16.12.2017

Lesungen 24.09.2017


1. Lesung vom 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 55,6-9

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Sucht den Herrn, solange er sich finden läßt,
ruft ihn an, solange er nahe ist.
Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen,
der Frevler seine Pläne.
Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege
- Spruch des Herrn.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.



Der vorliegende Teil entstammt dem Deuterojesaaja, jenem Teil des Buches, der im Babylonischen Exil entstanden ist. Es sind zum einen Wortes des Trostes an das Volk in der Bedrängnis. Andererseits nähert sich der Text auch der Frage an, warum das Volk das Leid erleben muss und welche Rolle Gott in der Exilssituation spielt.


Jes 40-55 ist ein eigenes Buch im Buch Jesaja. Es stammt nicht von Jesaja selber, sondern von einem unbekannten Autor, der ca. 200 Jahre nach dem Tod des Propheten Jesaja in dessen Namen schreibt. Wie der erste Jesaja liest und deutet dieser die Zeichen der Zeit für sein Volk Israel. Aber inzwischen hat sich die Lebenssituation der Israeliten völlig verändert: Der Tempel ist zerstört, die Stadt Jerusalem in Brand gesteckt, der König aus dem Hause Davids abgesetzt und zusammen mit Oberschicht und "allem, was lesen und schreiben kann" ins Feindesland nach Babylon verschleppt. Israel, so scheint es dem kläglichen Rest des Volkes, ist am Ende. Alle alten Verheißungen scheinen wertlos geworden zu sein: das "Land, in dem Milch und Honig fließen", unwiderbringlich verloren, der Tempel, das "Haus Jahwes" verunreinigt und unbewohnbar gemacht. Auf was kann man sich noch verlassen? In diese Endzeitstimmung hinein klingt nun die neue Gottesbotschaft des "zweiten Jesaja", und ihr Beginn in Jes 40,1 ist Programm: "Tröstet, tröstet mein Volk" – es sind ganz neue Töne, die dieser große Dichter der Hoffnung und des Gottvertrauens anschlägt. Eine Etappe auf dem Weg aus der Glaubenskrise in eine neue Hoffnung ist die Verwandlung des bisherigen Gottesbildes. Jes 55,6-9 ist dem Schlußwort des zweiten Jesajas entnommen. In ihm faßt er das heilende Gottesbild in Worte, daß hinter seiner tröstenden Botschaft steht: Gott ist ganz anders, als es sich der Mensch ausrechnen kann. Er ist unbegreifbar, seine Wege sind nicht vorhersehbar. Genau das ist war ja der Auslöser der Glaubenskrise der Israeliten im babylonischen Exil: Ihr Gott war auf einmal nicht mehr berechenbar, hielt sich nicht an die Bilder, die man sich jahrhundertelang von ihm gemacht hatte, handelte anders, als man es von ihm erwartete. Trotzdem und gerade deswegen lädt Jesaja ein, sich diesem unberechenbaren Gott anzuvertrauen. Er läßt sich nicht manipulieren und nicht in ein Schema pressen, er kann nicht auf einen Nenner gebracht werden, und ganz sicher garantiert er keine leidfreie Zukunft. Aber er läßt sich vom Menschen finden, er ist schnell im Verzeihen, er ist nahe. Der unendlich unbegreifliche Gott hört nie auf, der "Ich-bin-da" zu sein: Ich kann seine Gedanken nicht erraten, aber er ist immer ganz nahe und einladend.


Die Einladung von Jes 55:1-3 ("Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser!") wird weitergeführt. Es handelt sich um einen feierlichen Aufruf, dem sich eine Verheißung anschließt: Jetzt lässt sich Gott finden, jetzt ist er nahe! „Meine Wege und Gedanken“ drückt in menschlichen Begriffen und Vorstellungen aus, was Gott vorhat und wie es durchführt. Gott geht seine Wege, wie Menschen ihre Wege gehen. Der Prophet, den wir nicht kennen und Deuterojesaja (d. h. "zweiter Jesaja") nennen, gibt Israel in einer Stunde der Verzweiflung und der Resignation Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes, die sie angesichts der gegenwärtigen inneren Lage, in die hinein der Prophet zu predigen berufen wird, nicht mehr zu sehen vermögen: Das Auslöschen der Existenz des Volkes im Exil scheint unaufhaltbar, vgl. auch die Psalmen 39; 49; 90: „... wir sind ein vergehendes Volk, genau wie die vielen, unzähligen vernichteten Völker vor uns ...“. Der Prophet beschließt seine Botschaft mit der Versicherung, dass diese Geschichte weitergeht.


Antwortpsalm am 25. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 145,2-3. 8-9. 17-18
R Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen. – R

Herr, ich will dich preisen Tag für Tag
und deinen Namen loben immer und ewig.
Groß ist der Herr und hoch zu loben,
seine Größe ist unerforschlich. - (R)

Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. - (R)

Gerecht ist der Herr in allem, was er tut,
voll Huld in all seinen Werken.
Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe,
allen, die zu ihm aufrichtig rufen. - R


2. Lesung vom 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Phil 1,20ad-24. 27a

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Schwestern und Brüder!
Darauf warte und hoffe ich,
daß Christus durch meinen Leib verherrlicht wird,
ob ich lebe oder sterbe.
Denn für mich ist Christus das Leben,
und Sterben Gewinn.
Wenn ich aber weiterleben soll,
bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit.
Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht.
Es zieht mich nach beiden Seiten:
Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein
- um wieviel besser wäre das!
Aber euretwegen ist es notwendiger,
daß ich am Leben bleibe.
Vor allem:
lebt als Gemeinde so,
wie es dem Evangelium Christi entspricht.



Dieser Paulusbrief hat als Hintergrund die drohende Hinrichtung des Apostelfürsten. In dieser Situation wendet er sich an die Gemeinde von Philippi. Aus den Worten spricht die absolute Gewissheit, nach dem Tod ewiges Leben zu haben. Der Tod ist eine gleichwertige Alternative zum Weiterleben.


Die Gemeinde von Philippi ist in dreifacher Hinsicht etwas Besonderes: Sie ist die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden – nämlich in Mazedonien. Bemerkenswert sind auch ihre "Gründungsmitglieder": Laut Apostelgeschichte 16 begann die Geschichte der Gemeinde in Philippi mit der Bekehrung der Purpurhändlerin Lydia. Sie stand bereits dem Judentum nahe und ließ sich nach der Predigt des Paulus mit ihrem ganzen Haus – allen, die mit und von ihr lebten – taufen. Man könnte also sagen, daß das Christentum in Europa auf die Lebenswende dieser reichen und unabhängigen Frau zurückgeht! Und schließlich scheinen die Philipper wohlhabender gewesen zu sein als die übrigen Paulusgemeinden: Nur von ihnen ließ sich Paulus finanziell unterstützen. Der Dank für eine Geldspende ist übrigens – neben anderem – auch ein Grund dieses Schreibens. Als Paulus um ca. 55 n. Chr. an die Gemeinde in Philippi schrieb, war er im Gefängnis und spürt die "die Last seiner Ketten" (1,17). Die meisten Bibelwissenschaftler nehmen eine Gefangenschaft in Ephesus an, die in der Apostelgeschichte zwar nicht erzählt wird, auf die aber Paulus vor allem im 2. Korintherbrief mehrfach anspielt. Durch die Zeilen des Philipperbriefs weht Gefängnisluft: Worte wie "sehnen", "hoffen", "warten" kehren häufig wieder, wenn Paulus von sich selber schreibt. Die Gegenwart ist bedrückend, seine Zukunft gänzlich ungewiß. Es ist durchaus möglich, daß er das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen wird. Aus unserer sicheren, warmen und unbedrohten Lebenswelt könnten wir diese Perikope leicht als eine Verherrlichung des Jenseits und eine Abwertung des Diesseits lesen. Das gegenwärtige Leben des Paulus ist aber ein gequältes, eingeschränktes – ein Gefängnis um 55 n.Chr. ist kein Wellnes-Urlaub. Paulus muß sich mit der sehr realen Möglichkeit eines nahen Todes auseinandersetzen. Angesichts dieser Bedrohung ist keine Zeit für Smalltalk – in diesen Zeilen spürt Paulus der Essenz seines Lebens nach, was es ist, das ihn zuinnerst leben läßt. Hier findet er den Lebenssatz "Für mich ist Christus das Leben". Damit hat er den Dreh- und Angelpunkt gefunden, von dem aus er seinem Leben und Sterben neu und gelassener gegenüberstehen kann.


Die Gemeinde von Philippi hat Paulus auf seiner sog. zweiten Missionsreise gegründet. Mit ihr war er in einer sehr guten Beziehung, sodass er sich von ihr auch unterstützen ließ, was eine große Ausnahme war. Paulus hat den Philipperbrief aus einer Gefangenschaft geschrieben. Die Gemeinde steht unter der Verfolgung, zu der es nach apokalyptischem Verständnis in der Endzeit kommen muß??? Paulus möchte zwar lieber die Gemeinschaft mit Christus im Tod, ist aber bereit, um der Philipper willen noch weiterzuleben, damit diese sich einzig am Evangelium Christi orientiere und Einheit und Liebe lebe.


Ungekürzte Fassung
2. Lesung vom 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Phil 1,20-27

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Darauf warte und hoffe ich,
daß ich in keiner Hinsicht beschämt werde,
daß vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit -
wie immer, so auch jetzt -
durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe. 
Denn für mich ist Christus das Leben,
und Sterben Gewinn. 
Wenn ich aber weiterleben soll,
bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit.
Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. 
Es zieht mich nach beiden Seiten:
Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein -
um wieviel besser wäre das! 
Aber euretwegen ist es notwendiger, daß ich am Leben bleibe. 
Im Vertrauen darauf weiß ich,
daß ich bleiben und bei euch allen ausharren werde,
um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen, 
damit ihr euch in Christus Jesus um so mehr meiner rühmen könnt,
enn ich wieder zu euch komme. 
Vor allem: lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.
Ob ich komme und euch sehe oder ob ich fern bin,
ich möchte hören, daß ihr in dem einen Geist feststeht,
einmütig für den Glauben an das Evangelium kämpft.


Ruf vor dem Evangelium am 25. Sonntag im Jahreskreis (A) 
Apg
16,14b

Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.


Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 20,1-16a

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen sein Haus verließ,
um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt
und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.
Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Ich werde euch geben, was recht ist.
Und sie gingen.
Um die sechste und um die neunte Stunde
ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging,
traf er wieder einige, die dort herumstanden.
Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war,
sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.
Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte,
und jeder erhielt einen Denar.
Als dann die ersten an der Reihe waren,
glaubten sie, mehr zu bekommen.
Aber auch sie erhielten nur einen Denar.
Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten:
Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet,
und du hast sie uns gleichgestellt;
wir aber haben den ganzen Tag
über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.
Da erwiderte er einem von ihnen:
Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht.
Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?
Nimm dein Geld und geh!
Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?
Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.



Die vorliegende Evangelienperikope fokussiert das gütige und barmherzige Handeln Gottes. Die scheinbar ungerechte Entlohnung des Weinbergbesitzers löst sich auf in der impliziten Zusage, dass alle Tagelöhner genug erhalten und niemand ums Überleben kämpfen muss. Die Bedeutung dieser Aussageabsicht ist nicht sicher (Gnilka, Matthäus): Entweder stellt das Gleichnis eine Ermahnung an die Pharisäer dar, die Güte Gottes wie Jesus vorzuleben, der sich mit Zöllner und Sündern an einen Tisch setzt. Oder man sieht es als eine programmatische und grundsätzliche Rede über die Liebe Gottes an, die sich an die Ohren der Evangeliumshörer richtet.


Zusammenhang im Matthäusevangelium: Verkehrte Welt Das Gleichnis in Mt 20 von den Arbeitern am Weinberg kommt in den Evangelien nur bei Matthäus vor. Solche "Extrazuckerln" enthalten oft ein Kernanliegen des Evangeliums. Es gibt noch einen weiteren Hinweis darauf, wie wichtig Matthäus die Botschaft des Gleichnisses ist: Der Schlusssatz – die "Moral von der Geschicht" – kommt fast wortwörtlich schon einmal im Evangelium vor, und zwar unmittelbar vor unserer Perikope in Mt 19,30: "Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein." Wem gehört das Himmelreich, das neue Leben nach Jesu Art? Dieses Thema wird auf dem Weg Jesu nach Jerusalem hinauf, in dessen Zusammenhang das Gleichnis vorkommt, mehrfach variiert. Die Antworten und Beispiele Jesu, die wir um unser Gleichnis herum finden (Mt 19,13-20,28), stellen alle bisherigen Auffassungen auf den Kopf: Anteil an dieser gesegneten Gemeinschaft mit Gott und den Menschen haben auf jeden Fall die Kinder (die im alten Orient gar nichts galten) nur selten die Reichen (die – nicht nur im alten Orient – sehr viel gelten), nicht einmal die, die alle Gebote halten die, die um Jesu willen alles und alle verlassen haben aber auch unter ihnen sollen die Rangordnungen der Welt völlig auf den Kopf gestellt werden: "Wer bei euch der erste sein will, soll euer Sklave sein" (Mt 20,27), weil auch Jesus nicht anders gehandelt hat. Warum Jesus Gleichnisse erzählt In diese "verkehrte Welt" passt unser Gleichnis gut hinein. Denn gerade das ist die besondere Wirkung der Gleichnisse Jesu: Er lädt uns ein, sichere und "vernünftige" Verhaltensweisen beiseite zu lassen (die uns bisher nicht glücklich gemacht haben) und es einmal mit der "Unvernunft Jesu" zu versuchen: Mit Jesu Art, sich Gott gegenüber nicht "abzusichern", sondern einfach Vertrauen zu wagen. Z.B.: Jesu Gleichnis vom Senfkorn holt uns aus einer "vernünftigen", aber verzagten und mutlosen Einstellung heraus. Er sagt uns damit: Natürlich kenne ich das Gefühl "von Nix kommt Nix" oder "von so etwas Kleinem erwarte ich mir lieber nicht zuviel". Schlechte Erfahrungen haben dich diese Vorsicht gelehrt. Aber mit dem Reich Gottes ist es ganz anders! Das hält sich nicht an die menschliche Vernunft. Denk an das Senfkorn: Da entsteht aus etwas Winzigkleinem etwas Riesiges. Versuch es doch mal mit Vertrauen! Wenn du dich darauf einlässt, dann erlebst du am eigenen Leib schon ein bisschen "Reich Gottes": Befreiung von deinem Misstrauen und deiner übertriebenen Vorsicht. Es gibt wohl kein Gleichnis, das unserem Alltag, unserer buchhalterischen Vernunft, unserer Weltklugheit mehr zuwiderläuft, als unser Vorliegendes in Mt 20 von den Arbeitern im Weinberg. Darum ist es so "anstößig" im besten Sinne des Wortes: Es bringt unseren Alltagstrott zum Stolpern und schubst uns in eine neue Richtung – ein sehr heilsames Gleichnis.


Die Perikope von den Arbeitern im Weinberg bzw. besser vom guten Weinbergbesitzer ist Sondergut des Evangelisten Matthäus. Sie spielt im Rahmen des Evangeliums eine bedeutsame Rolle. Das Gleichnis erzählt von einem Gutsherrn, der zur Erntezeit zu verschiedenen Stunden des Tages Arbeiter für seinen Weinberg sucht, aber nur mit den ersten den Tageslohn vereinbart: 1 Denar (reicht als Nahrung für 12 Personen). Der gute Herr gibt den zuletzt angeworbenen Arbeitern denselben Lohn wie jenen von der ersten Stunde und verhilft ihnen so zur gleichen Lebensmöglichkeit. Die Hörer sollen verstehen: So handelt Gott. Wahrscheinlich hat Jesus damit erklärt, warum er sich gerade um die Schwachen und die Sünder kümmert. Er will in seiner Botschaft und in seinem Verhalten den Menschen die unendliche Güte Gottes nahebringen gegenüber allen selbstgerechten Frommen, die sein Verhalten missbilligen. Das Gleichnis vermittelt uns ein großartiges Gottesbild. Im Kern geht es hier nicht um Lohn - der Kontext des Spruches von den Ersten und Letzen muss bedacht werden, damit das Wesentliche der Botschaft zum Tragen kommt - sondern um die unerwartete Güte Gottes, der jedem Menschen eine Chance gibt, eben auch jenen mit schlechteren Startbedingungen.