18.11.2017

Lesungen 29.10.2017


1. Lesung vom 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Ex 22,20-26

Lesung aus dem Buch Exodus:

So spricht der Herr:
Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten,
denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.
Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen.
Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit,
werde ich auf ihren Klageschrei hören.
Mein Zorn wird entbrennen,
und ich werde euch mit dem Schwert umbringen,
so daß eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.
Leihst du einem aus meinem Volk,
einem Armen, der neben dir wohnt, Geld,
dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen.
Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern.
Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand,
dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben;
denn es ist seine einzige Decke, der Mantel,
mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt.
Worin soll er sonst schlafen?
Wenn er zu mir schreit, höre ich es,
denn ich habe Mitleid.



Die zehn Gebote stellten das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk auf eine klare Grundlage. Diese Basis brauchte Ergänzungen für verschiedene Lebenssituationen und Wertfragen. Einige der wichtigen Fragen waren das Verhalten gegen Fremde und Menschen in Not. Die Situation von Fremden im Land erlebte das Volk. Was es als Hilfe erlebte, sollte es auch selber leben. Und was es als Last erlebte, sollte es auch nicht geben. Die Notwendigkeit des Mantels als Schutz war elementar. Diesen Schutz sollte der Arme behalten - auch aus der Sorge Gottes um den Armen. Ein Leben nach Gottes Geboten ist ein Leben als Antwort. Zu dieser Antwort will das Bundesbuch verhelfen.


Das Bundesbuch aus Exodus (Ex 21,1 - 23,33) sind ausführende Vorschriften zum Dekalog, zu den 10 Geboten von Ex 20. Es konkretisiert gleichsam das, was bereits im Dekalog zusammengefasst zum Ausdruck kommt. Die Vorschriften des Bundesbuches in unserem Abschnitt haben die soziale Gerechtigkeit als Anliegen. In unserer Lesung sollen die Rechtsvorschriften, die vorgelegt werden, zum Schutz der Armen dienen. Sie sollen nicht noch ärmer werden, als sie schon sind. Das, was die Menschen zum Leben brauchen, soll ihnen nicht weggenommen werden. Als Beispiel dienen die Wucherzinsen und den Mantel eines Armen. Die Schutzbedürftigen können sich dem Schutz Gottes sicher sein. Ihnen schenkt JHWH besonderes Gehör. Als Grundmotivation, sich an diese Rechtsvorschriften zu halten und sie im Leben umzusetzen, wird die Erinnerung an das eigene Elend in Ägypten wachgehalten. Diese steht gleichsam als Überschrift vor unserer Lesung (vgl. Vers 20).


Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Exodus gehört einem Abschnitt an, der eine Sonderstellung einnimmt, dem sog. Bundesbuch. Dieses enthält eine alte Sammlung von Rechtsvorschriften. Der für die Lesung ausgewählten Verse enthalten Schutzvorschriften für Fremde, Witwen und Waisen sowie das Verbot, Zinsen zu nehmen. Der Schutz der Fremden und der Armen war in Israel Sache Jahwehs und damit des ganzen Volkes. Begründet wurde dieser besondere Schutz mit dem eigenen Fremdsein in Ägypten. Witwen und Waisen ohne männliche Angehörige hatten niemand, der für ihre Rechte eintreten konnte. Den Volksgenossen gegenüber bestand auch das Verbot, Zinsen für Geliehenes zu nehmen. Dies war bei den Nachbarvölkern durchaus üblich. Der Schutz der Angehörigen des eigenen Volkes bezog sich auch auf des Pfandnehmen. Lebensnotwendige Gegenstände durften nicht als Pfand zurückbehalten werden. Anwalt der Fremden, Witwen, Waisen und Armen ist Gott selbst. Er hat Mitleid mit ihnen. Ihre Klageschrei ist eine Anrufung seines Gerichtes. Später werden die Propheten das Mitleid mit den Armen und Benachteiligten einfordern


Antwortpsalm am 30. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 18,2-4. 47. 51. 50

R Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke. - R
Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke. Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter,
mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge,
mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht. - (R)

Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!,
und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
Es lebt der Herr! Mein Fels sei gepriesen.
Der Gott meines Heils sei hoch erhoben. - (R)

Seinem König verlieh er große Hilfe,
Huld erwies er seinem Gesalbten
David und seinem Stamm auf ewig.
Darum will ich dir danken, Herr, vor den Völkern,
ich will deinen Namen singen und spielen. - R


2. Lesung vom 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Thess 1,5c-10

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Ihr wißt, wie wir bei euch aufgetreten sind,
um euch zu gewinnen.
Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt
und dem des Herrn;
ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis
mit der Freude aufgenommen,
die der Heilige Geist gibt.
So wurdet ihr ein Vorbild
für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia.
Von euch aus ist das Wort des Herrn
aber nicht nur nach Mazedonien und Achaia gedrungen,
sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden,
so daß wir darüber nichts mehr zu sagen brauchen.
Denn man erzählt sich überall,
welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben
und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt,
um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen
und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten,
Jesus, den er von den Toten auferweckt hat
und der uns dem kommenden Gericht Gottes entreißt.



Nach der Einleitung und Begrüßung kommt es bei Paulus oft vor, dass er die Empfänger des Briefes lobt. Die Gemeinde von Thessalonich wird gelobt für ihre Glaubenstreue auch in schweren Zeiten. Dieses Beispiel ermutigt neue Gemeinden. Die Glaubenstreue wird auch in dem Bemühen um neue Glaubende wirksam.


Der erste Brief des Apostels Paulus ist jener an die Gemeinde in Thessalonich (entstanden ca. um 50 n. Chr.). Er hat als pastorales Anliegen die Erbauung der jungen christlichen Gemeinde. Im ersten Teil wird auf das Wirken des Wortes Gottes deutlich verwiesen, bevor im vierten Kapitel Ermahnungen zur Gestaltung des christlichen Lebens gegeben werden. In dieser Lesung wird der Weg des Wortes Gottes zur Gemeinde von Thessalonich nachgezeichnet. Durch die Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel hat das Wort Gottes Einlass in das Leben der Gemeinde gefunden. Das ganze Leben der Christen ist in sich Verkündigung. Dem gibt es von Seiten des Apostels nichts hinzuzufügen, denn bereits jetzt – zur Zeit der Abfassung dieses Briefes – ist von dieser Art der Verkündigung des Evangeliums in vieler Munde die Rede. Ein konkretes Beispiel dafür, dass das Evangelium vor allem gelebt werden und so weitergetragen werden will.


Die 2. Lesung ist ein Teil der Einleitung des 1. Thessalonicherbrief. "Der erste Brief an die Gemeinde von Thessalonich ist der älteste der uns erhaltenen Paulusbriefe. Paulus hatte auf seiner zweiten Missionsreise zusammen mit Timotheus die Gemeinde von Thessalonich um das Jahr 50 n. Chr. Gegründet, mußte aber nach kurzem Wirken die Stadt verlassen (vgl. Apg 17, 1-9. Von Athen aus schickte Timotheus nach Thessalonich zurück, um sich über den Stand der jungen Gemeinde zu unterrichten. In Korinth (Apg 18, 1-6) traf er mit Timotheus wieder zusammen und schrieb den uns vorliegenden Brief." (Einleitung zur Einheitsübersetzung des 1. Thessalonicherbriefes). In Predigermanier erinnert Paulus an all das Gute, das er in dieser Stadt erfahren hat. Er lobt ihren vorbildlichen Glauben, der überall bekannt geworden ist. Paulus geht hier von der Erwartung aus, daß Jesus sehr bald als "der Menschensohn" zurückkommen wird, um sein Erlösungswerk durch das Endgericht abzuschließen.


Ruf vor dem Evangelium am 30. Sonntag im Jahreskreis (A)
vgl. Joh 14,23

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält fest an meinem Wort.
Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.


Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 22,34-40

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Als die Pharisäer hörten,
daß Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,
kamen sie bei ihm zusammen.
Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer,
wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn:
Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.



"Die Auseinandersetzung mit den Gegnern in Jerusalem" überschreibt die Einheitsübersetzung die Kapitel Mt 21,1 - 23,39. Aus diesem Bereich stammt auch der Evangelientext des Sonntags. War der Anfang des letzten Sonntags der Versuch, Jesus eine Falle zu stellen (Mt 22,15), will ihn in diesem Abschnitt ein Gesetzeslehrer auf die Probe stellen (Mt 22,35). Er war vorbereitet durch das Wissen, wie Jesus mit den Sadduzäern umgegangen war (Mt 22,34). Jesus zitiert zunächst Deuteronomium mit Blick auf die Stellung der Gottesliebe, dann aber auch mit Blick auf die Nächstenliebe Levitikus. Beide Stellen sind Teil des Pentateuch - und somit beides Stellen mit einer hohen Autorität. Durch das Wort: "Ebenso" und die angehängte Erklärung von Mt 22,40: "An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten" werden diese Autoritätsaussagen miteinander verknüpft.


In der Lektüre des Mt-Evangeliums lesen wir eine Auseinandersetzung Jesu mehr mit den Pharisäern. Den Belehrungen und Streitgesprächen ist bereits der Einzug in Jerusalem vorausgegangen – sie finden ihren Abschluss im Beschluss, des Hohen Rates, Jesus zu töten, und bilden den Anlass für das Kreuz Christi. Die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer möchten Jesus testen und stellen ihm verschiedene Fangfragen. Die Frage nach dem wichtigsten Gebot in diesem Evangelium ist eine davon. Den Hintergrund dafür bilden die Haarspaltereien über winzigste Vorschriften und die minutiöse Auslegung derselben, die mit einer Akribie von diversen Schriftgelehrten verfolgt wurden. Jesus Christus erinnert in seiner einfachen und schlichten Antwort auf das Grundlegende aller Gebote und zitiert Dtn 6, 5 (Gottesliebe mit ganzem Herzen und ganzer Seele) und Lev 19,18 (Nächstenliebe). Er stellt damit kein neues Gebot auf, sondern unterstreicht das Wesentliche des jüdischen und des christlichen Glaubens. Ein Grund mehr, der Begründung unseres christlichen Glaubens im Judentum nachzugehen und selbst so, wie es Jesus war, ein Kenner/eine Kennerin der Thora zu werden.


Als Evangelium wird am 30. Sonntag Im Jahreskreis das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe in der Version des Matthäus gelesen. Was dieses Gebot für die Hörer Jesu und die Leser des Matthäus bedeutet, geht aus einem Vergleich mit der Überlieferung des Markus deutlicher hervor: Mtl schreibt für Christen, die aus dem Judentum kamen, Markus für sogenannte Heidenchristen. Das sind Menschen, die aus dem römisch-hellenistischen Kulturkreis ohne Umweg über das Judentum Christen geworden sind. Bei Markus fragt ein Schriftgelehrter nach dem ersten Gebot. Er hat keine Schwierigkeiten, sich eine hierarchische Ordnung der Gebote, von vorrangigen und weniger bedeutsamen Geboten vorzustellen. Bei ihm setzt Jesus das Liebesgebot an die erste und oberste Stelle. Bei Matthäus fragt ein Gesetzeslehrer nach einem sehr wichtigen Gebot. In der jüdischen Diskussion kannte man die Frage nach Prinzipien, auf die die Gesetze aufbauen und zurückzuführen sind. Schwer tat man sich hingegen, ein Gesetz als weniger wichtig zu qualifizieren als ein anderes. Im 5. Kapitel (Verse 17 bis 19) des Matthäusevangeliums beteuert Jesus, daß er nicht das kleinste Strichlein des Gesetzes aufheben will. Die Antwort Jesu auf die Frage des Schriftgelehrten bekommt bei Matthäus einen anderen Akzent als bei Markus: Das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe ist der Schlüssen zum ganzen Gesetz. Die Liebe ist das innere Prinzip des Gesetzes und der Gebote. Aufgabe des Menschen ist, das Gesetz mit Liebe auszufüllen und auszugestalten.