16.12.2017

Lesungen 10.12.2017


1. Lesung vom zweiten Adventssonntag, Lesejahr B:
Jes 40,1-5. 9-11


Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und verkündet der Stadt, daß ihr Frondienst zu Ende geht,
daß ihre Schuld beglichen ist;
denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn
für all ihre Sünden.
Eine Stimme ruft:
Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste!
Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn,
alle Sterblichen werden sie sehen.
Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Seht, da ist euer Gott.
Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Seht, er bringt seinen Siegespreis mit:
Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.
Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide,
er sammelt sie mit starker Hand.
Die Lämmer trägt er auf dem Arm,
die Mutterschafe führt er behutsam.



Mit Jesaja 40 beginnt der sogenannte Deuterojesaja. Das Volk ist schon in die Verbannung geraten und wartet auf die Zeit der Rückkehr. Dazu sind die Trostworte nötig, wie sie in den Versen Jes 40,1-2 vorkommen. Dann folgt das Bild des neu erstarkten Jerusalem. Zu dem Zeitpunkt ist der Tempel zerstört, die Mitte des Glaubens fehlt. Im Bild des neuen Jerusalem ist es Jahwe, der sammelt und zusammenführt. Er zeigt seine Macht und Herrlichkeit. Sein Zeichen ist nicht mehr der Tempel, sondern das gesammelte und geeinte Volk.


Der Abschnitt Jes 40,1-11 bildet den Prolog zu den Kapiteln 40 bis 55, dem sog. Deuterojesaja ("Der Zweit-Jesaja"). Der zweite Jesaja (6. Jhdt. v. Chr.) hat in Fortsetzung des ersten (8. Jhdt. v. Chr. - vor dem Exil) seine prophetische Botschaft der judäischen Gemeinde im babylonischen Exil verkündet. Er knüpft auch theologisch an sein Vorbild an. Dieser drohte seinem Volk den Untergang an wegen seiner Sünden (Jes 6). Zuerst spricht Gott durch den Propheten dem Volk Trost zu. Es kann aufatmen, da seine Schuld beglichen ist und sein Frondienst zu Ende geht. Dann kündet der Prophet einen Gewaltakt an, der einer Neuschöpfung gleichkommt: Eine Straße durch Wüste und Steppe wird gebaut, Berge und Hügel werden abgetragen, Täler ausgefüllt... Der Weg durch die Wüste erinnert an den Auszug aus Ägypten. Nun offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn. Am Schluss wird Jerusalem aufgefordert, das Siegeslied anzustimmen. Diese Aufforderung erinnert an das Siegeslied am Schilfmeer (Ex 15), an das Deboralied (Ri 5). Siegeslieder zu singen war Sache der Frauen. Sie begleiteten den Einzug des siegreichen Retters. Der letzte Vers bringt noch das Bild des guten Hirten ein, der die Seinen sammelt und auf dem Arm trägt im Gegensatz zu den heidnischen Göttern, die sich in den Festprozessionen von den Menschen tragen lassen.


Mit Jes 40 beginnt das Werk des Deuterojesajas ("der zweite Jesaja"). Seine Person ist uns unbekannt, wir kennen nicht einmal seinen Namen. Sein Auftreten fällt in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems (587 vor Chr.) und der Deportation von ca. 15 000 Juden in die babylonische Gefangenschaft, bevor der Siegeszug des Perserkönigs Kyros begann, der zum Sturz des babylonischen Reiches führte (539 vor Chr.), und unter dem die Juden wieder nach Jerusalem zurückkehren dürfen. Der Prophet, dessen Person völlig in den Hintergrund tritt, wird aufgefordert, das Volk, das sich in der Gefangenschaft von Babel befindet, zu trösten. Durch die Leiden der Gefangenschaft hat das Volk Israel seine Schuld (Abfall von Gott) gebüßt. Jahwe ist bereit, mit seinem Volk in die Heimat zurückzukehren, so wie er sein Volk einst aus der ägyptischen Knechtschaft herausgeführt hat. Der Prophet hört gleichsam einen Herold, der dem König vorausgeht und eine Königsstraße – Gottesstraße – von Babel nach Jerusalem errrichtet. In Vers 9f sieht der Prophet Jahwe bereits mit seinem Volk auf der Rückkehr und zeigt in dem Hirtengleichnis (Vers 11) wie zart und rücksichtsvoll Gott mit seinem Volk umgeht.


Langfassung der
1. Lesung vom 2. Adventsonntag, Lesejahr B:
Jes 40,1-11
 

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und verkündet der Stadt, daß ihr Frondienst zu Ende geht,
daß ihre Schuld beglichen ist;
denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn
für all ihre Sünden.
Eine Stimme ruft:
Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste!
Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn,
alle Sterblichen werden sie sehen.
Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
Eine Stimme sagte: Verkünde!
Ich fragte: Was soll ich verkünden?
Alles Sterbliche ist wie das Gras,
und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. 
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt,
wenn der Atem des Herrn darüberweht.
Wahrhaftig, Gras ist das Volk. 
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt,
doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit. 
Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Seht, da ist euer Gott.
Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Seht, er bringt seinen Siegespreis mit:
Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.
Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide,
er sammelt sie mit starker Hand.
Die Lämmer trägt er auf dem Arm,
die Mutterschafe führt er behutsam.


Antwortpsalm am 2. Adventssonntag (B)
Ps 85,9-10. 11-12. 13-14

R: Erweise uns, Herr, deine Huld,
und gewähre uns dein Heil! – R


Ich will hören, was Gott redet:
Frieden verkündet der Herr seinem Volk
und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.
Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten.
Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. - (R)

Es begegnen einander Huld und Treue;
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor;
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. - (R)

Auch spendet der Herr dann Segen,
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her,
und Heil folgt der Spur seiner Schritte. - R


2. Lesung vom zweiten Adventssonntag, Lesejahr B:
2 Petr 3,8-14

Lesung aus dem zweiten Petrusbrief:

Das eine, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen:
daß beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre
und tausend Jahre wie ein Tag sind.
Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung,
wie einige meinen, die von Verzögerung reden;
er ist nur geduldig mit euch,
weil er nicht will, daß jemand zugrunde geht,
sondern daß alle sich bekehren.
Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb.
Dann wird der Himmel prasselnd vergehen,
die Elemente werden verbrannt und aufgelöst,
die Erde und alles, was auf ihr ist, werden nicht mehr gefunden.
Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst:
wie heilig und fromm müßt ihr dann leben,
den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen!
An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer auflösen,
und die Elemente werden im Brand zerschmelzen.
Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß,
einen neuen Himmel und eine neue Erde,
in denen die Gerechtigkeit wohnt.



Das frühe Christentum kannte eine Hoffnung: Christus kommt bald wieder (Parusie). Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Es gingen mehrere Generationen ins Land. Um diese Verzögerung zu erklären, gab es viele Ansätze. Einen davon bietet der heutige Lesungstext an: Gottes Zeitrechnung ist eine andere. Daher ist die irdisch messbare Zeit ins Land gegangen. Die andere Zeitrechnung verändert aber nichts an Gottes Größe und Treue. Darauf weist 2 Petr 3,9 hin. Die schon gemachte Erfahrung mit der Entwicklung der Kirche macht klar, dass es kein authentischer Petrusbrief sein kann. Der Verfasser hat sich die Autorität des Petrus gegeben, um sein Anliegen einer weitergelebten Hoffnung zu unterstreichen.


Der zweite Petrusbrief aus dem 2. Jhdt. n. Chr., dessen Verfasser unbekannt ist und sicher nicht der in Kap. 1,1 genannte Simon Petrus sein kann, diskutiert im vorliegenden Abschnitt das Problem der ausbleibenden Naherfüllung der Wiederkunft Christi. Die entscheidende Erkenntnis findet sich in Vers 8: "dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind": Zeiten und Daten sind keine Größen mehr, wenn es um Gottes Wirken geht. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den alttestamentlichen Büchern, deren Inhalte sehr streng mit historischen Gegebenheiten verbunden sind.


Die frühe Christenheit erwartete die Wiederkunft des Herrn in naher Zukunft (Vgl. 1 Thess 4,14-17). Aber die Zeit verging und es geschah nichts. Der zweite Petrusbrief zeigt auf, daß die Verzögerung der Parusie (Wiederkunft) im Plan Gottes liegt: 1) Gott mißt die Zeit anders als die Menschen; als Beweis dafür wird Psalm 90:4 zitiert. Menschliche Vorstellung muß dort, wo mit "göttlichem Maß" gemessen wird, zwar versagen, aber auch die Offenbarung kann das Göttliche nur in menschlicher Sprache ausdrücken. 2) "Einige" Irrlehrer sprechen von der Verzögerung der Parusie und zweifeln, daß Gott seiner Verheißung treu bleibt. Doch "Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue" (Ex 34,6). Er will allen die Zeit geben, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen und von Irrwegen abzulassen. Diese Worte laden zur Umkehr und Buße ein. 3) Der Tag des Herrn läßt auf sich warten. Das verleitet manche Christen, zwar an die Parusie zu glauben, aber nicht mehr ständig mit ihr zu rechnen. Die Schilderung des Endereignisses mit Gericht und Vernichtung soll die Menschen zu einem gottesfürchtigen Lebenswandel anspornen. Fast beschwörend werden wir aufgerufen, "ohne Makel und Fehler" zu sein und uns durch den Gott des Friedens heiligen zu lassen.


Ruf vor dem Evangelium am 2. Adventssonntag (A/B)
Lk 3,4. 6

Halleluja. Halleluja.
Bereitet dem Herrn den Weg!
Ebnet ihm die Straßen!
Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.
Halleluja.


Evangelium vom zweiten Adventssonntag, Lesejahr B:
Mk 1,1-8

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:
Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht:
Ich sende meinen Boten vor dir her;
er soll den Weg für dich bahnen.
Eine Stimme ruft in der Wüste:
Bereitet dem Herrn den Weg!
Ebnet ihm die Straßen!
So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf
und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Hüften,
und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
Er verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
ich bin es nicht wert,
mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Ich habe euch nur mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.



Einleitung des Markusevangeliums. Sie geschieht mit dem Jesajazitat und dem Umkehrruf. Mit dem Zitat wird die Anknüpfung an alle Heilshoffnung geschaffen. Das Heil ist da und der Hörer des Evangeliums kann es für sich gültig machen. Der Umkehrruf macht deutlich, dass etwas Neues beginnt. Dieses Neue wird sich steigern, Johannes bereitet nur darauf vor. Er stellt den Zusammenhang her, in dem die Menschen bereit werden. Die angekündigte Begegnung mit Jesus findet direkt im Anschluss an die heutige Stelle statt, dann die Taufe und Versuchung Jesu, der danach mit dem Ruf zur Umkehr sein öffentliches Wirken beginnen wird.


Die vorliegende Perikope stellt den Eingangsteil des Markusevangeliums dar. Markus ist der einzige Evangelist, der zu Beginn seines Schreibens - außer in der Buchüberschrift (Vers 1) - keinen direkten Bezug zum Gottessohn herstellt, sondern mit einer 'Heiligenbeschreibung' (Pesch) einsteigt. In Verbindung vom Täufer Johannes und den Worten des Jesaja-Prophetenbuches nimmt Markus jüdisches Traditionsgut auf. Der Ort der Wüste (vermutlich die Arabasenke zum Toten Meer hin) gilt als jener Ort der Himmelfahrt des Propheten Elija (2 Kön 2). Auch nimmt Johannes in der Beschreibung durch Markus Züge des Bußpredigers Elija an (Pesch): Markus schafft gleich zu Beginn seines Werkes deutliche Verbindungen zwischen Altem und Neuem. Das Heilswirken des Gottessohnes wird so zunächst chronologisch wie auch theologisch fortlaufend aufgebaut und nicht - wie bei den anderen Evangelisten - aus der Rückblende erschlossen.


Das Wort "Evangelium" bedeutet Frohe Botschaft. Diese wurde von Jesus verkündet und durch den Evangelisten Markus wird er zum Verkündigten. Diese Frohe Botschaft bedeutet Gottes Frieden und Heil für die Menschheit, Befreiung von der Knechtschaft der Sünde und ihren Folgen, Erlösung des Menschen von seiner im Innern wohnenden Unfreiheit und Verheißung einer den Tod überwindenden Existenz und einer Umgestaltung dieser Welt zur göttlichen Herrlichkeit am Tag des Herrn. Der Beginn der mit Jesus anbrechenden Heilszeit setzt schon mit dem Auftreten Johannes' des Täufers ein. Das in den Versen 2-3 zitierte Schriftwort (Jes 40,3) zeigt deutlich, welche Funktion Johannes nach urchristlichem Verständnis zukommt: Er ist der große Prediger der Umkehr und Wegbereiter des Herrn. Der "Herr", der zu seinem Volk kommen will, ist nun Jesus (vgl. 1. Lesung). Gottes Heil, Gott selbst ist uns in Jesus nahegekommen. Johannes ist in seiner Kleidung und Lebensweise ähnlich beschrieben wie der Prophet Elija (Vgl. 2 Kön 1,8): Es ist ein Bild der Bedürfnislosigkeit in Nahrung und Kleidung. Johannes braucht alle diese Dinge nicht; denn Gott ist sein Anteil, Gottes Auftrag seine Kraft. Und das Zentrum seines Auftrags ist die Verkündigung, daß ein "Stärkerer" nach ihm kommt – der Messias. Dessen Größe veranschaulicht der Vorläufer mit seiner Kleinheit: Er ist nicht einmal würdig, ihm den Dienst eines Knechtes zu leisten. Er ist auch davon überzeugt, daß dieser Angekündigte die Kraft des Heiligen Geistes besitzen und mitteilen wird. Möglicherweise haben der Evangelist und die christlichen Leser an ihre eigene Taufe gedacht, in der sie Gottes Geist erfahren haben.