20.04.2018

Lesungen 31.12.2017


1. Lesung vom Fest der Hl. Familie, Lesejahre A/B/C:
Sir 3,2-6. 12-14

Aus dem Buch Jesus Sirach:

Der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren,
und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten.
Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden,
und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern,
und wenn er betet, wird er Erhörung finden.
Wer den Vater achtet, wird lange leben,
und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn.
Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an,
und betrübe ihn nicht, solange er lebt.
Wenn sein Verstand abnimmt, sieh es ihm nach,
und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft!
Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen,
sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.



Das Buch Jesus Sirach gehört zur Weisheitsliteratur. Man vermutet eine Abfassung um 200 vor Christus. In der Weisheitsliteratur werden die guten Erfahrungen des Alltags und der Geschichte gesammelt. Alle diese Erfahrungen gelten als das große Geschenk Gottes an sein Volk. Der Verfasser des Buches Jesus Sirach betont die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen der elterlichen Fürsorge für die Kinder auf der einen Seite und der späteren Sorge um das Wohlergehen der Eltern von Seiten der erwachsenen Kinder.Ehrfurcht und Achtung sollen das Miteinander prägen.


Ein einzigartiges Buch des Ersten Testamentes ist das Buch Jesus Sirach, das zur alttestamentlichen Weisheit zählt. Das Buch ist im ersten Viertel des 2. Jhdt. v. Chr. Entstanden und ist vom Vordringen des hellenistischen Gedankengutes durch das Militär und durch den Handel zu jener Zeit geprägt. Jesus Sirach ist voll von Texten verschiedener weisheitlicher Gattungen. Von Sprüchen über Hymnen bis zu Gebeten ist in dieser Sammlung vieles an Weisheit enthalten. Es lohnt sich, in diesem Buch einmal zu schmökern. Es befassen sich viele Abschnitte mit der Weisheit selbst. Dazwischen sind konkrete Anweisungen für die Gestaltung des Lebens eingelagert, die alle Lebensbereiche umfassen, angefangen vom persönlichen Lebenslauf bis hin zum öffentlichen Leben. Unsere Lesung ist Teil dieser Anweisungen und befasst sich mit dem Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt. Letztliche Motivation für eine Ethik des Handelns und des Denkens ist aber die Gottesfurcht, die Anfang und Ziel jeglicher Weisheit ist (vgl. Sir 19,20). Vgl. Marböck, Johannes, Das Buch Jesus Sirach, in: Zenger, Erich (u.a.), Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer 1995, 285 ff


Das Buch Jesus Sirach ist eine im Verhältnis zum übrigen AT spät entstandene Schrift. Als Abfassungszeit kommen die Jahre um 180 v. Chr. in Betracht. Es ist das einzige Buch, das zwar nicht zum jüdischen Kanon der Bibel gehört, aber trotzdem zeitweise wie ein kanonisches Buch behandelt wurde. Für die christlichen Kirchen gehörten die meist griechischen Spätschriften, die die jüdische Tradition nicht zur Bibel zählt, schon relativ früh zum Kanon der biblischen Bücher. Zu den griechischen Überlieferungen des Textes von Jesus Sirach sind seit 1896 ungefähr zwei Drittel des hebräischen Textes wiederentdeckt worden. Die Schwierigkeit in der Arbeit mit diesem Text liegt zum Teil in der bewegten Überlieferungsgeschichte, zum Teil auch darin, daß es eine kürzere und eine erweiterte Textfassung gibt, Verse vertauscht wurden und auch alte Übersetzungen, wie zum Beispiel die syrische und die altlateinische Fassung für das Verständnis unumgänglich sind. Das Buch erweckt den Eindruck einer lockeren Sammlung von Sprüchen, Lehrvorschriften, Gebeten und Hymnen. Die Inhalte betreffen die alltägliche Lebenswelt, die Beziehung zu den Mitmenschen genauso wie die Beziehung zu Gott. Eine zentrale Idee des Buches Jesus Sirach ist die Weisheit, die sogar als Person auftreten kann. Sie wurzelt in der "Gottesfurcht", der umfassende Haltung der Offenheit und Bereitschaft des Menschen Gott gegenüber. Konkret zeigt sich diese Grundhaltung in der Anerkennung der Würde auch des Geringsten (Sir 10,19-24) und ermöglicht die Freiheit von Furcht vor allem, was geringer ist als Gott (Sir 34,16). Die soziale und existentielle Bedeutung der Familie Die Aussagen über die Weisheit und die Gottesfurcht sind der Horizont, in den die konkreten Ratschläge und Unterweisungen für die verschiedenen Bereiche des Verhaltens im persönlichen und öffentlichen Leben hineingestellt sind. Vielfach wird dabei so wie in diesem Lesungstext mit der Familie begonnen. Die Weisungen die den Kindern in Sir 3,1-16 gegeben werden, sind dabei weniger als ethische, sondern als soziale Grundregeln zu sehen. Sie wenden sich an die Erwachsenen, und garantieren eine Art soziales Netz oder "Pensionsversicherung" für die älteren Menschen. Die Auswahl der Verse für die Lesung ist hier irreführend, weil sie sofort mit dem göttlichen Gebot beginnt und den konkreten Hintergrund der Vater- und Mutterschaft, der in Sir 3,1 der eigentliche Ausgangspunkt ist, streicht. Die Generation, die jetzt für die Leben der Gesellschaft arbeitet und die Verantwortung trägt, ist auch dafür verantwortlich, daß die Älteren ein lebenswertes Leben führen können, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst dafür zu arbeiten. Die alten Menschen werden so zum Schatz (3,3) und zum Segen (3,8), nicht nur im Blick auf das eigene Altwerden sondern auch durch den Reichtum der Erfahrung und des Wissens, die die Wurzel des Lebens festigen (3,9) und so Zukunft auch für kommende Generationen ermöglichen.


Antwortpsalm am Fest der Heiligen Familie (A/B/C)
nach Sir 3,2-6. 12-14
Ps
128,1-5

R: Selig der Mensch, der den Herrn fürchtet und ehrt
und auf seinen Wegen geht! – R

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt
und der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erwarben, kannst du genießen;
wohl dir, es wird dir gut ergehen. - (R)

Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau
drinnen in deinem Haus.
Wie junge Ölbäume sind deine Kinder
rings um deinen Tisch. - (R)

So wird der Mann gesegnet,
der den Herrn fürchtet und ehrt.
Es segne dich der Herr vom Zion her.
Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen. – R


Alternative 1. Lesung vom Fest der Heiligen Familie, Lesejahr B:
Gen 15,1-6; 21,1-3


Lesung aus dem Buch Genesis:

In jenen Tagen 
erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abram:
Fürchte dich nicht, Abram,
ich bin dein Schild;
dein Lohn wird sehr groß sein.
Abram antwortete:
Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben?
Ich gehe doch kinderlos dahin,
und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus.
Und Abram sagte:
Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben;
also wird mich mein Haussklave beerben.
Da erging das Wort des Herrn an ihn:
Nicht er wird dich beerben,
sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.
Er führte ihn hinaus und sprach:
Sieh doch zum Himmel hinauf,
und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst.
Und er sprach zu ihm:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Abram glaubte dem Herrn,
und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.

Der Herr nahm sich Saras an, wie er gesagt hatte.
Sara wurde schwanger
und gebar dem Abraham noch in seinem Alter einen Sohn
zu der Zeit, die Gott angegeben hatte.
Abraham nannte den Sohn, den ihm Sara gebar, Isaak.


Antwortpsalm am Fest der Heiligen Familie (A/B/C)
nach der Lesung Gen 15
Ps 105,1-6. 8-9


R Der Herr ist unser Gott;
ewig denkt er an seinen Bund. - R   

Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt!
Singt ihm und spielt ihm,
sinnt nach über seine Wunder! - (R)

Rühmt euch seines heiligen Namens!
Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen.
Fragt nach dem Herrn und seiner Macht;
sucht sein Antlitz allezeit! - (R)

Denkt an die Wunder, die er getan hat,
an seine Zeichen und die Beschlüsse aus seinem Mund.
Bedenkt es, ihr Nachkommen seines Knechtes Abraham,
ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat. - (R)

Ewig denkt er an seinen Bund,,
an das Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter,
an den Bund, den er mit Abraham geschlossen,
an den Eid, den er Isaak geschworen hat. – R


2. Lesung vom Fest der Hl. Familie, Lesejahre A/B/C:
Kol 3,12-21

Lesung aus dem Kolosserbrief:

Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen.
Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen,
mit Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander,
wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat.
Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band,
das alles zusammenhält und vollkommen macht.
In eurem Herzen herrsche der Friede Christi;
dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!
Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder,
wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.
Alles, was ihr in Worten und Werken tut,
geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Durch ihn dankt Gott, dem Vater!
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter,
wie es sich im Herrn geziemt.
Ihr Männer, liebt eure Frauen,
und seid nicht aufgebracht gegen sie!
Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem;
denn so ist es gut und recht im Herrn.
Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein,
damit sie nicht mutlos werden.



Der Text der Lesung stammt aus einer umfassenden Ermahnung für die Christen. Der Christ gehört dem Herrn, deshalb ist er ein neuer Mensch und zur Umwertung aller Werte gerufen. Die Perikope verbindet eine Christusmeditation mit einer Haustafel. Wer Christi Leben in sich trägt, muss die erlösenden Eigenschaften Christi in seinem Leben durchscheinen lassen. Wer Gottes Leben durch Christus erhalten hat, muss seinen Dank in der geschwisterlichen Liebe erweisen. Die letzte Norm des Handelns ist Jesus Christus, der Herr. Der Christ lebt moralisch, nicht weil er die Gebote um ihrer selbst willen erfüllen möchte, sondern weil er sich Christus verantwortlich weiß.


Der Kolosserbrief hat seinen Namen nach der Gemeinde von Kolossä, 200 km vom Meer entfernt, an der Handelsstrasse zwischen Milet und Ephesus, ursprünglich ein wichtiges Zentrum der Wollindustrie. Er wird dem Paulus zugeschrieben und wurde um 150 n. Chr. von Markion bereits in seinen Kanon aufgenommen. Der erste Abschnitt unserer Lesung (Verse 12-17) ist die Fortsetzung der vorderen negativen Abschnittes ab Vers 5. Wurde darin vielseitig zum Ablegen aller Untugenden und zusammenfassend des Alten Menschen aufgefordert, wird in unserem Abschnitt positive Gegenimperative gesetzt, zusammenfassend und vorangesetzt die Aufforderung, die Tugenden anzuziehen, zugleich mit der Begründung: Ihr seid die Erwählten Gottes! Daraus resultieren die guten Worte und Werke – immer in Verbindung mit dem einen Herrn Jesus Christus. Eine weitere Konkretion dessen erfolgt mit der Haustafel (eigentlich Kol 3,18-4,1), einer Zusammenstellung von kurzen Ermahnungen an die verschiedenen „Stände" einer damaligen Hausgemeinschaft. Auch diese schliessen mit dem Hinweis auf den einen Herrn (im Himmel) ab und geben so noch einmal die Begründung für das geforderte Verhalten.


Im zweiten, eher praktischen Teil des Kolosserbriefes (Kapitel 3-4; Der theologische Teil umfaßt Kapitel 1-2) begegnen konkrete Aussagen für das christliche Leben, Handeln und Glauben. Die Tugend- und Lasterkataloge (3,5-17) entsprechen einem aus der iranischen Religion stammenden Schema, dem die Vorstellung zugrunde liegt, das der Mensch aus Tugenden und Lastern zusammen gesetzt ist, wie die Glieder des Körpers zusammengefügt sind. Die Existenz des Menschen baut sich nach diesem Verständnis aus seinen Taten auf. Die heutige Lesung beginnt nach dem Lasterkatalog mit der Einführung des Tugendkatalogs: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen" (Kol 12 a). Ähnlich wie beim Aufbau des ganzes Briefes ist die Theologie der Ethik voran gestellt: Vor dem Tun des Menschen steht das Handeln Gottes. Erst die liebende Zuwendung Gottes ermöglicht dem Menschen, "gut" zu handeln. Ethische Weisungen sind Hilfen, wie die Menschen in ihrer Zeit und in ihrer konkreten Situation ein christliches Leben führen können. Solche Vorschriften enthalten daher notwendigerweise Zeitbedingtes und nicht für alle Fälle Anwendbares. Auch die Haustafel (Kol 3,18-4,1), von der ein Teil noch zu Tageslesung gehört ist von der Zeitsituation geprägt. Die in dieser Tafel enthaltenen Normen sind nicht spezifisch christlich, sondern stammen wie die christliche Ethik überhaupt aus der Umwelt, vor allem aus der Ethik der Popularphilosophie. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ethisch verantwortet handelnden Christen und einem Philosophen ist die Motivation aus dem Glauben. Äußerlich ist eine sittlich gute Tat nicht zu unterscheiden oder zu werten, aber für einen Christen müssen der Friede Christi (Kol 3,15) und die Gnade Gottes (Kol 3,16) die Orientierungspunkte sein, nicht einzelne Normen und Gesetze. Das Besondere an der christlichen Haltung ist daher die Fähigkeit über die buchstäbliche Erfüllung der Gesetze hinauszuwachsen und auch die Normen hinterfragen und verändern zu können. Mit der Weisung zur Unterordnung der Frau, auf die immer noch manchmal zurückgegriffen wird, ist das z.B. passiert, auch mit der Einstellung gegen über der Sklaverei (Kol 3,22 f). Die Haustafel kann eine Anregung sein, jene Regeln anzuschauen, die heute für unser Zusammenleben gelten, und wie der Kolosserbrief darin das christlich Lebbare zu aufzuzeigen.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Heiligen Familie (A/B/C)
Nach der Lesung Kol 3
(Kol
3,15a. 16a.)

Halleluja. Halleluja.
In eurem Herzen herrsche der Friede Christi.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Halleluja.


Alternative
2. Lesung vom Fest der Heiligen Familie, Lesejahr B:
Hebr 11,8. 11-12. 17-19

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf,
wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte;
und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.

Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft,
trotz ihres Alters noch Mutter zu werden;
denn sie hielt den für treu,
der die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen,
dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab:
zahlreich wie die Sterne am Himmel
und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.

Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Isaak dar,
als er auf die Probe gestellt wurde,
und gab den einzigen Sohn dahin,
er, der die Verheißungen empfangen hatte
und zu dem gesagt worden war:
Durch Isaak wirst du Nachkommen haben.
Er verließ sich darauf,
daß Gott sogar die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken;
darum erhielt er Isaak auch zurück.
Das ist ein Sinnbild.



Der Hebräerbrief nennt keinen Verfasser. Er ist das erste Beispiel für eine christliche Lehrschrift, die sich nicht durch Nennung eines Verfassers aus der apostolischen Zeit besondere Autorität verschaffen möchte. Es ist auch kein Adressat genannt, ein Briefkopf fehlt. Lediglich die Verse am Schluss weisen auf einen Brief hin. Die Überschrift "An die Hebräer" ist ein späterer Zusatz. Der Brief wurde vermutlich zwischen 80 und 100 n. Chr. von einem hellenistischen Judenchristen geschrieben. Das Kapitel 11 beschreibt die 2Wolke der Zeugen" (Hebr 12,1). Vorbilder im Glauben werden genannt, um den Lesern und Hörern Mut zu machen, selber den Glauben zu leben und zu bezeugen. Es handelt sich um einen Paradigmenkatalog, der zur ethischen Unterweisung dienen sollte. Damit nimmt er die Stiltradition weisheitlicher Paradigmenreihen auf. Sprachlich wird die Aufzählung durch sich wiederholende gleiche Versanfänge deutlich gemacht. "Durch den Glauben" (griech. "pistin") kommt sieben mal vor. Der Einschub Vers 13-16 ist durch einen veränderten Versanfang "voll Glauben" (griech. "kata pistin") gekennzeichnet. Der Anfang spricht das Thema "Glaube" an. Die Definition von Glauben, die hier gegeben wird, betont eine objektive Haltung gegenüber den Glaubensfundamenten: feststehen in dem, was man erhofft. Das Subjektive, z.B. ein persönliches Überzeugtsein, wird weniger betont. Die Definition ist ganz allgemein gehalten. Ein persönliches Verhältnis zu Jesus spielt hier keine Rolle. Die Verse 8-22 haben Abraham zum Thema. Damit nimmt er als Einzelgestalt den größten Raum in diesem Kapitel ein. Das entspricht der Bedeutung, die Abraham als Vater des Glaubens von Anfang an gehabt hat und auch heute noch hat.


Glaube bedeutet Hoffnung. Durch den Glauben wird erkannt, daß das Sichtbare (die Welt) durch das Unsichtbare (Gott) begründet ist. Die vom Hebräerbrief vorgelegte Definition des Glaubens unterscheidet sich wesentlich vom paulinischen Glaubensbegriff und dem der Synoptiker. Bei Paulus und in den Evangelien ist Glaube unlösbar mit der Person und dem Wirken Jesu verbunden. Die hier vorgelegte Definition sieht im Glauben eine Haltung des Menschen gegenüber der zukünftigen, himmlisch-unsichtbaren Welt. Wer von der Existenz dieser "besseren Heimat", dieser "Stadt" überzeugt ist und sich von der irdischen Scheinwelt nicht täuschen läßt, beweist Glauben. Diese Haltung kann von allen Menschen, auch von frommen Heiden, in vorbildlicher Weise geübt werden. Die Geschichte Abrahams bietet reichen Stoff zu zeigen, was Glauben bedeutet und worauf er sich richtet. Abraham glaubt an Gottes Verheißung, verläßt seine irdische Heimat und wird zum Stammvater des wandernden Gottesvolkes und zahlreicher Nachkommenschaft. Er lebt aus dem Glauben an die Heimat, die er noch nicht sieht. Viele Gestalten der Heilsgeschichte hofften, ohne zu besitzen und starben, ohne die Erfüllung der Heilsgeschichte zu erleben. Abraham ist sogar bereit den Sohn, den Gott ihm verheißen und zuvor geschenkt hat, zu opfern, weil er daran glaubt, daß Gott auch die Macht hat, Tote zu neuem Leben zu erwecken.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Heiligen Familie (A/B/C)
nach der lesung Hebr 1
(vgl. Hebr 1,1-2)

Halleluja. Halleluja.
Einst hat Gott zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
heute aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn.
Halleluja.


Evangelium vom Fest der Heiligen Familie, Lesejahre B:
Lk 2,22-40

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Es kam für die Eltern Jesu
der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung.
Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf,
um es dem Herrn zu weihen,
gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt:
Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen,
wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon.
Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels,
und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
er werde den Tod nicht schauen,
ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.
Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt;
und als die Eltern Jesus hereinbrachten,
um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun läßt du, Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte,
die über Jesus gesagt wurden.
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Dieser ist dazu bestimmt,
daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen
und viele aufgerichtet werden,
und er wird ein Zeichen sein,
dem widersprochen wird.
Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden.
Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna,
eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher.
Sie war schon hochbetagt.
Als junges Mädchen hatte sie geheiratet
und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren.
Sie hielt sich ständig im Tempel auf
und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
In diesem Augenblick nun trat sie hinzu,
pries Gott und sprach über das Kind zu allen,
die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten,
was das Gesetz des Herrn vorschreibt,
kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde kräftig;
Gott erfüllte es mit Weisheit,
und seine Gnade ruhte auf ihm.



Mit dem Kind Jesu wird nach den Bestimmungen des mosaischen Gesetzes verfahren (Ex 13:12-15 u. Gal 4:4). Vierzig Tage nach der Geburt Jesu gehen Maria und Josef in den Tempel, um ihr Kind Gott zu weihen. Es empfängt bei der Beschneidung den Namen Jesus, d.h. 2Gott rettet". Reinigung fasst zusammen, was mit der Mutter und dem Kind, weil es der erstgeborene Knabe war, nach dem Gesetz zu geschehen hatte. Diese alte jüdische Tradition weißt darauf hin, dass das Kind nicht den Eltern gehört, sondern Gott. In der Zeugung, der Schwangerschaft und der Geburt ist Gott selbst am Werk. Jedes neugeborene Kind ist eine neue Schöpfung Gottes. Im Tempel zu Jerusalem offenbart Gott durch seinen Propheten und eine Prophetin, wer dieses Kind ist und was es für Juden und Heiden bedeutet: Heilbringer, Entscheidungsgestalt und Erlösung Jerusalems. Simeon spürt, er kann jetzt sterben, denn er hat "das Heil gesehen", auf das er zeitlebens gewartet hat. Jesus aber kommt nicht in eine heile Welt, aber er ist das Heil der Welt. Das Kind ist das große Geschenk Gottes – umso mehr, wenn diese Kind der Retter Israels ist. An ihm werden sich die Geister scheiden. Die einen werden ihr Leben an Jesus binden, die anderen werden es ablehnen, ja ihn bekämpfen. Doch alle die kommenden Konflikte können das Band der Liebe zwischen Gott und Menschen, das mit seiner Menschwerdung konkret geworden ist, nicht mehr unterbinden.