19.02.2018

Lesungen 21.01.2018


1. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jona 3,1-5.10

Lesung aus dem Buch Jona:

Das Wort des Herrn erging an Jona:
Mach dich auf den Weg,
und geh nach Ninive, in die große Stadt,
und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde.
Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive,
wie der Herr es ihm befohlen hatte.
Ninive war eine große Stadt vor Gott;
man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
Jona begann, in die Stadt hineinzugehen;
er ging einen Tag lang und rief:
Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!
Und die Leute von Ninive glaubten Gott.
Sie riefen ein Fasten aus,
und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an.
Und Gott sah ihr Verhalten;
er sah, daß sie umkehrten
und sich von ihren bösen Taten abwandten.
Da reute Gott das Unheil,
das er ihnen angedroht hatte,
und er führte die Drohung nicht aus.



Das Jona-Büchlein ist eine um 300 vor Christus entstandene Schrift, die aufgrund ihres märchenhaften Charakters zu den beliebtesten Büchern der Bibel zählt. Der Prophet Jona erhält von Gott den Auftrag, in der großen, fremden Stadt Ninive Buße zu predigen, flüchtet aber vor diesem Auftrag über das Mittelmeer nach Westen. Das Schiff, in dem er flieht, gerät in einen furchtbaren Seesturm. Als Jona seine Flucht vor dem Auftrag Gottes als Ursache des Unglücks deutet, werfen ihn die Seeleute ins Meer. Es kommt ein Fisch, der den Propheten verschlingt, um ihn nach drei Tagen und drei Nächten wieder an Land zu speien. Als der Auftrag, in Ninive Buße zu predigen, noch einmal ergeht, erfüllt ihn der Prophet. Auf seine Predigt hin - das schildert unsere Perikope - bekehrt sich die gesamte Stadt Ninive und Gott erbarmt sich ihrer. Im weiteren Verlauf der Erzählung hadert Jona dann mit Gott, weil das angedrohte Strafgericht nicht vollzogen wurde. Durch das wunderbare Aufwachsen und Eingehen einer Rizinus(!)staude, welche Jona vom Ärger rettet, und in einem anschließenden Gespräch versucht Gott den Propheten von seinem Erbarmen über die Niniviten zu überzeugen. Die Bußfertigkeit einer gottlosen Stadt oder - anders formuliert - das Aufbrechen einer religiösen Stimmung bei Menschen, die sonst eher auf anderes konzentriert sind als auf Gott: das sind wohl die theologischen Akzente der Lesungsperikope. Darüber hinaus lohnt es sich aber, auf die Theologie des ganzen Jona-Büchleins zu schauen, da es aufgrund seiner märchenhaften Einfärbung und seiner Kürze mehr als andere biblische Schriften eine Einheit bildet. Gott stellt sich dem Jona als ein Gott der Gnade dar, als ein vergebungsbereiter und sich erbarmender Gott, der die Logik von Schuld und Strafe, die menschliches Denken so sehr prägt, außer Kraft setzt. Selbst Ninive, das in unserem Text weniger die Hauptstadt des assyrischen Großreiches darstellt als eine beliebige Metropole auf dieser Welt, darf sich im Schoß des Erbarmens Gottes bergen. Solches zu begreifen, ist für Jona, den Gottes-Gelehrten aus Israel, nicht einfach. Seinem (und unserem) steinigen Erkenntnisweg ist das Jona-Büchlein gewidmet.


Die erste Lesung des 3. Sonntags erzählt einen Teil der Geschichte des Propheten Jona und der Umkehr der Stadt Ninive. Nachdem im ersten Teil des Jona-Buches der Prophet vor Gott fliehen wollte und auf der Flucht seinen Untergang, seine Bekehrung und Rettung erlebte, beruft ihn Gott nun ein zweites Mal, nach Ninive zu gehen und den Leuten dort den Untergang der Stadt anzukünden. Das Buch ist um 300 v. Chr. Entstanden. Die Stadt, von der hier erzählt wird, ist kein historischer Ort, der Prophet Jona keine historische Persönlichkeit. Das Jonabuch ist ein theologischer Text. Er reflektiert die Barmherzigkeit Gottes und die Rolle des/der Propheten. Gott ist das Unrecht unter den Menschen nicht gleichgültig, auch nicht das Unrecht der Heiden. Ninive ist Inbegriff heidnischen Lebens von märchenhafter Größe. Der Prophet hat den von Gott beschlossenen Untergang bedingungslos anzukündigen. Erstes Schlüsselwort ist "rufen". Ninive und sein König nehmen die Drohung Gottes ernst, sie kehren um. Die Umkehr zeigt sich in ihrem Tun. Dieses bewegt Gott zur Umkehr seines Entschlusses. Er tut ihnen das Angedrohte nicht an. "Tun" ist das zweite Schlüsselwort dieser Erzählung.


Antwortpsalm am 3. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 25,4-9

R Zeige mir, Herrr, deine Wege,
Lehre mich deine Pfade! – R

Zeige mir, Herr, deine Wege,
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich;
denn du bist der Gott meines Heiles.
Auf dich hoffe ich allezeit. - (R)

Denk an dein Erbarmen, Herr,
und an die Taten deiner Huld;
denn sie bestehen seit Ewigkeit.
Denk nicht an meine Jugendsünden und meine Frevel!
In deiner Huld denk an mich, Herr, denn du bist gütig. - (R)

Gut und gerecht ist der Herr,
darum weist er die Irrenden auf den rechten Weg.
Die Demütigen leitet er nach seinem Recht,
die Gebeugten lehrt er seinen Weg. - R


2. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kor 7,29-31

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Ich sage euch, Brüder:
Die Zeit ist kurz.
Daher soll, wer eine Frau hat,
sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
wer weint, als weine er nicht,
wer sich freut, als freue er sich nicht,
wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;
denn die Gestalt dieser Welt vergeht.



Die Lesung entstammt jenem Abschnitt des Ersten Korintherbriefes, in dem der Apostel über das Thema Ehe und Ehelosigkeit handelt. Seine Ausführungen stehen dabei ganz unter dem Zeichen der Naherwartung, d.h. der Erwartung der baldigen Wiederkunft des Herrn und des damit verbundenen Weltenendes. Diese Vorstellung prägte in den ersten Jahrzehnten nach Tod und Auferstehung Jesu so sehr das Glauben und Handeln der Christen, daß damit eine totale Umwertung der Werte einherging. Das gilt bei Paulus zunächst für die Ehe, die im Horizont der Naherwartung ihre gesellschaftliche und religiöse Bedeutsamkeit verliert, das gilt aber auch für alles andere, was des Menschen Herz im Normalfall bewegt. In der gedrängten Zeit vor dem Ende sah man es als notwendig an, ganz für die Sache des Herrn verfügbar zu sein. Denn: „Naherwartung erlaubt keine Vertagung der Nachfolge.“ (Johann Baptist Metz) - In diesem Sinn bleibt das Naherwartungsdenken dem Christentum übrigens bleibend eingeschrieben, auch wenn man über Einzelfragen wie die Ehe heute gewiß anders urteilt als Paulus.


Die drei Verse der 2. Lesung sind dem 2. Teil des 1. Korintherbriefes entnommen, in dem Paulus auf ihm vorgelegte Streitfragen antwortet. Im Abschnitt 1 Kor 7,1-40 stezt er sich mit dem Thema Ehe und Ehelosigkeit auseinander. Er tritt für die Ehelosigkeit der Christen ein, da er fest davon überzeugt ist, daß Christus bald zurückkehren und die Welt erneuern werde. Es lohne sich nicht mehr zu heiraten. Da diese Annahme des Paulus sich als nicht richtig erwiesen hat, muß man wohl all seine Schlußfolgerungen von Grund auf neu diskutieren (auch die der allen Christen empfohlenen Ehelosigkeit). Auf Grund der Tatsache, daß sich die Naherwartung der Wiederkehr Christi nicht bewahrheitet hat, kann man jedoch nicht die Erwartung der Vollendung der Welt durch Jesus Christus und die daraus folgenden ethischen Ableitungen aufgeben. Die Erwartung, daß Christus wiederkomemn, die Welt vollenden und unser Leben zur endgültigen Erfüllung führen wird, relativiert alle Wertordnungen, die in dieser Welt gelten. Ehe, Trauer, Freude, Besitz und alles, was wir in dieser Welt als wertvoll, beglückend und sinnbringend erfahren, ist von jener letzten und neuen Perspektive aus zu beurteilen, welche die Erwartung der Wiederkehr Christ ermöglicht.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Sonntag im Jahreskreis (B)
Mk 1,15


Halleluja. Halleluja.
Das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
Halleluja.


Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 1,14-20

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte,
ging Jesus wieder nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes und sprach:
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon,
die auf dem See ihr Netz auswarfen;
sie waren nämlich Fischer.
Da sagte er zu ihnen:
Kommt her, folgt mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
und seinen Bruder Johannes;
sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
Sofort rief er sie,
und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern
im Boot zurück und folgten Jesus nach.



Die Evangeliumsperikope berichtet vom Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Man kann sie aus diesem Grund als Schlüsseltext für das Verständnis des ganzen Markusevangeliums bewerten. Es klingen in ihr zentrale Motive der Verkündigung Jesu an. In vielfältigen Variationen werden sie an späteren Stellen des Evangeliums wiederkehren. Am Beginn von allem steht die Proklamation des Reiches Gottes: "Die Zeit ist erfüllt, das Reicht Gottes ist nahe." - Das Auftreten Jesu ist die Erfüllung früherer Verheißungen, wonach Gott sich in Zukunft als Retter seines Volkes, ja als Retter aller Menschen erweisen werde. Die Gleichnisse Jesu zeigen später noch sehr genau, wie es mit diesem Reich Gottes ist: Es ist mit ihm wie mit dem Korn, das auf guten Boden gefallen war und reiche Frucht brachte, wie mit dem kleinen Senfkorn, das zum großen Baum wuchs und in dessen Schatten die Vögel des Himmels nisten konnten (vgl. Mk 4,1-35). Allerdings: Die Proklamation des Reiches Gottes bedeutet für die Zuhörer nicht, daß sie automatisch daran Anteil haben. Jesus fordert von allen Umkehr , das heißt das Preisgeben eigenmächtiger Versuche, sich ein erfülltes Leben zu sichern. Wenn dabei vom „Evangelium“ (= „frohe Botschaft“) als dem Ziel der Umkehr gesprochen wird, so wird deutlich, daß dieser Vorgang den Menschen nicht auf eine Verliererschiene bringt, sondern einen Gewinn für sein eigenes Leben bedeutet. In einem zweiten Teil der Evangeliumsperikope wird die Berufung der ersten Jünger erzählt. Das ist bereits die erste Variation des vorher von Jesus Gesagten. Die frohe Botschaft hat Konsequenzen. Sie will gelebt werden. Das Schlüsselwort heißt Nachfolge. Die Jünger kommen nicht zu Jesus um Meister zu werden, sie kommen, um seinen Weg zu gehen, um sich in seine Lebensführung einzuklinken. Es spannt sich von hier aus ein Bogen bis zum dramatischen Finale: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach", sagt Jesus an einer späteren Stelle (Mk 8,34).


Das Evangelium berichtet vom Anfang des Wirkens Jesu. Der erste Teil faßt knapp zusammen, wie Jesus nach der Gefangennahme des Propheten Johannes in Galiläa zu predigen beginnt. Der Inhalt seiner Botschaft wird mit dem Satz "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium" auf den Punkt gebracht. Der zweite Teil schildert die Berufung der ersten Jünger. Diese vollzieht sich anders als bei einem Rabbi. Seinen Rabbi konnte ein Schüler frei wählen. Nach Abschluß der Lehrzeit wurde dieser selbst Lehrer. Jesus hingegen beruft seine Jünger mit einem Vollmachtswort. Wie in der Berufungsgeschichte des Propheten Elischa (1 Kön 19,19ff) folgen diese ihm auf der Stelle. Sie folgen ihm nach, nicht um Meister zu werden, sondern um seinen Weg auch im Leiden zu gehen (vgl. dazu das Wort von der Kreuzesnachfolge (Mk 8,34: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach"). Die neue Aufgabe der Jünger wird mit "Menschen fischen" beschrieben. Aus diesem Anfang des Wirkens Jesu entfaltet sich das ganze weitere Geschehen der Jesus- und der Kirchengeschichte. Der Messias sammelt mit Vollmacht sein Volk um sich und führt es in die Nachfolge: Anfang der Kirche Jesu Christi.