich dennoch von Jesus Hilfe. Die Frau erfährt vielfache Ablehnung. Jesus schweigt, die Jünger fühlen sich belästigt, Jesus argumentiert schließlich ablehnend und stellt in einem Beispiel aus dem täglichen Leben klar, dass die Frau eigentlich keine Aussicht darauf hat, berücksichtigt zu werden. Die Frau aber lässt sich nicht abwimmeln, sondern benutzt das von Jesus gebrauchte Bild aus dem Haushalt, um deutlich zu machen, dass ihr Vertrauen auf Jesu Hilfe ungebrochen ist. Die Frau geht davon aus, dass von seiner Barmherzigkeit wenigstens ein klein wenig auch für die Heiden übrig bleiben wird. Und das würde ihr reichen. Als Jesus diesen Glauben der Frau sieht, ist er beeindruckt und die Tochter wird gesund. Wenn in dem Beispiel ein Hund erwähnt wird, so ist mit dem Hund ein zum Haushalt gehörender Hund gemeint, nicht einer der streunenden Hunde, die negativ gesehen und verachtet wurden. Es geht in dem Beispiel um die unterschiedliche Behandlung der Kinder und der Haushunde, die in abgestufter Weise versorgt wurden. Bei Mt geht es nicht (wie bei Mk) um eine Reihenfolge, sondern um die grundsätzlich unterschiedliche Behandlung von Kindern und Hunden. Die Frau nimmt den Vergleich Jesu auf und kämpft um Jesu Barmherzigkeit.


Matthäus schreibt sein Evangelium für die Judenchristen, die entweder noch im Verband des Judentums leben oder bereits aus ihm ausgeschieden sind. Daher ist diese Begebenheit trotz sachlicher Übereinstimmung wesentlich härter formuliert als bei Markus (Mk 7,24-30). Matthäus will seinem Volk aufzeigen, daß nicht Gott den Bund mit Israel gebrochen hat; Jesus ist in seinem Dienst auf das Volk Gottes ausgerichtet. Gott ist seinem Bund mit Israel treu geblieben; nur Israel lehnt ihn mehrheitlich ab! Andererseits erfährt diese heidnische Frau, die in Jesus den Sohn Davids, den Messias erkennt, Heil wegen ihres großen Glaubens. So betont Matthäus beides: Gottes Treue zu Israel und das Wunder des Glaubens der Heiden.