16.12.2017

Lesungen 08.10.2017


1. Lesung vom 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 5,1-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund,
ein Lied vom Weinberg meines Liebsten.
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe.
Er grub ihn um und entfernte die Steine
und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben.
Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus.
Dann hoffte er, daß der Weinberg süße Trauben brächte,
doch er brachte nur saure Beeren.
Nun sprecht das Urteil, Jerusalems Bürger und ihr Männer von Juda,
im Streit zwischen mir und dem Weinberg!
Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun,
das ich nicht für ihn tat?
Warum hoffte ich denn auf süße Trauben?
Warum brachte er nur saure Beeren?
Jetzt aber will ich euch kundtun,
was ich mit meinem Weinberg mache:
Ich entferne seine schützende Hecke;
so wird er zur Weide.
Seine Mauer reiße ich ein;
dann wird er zertrampelt.
Zu Ödland will ich ihn machen.
Man soll seine Reben nicht schneiden
und soll ihn nicht hacken;
Dornen und Disteln werden dort wuchern.
Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden.
Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel,
und die Männer von Juda sind die Reben,
die er zu seiner Freude gepflanzt hat.
Er hoffte auf Rechtsspruch - doch siehe da: Rechtsbruch,
und auf Gerechtigkeit - doch siehe da: Der Rechtlose schreit.



Die alttestamentliche Lesung dieses Sonntags ist dem Buch des Propheten Jesaja entnommen und wird das Weinberglied genannt. Dieses bildet eine geschlossene Einheit und dürfte etwas älter sein als der Textzusammenhang, in dem es nun steht. Das Weinberglied bedient sich einer im Alten Testament beliebten Metapher: mit dem Bild des Weinbergs wird das Verhältnis zwischen Geliebten beschrieben (vgl. Hld 8, 11), der/die Geliebte ist der kostbare Besitz eines/einer Liebenden. Bei einigen Propheten und im Psalm 80 wird dieses Bild auf die Beziehung Jahwes zu seinem Volk angewandt. In unserem Text wechselt der Sprecher vom Propheten, der von einem Freund und dessen Weinberg erzählt (Verse 1 bis 2) zum Besitzer des Weinbergs (Verse 3 bis 6) und zurück zum Propheten (Vers 7). Der erste Abschnitt entfaltet, was der Besitzer alles für den geliebten Weinberg getan hat (Verse 1 bis 2), der zweite die Ratlosigkeit des enttäuschten Besitzers/Liebhabers (Verse 3 bis 4); der dritte Abschnitt listet auf, was der sich betrogen fühlende Besitzer in seiner Enttäuschung und Wut zu tun gedenkt; der vierte Anschnitt wendet den Vergleich auf die aktuelle Situation an, das ist kurz vor dem Fall Israels im syrisch-efraimitischen Krieg im Jahre 722. Das Lied, das so frohgestimmt begonnen hat, endet mit einem Gerichtsspruch über das Haus Israel, bzw. läßt die Hörer ein hartes Urteil über sie selbst fällen.


Der Text Jesaja 5,1-7 wird in der Exegese als so genanntes "Weinberglied" bezeichnet. "Weinberg" ist in der alttestamentlichen und altorientalischen Literatur oftmals eine Umschreibung für "Liebhaber". Beschrieben wird in diesem Weinberglied eine Liebe, welche trotz allen Werbens keine Gegenliebe erfährt. Verschiedene Propheten bedienen sich auch dieses Bildes, um das oftmals "einseitige" Verhältnis zwischen Gott (JHWH) und den Israeliten zu beschreiben. Stilistisch spricht zuerst ein Erzähler (= Prophet) über seinen Freund und dessen Weinberg (Verse 1 und 2). Anschließend kommt der Freund selbst zu Wort (Verse 3 bis 6) und im Vers 7 spricht wieder der Freund (= Prophet). Vers 7 ist ein Gerichtswort, denn Israel hat die Liebe zu Gott und zum Nächsten nicht gelebt. Die Liebe Gottes scheitert hier, aber Gottes Werben um Israel, sein Werben um den Menschen, hört trotzdem nicht auf.


Antwortpsalm am 27. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 80,9. 12-16. 19-20.

R Der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel. – R

Du hobst in Ägypten einen Weinstock aus,
du hast Völker vertrieben, ihn aber eingepflanzt.
Seine Ranken trieb er hin bis zum Meer
und seine Schösslinge bis zum Eufrat. - (R)

Warum rissest du seine Mauern ein?
Alle, die des Weges kommen, plündern ihn aus.
Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um,
die Tiere des Feldes fressen ihn ab. - (R)

Gott der Heerscharen, wende dich uns wieder zu!
Blicke vom Himmel herab, und sieh auf uns!
Sorge für diesen Weinstock
und für den Garten, den deine Rechte gepflanzt. - (R)

Erhalt uns am Leben!
Dann wollen wir deinen Namen anrufen und nicht von dir weichen.
Herr, Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf!
Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen. - R


2. Lesung vom 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Phil 4,6-9

Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Philipper:

Schwestern und Brüder!
Sorgt euch um nichts,
sondern bringt in jeder Lage
betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt,
wird eure Herzen und eure Gedanken
in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.
Schließlich, Brüder:
Was immer wahrhaft, edel, recht,
was lauter, liebenswert, ansprechend ist,
was Tugend heißt und lobenswert ist,
darauf seid bedacht!
Was ihr gelernt und angenommen,
gehört und an mir gesehen habt, das tut!
Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.



Die neutestamentliche Lesung dieses Sonntags ist dem Philipperbrief entnommen. Paulus schreibt diesen Brief in der Gefangenschaft. Zwei Momente sind in diesem Abschnitt bedeutsam: Paulus ermahnt zur Sorglosigkeit. Diese hat ihren Grund im Vertrauen auf das Geborgensein in Gott und geht auf die Haltung Jesu zurück, der predigt: Sorget euch nicht ängstlich, was ihr essen, trinken oder anziehen sollt... Selbst die Gefangenschaft kann pl. Diese gläubige Grundhaltung nicht rauben. Paulus stellt einen Verhaltens- und Tugendkatalog für seine Gemeinde auf. Dieser enthält nichts Außergewöhnliches, nichts spezifisch Christliches. Paulus predigt keinen speziellen Moralkodex. Das Alltägliche und Selbverständliche, was jeder Mensch im innersten seines Herzens als gut erkennt, ist Inhalt seiner Verhaltensregeln auch für die Gemeinde. Wer so lebt, wird Frieden bei sich selbst und bei Gott finden.


Die zweite Lesung dieses Sonntags ist dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper entnommen, den Paulus während seiner Gefangenschaft geschrieben hat. Zuerst wird eine kurze Lehre über das Gebet geboten, welches im Vertrauen auf Gott gegründet sein soll. Denn auch Jesus predigte, dass der Beter nicht ängstlich und zaghaft, sondern voller Vertrauen auf Gott sein soll. Dieses Gebet hat aber auch Auswirkungen auf den Beter selbst: der Friede Gottes und nicht menschliche Sorgen werden das Herz erfüllen. In der Schlussmahnung des Textes werden erstrebenswerte Haltungen vorgestellt, die sich offensichtlich nicht mit den damaligen heidnischen Moralvorstellungen gedeckt haben dürften. Die Lehre und das Vorbild des Apostels sind für die Gemeinde verbindlich. Letztlich ist der hier aufgestellte "Verhaltens- und Tugendkatalog" aber nicht als spezifisch christlich zu werten.


Ruf vor dem Evangelium am 27. Sonntag im Jahreskreis (A)
vgl. Joh 15,16

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr Frucht bringt
und dass eure Frucht bleibt.
Halleluja.


Evangelium vom 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 21,33-44

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Jesus sprach zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
Hört noch ein anderes Gleichnis:
Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an,
zog ringsherum einen Zaun,
hob eine Kelter aus und baute einen Turm.
Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
und reiste in ein anderes Land.
Als nun die Erntezeit kam,
schickte er seine Knechte zu den Winzern,
um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte;
den einen prügelten sie,
den andern brachten sie um,
einen dritten steinigten sie.
Darauf schickte er andere Knechte,
mehr als das erstemal;
mit ihnen machten sie es genauso.
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen;
denn er dachte:
Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander:
Das ist der Erbe.
Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.
Und sie packten ihn,
warfen ihn aus dem Weinberg hinaus
und brachten ihn um.
Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt:
Was wird er mit solchen Winzern tun?
Sie sagten zu ihm:
Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten
und den Weinberg an andere Winzer verpachten,
die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Und Jesus sagte zu ihnen:
Habt ihr nie in der Schrift gelesen:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden;
das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder?
Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen;
auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.
Darum sage ich euch:
Das Reich Gottes wird euch weggenommen
und einem Volk gegeben werden,
das die erwarteten Früchte bringt.



Als Evangelium des 27. Sonntags wird das Weinberggleichnis in der Version des Evangelisten Matthäus vorgetragen. Dieses schließt eng an das vorhergehende Gleichnis von den ungleichen Söhnen an und ist an gleichen Adressaten gerichtet, an die "Hohenpriester und Ältesten des Volkes". Schon darin unterscheidet sich das Gleichnis von seiner alttestamentlichen Vorlage (Jes 5, 1 ff). Das Weinbergmotiv ist eine beliebte Metapher für die Beziehung Geliebter-Geliebte (siehe oben, 1. Lesung) wie auch für das Verhältnis Jahwes zu seinem Volk. Bei Matthäus geht es jedoch nicht um die Beziehung des Gottesvolkes zu seinem Herrn, sondern um die Beziehung der religiösen Führer des Volkes zu Jahwe. Zur Zeit Jesu gehörte ein Teil des Landes Großgrundbesitzern, die im Ausland lebten, ihre Grundstücke von Pächtern bearbeiten ließen und von diesen die Erträge eintrieben. Das Gleichnis hat diese sozialen Umstände als Hintergrund, zielt aber auf die "Hohenpriester und Ältesten", die sich im übertragenen Sinne fremdes Eigentum (das Volk Gottes) unrechtmäßig angeeignet haben. Eindeutiger als in anderen Gleichnissen ist die Rollenverteilung: Gutsbesitzer ist Gott, die Pächter sind die "Hohenpriester und Ältesten", die Knechte des Gutsbesitzers sind die Propheten, der Sohn des Gutsbesitzers ist Jesus Christus. Das Logische Ende legt der Erzähler in Vers 41 den Zuhörern selbst in den Mund: Der Gutsbesitzer "wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten..." Der Evangelist modifiziert diese Schlussfolgerung (Verse 42 bis 44): Nicht die Zerstörung Jerusalems und die Tötung der religiösen Führerschaft der Juden sind Absicht Gottes. Das Reich Gottes wird dem neuen Volk Gottes gegeben, das die erwarteten Früchte bringen wird. Mit Anderen Worten: der Weinberg ist "in Ordnung". Im Gegensatz zur Jesaja-Vorlage richtet sich die Kritik nicht an das Volk sondern an die, die den Weinberg verwalten. Eine zusätzliche Erweiterung erhält der Text durch das Wort vom verworfenen Baustein. Die junge Kirche deutet das Gleichnis auf Christus hin. Sie sieht ihn als den Sohn und Erben des Weinbergbesitzers. Den von den Hohenpriestern und Ältesten Verworfenen sehen sie in einer neuen Schlüsselrolle: Er ist der Eck- und Schlussstein, der alles zusammenhält und der Heilsgeschichte eine neue Perspektive gibt.


Wie an den letzten beiden Sonntagen, so kommt auch in den heutigen Texten wieder der Weinberg vor. Vor zwei Wochen war es das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, und am letzten Sonntag das Gleichnis von den ungleichen Söhnen. Das heutige Gleichnis ist an Hohepriester und Älteste adressiert. Die aus dem älteren Testament bereits bekannte Metapher des Weinberges (Beziehung "Geliebte – Geliebter" vgl. dazu auch die erste Lesung) wird hier als Bild der Beziehung zwischen Jesus und den religiösen Führern des Volkes gesehen. Zur Zeit Jesu war der Grundbesitz in den Händen von einigen wenigen Machthabern, Königen oder Großgrundbesitzern. Die Bauern hatten oftmals keinen eigenen Boden, den sie bewirtschafteten, sondern waren häufig Pächter. Vielfach lebten die Grundbesitzer im Ausland und ließen den Pachtzins (bis zur Hälfte des Ertrags!) durch ihre Verwalter eintreiben. Die Galiläer waren vielfach Zeloten und kämpften gegen die ausländischen Grundbesitzer. Die Pacht musste daher immer wieder mit Zwangsmitteln eingetrieben werden. Beim Tod von Proselyten oder Heiden ohne Erben konnten sich Juden deren Weingärten oder Äcker aneignen. Wer als erster den Grund umzäunte, dem fiel er als Besitz zu. Aus dieser leidenschaftlich bewegten Welt und Mentalität gestaltet Jesus die Botschaft seines Gleichnisses. Matthäus spricht auch das Glaubensverständnis der jungen Gemeinden an. Da Israel JHWH verworfen hat, sind nun sie die Erben dieser Verheißung und des Reiches Gottes. Gott bleibt auch nach der Verwerfung seines Sohnes seiner Zusage an den Menschen treu und wendet sich denen zu, die für die Gnade seines Reiches offen sind.