21.09.2017

Lesungen 27.06.2017


1. Lesung vom Fest der Mutter von der Immerwährenden Hilfe:
Jes 7,10-17

Lesung aus dem Buch Jesaja:

In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas, dem König von Juda;
er sagte:
Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen,
sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe.
Ahas antwortete:
Ich will um nichts bitten
und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
Da sagte Jesaja:
Hört her, ihr vom Haus David!
Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen?
Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen?
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
sie wird einen Sohn gebären,
und sie wird ihm den Namen Immanuel - Gott mit uns - geben.
Er wird Butter und Honig essen
bis zu der Zeit, in der er versteht,
das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen.
Denn noch bevor das Kind versteht,
das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen,
wird das Land verödet sein,
vor dessen beiden Königen dich das Grauen packt.
Der Herr wird Tage kommen lassen
über dich und dein Volk und das Haus deines Vaters,
wie man sie nicht mehr erlebt hat,
seit Efraim von Juda abgefallen ist.



Die Lesung aus dem Buch Jesaja steht am Anfang des Propheten. In der Zeit der Bedrohung Jerusalems waren die Hoffnungszeichen wichtige Schritte in der Durchhaltekraft des Volkes. In dieser Situation setzt Gott die Hoffnungszeichen der Jungfrau und des symbolischen Namens ihres Kindes: Gott mit uns. In der Auslegungsgeschichte gibt es einen Streit, wie man den Vers 14 zu deuten hat: Geht es um die Jungfrau oder die junge Frau? Da hier aus der Übersetzung auch Konsequenzen für Verständnis und Interpretation entstehen, ist dieser Text sehr wichtig.


Der König Ahas muß eine politische Niederlage hinnehmen und verschanzt sich in Jerusalem. Zugleich sieht er sich nach einem Bundesgenossen um, der ihm aus der Bedrohung helfen könnte. Er plant, den König von Assur um Hilfe anzugehen. Dies hätte nicht nur politische sondern auch religiöse Folgen gehabt: Die Staatsgötter der Schutzmacht müßten anerkannt werden, die Bilder im Tempel aufgestellt werden. In dieser Situation richtet Jesaia seine Botschaft an Ahas. Er fordert ihn auf, Assur nicht um Hilfe zu bitten, sondern allein der Hilfe Gottes zu vertrauen. Die vom König geforderte Entscheidung besteht in der Wahl zwischen der vertrauensvollen Treue zu Gott oder dem Abfall zu Götzen. Verse 10-11: Im Auftrag Gottes will Jesaia Ahas zu einer klaren Glaubensentscheidung bewegen. Der Prophet fordert den König auf, sich ein Zeichen von Gott zu erbitten, das ihm Jahwes Gegenwart und Wirkmacht verbürgt. Das angebotene Zeichen soll dem Glauben des Ahas dienen. Vers 12: Ahas leht es ab, ein Zeichen zu fordern, weil er angeblich den Herrn nicht versuchen will. Die Antwort, Gott nicht versuchen zu wollen, ist eine Ausrede und eine Verweigerung des Glaubens. Ahas zieht es vor, sich auf seine "Real-Politik" und nicht auf die Verheißung Gottes zu verlassen. Vers 13: Gott läßt sich nicht "ausmanövrieren", schon gar nicht von frommen Sprüchen. Gottes Geduld mit dem König ist erschöpft, seine Langmut zu Ende. Vers 14: Was der Prophet ausspricht, kann ein Heilswort gleichzeitig wie eine Gerichtsdrohung für Ahas sein. Er verheißt einen im Gegensatz zu Ahas stehenden Idealkönig; mit ihm soll nach vorausgegangener Katastrophe eine Ära paradiesischen Glücks anheben. Gott bleibt der David gegebenen Verheißung treu, wird jedoch die gegenwärtig regierenden Linie unterbrechen und einen Neubeginn setzen. Haupthandelnder dabei ist der persönlich eingreifende Gott. Er wird sich bei seinem Eingreifen einer mit David verbundenen "Jung-Frau" bedienen, die an Gottes Gegenwart und Handeln glaubt und diesem ihrem Glauben Ausdruck verleiht, daß sie ihren Sohn Emmanuel, d.h. "Gott ist mit uns" nennt.


Antwortpsalm am Fest der Mutter von der Immerwährenden Hilfe
Ps 71,1-3. 4a. 12.

R: Herr, steh mir bei in meiner Not. - R

Herr, ich suche Zuflucht bei dir.
Lass mich doch niemals scheitern!
Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit,
wende dein Ohr mir zu und hilf mir! - (R).

Sei mir ein sicherer Hort,
zu dem ich allzeit kommen darf.
Du hast mir versprochen zu helfen,
denn du bist mein Fels und meine Burg. – (R).

Mein Gott rette mich aus der Hand des Frevlers;
Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht,
meine Hoffnung von Jugend auf.
Gott, bleib doch nicht fern von mir!
Mein Gott, eile mir zu Hilfe! - R


2. Lesung vom Fest der Mutter von der Immerwährenden Hilfe:
Offb 12,1-6a. 10b

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Ein großes Zeichen erschien am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
Ein anderes Zeichen erschien am Himmel:
ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern
und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab.
Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte;
er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind, einen Sohn,
der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird.
Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
Die Frau aber floh in die Wüste,
wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte;
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg,
die Macht und die Herrschaft unseres Gottes
und die Vollmacht seines Gesalbten.



Die Offenbarung des Johannes, ein Trostbuch in der Verfolgungszeit, zeichnet am Beginn der heutigen Perikope das Bild von der siebenten Posaune. Sie verkündet die Herrschaft Gottes, die so sicher kommt, dass jetzt schon der Sieg in Jubel- und Dankliedern gefeiert werden kann. Die Danklieder sind aus Schriftzitaten aus dem Alten Testament zusammengesetzt. Nun wird das Ende angekündigt. Jesus herrscht als König über die ganze Welt. Die Lade, die früher verborgen war, ist nun für alle sichtbar (19). Nun steht der Zugang zu Gott offen. Im Kapitel 12-14, dem Kernstück des Buches, werden treibende Kräfte in der Geschichte gezeigt. Die hier vorgelegte Deutung der Geschichte geht nicht von den innerweltlichen Ursachen aus, wie es allgemein geschieht. Die Kirche muß sich in ihrer Geschichte mit Satan und seinem Treiben in der Welt auseinandersetzen. Der Ausgang dieses Kampfes ist der Sieg über Satan. Die Kirche wird befreit, wenngleich ihre Situation in der letzten Zeit aussichtslos erscheint. Am Ende wird das Lamm und sein Gefolge siegreich sein. Die beiden Gegner (12,1-6) werden gezeigt: eine Frau von Überirdischer Hoheit, das Gottesvolk - ein Drache, die gottfeindliche Macht mit unermesslicher Kraft, Satan. Die Geburt des männlichen Kindes, des messianischen Weltherrschers, konnte aber nicht verhindert werden. Der Messias wird zu Gott entrückt (Himmelfahrt). Die Frau, die Kirche, wird von Gott trotz aller Not der Drangsalszeit (1260 Tage - dreieinhalb Jahre - Zeit des Antichrist) bewahrt. Mit der Menschwerdung Jesu hat der Entscheidungskampf zwischen Gott und Satan um die Herrschaft über die Welt begonnen. Der siegreiche Ausgang in diesem Kampf wurde schon in einem himmlischen Kampf vorgebildet. Der Erzengel Michael, der das Gottesvolk beschützt, und seine Engel besiegten Satan. Ein Hymnus besingt die Wende.


Die Kapitel 12 - 14 gehören zu den Kernstücken der Offenbarung des Johannes. Der erste Teil dieses Kernstückes wird heute vorgelesen. Der Text ist durchdrungen von mythischen Bildern. Hintergrund sind die konkreten Erfahrungen der christlichen Gemeinden (Verfolgung durch den römischen Staat; Vergöttlichung des römischen Kaisers usw. ...). Trotz aller schweren Bedrängnis soll und kann die Gemeinde zuversichtlich bleiben; der Sieg gehört Gott und dem Christus. Das Bild der Himmelskönigin (mit Sonne bekleidet, auf einer Mondsichel stehend, am Haupt eine Krone von 12 Sternen) stammt aus der astralreligiösen Welt (vgl. auch die göttliche Mutter Ägyptens, Isis). Im Judentum wurde den Gestirnen - im Gegensatz zu den anderen Völkern rundherum - keine göttliche Würde zuerkannt. Sonne, Mond und Sterne sind also für Johannes nur der Schmuck der Frau. Die Zwölfzahl deutet wohl darauf hin, daß sie das Gottesvolk der zwölf Stämme repräsentieren. Völker und Stämme wurden im alten Orient vielfach in Frauengestalt versinnbildlicht. Die Frau am Himmel ist schwanger - sie soll den Messias gebären. Da dieser kein anderer als Jesus von Nazareth ist, könnte es nahe liegen, in der Himmelskönigin Maria, die Mutter Jesu, zu erkennen und sie als die mit der Sonne bekleidete Frau zu verehren. In diesem Sinne hat besonders die mittelalterliche Kirche das Bild verstanden und Maria als Himmelskönigin dargestellt Die Exegeten sehen in der Frau aber eher das wahre Israel, das Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes, aus dem Christus gekommen ist. Die alten, oder die chaotischen Mächte der Welt verkörpern auch das Bild des Drachens. Sie streiten als Widersacher gegen Gott. Das Bild vom Kampf des Drachens gegen die gebärende Frau findet sich in verschiedensten Kulturen, so auch in den griechischen Mythen. Für den Seher ist die Frau das wahre Israel und das Kind der Messias. Mit dem Kommen Jesu Christi hat der letzte Kampf begonnen. In dieser letzten Zeit wird aber auch der besondere Schutz Gottes zugesagt.


Ungekürzte Fassung der Lesung Offb 11,19 - 12,10

Lesung aus der Offenbarung des Johannes:

Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.
Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.


Ruf vor dem Evangelium – Mutter von der Immerwährenden Hilfe
Vers: vgl. Joh 19,25-26

Halleluja. Halleluja.
Beim Kreuz Jesu stand seine Mutter.
Und Jesus sprach: Siehe, deine Mutter.
Halleluja.


Evangelium am Fest der Mutter von der Immerwährenden Hilfe:
Joh 19,25-27

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Stunde
standen bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter,
Maria, die Frau des Klopas,
und Maria von Magdala.
Als Jesus seine Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er liebte,
sagte er zu seiner Mutter:
Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger:
Siehe, deine Mutter!
Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.