16.12.2017

Lesungen 03.12.2017


1. Lesung vom 1. Adventssonntag, Lesejahr B:
Jes 63,16b-17. 19b; 64,3-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Du, Herr, bist unser Vater,
«Unser Erlöser von jeher» wirst du genannt.
Warum läßt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren
und machst unser Herz hart,
so daß wir dich nicht mehr fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen,
um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
Reiß doch den Himmel auf, und komm herab,
so daß die Berge zittern vor dir.
Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen,
kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen,
daß es einen Gott gibt außer dir,
der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.
Ach, kämst du doch denen entgegen,
die tun, was recht ist, und nachdenken über deine Wege.
Ja, du warst zornig;
denn wir haben gegen dich gesündigt,
von Urzeit an sind wir treulos geworden.
Wie unreine Menschen sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.
Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen.
Und doch bist du, Herr, unser Vater.
Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.



Die Lesung ist dem "Dritten Jesaja" entnommen – Tritojesaja. Das Volk Gottes hat einen langen Weg hinter sich, auch Tiefpunkte und zurecht gestutzte Hoffnungen. Die Heimkehr aus der Gefangenschaft in Babylon gestaltet sich mühsam und schwierig. Es ist ein Gebet, das hier überliefert wird. Gott wird als Vater angesprochen, als "Erlöser von jeher". Ihm werden Fragen gestellt, ihm wird die Bitte zugetragen, sich doch wieder gnädig und barmherzig der Menschen anzunehmen, ihm wird aber auch bekannt, wie "unrein" die sind, die ihre Hoffnungen auf ihn setzen. Im Gebet wird aufgezählt, was Menschen von sich sagen können: Gerechtigkeit wie ein schmutziges Kleid, verwelkt wie Laub, von Schuld verweht. Im Gebet können Menschen ihre Sorge aussprechen: Du hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen. Und Gott wird ins Gebet genommen, weil wir alle das Werk seiner Hände sind. Das Adventslied "O Heiland reiß die Himmel auf" ist von diesem Gebet inspiriert. Gott soll "herab" kommen, die Distanz überwinden, die es zwischen ihm und seinem Volk gibt – Gott soll denen entgegenkommen, die tun, was recht ist. Das Lied drückt aus, wie verloren Menschen sind, wenn sie in ihrem Vertrauen allein gelassen sind. Eine Gemeinde, die am Ersten Advent singt "O Heiland reiß die Himmel auf", übernimmt die alten Bilder und Bitten des Propheten und tritt in die Hoffnungen ein, die lange vor ihr formuliert wurden.


Dieser "Psalm aus dem Mund Jesajas", hineingerufen in eine Zeit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels (587 v. Chr.), ist gekennzeichnet durch die Elemente der Klage, die die Sehnsucht nach dem Erscheinen und dem Offenbarwerden Gottes zum Ausdruck bringt, des Schuldbekenntnisses und am Ende des Abschnittes durch das Element des Vertrauens an Gott, der sich als Schöpfer und Vater erweist. Der Beter macht dabei die Erfahrung der Abwesenheit Gottes: Gott hat sich von ihm und von seinem Volk entfernt. Die Schuld hat das Volk gelähmt. Es ist auf die Umkehr Gottes angewiesen. Mit den Worten des Beters hofft das Volk auf das große und einzigartige Ereignis des Entgegenkommens Gottes.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 1. Adventssonntag, Lesejahr B:
Jes 63,16b-17. 19b; 64,3-7

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Du, Herr, bist unser Vater,
«Unser Erlöser von jeher» wirst du genannt.
Warum läßt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren
und machst unser Herz hart,
so daß wir dich nicht mehr fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen,
um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
Reiß doch den Himmel auf, und komm herab,
so daß die Berge zittern vor dir.

Komm wie ein Feuer, das Reisig entzündet,
wie ein Feuer, das Wasser zum Sieden bringt.
Mach deinen Feinden deinen Namen bekannt,
so daß die Völker zittern vor dir, 
wenn du schreckliche und nie erwartete Taten vollbringst.
[Komm herab, so daß die Berge zittern vor dir.]

Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen,
kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen,
daß es einen Gott gibt außer dir,
der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.
Ach, kämst du doch denen entgegen,
die tun, was recht ist, und nachdenken über deine Wege.
Ja, du warst zornig;
denn wir haben gegen dich gesündigt,
von Urzeit an sind wir treulos geworden.
Wie unreine Menschen sind wir alle geworden,
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt,
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.
Niemand ruft deinen Namen an,
keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen
und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen.
Und doch bist du, Herr, unser Vater.
Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,
wir alle sind das Werk deiner Hände.


Antwortpsalm am 1. Adventsonntag (B)
Ps 80, 2ac. 3bc 15-16. 18-19

R Richte uns wieder auf, o Gott,
lass dein Angesicht leuchten, dann sind wir gerettet. – R

Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Biete deine gewaltige Macht auf,
und komm uns zu Hilfe! - (R)

Gott der Heerscharen, wende dich uns wieder zu!
Blick vom Himmel herab, und sieh auf uns!
Sorge für diesen Weinstock
und für den Garten, den deine Rechte gepflanzt hat. - (R)

Deine Hand schütze den Mann zu deiner Rechten,
den Menschensohn, den du für dich groß und stark gemacht.
Erhalt uns am Leben!
Dann wollen wir deinen Namen anrufen und nicht von dir weichen. - R


2. Lesung vom 1. Adventssonntag, Lesejahr B:
1 Kor 1,3-9

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes,
die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
daß ihr an allem reich geworden seid in ihm,
an aller Rede und aller Erkenntnis.
Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
so daß euch keine Gnadengabe fehlt,
während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.
Er wird euch auch festigen bis ans Ende,
so daß ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn.
Treu ist Gott,
durch den ihr berufen worden seid
zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.



So beginnt Paulus seinen Brief an die Gemeinde in Korinth: ein Gnadenzuspruch, ein Dank, eine Vergewisserung. Es ist ein Dreiklang, der zusammengehört und zusammen gehört werden kann. Die harten Auseinandersetzungen, die Paulus ansprechen wird, beeinträchtigen nicht, was von Anfang an und vor allem zu schreiben ist: dass auch eine diskussionsfreudige und streitlustige Gemeinde festgehalten und getragen wird. Paulus attestiert, dass den Korinthern keine Gnadengabe fehlt, "während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet". Paulus, der sich zum Teil auch schweren Vorwürfen stellen muss und persönlich angegriffen wird, rechnet nicht ab. Es ist eine große Gewissheit, die den Ton vorgibt und dann auch die Gedankenführung bestimmt: "Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn." Ein Lehrstück, wie in der Kirche oder einer Gemeinde mit Konflikten umgegangen wird? Es ist mehr: Wer im Gebet "Danke" sagen kann für Menschen, sieht sich mit ihnen in einer Gemeinschaft, die auch Stürmen standhält. Der Dank, den Paulus in Worte fasst, lässt sich nicht instrumentalisieren, verrechnen oder vereinnahmen. Im Dank sind Menschen ganz auf Gott gewiesen und seiner Treue anbefohlen. Dabei ist von Paulus auch die Richtung markiert: die Offenbarung Jesu Christi steht noch aus, sein "Tag". Paulus spricht hier den "jüngsten Tag" an, den er nicht als Tag des Gerichts vorstellt, sondern als „Offenbarung Jesu Christi“. Paulus spricht die Gewissheit aus, ohne Bedingungen zu formulieren: Er (Christus) wird euch auch festigen bis an Ende.


Wenngleich Paulus in diesem Brief viel Kritik üben und Ermahnungen geben muß (bezüglich Missstände und Spaltungen in der Gemeinde), die Gemeinde von Korinth an die rechte und gerechte Ordnung erinnert werden muss, stellt Paulus an den Beginn seines Briefes an die Korinther diesen Prolog des Zuspruches und der Erbauung: Die Gemeinde von Korinth ist reich an Gnadengaben Gottes. Sie steht fest im Glauben an Jesus Christus und darf daher auch auf die Treue Gottes vertrauen. Aufgrund dieses Zuspruches können die Probleme und Spannungen im jungen Gemeindeleben angegangen werden, wenn das Wesentliche in den Blickpunkt genommen wird: das Feststehen in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.


Ruf vor dem Evangelium am 1. Adventsonntag (A)
Ps 85,8

Halleluja. Halleluja.
Erweise uns, Herr, deine Huld,
und gewähre uns dein Heil!
Halleluja!


Evangelium vom 1. Adventssontag, Lesejahr B:
Mk 13,33-37

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Seht euch vor, und bleibt wach!
Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.
Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Seid also wachsam!
Denn ihr wißt nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
Er soll euch, wenn er plötzlich kommt,
nicht schlafend antreffen.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
Seid wachsam!



Das 13. Kapitel des Markusevangeliums ist apokalyptisch geprägt: in mehreren Einzelszenen, die miteinander verbunden sind, wird die Ankunft Christi geradezu eingeschärft. Als Markus das Evangelium schreibt – es ist das erste – schaut er auf den Weg Jesu zurück. Nur: es ist keine Vergangenheit, die ans Herz gelegt wird – es ist Zukunft, die erwartet wird. Die frühen Gemeinden – einige hat Markus vor Augen – rechneten fest damit, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wieder kommt und das Reich Gottes herstellt. Aber die Zeit vergeht, die Umrisse der Zukunft verschwimmen, Tagesereignisse bestimmen den Alltag. Im Evangelium wird diese Erfahrung beschrieben und ernstgenommen: Jesus wird mit einem Mann verglichen, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen. Die Verantwortung jedoch für sein Haus delegierte er. Der Türhüter wird sogar an exponierter Stelle genannt: er hat die Aufgabe, wachsam zu sein, die Tür im Auge zu behalten, seinen Herrn zu erwarten. Das überaus kurze Gleichnis enthält sogar ein Spannungselement: wenn er plötzlich kommt, soll er seine Leute nicht im Schlaf überraschen. Was in der Realität einer Hausgemeinschaft kaum möglich ist, wird vom Evangelisten jedoch für das Leben eingeschärft: Nicht nur, dass Christus kommt – es gilt, ihn zu erwarten, auf ihn zu warten (=wachen). Das Thema, das hier anklingt, erinnert auch daran, dass die Adventszeit eine Bußzeit ist. Was uns anvertraut wurde, was wir daraus machen und was wir erwarten, ist nicht nur eine Frage, die herausfordert – es gilt, neue Konturen und Spielräume im Leben zu entdecken. Ein Adventskalender greift das Bild von zu öffnenden Türen auf.


Das Evangelium ist Teil der Parusierede, welche die Wiederkunft des Menschensohnes zum Inhalt hat. Dabei werden im 1. Teil (Mk 13,24-27) vorwiegend ersttestamentliche Bilder aufgegriffen (vgl. Jes 13,10; 27,13; 34,4; Ez 32,7-8; Joel 2,10; Sach 2,6; 12,-10-12; Dan 7,13-14; Dtn 30,4). Die Wiederkunft des Menschensohnes bedeutet nicht Gericht, sondern Anbruch eines neuen Äons, einer Zeit, die geprägt ist von der Zusammenführung der Auserwählten. Dieser Äon ist bereits angebrochen: die Kirche ist diese neue Heilsgemeinschaft. Dennoch ist die Situation der Kirche von der Abwesenheit Christi geprägt. Deswegen gilt die Mahnung, treu und wachsam zu sein. Diese Aufforderung des zweiten Teiles der Parusierede (Verse 33-37) spielt bereits auf die Ereignisse auf dem Ölberg an, wo es den Jüngern nicht gelungen ist, wach zu bleiben. Gleich danach setzt mit dem 14. Kapitel des Markus-Evangeliums die Leidensgeschichte Jesu ein.


Langfassung des
Evangeliums vom 1. Adventssonntag, Lesejahr B:
Mk 13,24-37

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
In jenen Tagen, nach der großen Not,
wird sich die Sonne verfinstern,
und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen,
und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn
mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.
Und er wird die Engel aussenden
und die von ihm Auserwählten
aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.
Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht,
daß das Ende vor der Tür steht.
Amen, ich sage euch:
Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.
Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
Seht euch also vor, und bleibt wach!
Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.
Es ist wie mit einem Mann,
der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen:
Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern,
jedem eine bestimmte Aufgabe;
dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Seid also wachsam!
Denn ihr wißt nicht, wann der Hausherr kommt,
ob am Abend oder um Mitternacht,
ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
Seid wachsam!