19.02.2018

Lesungen 04.02.2018


1. Lesung vom 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Ijob 7,1-4. 6-7

Lesung aus dem Buch Ijob:

Ijob ergriff das Wort und sprach:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt,
wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe,
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich:
Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage,
der Faden geht aus, sie schwinden dahin.
Denk daran, daß mein Leben nur ein Hauch ist.
Nie mehr schaut mein Auge Glück.



Die Auswahl dieser Lesung entspricht dem Aspekt der Heilung aus dem Evangelium. Wie kann man mit Krankheit umgehen? Ijob demonstriert in dieser Stelle Gelassenheit. Krankheit und Schwäche gehören zum Leben. Warum sich also aufregen? Dabei ist die ausgewählte Stelle nur eine Variante der Rede Ijobs in den Kapiteln 6+7. Nachdem Elifas keine brauchbaren Antworten gegeben hat, spielt Ijob selbst weitere Gedanken durch, die sich auch nicht als tragfähig erweisen. So wie Petrus sich nicht mit dem Kranksein der Schwiegermutter abgibt und Jesus ruft, wird auf Ijobs Versuch Bildad in Ijob 8 weitere Erklärungen versuchen.


Die Lesung ist Teil des ersten Redeganges des grossen Dulder Hiob. Nach seiner Klage im Monolog, in der er all das Leid beschreibt, das ihm als frommen Mann widerfahren ist, versucht Hiob, im Gespräch mit seinen Freunden eine Antwort auf die Ursache und Zweck des Leidens zu finden. Seine Freunde geben ihm folgende Möglichkeiten zur Antwort: - Leid ist Folge menschlicher Schuld. - Leid gehört zur Natur des Menschen. - Leid ist eine Form göttlicher Zurechterweisung und Erziehung. - Leid ist eine Prüfung des Frommen. Die letzte Antwort findet sich, wenn der Mensch von seiner Anthropozentrik Abschied nimmt und sich auf Gott und sein Wirken in der Schöpfung ausrichtet. In der Theozentrik und Kosmozentrik ist der Mensch im Leid nicht mehr auf sich zurückgeworfen, sondern öffnet sich der Horizont auf das Gesamt der Schöpfung, in der Gott erfahrbar wird – auch im Leid. Das Buch Hiob zeigt nicht einen Weg auf, das Leid zu verstehen, sondern hilft dem Leidenden, das Leid zu bestehen. Dementsprechend wird auch die Dynamik des Buches dieser Absicht und Aussage unterstellt sein. In unserem Abschnitt der Lesung stehen wir noch am Beginn dieses Weges. Noch ist die Klage über die natürlichen Grenzen unseres menschlichen Seins durch Alter und Krankheit im Ohr. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird gestellt. Die stille Hoffnung auf Lohn und Glück, die zwischen den Zeilen steht, sucht ihren Ausdruck. Das Buch Hiob lädt die Leser ein, sich mit ihrer ganzen Befindlichkeit in die Gestalt des Hiob hineinzuversetzen und mit ihm den Weg zu gehen, als ein Mensch, der nach einer Antwort sucht und sich nicht mit den Fragen zufrieden gibt.


Ungekürzte Fassung der 1. Lesung vom 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B
Ijob 7,1-7

Lesung aus dem Buch Ijob:

Ijob ergriff das Wort und sprach:
Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?
Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?
Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt,
wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet.
So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe,
und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.
Lege ich mich nieder, sage ich:
Wann darf ich aufstehn?
Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert.
Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf,
meine Haut schrumpft und eitert.
Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage,
der Faden geht aus, sie schwinden dahin.
Denk daran, daß mein Leben nur ein Hauch ist.
Nie mehr schaut mein Auge Glück.


Antwortpsalm am 5. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 147,1-6

R Lobet den Herrn;
er heilt die gebrochenen Herzen. - R
(Oder: Halleluja.)

Gut ist es, unserem Gott zu singen;
schön ist es, ihn zu loben.
Der Herr baut Jerusalem wieder auf,
er sammelt die Versprengten Israels. - (R)

Er heilt die gebrochenen Herzen
und verbindet ihre schmerzenden Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne
und ruft sie alle mit Namen. - (R)

Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft,
unermesslich ist seine Weisheit.
Der Herr hilft den Gebeugten auf
und erniedrigt die Frevler. - R


2. Lesung vom 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kor 9,16-19. 22-23

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Wenn ich das Evangelium verkünde,
kann ich mich deswegen nicht rühmen;
denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!
Wäre es mein freier Entschluß, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde.
Was ist nun mein Lohn?
Daß ich das Evangelium unentgeltlich verkünde
und so auf mein Recht verzichte.
Da ich also von niemand abhängig war,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
Den Schwachen wurde ich ein Schwacher,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,
um an seiner Verheißung teilzuhaben.



Freiheit ist ein hohes Gut - auch für Christen. Freiheit ist ein Geschenk Gottes an uns - so sieht es auch Paulus. In 1 Kor 8 ist dies dargelegt. Dieses Geschenk fordert zur Antwort heraus - und zur Vervielfachung. Also verkündet Paulus das Evangelium und beschreibt es selbst als Zwang. Ausgelassen sind in der Lesung die Verse 1 Kor 9,20f. In ihnen sind weitere Beispiele für das Anliegen, das wir in 1 Kor 9,19 und 22 finden: für den Einzelnen die Form der Verkündigung finden, die ihn überzeugt und die ihn zum Glauben an Christus bringt.


Geschrieben um 50 n. Chr. in Ephesus ist der erste Korintherbrief ein Pastoralschreiben des Paulus für diese junge Christengemeinde, die vor vielerlei Probleme – auch in der Abgrenzung und Auseinandersetzung mit den heidnischen Wurzeln (Kap 8). Im 9. Kapitel richtet Paulus den Blick auf sich selbst und seine Beziehung zur Gemeinde in Korinth. Sein Apostelamt beinhaltet zunächst und in einer Dringlichkeit die Verkündigung des Evangeliums. Alles, was der Verkündigung der frohen Botschaft Christi im Weg ist, muss beseitigt werden. Es geht um eine glaubhafte Verkündigung des Evangeliums. Es geht auch darum, alles zu tun, damit die Menschen die Frohe Botschaft Christi annehmen können. Paulus kommt nicht daran vorbei. Sein Lohn liegt nicht im irdischen Entgelt, sondern im Gegenteil: Wenn Paulus es gerade unentgeltlich verkündet, liegt in dieser Freiheit sein Lohn: nämlich die Teilhabe an der Verheißung des Evangeliums. Auch darin wird Paulus ein Vorbild nicht nur für die junge Gemeinde in Korinth.


Ungekürzte Fassung der Lesung vom
5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kor 9,16-23

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Wenn ich das Evangelium verkünde,
kann ich mich deswegen nicht rühmen;
denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!
Wäre es mein freier Entschluß, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde.
Was ist nun mein Lohn?
Daß ich das Evangelium unentgeltlich verkünde
und so auf mein Recht verzichte.
Da ich also von niemand abhängig war,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen;
denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich,
obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe,
einer unter dem Gesetz geworden,
um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen.
Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser -
nicht als ein Gesetzloser vor Gott,
sondern gebunden an das Gesetz Christi -,
um die Gesetzlosen zu gewinnen.
Den Schwachen wurde ich ein Schwacher,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,
um an seiner Verheißung teilzuhaben.


Ruf vor dem Evangelium am 5. Sonntag im Jahreskreis (B)
vgl. Mt 8,17


Halleluja. Halleluja.
Christus hat unsere Leiden auf sich genommen,
unsere Krankheiten hat er getragen.
Halleluja.


Evangelium vom 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 1,29-39

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes
in das Haus des Simon und Andreas.
Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett.
Sie sprachen mit Jesus über sie,
und er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf.
Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.
Am Abend, als die Sonne untergegangen war,
brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten,
und trieb viele Dämonen aus.
Und er verbot den Dämonen zu reden;
denn sie wußten, wer er war.
In aller Frühe, als es noch dunkel war,
stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm:
Alle suchen dich.
Er antwortete: Laßt uns anderswohin gehen,
in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige;
denn dazu bin ich gekommen.
Und er zog durch ganz Galiläa,
predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.



Manche beschreiben das Markusevangelium als Kreuzigungsbericht mit langer Einleitung. Wer vor dem Hintergrund den Tod Jesu als Zeichen der Liebe Gottes verstehen will, muss davon gehört haben. So sind nicht die Zeichen Jesu das Entscheidende, sondern seine Worte. Sie schöpft er aus der Begegnung mit dem Vater. Wie in der Szene vor dem heutigen Evangelium und auch danach geht es im 1. Kapitel des Markus (und auch im Anfang des 2. Kapitels) immer wieder um die Wirkung von Wort und Zeichen. Jesu Zeichen sollen die Botschaft der Worte unterstreichen. Doch sie verselbstständigen sich. Also sucht Jesus einen Neuanfang aus der Stille beim Vater in einer neuen Verkündigung, die mit Zeichen bestätigt wird. Und der Kreislauf beginnt von neuem.


Am Beginn des Wirkens Jesu beschreibt der Evangelist Markus recht ausführlich einen „Arbeitstag“ Jesu. Teil dieser Beschreibung ist das gehörte/gelesene Evangelium. Nach der Austreibung eines Dämons in der Synagoge wird die Beschreibung des Tages fortgesetzt und darin gleichzeitig erläutert, auf welche Art und Weise sich der Ruf Jesu in ganz Galiläa ausbreitet: durch das heilvolle Tun Jesu, das zugleich hinweisen und Zeichen sein möchte für das Heil, das von Gott kommt. Das Evangelium kann man in drei Teile untergliedern: a) im Haus der Schwiegermutter des Simon: Heilung ohne Worte. b) Nach Sonnenuntergang vor dem Haus der Schwiegermutter: Zusammenfassung, verbunden mit dem Schweigegebot an die Dämonen. c) Einsamer Ort/ganz Galiläa: Zeit des Sich-Sammelns und des Aufbruches. Die drei Teile zeigen, wie das Evangelium aufeinander zugeordnet ist: nach der Zeit der heilvollen Tätigkeit braucht es die Zeit des Gebetes. Die Zeit ist noch nicht reif, dass die Menschen die wahre Identität Jesu als Messias und Erlöser erfahren. Die Weichen zur Offenbarung Jesu sind gestellt.