18.11.2017

Lesungen 22.10.2017


1. Lesung vom 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 45,1. 4-6:

Lesung aus dem Buch Jesaja:

So spricht der Herr zu Kyrus, seinem Gesalbten,
den er an der rechten Hand gefaßt hat,
um ihm die Völker zu unterwerfen,
um die Könige zu entwaffnen,
um ihm die Türen zu öffnen
und kein Tor verschlossen zu halten:
Um meines Knechtes Jakob willen,
um Israels, meines Erwählten, willen
habe ich dich bei deinem Namen gerufen;
ich habe dir einen Ehrennamen gegeben,
ohne daß du mich kanntest.
Ich bin der Herr, und sonst niemand;
außer mir gibt es keinen Gott.
Ich habe dir den Gürtel angelegt
ohne daß du mich kanntest,
damit man vom Aufgang der Sonne
bis zu ihrem Untergang erkennt,
daß es außer mir keinen Gott gibt.
Ich bin der Herr, und sonst niemand.



Die vorliegenden Verse finden sich im zweiten Teil des Jesaja-Buches, im sog. Deuterojesaja, dessen Verfasser unbekannt ist, aber nicht der Prophet selbst gewesen sein kann. Dieser Teil des Buches hat für die Christen der ersten Generation wegen der Reden über den Gottesknecht eine wichtige Bedeutung gehabt. Die frühen Gemeinden sahen in Jesus diesen Gottesknecht. Zur Zeit des Deuterojesaja befindet sich das Volk Israel im Babylonischen Exil. Im Jahr 538 erobert König Kyrus von Persien Babel und errichtet das persische Weltreich. Im selben Jahr entlässt der das Volk Israel wieder nach Hause und erlaubt den Tempelaufbau (vgl. Esr 1-6).


Die Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja beschreibt, welchen Weg Gott gewählt hat, um sein Volk aus dem babylonischen Exil zu führen: Er "faßt" den Perserkönig Kyros "an der Hand", damit dieser nach der Eroberung Babylons (538 v. Chr.) den Israeliten die Rückkehr nach Palästina ermöglicht. Für den Propheten ist Kyros, obwohl er nicht zum Volk Jahwes gehört, ein Messias (ein Gesalbter). Jahwe geht vor seinem Gesalbten her, unterwirft ihm die Völker und der Gesalbte soll erkennen, daß Jahwe es ist, der alles um Israels Willen wirkt. Das Ziel Jahwes mit Kyros geht noch weiter, "damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt, daß es außer mir keinen Gott gibt. Ich bin der Herr, und sonst niemand." - Jahwe, der Gott aller Menschen.


Ungeküzte Fassung der
1. Lesung vom 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejah A:
Jes 45,1-6

Lesung aus dem Buch Jesaja:
So spricht der Herr zu Kyrus, seinem Gesalbten,
den er an der rechten Hand gefaßt hat,
um ihm die Völker zu unterwerfen,
um die Könige zu entwaffnen,
um ihm die Türen zu öffnen
und kein Tor verschlossen zu halten: 
Ich selbst gehe vor dir her und ebne die Berge ein.
Ich zertrümmere die bronzenen Tore
und zerschlage die eisernen Riegel. 
Ich gebe dir verborgene Schätze und Reichtümer,
die im Dunkel versteckt sind.
So sollst du erkennen, daß ich der Herr bin,
der dich bei deinem Namen ruft,
ich, Israels Gott. 
Um meines Knechtes Jakob willen,
um Israels, meines Erwählten, willen
habe ich dich bei deinem Namen gerufen;
ich habe dir einen Ehrennamen gegeben,
ohne daß du mich kanntest. 
Ich bin der Herr, und sonst niemand;
außer mir gibt es keinen Gott.
Ich habe dir den Gürtel angelegt
ohne daß du mich kanntest, 
damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt,
daß es außer mir keinen Gott gibt.
Ich bin der Herr, und sonst niemand.


Antwortpsalm vom 29. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 96,1. 3-5. 7-10abd

R Bringt dar dem Herrn Lob und Ehre! – R

1Singet dem Herrn ein neues Lied,
singt dem Herrn, alle Länder der Erde!
Erzählt bei den Völkern von seiner Herrlichkeit,
bei allen Nationen von seinen Wundern! - (R)

Denn groß ist der Herr und hoch zu preisen,
mehr zu fürchten als alle Götter.
Alle Götter der Heiden sind nichtig,
der Herr aber hat den Himmel geschaffen. - (R)

Bringt dar dem Herrn, ihr Stämme der Völker,
bringt dar dem Herrn Lob und Ehre!
Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens,
spendet Opfergaben, und tretet ein in sein Heiligtum! - (R)

In heiligem Schmuck werft euch nieder vor dem Herrn,
erbebt vor ihm, alle Länder der Erde!
Verkündet bei den Völkern: Der Herr ist König.
Er richtet die Nationen so, wie es recht ist. - R


2. Lesung vom 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Thess 1,1-5b

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Paulus, Silvanus und Timotheus
an die Gemeinde von Thessalonich,
die in Gott, dem Vater,
und in Jesus Christus, dem Herrn, ist:
Gnade sei mit euch und Friede.
Wir danken Gott für euch alle,
sooft wir in unseren Gebeten an euch denken;
unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater,
an das Werk eures Glaubens,
an die Opferbereitschaft eurer Liebe
und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung
auf Jesus Christus, unseren Herrn.
Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, daß ihr erwählt seid.
Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet,
sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist
und mit voller Gewißheit.



Die Verse stellen den Eingang - eine Art Briefkopf - zum Schreiben an die Gemeinde in Thessaloniki dar. Der Brief ist vermutlich in Korinth entstanden, wo Paulus und Silas (lat. Silvanus), sein Begleiter auf der zweiten Missionsreise, mit Timotheus, dem Verbindungsmann in die Gemeinde in Thessaloniki, zusammentreffen. Thessaloniki ist zu der Zeit eine pulsierende Handelsstadt, in der Paulus ca. 50 n. Chr. die kleine Christengruppe gegründet hat. Nun sorgt er sich um die neue Gemeinde und wendet sich mit dem vorliegenden Brief an sie in verschiedenen pastoralen Anliegen. Die Trias Glaube-Hoffnung-Liebe ist ein öfter wiederkehrendes Thema bei Paulus und seinen Schülern (vgl. 1 Thess 5,8; 1 Kor 13,13; Eph 1,16-18; Kol 1,4-5; Hebr 10,22-24).


Der "Erste Brief an die Thessalonicher" ist der älteste uns erhaltene Brief des Apostels Paulus. Zusammen mit Timotheus hat Paulus die Gemeinde auf seiner 2. Missionsreise gegründet (um 50 nach Chr.). Er mußte die Gemeinde jedoch bald wieder verlassen (vgl. Apg 17,1-9). Deshalb schickte er von Athen aus Timotheus nach Thessalonich zurück, um sich über das Wohl und Wehe der Gemeinde zu informieren. In Korinth traf Paulus mit Timotheus wieder zusammen und verfaßte dort den uns vorliegenden Brief an die Gemeinde der Thessalonicher.


Ruf vor dem Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis (A)
vgl. Phil
2,15d. 16a

Halleluja. Halleluja.
Haltet fest am Worte Christi,
dann leuchtet ihr als Lichter in der Welt.
Halleluja.


Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 22,15-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen
und beschlossen,
Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
Sie veranlaßten ihre Jünger,
zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen
und zu sagen:
Meister, wir wissen, daß du immer die Wahrheit sagst
und wirklich den Weg Gottes lehrst,
ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen;
denn du siehst nicht auf die Person.
Sag uns also:
Ist es nach deiner Meinung erlaubt,
dem Kaiser Steuer zu zahlen,
oder nicht?
Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte:
Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?
Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!
Da hielten sie ihm einen Denar hin.
Er fragte sie:
Wessen Bild und Aufschrift ist das?
Sie antworteten:
Des Kaisers.
Darauf sagte er zu ihnen:
So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,
und Gott, was Gott gehört!



Den Disput über die kaiserliche Steuer hat der Evangelist in den Auftakt des letzten Lebensabschnittes Jesu in Jerusalem vor die Leidengeschichte gestellt. Die Reden und Gleichnisse in den Kapiteln 21 bis 25 erzählen vom Gottesreich und kommender Herrlichkeit. Der Autor des Evangeliums stellt den Einzug des Gottessohnes in die Hauptstadt als eine Art Befreiung dar, wie sie Sach 9,9 ankündigt: "Jauchze, Tochter Jerusalem, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft." Auf dieser politischen Ebene knüpft nun die Diskussion um das Steuergesetz an, die Thematik erfährt aber einen Paradigmenwechsel: Aus dem politischen Zusammenhang wird ein religiöser, der sich dann in die Gottesreich-Thematik einordnet.


Das heutige Evangelium ist innerhalb des 22. Kapitels des Matthäusevangeliums die erste von insgesamt vier Auseinandersetzungen Jesu mit Gegnern. Das Streitgespräch rund um die Steuerfrage ist ganz nach dem Vorbild rabbinischer Lehrgespräche verfaßt, in denen auch Demonstrationen und Merksätze beliebt gewesen sind. Die Pharisäer wollen Jesus mit einer Frage eine Falle stellen. Diesen Satz könnte man aus dem Griechischen auch mit der bildhaften Umschreibung "ihn in der Rede (wie mit einer Schlinge) fangen" umschreiben. Nachdem sie ihn also fangen wollen, kann die Ergebenheitsadresse "Meister" nur als Täuschungsmanöver verstanden werden. Diese Anrede findet sich bei Matthäus folglich auch fast nur im Mund von Gegnern Jesu. Seit der Bestellung eines römischen Statthalters für die Provinz Judäa (6 nach Chr.) war eine kaiserliche Steuer zu entrichten. Die Römer verlangten diese von allen Männern, Frauen und Sklaven vom 12. bzw. 14. bis zum 65. Lebensjahr. Über die Höhe der Steuer haben wir keine genauen Informationen. Den Juden machte diese Steuer einerseits ihre politische Abhängigkeit von den Römern bewußt und stellte andererseits neben dem politischen auch ein theologisches Problem dar. Zeloten lehnten diese Steuer strikt ab, denn für sie durfte man nach Gott keinem sterblichen Herrscher untertan sein. Für die Pharisäer war die Steuer eine schwere Last, letztlich zahlten sie diese aber doch. Jesus läßt sich eine Münze zeigen, mit der die Steuer bezahlt werden soll. Auf dem Denar ist das Bild des Kaisers zu sehen. Indem die Gegner Jesu diese Münze im Tempelbereich herzeigen, verletzen sie nach jüdischem Empfinden die Würde des Ortes und überführen sich somit selbst. Jesus beantwortet letztlich die an ihn gestellte Frage weder mit Ja noch mit Nein. Er gibt vielmehr eine Weisung, die jedem Einzelnen im konkreten Fall eine Entscheidung ermöglicht, ohne diese aber abzunehmen. Nimmt man die Predigt Jesu vom Reich Gottes ernst, so dürfte es nahe liegen, daß im Konfliktfall dem Kaiser der Gehorsam aufzukündigen ist. Gott ist mehr zu gehorchen als den Menschen.