17.11.2017

Lesungen 05.11.2017


1. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mal 1,14b - 2,2b. 8-10

Lesung aus dem Buch Maleachi:

Ein großer König bin ich,
spricht der Herr der Heere,
und mein Name ist bei den Völkern gefürchtet.
Jetzt ergeht über euch dieser Beschluß, ihr Priester:
Wenn ihr nicht hört und nicht von Herzen darauf bedacht seid,
meinen Namen in Ehren zu halten - spricht der Herr der Heere -,
dann schleudere ich meinen Fluch gegen euch.
Ihr aber, ihr seid abgewichen vom Weg
und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung;
ihr habt den Bund Levis zunichte gemacht,
spricht der Herr der Heere.
Darum mache ich euch verächtlich
und erniedrige euch vor dem ganzen Volk,
weil ihr euch nicht an meine Wege haltet
und auf die Person seht bei der Belehrung.
Haben wir nicht alle denselben Vater?
Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen?
Warum handeln wir dann treulos,
einer gegen den andern,
und entweihen den Bund unserer Väter?



Die Lesung ist, wie die Versabgrenzung zeigt, hörbar gemacht und in der Gedankenführung gestrafft. Maleachi, Prophet der nachexilischen Zeit, geht mit den Priestern hart ins Gericht. Er wirft ihnen vor, nicht nur vom Weg abgewichen zu sein, sondern "viele" durch falsche Belehrung zu Fall gebracht zu haben. So ziemlich der härteste Vorwurf, der denen gemacht werden kann, die von Amts wegen mit ihrem Namen und ihrer Profession für gute Weggefährtenschaft (ein-)stehen. Im großen Zusammenhang der biblischen Überlieferung verdeutlicht die Lesung aber auch, dass trotz Gefangenschaft in Babel, die als Strafgericht verstanden wurde, der religiöse Trott nicht nur wieder aufgelebt ist, sondern einfach fortgeführt wird. Dabei ist für das Verständnis die Klammer wichtig, die der Prophet seiner Gerichtsbotschaft gibt: Am Anfang stellt Jahwe sich vor als großer König, dessen Name bei den Völker gefürchtet ist - und am Ende reiht sich der Prophet ein in die Reihe der Gescholtenen: Und wir, haben wir nicht alle denselben Vater? Warum handeln wir dann treulos? Ein bristanter Punkt könnte bei einer nur oberflächlichen Lesung untergehen: Dass die Priester vom Weg abweichen und Menschen zu Fall bringen, zeigt sich besonders darin, dass sie auf die Person sehen, also Gefälligkeitsurteile fällen, käuflich werden und ihre Macht missbrauchen. Das verletzt nicht nur die Wahrheit, sondern die Menschen.


Das Buch des Propheten Maleachi ist höchstwahrscheinlich vor 458 v. Chr. in Jerusalem geschrieben worden. mal'aki bedeutet "mein Bote", Mal 3,23 zeigt, daß damit auf den Propheten Elias angespielt ist. Die Situation, in die der unbekannte Prophet seine sechs Reden hineinschreibt, ist deprimierend auf allen Ebenen: Der Tempel war der nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil mühsam wieder aufgebaut und eingeweiht worden (515), aber der religiöse, kulturelle und auch der politisch- wirtschaftliche Aufschwung war damit nicht eingetreten. Der Prophet zeigt sehr deutlich die Mißstände auf und charakterisiert mit harten Worten das Verhalten vor allem der Priester: Sie haben das Vertrauen in Gott verloren, ehren ihn nicht mehr, ja betrügen ihn sogar. Sie haben den Bund mit Gott gebrochen und müssen mit den Konsequenzen rechnen. Die Lesung dieses Sonntags ist aus der ersten Rede des Maleachi regelrecht herausgeschnipselt und versucht alle drastischen Vergleiche, die der Prophet verwendet, zu umgehen. Einen so anthropomorph gezeichneten Gott, dem das Verhalten seines Volkes so nah geht, daß er ihm den Arm abschlagen und den eigenen Müll ins Gesicht werfen will, kann man wohl dem Sonntagspublikum nicht zumuten. Die bildlichen Ausdrücke der Prophetenrede wurden sicher auch damals nicht wörtlich verstanden. Maleachi wollte die Menschen aufrütteln, haben wir das nicht nötig?


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mal 1,14b - 2,10

Lesung aus dem Buch Maleachi:

Ein großer König bin ich, spricht der Herr der Heere,
und mein Name ist bei den Völkern gefürchtet.
Jetzt ergeht über euch dieser Beschluß, ihr Priester: 
Wenn ihr nicht hört
und nicht von Herzen darauf bedacht seid,
meinen Namen in Ehren zu halten
- spricht der Herr der Heere -,
dann schleudere ich meinen Fluch gegen euch
und verfluche den Segen, der auf euch ruht,
ja, ich verfluche ihn,
weil ihr nicht von Herzen darauf bedacht seid. 
Seht, ich schlage euch den Arm ab
und werfe euch Unrat ins Gesicht,
den Unrat eurer Feste,
und man wird euch zu ihm hinausschaffen. 
Dann werdet ihr erkennen,
daß ich es bin, der diesen Beschluß über euch ergehen ließ,
weil ich einen Bund mit Levi habe,
spricht der Herr der Heere. 
Mein Bund bedeutete für ihn Leben und Heil;
beides gab ich ihm,
dazu die Furcht:
Er sollte mich fürchten und vor meinem Namen erschrecken. 
Zuverlässige Belehrung kam aus seinem Mund,
nichts Verkehrtes fand sich auf seinen Lippen,
in Frieden und Aufrichtigkeit ging er mit mir seinen Weg,
und viele hielt er davon ab, schuldig zu werden. 
Denn die Lippen des Priesters bewahren die Erkenntnis,
und aus seinem Mund erwartet man Belehrung;
denn er ist der Bote des Herrn der Heere.
Ihr aber, ihr seid abgewichen vom Weg
und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung;
ihr habt den Bund Levis zunichte gemacht,
spricht der Herr der Heere. 
Darum mache ich euch verächtlich
und erniedrige euch vor dem ganzen Volk,
weil ihr euch nicht an meine Wege haltet
und auf die Person seht bei der Belehrung. 
Haben wir nicht alle denselben Vater?
Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen?
Warum handeln wir dann treulos,
einer gegen den andern,
und entweihen den Bund unserer Väter? 


Antwortpsalm am 31. Sonntag im Jaheskreis (A)
Ps 131,1-3

R Herr, bewahre meine Seele in deinem Frieden! – R

Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen.
Ich gehe nicht um mit Dingen,
die mir zu wunderbar und zu hoch sind. - (R)

Ich ließ meine Seele ruhig werden und still;
wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.
Israel, harre auf den Herrn
von nun an bis in Ewigkeit! - R


2. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Thess 2,7b-9. 13

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Wir sind euch freundlich begegnet:
Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt,
so waren wir euch zugetan
und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen,
sondern auch an unserem eigenen Leben;
denn ihr wart uns sehr lieb geworden.
Ihr erinnert euch, Brüder,
wie wir uns gemüht und geplagt haben.
Bei Tag und Nacht haben wir gearbeitet,
um keinem von euch zur Last zu fallen,
und haben euch so das Evangelium Gottes verkündet.
Darum danken wir Gott unablässig dafür,
dass ihr das Wort Gottes,
das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt,
nicht als Menschenwort,
sondern - was es in Wahrheit ist -
als Gottes Wort angenommen habt;
und jetzt ist es in euch, den Gläubigen, wirksam.



Der Erste Thessalonicherbrief gehört zu den frühen Briefen des Apostels Paulus. Der Ausschnitt, der im Gottesdienst vorgelesen wird, zeigt Nähe und Wärme: Paulus erinnert, wie er der kleinen Gemeinde begegnet ist: freundlich, ja mütterlich. Er hat die Menschen an seinem eigenen Leben teilhaben lassen. Paulus begründet das auch: ihr wart uns sehr lieb geworden. Ein einfaches Leben war es nicht: Paulus war von Beruf Zeltmacher und hat hart gearbeitet. Zur Last fallen wollte er niemandem, am wenigsten den Menschen, denen er das Evangelium verkündigte - im wahrsten Sinn des Wortes: das Evangelium ist frei. Paulus beschließt seine Erinnerung dankbar: Gott hat es geschenkt, dass das Wort, das er ausrichtete, als Gottes Wort in und unter Menschen wirkt. Die Frage, die auch in Thessalonich gestellt wurde, was denn die Verkündigung wahr und gewiss macht, fand eine Antwort in der Gemeinde selbst. Menschen konnten sich darüber freuen, dass Gottes Wort wirkt. Es wird zwar an diesem Sonntag nur der kleine Abschnitt vorgelesen, aber er hilft, dankbar zu unterscheiden, was Gottes Wort und was Menschen Wort ist. Dass Paulus mit seinem ganzen Leben dafür einsteht, die Wahrheit verkündet zu haben, wird wieder einmal erinnert und vergegenwärtigt. In sehr persönlich gehaltenen Zeilen aus der Feder des Paulus. In der Kirche gibt es heute Berufe, die ordentlich vergütet werden. Gemeinden sind groß und - zum Teil - unüberschaubar geworden. Viele Aufgaben, die übernommen wurden, sind Herausforderungen geblieben. Was von Paulus gelernt werden kann: persönliche Nähe - Leidenschaft für das Evangelium - und nicht zuletzt: Dankbarkeit. Dankbarkeit auch dafür, dass Menschen eine Verkündigung empfangen, die sie als Gottes Wort annehmen. Mit der Kraft, Sünden zu vergeben und das Reich Gottes zu sehen. Die Erwartung, dass Christus wieder kommt, ist das andere große Thema, das Paulus in seinem Ersten Brief an die Thessalonicher in Worte fasst.


Der 1. Thessalonicherbrief ist der älteste erhaltene Paulusbrief und ist Mitte der Fünfziger Jahre nach Christi Geburt, also gute 25 Jahre nach Christi Tod, in Korinth abgefaßt worden. Kurze Zeit nach dem Paulus Thessalonich verlassen mußte, weil ihm die Juden dort übelnahmen, daß er Heiden missionierte, schreibt er der Gemeinde um deren Glauben zu festigen und auf Fragen zu antworten, die inzwischen aufgetaucht waren. Das Hauptproblem der Thessalonicher war das Schicksal der Verstorbenen. Die Menschen dort erwarteten, die Rückkehr Jesu Christi selbst noch zu erleben, und hielten daher die schon Gestorbenen für benachteiligt. Ein wesentlicher Teil des Briefes ist der Rückblick auf das Wirken des Paulus in der Gemeinde und der Annahme des Evangeliums. Aus diesem Abschnitt stammt auch die Sonntagslesung. Wirken des Paulus 1 Thess 2,1-12 gibt einen guten Einblick in das herzliche Verhältnis des Apostels zu seiner Gemeinde und in den Lebenstil des Paulus: Er läßt sich nicht von der Gemeinde erhalten, sondern arbeitet neben seiner Predigttätigkeit. Da es eine gängige Praxis von Wanderpredigern war, von den Leuten, die sie aufnahmen, zu leben, distanziert sich Paulus davon. Er tut dies nicht, um damit anzugeben, sondern zeigt im Gegenteil damit, daß das Evangelium für ihn kein "Geschäft" ist und das er sich damit weder Geld noch Ruhm verdienen will. Auch diese Lesung ist sehr gekürzt und soll offensichtlich im Kontrast zum Tagesevangelium das Idealbild eines Christen darstellen.


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Thess 2,3-13

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Brüder und Schwesern!
Wir predigen nicht, um euch irrezuführen,
in schmutziger Weise auszunutzen oder zu betrügen, 
sondern wir tun es, weil Gott uns geprüft
und uns das Evangelium anvertraut hat,
nicht also um den Menschen,
sondern um Gott zu gefallen, der unsere Herzen prüft. 
Nie haben wir mit unseren Worten zu schmeicheln versucht,
das wißt ihr,
und nie haben wir aus versteckter Habgier gehandelt,
dafür ist Gott Zeuge. 
Wir haben auch keine Ehre bei den Menschen gesucht,
weder bei euch noch bei anderen, 
obwohl wir als Apostel Christi
unser Ansehen hätten geltend machen können.
Im Gegenteil, wir sind euch freundlich begegnet:
Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt, 
so waren wir euch zugetan
und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen,
sondern auch an unserem eigenen Leben;
denn ihr wart uns sehr lieb geworden. 
Ihr erinnert euch, Brüder,
wie wir uns gemüht und geplagt haben.
Bei Tag und Nacht haben wir gearbeitet,
um keinem von euch zur Last zu fallen,
und haben euch so das Evangelium Gottes verkündet. 
Ihr seid Zeugen, und auch Gott ist Zeuge,
wie gottgefällig, gerecht und untadelig wir uns euch,
den Gläubigen, gegenüber verhalten haben. 
Ihr wißt auch, daß wir,
wie ein Vater seine Kinder,
jeden einzelnen von euch ermahnt, ermutigt und beschworen haben
zu leben, wie es Gottes würdig ist,
der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft. 
Darum danken wir Gott unablässig dafür,
daß ihr das Wort Gottes,
das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt,
nicht als Menschenwort, sondern
- was es in Wahrheit ist -
als Gottes Wort angenommen habt;
und jetzt ist es in euch, den Gläubigen, wirksam. 


Ruf vor dem Evangelium am 31. Sonntag im Jaheskreis (A)
vgl. Mt 23,9b-10b

Halleluja. Halleluja.
Einer ist euer Vater, der im Himmel.
Einer ist euer Lehrer, Christus.
Halleluja.  


Evangelium vom 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 23,1-12

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger
und sagte:
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer
haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.
Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen,
aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun;
denn sie reden nur,
tun selbst aber nicht, was sie sagen.
Sie schnüren schwere Lasten zusammen
und legen sie den Menschen auf die Schultern,
wollen selber aber keinen Finger rühren,
um die Lasten zu tragen.
Alles, was sie tun, tun sie nur,
damit die Menschen es sehen:
Sie machen ihre Gebetsriemen breit
und die Quasten an ihren Gewändern lang,
bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz
und in der Synagoge die vordersten Sitze haben,
und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen
und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.
Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen;
denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen;
denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen;
denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.



Das Evangelium, das an diesem Sonntag vorgetragen wird, besteht aus zwei Teilen, die allerdings nicht nur lose miteinander verbunden sind: Im ersten Teil geht der Evangelist kritisch mit einigen Schriftgelehrten und Pharisäern ins Gericht: Sie redeten nur, täten aber selbst nicht, was sie sagen. Gleichwohl gilt, alles zu tun, was sie sagen! An einigen Beispielen verdeutlicht der Evangelist Veräußerlichung und Entleerung. Mit dem Stichwort "Rabbi" wird der zweite Teil verknüpft. In ihm geht es um ein Verhalten, das alles, was ein Mensch von sich sagen kann, auf den Vater im Himmel bezieht und auf Christus, den einen Lehrer - gipfelnd in der Zusage: Der Größte von euch soll euer Diener sein. Wie können wir das Evangelium lesen? Eine antijüdische Auslegungsgeschichte hat den Zugang verstellt. Schriftgelehrte und Pharisäer wurden zu Gestalten, die heucheln, die den schönen Schein schon für die Wahrheit halten und sich in Äußerlichkeiten verlieren. Unheilvoll wurde jüdische Frömmigkeit insgesamt als oberflächlich und gesetzlich abgetan. Vorurteile sind bis zum heutigen Tag lebendig. Richtig ist, dass Matthäus den frommen Menschen seiner Zeit und Umgebung einen Spiegel vorhält - richtig gelesen, müssten wir unsere eigenen Frömmigkeitsformen hier wahrnehmen. Die Frage, warum wir dieses oder jenes zeigen, wie wir gesehen werden wollen oder was bei uns schon den tieferen Sinn verloren hat, kann von der Schelte des Matthäus nicht zugedeckt werden. Die Frage drängt sich auf: Dürfen wir den ersten Teil einfach so vorlesen? Ohne Predigt sicherlich nicht! Der zweite Teil fällt mit seinen Verneinungen auf: ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, nicht Vater, nicht Lehrer. Die Begründung: nur (!) einer ist euer Meister, nur einer euer Vater, nur einer euer Lehrer. Der Evangelist weiß um eine Schlussfolgerung: ihr alle aber seid Brüder (und Schwestern). Die Konsequenzen, die sich hier zeigen, wurzeln in der alttestamentlichen Botschaft, sind also auf keinen Fall antijüdisch zu interpretieren. Es geht nicht nur darum, als Rabbi, Vater und Lehrer Grenzen nicht zu überschreiten oder dem eigenen Ansehen zuzuarbeiten, sondern ganz und ungeteilt in geschwisterlicher Gemeinschaft zu leben, dem einen Vater im Himmel zu vertrauen und von Christus Lehre anzunehmen. Was ein Christ von ihm lernen kann? Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen. Mehr als eine Erinnerung: Die Erklärung des II. Vatikanischen Konzils "Nostra Aetate" über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen vom 28.10.1964 - fast auf den Tag genau vor 40 Jahren - leitete eine neue Epoche insbesondere im Verhältnis zum Judentum ein.


Die starke Prägung des Matthäus durch die Auseinandersetzung zwischen dem Judentum und der christlichen Gemeinde ist nicht wegzuleugnen. Allerdings fehlt, wie auch im Text dieser Sonntagslesung eine grundsätzliche Ablehnung der gesetzesstrengen jüdischen Position. Er kritisiert nicht ihre Lehre, sondern ihre Taten, vor allem ihre überhebliche Haltung. Ausgehend davon erhalten die Leser konkrete Hinweise für ein christliches Verhalten. Die Wertmaßstäbe, die er damit vorgibt, erscheinen für eine funktionierende Gemeinschaft eher unpassend. Umkehrung der Werte Aber gerade diese Umkehrung der menschlichen Werte sieht Mt als charakteristisch für das Reich Gottes an und in der Kirche soll dies schon zumindest ansatzweise verwirklicht werden. Denn nur in einer Gemeinschaft, die nicht auf sich selbst, sondern auf Gott als den alleinigen Meister, Vater und Lehrer ausgerichtet ist, ist es möglich, daß alle Menschen den gleichen Wert und die gleiche Würde besitzen. Nur dort ist es möglich, daß der Größte der anderen dient, daß der Letzte der Erste ist, daß Traurige, Hungernde und Dürstende, ja sogar Verfolgte, seliggepriesen werden. Die Anforderungen, die uns das Evangelium stellt, sind übermenschlich hoch und die Versuchungen heute die gleichen wie damals. Es liegt an uns, uns immer wieder am Maßstab des Evangeliums zu messen.