20.11.2017

Lesungen 01.10.2017


Lesung zur Erntedankfeier:
Gen 1,1 - 2,4a

Lesung aus dem Buch Genesis:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut,
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gott sah, daß das Licht gut war.
Gott schied das Licht von der Finsternis,
und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.
Dann sprach Gott:
Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte also das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
So geschah es, und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort,
damit das Trockene sichtbar werde.
So geschah es.
Das Trockene nannte Gott Land,
und das angesammelte Wasser nannte er Meer.
Gott sah, daß es gut war.
Dann sprach Gott:
Das Land lasse junges Grün wachsen,
alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen,
und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin.
So geschah es.
Das Land brachte junges Grün hervor,
alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen,
alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem Samen darin.
Gott sah, daß es gut war.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten,
von Tagen und Jahren dienen;
sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
die über die Erde hin leuchten.
So geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das größere, das über den Tag herrscht,
das kleinere, das über die Nacht herrscht,
auch die Sterne.
Gott setzte die Lichter an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde hin leuchten,
über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, daß es gut war.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen,
und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen.
Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle Arten von gefiederten Vögeln.
Gott sah, daß es gut war.
Gott segnete sie und sprach:
Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und bevölkert das Wasser im Meer,
und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor,
von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes.
So geschah es.
Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes,
alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden.
Gott sah, daß es gut war.
Dann sprach Gott:
Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.
Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels, über das Vieh,
über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.
Gott schuf also den Menschen als sein Abbild;
als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, und vermehrt euch,
bevölkert die Erde, unterwerft sie euch,
und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
Dann sprach Gott:
Hiermit übergebe ich euch
alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen,
und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels
und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat,
gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung.
So geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Es war sehr gut.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig;
denn an ihm ruhte Gott,
nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.
Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde,
als sie erschaffen wurden. 



Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist. Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt: 1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind. 2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen. 3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes. 4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes. 5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar. Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.


1. Lesung zum Erntedankfest
Gen 41,1-8. 14-16. 25-27. 29-31


Lesung aus dem Buch Genesis

Der Pharao hatte einen Traum:
Er stand am Nil.
Aus dem Nil stiegen sieben gut aussehende, wohlgenährte Kühe
und weideten im Riedgras.
Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Nil;
sie sahen häßlich aus und waren mager.
Sie stellten sich neben die schon am Nilufer stehenden Kühe,
und die häßlichen, mageren Kühe
fraßen die sieben gut aussehenden und wohlgenährten Kühe auf.
Dann erwachte der Pharao.
Er schlief aber wieder ein und träumte ein zweites Mal:
An einem einzigen Halm wuchsen sieben Ähren, prall und schön.
Nach ihnen wuchsen sieben kümmerliche, vom Ostwind ausgedörrte Ähren.
Die kümmerlichen Ähren verschlangen die sieben prallen, vollen Ähren.
Der Pharao wachte auf: Es war ein Traum.
Am Morgen fühlte er sich beunruhigt;
er schickte hin und ließ alle Wahrsager und Weisen Ägyptens rufen.
Der Pharao erzählte ihnen seine Träume,
doch keiner war da, der sie ihm hätte deuten können.
Da schickte der Pharao hin und ließ Josef rufen.
Man holte ihn schnell aus dem Gefängnis,
schor ihm die Haare, er zog andere Kleider an
und kam zum Pharao.
Der Pharao sagte zu Josef:
Ich hatte einen Traum, doch keiner kann ihn deuten.
Von dir habe ich aber gehört,
du brauchst einen Traum nur zu hören,
dann kannst du ihn deuten.
Josef antwortete dem Pharao:
Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohl des Pharao eine Antwort geben.
Josef sagte zum Pharao:
Der Traum des Pharao ist ein und derselbe.
Gott sagt dem Pharao an, was er vorhat:
Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre,
und die sieben schönen Ähren sind sieben Jahre.
Es ist ein und derselbe Traum.
Die sieben mageren und häßlichen Kühe, die nachher heraufkamen,
sind sieben Jahre,
und die sieben leeren, vom Ostwind ausgedörrten Ähren
sind sieben Jahre Hungersnot.
Sieben Jahre kommen, da wird großer Überfluß in ganz Ägypten sein.
Nach ihnen aber werden sieben Jahre Hungersnot heraufziehen:
Da wird der ganze Überfluß in Ägypten vergessen sein,
und Hunger wird das Land auszehren.
Dann wird man nichts mehr vom Überfluß im Land merken
wegen des Hungers, der danach kommt;
denn er wird sehr drückend sein.


Lesung zur Erntedankfeier:
Dtn 6,4-12

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Höre, Israel!
Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.
Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,
sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen.
Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt
und wenn du auf der Straße gehst,
wenn du dich schlafen legst
und wenn du aufstehst.
Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden.
Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses
und in deine Stadttore schreiben.
Und wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land führt,
von dem du weißt:
er hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen,
es dir zu geben -
große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,
mit Gütern gefüllte Häuser, die du nicht gefüllt hast,
in den Felsen gehauene Zisternen, die du nicht gehauen hast,
Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast -,
wenn du dann isst und satt wirst:
nimm dich in Acht, dass du nicht den Herrn vergisst,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat.



Dieser Abschnitt schließt an den Dekalog (Dtn 5) an und leitet zu den Unterweisungen des Volkes über (Dtn 7-11). Dtn 6,4-5 (bzw. 4-9) wurde später einer der wichtigsten liturgischen Texte des Judentums: Zusammen mit Dtn 11,13-21 und Num 15,37-41 ist es das "Schemac"-Gebet. Wenn sich Israel an die Gesetze hält, wird ihm Wohlstand verheißen. Mit dem "Höre, Israel" (vgl. auch Dtn 5,1; 9,1; 20,3; 27,9) wird eine Grundsatzaussage, gleichsam ein Glaubensbekenntnis eingeleitet. Das Bekenntnis zum einen Gott hängt zusammen mit dem Liebesgebot; es geht nicht mehr nur um ein juristisches Verhältnis anhand der Gesetze, sondern um ein Liebesverhältnis zu Gott, um "Vater-Kind". "Diese Worte" (also eigentlich das gesamte Gesetzeswerk) müssen gelernt und weitergegeben werden. Das Besondere dieser Stelle ist die eindringliche Aufforderung zur Gottesliebe (vgl. Hosea). Dieses ist das erste und wichtigste aller Gebote.


1. Lesung zur Erntedankfeier: Dtn 8,7-18

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Mose sprach zum Volk:
Wenn der Herr, dein Gott,
dich in ein prächtiges Land führt,
ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser,
das im Tal und am Berg hervorquillt,
ein Land mit Weizen und Gerste,
mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum,
ein Land mit Ölbaum und Honig,
ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen mußt,
in dem es dir an nichts fehlt,
ein Land, dessen Steine aus Eisen sind,
aus dessen Bergen du Erz gewinnst;
wenn du dort ißt und satt wirst
und den Herrn, deinen Gott,
für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist,
dann nimm dich in acht
und vergiß den Herrn, deinen Gott, nicht,
mißachte nicht seine Gebote, Rechtsvorschriften und Gesetze,
auf die ich dich heute verpflichte.
Und wenn du gegessen hast und satt geworden bist
und prächtige Häuser gebaut hast und sie bewohnst,
wenn deine Rinder, Schafe und Ziegen sich vermehren
und Silber und Gold sich bei dir häuft
und dein gesamter Besitz sich vermehrt,
dann nimm dich in acht,
daß dein Herz nicht hochmütig wird
und du den Herrn, deinen Gott, nicht vergißt,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat;
der dich durch die große und furchterregende Wüste geführt hat,
durch Feuernattern und Skorpione,
durch ausgedörrtes Land, wo es kein Wasser gab;
der für dich Wasser aus dem Felsen der Steilwand hervorsprudeln ließ;
der dich in der Wüste mit dem Manna speiste,
das deine Väter noch nicht kannten,
und der das alles tat,
um dich gefügig zu machen,
dich zu prüfen und dir zuletzt Gutes zu tun.
Dann nimm dich in acht und denk nicht bei dir:
Ich habe mir diesen Reichtum aus eigener Kraft
und mit eigener Hand erworben.
Denk vielmehr an den Herrn, deinen Gott:
Er war es, der dir die Kraft gab, Reichtum zu erwerben,
weil er seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hatte,
so verwirklichen wollte, wie er es heute tut.



Der Text aus dem Buch Deuteronomium stellt sich in eine Reihe anderer Texte des Ersten und Zweiten Testaments, die den richtigen Umgang mit den Gütern der Welt vermitteln wollen. Dem Verfasser steht sicher eine Zeit des Wohlstandes im Volk Israel vor Augen: vermutlich die Zeit König Joschijas (641-609 v. Chr.), in der durch die Schwäche beider vorderasiatischen Hegemonialmächte (Assur und Ägypten – Babylon ist noch nicht zu seiner späteren Stärke gelangt) Juda sich nahezu auf das alte davidische Territorium wieder ausdehnen konnte. Angesichts des Wohlstandes mahnt der Verfasser, dass die Menschen nicht den Geber dieser Gaben, Jahwe, vergessen sollen. Er warnt vor Gottvergessenheit und Hochmut angesichts des Reichtums. Durch die Erinnerung an die entbehrungsreichen Anfangszeiten des Volkes Israel, wird dem Volk die Größe Gottes, dem sie alles zu verdanken haben, vor Augen geführt.


Nach dem Erhalt der Bundesgebote (5,1-22) und seiner Ausfaltung in Kap. 6 ("Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist einzig.") wird Israel der Lohn für die Treue zu Gottes Gebot verheißen: der Besitz des verheißenen Landes. Der Weg durch die Wüste wird hier pädagogisch gedeutet als ein Einüben in die Gottesfurcht und in den Gottesdienst. 8,3: "Er wollte dich erkennen lassen, daß der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern daß der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht." In 8,7ff wird zuerst das Land mit all seinem Reichtum geschildert - und gleichzeitig die Warnung ausgesprochen: Gerade anhand des Überflusses darf auf Gott nicht vergessen werden (V. 11). Ebenso wird vor dem Hochmut gewarnt (V. 14), der zur Gottvergessenheit führen kann. Die Versuchung besteht darin zu sagen: all der Reichtum wurde aus eigener Kraft erworben (V. 17). Demgegenüber betont Dtn 8,18: alles verdankt sich Gott. V. 19f wird die Drohung angefügt für den Fall des Vergessens: Gott wird das Volk vertilgen.


Lesung zur Feier des Erntedankes
Ez 36,1-12

Lesung aus dem Buch Ezechiel

Du aber, Menschensohn,
sprich als Prophet zu den Bergen Israels und sag:
Ihr Berge Israels, hört das Wort des Herrn!
So spricht Gott, der Herr: Die Feinde haben von euch gesagt:
Ha, ihr seid für immer verödet; jetzt gehört ihr uns.
Darum tritt als Prophet auf und sag:
So spricht Gott, der Herr:
Weil ihr verödet seid,
weil man von allen Seiten nach euch geschnappt hat,
sodass ihr jetzt Besitz der übrigen Völker seid,
weil ihr ins Gerede gekommen
und zum Gespött der Leute geworden seid,
darum, ihr Berge Israels, hört das Wort Gottes, des Herrn:
So spricht Gott, der Herr, zu den Bergen und Hügeln,
den Schluchten und Tälern,
zu den verfallenen Ruinen und den verlassenen Städten:
Weil ihr von den übrigen Völkern ringsum ausgeplündert
und verspottet worden seid,
darum - so spricht Gott, der Herr -
werde ich mit glühender Leidenschaft über die übrigen Völker
und über ganz Edom reden.
Voll Frohlocken haben sie sich mein Land angeeignet.
Voll Schadenfreude haben sie das Weideland erbeutet.
Darum sprich als Prophet zum Land Israel
und sag zu den Bergen und Hügeln, zu den Schluchten und Tälern:
So spricht Gott, der Herr:
Ich rede voll Leidenschaft und Grimm,
weil ihr von den Völkern so viel Schimpf ertragen müsst.
Darum - so spricht Gott, der Herr:
Ich erhebe meine Hand (zum Schwur) und sage:
Die Völker rings um euch werden den gleichen Schimpf ertragen müssen.
Ihr aber, ihr Berge Israels,
sollt wieder grün werden und Früchte hervorbringen für mein Volk Israel;
denn es wird bald zurückkommen.
Seht, ich wende mich euch wieder zu
und dann ackert und sät man wieder auf euch
und ich lasse viele Menschen dort leben,
das ganze Haus Israel.
Die Städte werden wieder bewohnt sein
und die Ruinen aufgebaut.
Ich lasse viele Menschen und Tiere auf euch leben
und sie werden sich vermehren und fruchtbar sein.
Ich will dafür sorgen, dass ihr wieder bewohnt seid,
wie ihr es früher wart;
ich will euch mehr Gutes erweisen als je zuvor.
Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Viele Menschen, mein ganzes Volk Israel,
lasse ich zu euch kommen und sie werden euch in Besitz nehmen;
ihr werdet für immer ihr Erbbesitz sein
und ihnen nie mehr ihre Kinder wegnehmen.


1. Lesung zur Erntedankfeier:
Joel 2,21-24. 26-27

Fürchte dich nicht, fruchtbares Land!
Freu dich und juble;
denn der Herr hat Großes getan.
Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld!
Denn das Gras in der Steppe wird wieder grün,
der Baum trägt seine Frucht,
Feigenbaum und Weinstock bringen ihren Ertrag.
Jubelt, ihr Söhne Zions,
und freut euch über den Herrn, euren Gott!
Denn er gibt euch Nahrung, wie es recht ist.
Er schickt euch den Regen,
Herbstregen und Frühjahrsregen wie in früherer Zeit.
Die Tennen sind voll von Getreide,
die Keltern fließen über von Wein und Öl.
Ihr werdet essen und satt werden
und den Namen des Herrn, eures Gottes, preisen,
der für euch solche Wunder getan hat.
Dann werdet ihr erkennen, daß ich mitten in Israel bin
und daß ich der Herr, euer Gott, bin,
ich und sonst niemand.
Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.



Der Lesungstext ist dem ersten Teil des Prophetenbuches Joel entnommen. Die Zeit, in der er entstanden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit datieren. Im ersten Kapitel wird eine Heuschreckenplage und eine darauf folgende Dürre beschrieben und beklagt, die das ganze Land in eine Hungersnot stürzte. Der Prophet sieht sie als Vorzeichen des Tages des Herrn und ruft zu Buße und Umkehr auf. Der Abschnitt der Lesung enthält bereits die Antwort des Herrn auf Buße und Umkehr und verheißt neue Fruchtbarkeit. Der reiche Ertrag wird ebenso wie die vorangehende Katasprophe als Zeichen Gottes verstanden. Das Volk soll erkennen, dass er in seiner Mitte ist und für es sorgt.


Antwortpsalm zum Erntedankfest
Ps 67,2-3. 5. 7-8

R: Das Land gab seinen Ertrag.
Es segne uns Gott, unser Gott – R

Oder:

R: Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völke alle - R


Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
damit auf Erden sein Weg erkannt wird
und unter allen Völkern sein Heil. – (R)

Die Nationen sollen sich freuen und jubeln.
Denn du richtest den Erdkreis gerecht.
Du richtest die Völker nach Recht
und regierst die Nationen auf Erden. – (R)

Das Land gab seinen Ertrag.
Es segne uns Gott, unser Gott.
Es segne uns Gott.
Alle Welt fürchte und ehre ihn. - R


2. Lesung zum Erntedankfest: 1 Tim 6,6-11

Lesung aus dem ersten Brief an Timotheus:

Schwestern und Brüder,
die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn,
wenn man nur genügsam ist.
Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht,
und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.
Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen.
Wer aber reich werden will,
gerät in Versuchungen und Schlingen,
er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden,
die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen.
Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.
Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt
und haben sich viele Qualen bereitet.
Du aber, ein Mann Gottes, flieh vor all dem.
Strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit,
Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut.
Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden
und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen,
sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen.
Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken,
freigebig sein und, was sie haben, mit anderen teilen.
So sammeln sie sich einen Schatz als sichere Grundlage
für die Zukunft, um das wahre Leben zu erlangen.



Der erste und der zweite Brief an Timotheus und der Brief an Titus werden seit dem 18. Jahrhundert "Pastoralbriefe" genannt. Sie geben Anweisungen für die "Pastores", die "Hirten" und Leiter christlicher Gemeinden. Die paulinische Herkunft wird unter Exegeten nicht mehr für sicher gehalten. Die Pastoralbriefe könnte ein späterer, Paulus-begeisterter "Paulusschüler", verfaßt haben, der für eine veränderte Situation in der Kirche das Evangelium des Paulus verkünden wollte und der vielleicht um 100 in Kleinasien lebte. Timotheus wurde von Paulus in Ikonien bekehrt und war von der zweiten Missionsreise an sein ständiger Begleiter (vgl. Apg 16,1-3). Wegen seiner Hilfe in der schwierigen Missionsarbeit wird er vom Apostel sehr geschätzt. Die Überlieferung kennt ihn als ersten Bischof von Ephesus (vgl. 1 Tim1,3; 2 Tim 1,6). Zur Lesungsperikope: Angesichts der schweren Einbrüche des Irrglaubens in die Gemeinde, soll sich Timotheus im Glaubenskampf bewähren als Diener Christi an der Gemeinde. Paulus ist erschüttert, ihn trifft das Schicksal derer, die sich selbst und andere in den Untergang mit hineinziehen. Der Apostel spricht Timotheus als "Mann Gottes" an, weil er, wie die alttestamentlichen Propheten, in einem besonderes engen und nahen Verhältnis zu Gott steht, dem er durch Berufung (Taufe) und Amt (Weihe) sein ganzes Leben geweiht hat. Wie in einem Wettlauf soll er einem anderen Ziel nachjagen, jenen Tugenden, die sein Verhältnis zu Gott und den Menschen regeln. Denn Gott selbst hat Timotheus berufen und dieser hat mit seinem Bekenntnis geantwortet. Welches Bekenntnis hier gemeint ist – jener bei der Taufe oder jenes bei der Weihe - geht nicht eindeutig aus dem Text hervor. Timotheus soll sich nach Paulus in einem heiligen Lebenswandel das "Gebot", den christlichen Glauben, bewahren, und zwar bis zur Ankunft Christi im Weltgericht. Die Wiederkunft Christi wird als "Epiphanie" - Erscheinung - bezeichnet. Das Wann der Erscheinung kennt der Mensch nicht. Gott allein kennt den Zeitpunkt. Der Christ muß sie erwarten und stets bereit sein. Die Mahnung des Apostels klingt aus in einem Lobpreis Gottes. Vor Gott kann keine irdische Macht bestehen. Gott allein besitzt Unsterblichkeit und wohnt in unzugänglichem Lichte. Damit ist er jeder menschlichen Erkenntnis unerreichbar, wenn nicht Gottes Gnade den Menschen selbst zu Licht emporhebt. Am Ende steht ein Lobwort, in dem die ewige und unbeschränkte Macht Gottes hervorgehoben wird.


Ruf vor dem Evangelium zum Erntedankfest
Ps 126,5

Halleluja, Halleluja.
Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
Halleluja.


Evangelium zur Feier des Erntedankes:
Mt 6,25-34

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Sorgt euch nicht um euer Leben
und darum, dass ihr etwas zu essen habt,
noch um euren Leib
und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt.
Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung
und der Leib wichtiger als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht
und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge
sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen ins Feuer geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht:
Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
Denn um all das geht es den Heiden.
Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
Euch aber muss es zuerst um sein Reich
und um seine Gerechtigkeit gehen;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
Sorgt euch also nicht um morgen;
denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.
Jeder Tag hat genug eigene Plage.


Evangelium vom Erntedankfest: Mk 4,26-29

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Reich Gottes ist es so,
wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst,
und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
zuerst den Halm, dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist,
legt er die Sichel an;
denn die Zeit der Ernte ist da.



Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat findet sich im vierten Kapitel des Markusevangeliums zusammen mit anderen Gleichnissen vom Werden und von der Vollendung des Reiches Gottes. Aufmerksam wird hier ein bekannter Vorgang aus der Realität landwirtschaftlichen Lebens und Arbeitens geschildert, der gleichwohl zum Staunen und zur Dankbarkeit anregen kann. Denn: Kein Tun des Sämanns kann erklären, warum am Ende das Feld zur Ernte reif dasteht. Während die Saat aufgeht und von selbst wächst, wartet der Sämann. Wenn das Getreide reif ist, ist die Zeit zur Ernte gekommen. Es ist Gott, der das Aufgehen und Wachsen der Saat bis zur reifen Frucht fördert und garantiert. Wie mit der Saat so verhält es sich auch mit dem Reich Gottes. Aus den kleinen Anfängen im unscheinbaren Wort der Verkündigung oder im Leben in der Jesusnachfolge erwächst das Gottesreich durch geheimnisvolle Kraft, bis es in voller Frucht steht und die Zeit der Ernte gekommen ist. Das Gleichnis führt von der Beschreibung einer natürlichen Wirklichkeit zur Einsicht in eine übernatürliche Wirklichkeit. Es kann aber umgekehrt auch die übernatürliche Wirklichkeit das Geheimnisvolle und Wunderbare in den Vorgängen der Natur erschließen helfen.