20.04.2018

Lesungen 15.04.2018


1. Lesung vom
3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Apg 3,12a. 13-15. 17-19

Lesung aus der Apostelgeschichte

Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk:
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter,
hat seinen Knecht Jesus verherrlicht,
den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt,
obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet
und die Freilassung eines Mörders gefordert.
Den Urheber des Lebens habt ihr getötet,
aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Dafür sind wir Zeugen.
Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt,
ebenso wie eure Führer.
Gott aber hat auf diese Weise erfüllt,
was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündigt hat:
dass sein Messias leiden werde.
Also kehrt um, und tut Buße,
damit eure Sünden getilgt werden.



Der Ausschnitt, der vorgetragen wird, ist einer Predigt des Petrus entnommen, wie sie in der Apostelgeschichte überliefert wird. Es handelt sich um die Fortsetzung der Pfingstpredigt. Pfingsten legt Ostern aus, Pfingsten verteilt die Ostererfahrung, Pfingsten verbindet die Kirche unzertrennlich mit Ostern. Bezeichnenderweise endet das Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit da, wo die Apostelgeschichte einsetzt - gemeinsamer Verfasser ist der Evangelist Lukas. Was sieht Petrus? Petrus sieht nach der Heilung des Gelähmten (3,1-11) "alles Volk" zu ihm, Johannes und dem Geheilten "laufen" – und Lukas merkt an: "und sie wunderten sich sehr". Heilungsgeschichten Jesu stehen nicht nur im Hintergrund, sie werden sozusagen verlängert. Aber was Petrus in seiner Predigt sagt, legt Jesu Geschick und Verheißung aus. Schon der erste Satz fasst zusammen, was die "Männer von Israel" (3,12) – in der Heilung - gesehen haben: dass der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, seinen Knecht Jesus verherrlicht hat. Die Heilungsgeschichte wird als Ostergeschichte bezeugt. Die Predigt schließt mit dem Ruf zur Umkehr. Die Umkehr jedoch erweist sich nunmehr als Anteil an der Auferstehung. Nichts liegt dem Ruf zur Umkehr ferner als alte Geschichten aufzuwärmen oder alte Rechnungen aufzumachen. Gleichwohl bleibt die Erinnerung und das "Gedächtnis" wichtig: Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.


Die 1. Lesung dieses Sonntags bringt einen Teil einer Petruspredigt, die er unmittelbar nach der Heilung eines Gelähmten im Tempelbezirk an das Volk gerichtet vorträgt. Der für die Liturgie vorgesehene Text schneidet dabei die Heilungserzählung heraus und beschränkt sich auf den Text der Rede (vgl. ungekürzte Fassung). Die Predigten der Apostelgeschichte enthalten vor allem theologische Reflexionen des Verfassers und sind nicht als historische Reden der Apostel zu verstehen. Inhaltlich setzt sich dieser Teil der Predigt mit einem den Christen der ersten Generation vertrauten Thema auseinander: Wie konnte es geschehen, daß sich die meisten Juden weder von der Predigt des Jesus von Nazareth noch von der Botschaft der Auferstehung des Jesus Christus überzeugen ließen. Ihnen geht es um den Beweis, daß Tod und Auferstehung Jesu in der Linie der jüdischen Traditon liegt. Der Prediger knüpft an den Hoffnungen der Stammväter Israels an und stellt die Geschehnisse an Jesus als von den Propheten im voraus verkündigt heraus. Die Schuldfrage am Tod Jesu wird akzentuiert den Juden angelastet. In der Annahme der Predigt der Apostel eröffnet sich den Juden aber die Möglichkeit umzukehren und an Jesus als Messias zu glauben.


Ungekürzte Fassung der
Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Apg 3,1-19:

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde
zum Gebet in den Tempel hinauf.
Da wurde ein Mann herbeigetragen,
der von Geburt an gelähmt war.
Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels,
das man die Schöne Pforte nennt;
dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah,
bat er sie um ein Almosen.
Petrus und Johannes blickten ihn an,
und Petrus sagte: Sieh uns an!
Da wandte er sich ihnen zu und erwartete,
etwas von ihnen zu bekommen.
Petrus aber sagte:
Silber und Gold besitze ich nicht.
Doch was ich habe, das gebe ich dir:
Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!
Und er faßte ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf.
Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
er sprang auf, konnte stehen und ging umher.
Dann ging er mit ihnen in den Tempel,
lief und sprang umher und lobte Gott.
Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
Sie erkannten ihn als den,
der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte.
Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das,
was mit ihm geschehen war.

Da er sich Petrus und Johannes anschloß,
lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen,
außer sich vor Staunen.
Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk:
Israeliten, was wundert ihr euch darüber?
Was starrt ihr uns an,
als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt,
daß dieser gehen kann?
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter,
hat seinen Knecht Jesus verherrlicht,
den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt,
obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet
und die Freilassung eines Mörders gefordert.
Den Urheber des Lebens habt ihr getötet,
aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Dafür sind wir Zeugen.
Und weil er an seinen Namen geglaubt hat,
hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt,
zu Kräften gebracht;
der Glaube, der durch ihn kommt,
hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt,
ebenso wie eure Führer.
Gott aber hat auf diese Weise erfüllt,
was er durch den Mund aller Propheten im voraus verkündigt hat:
daß sein Messias leiden werde.
Also kehrt um, und tut Buße,
damit eure Sünden getilgt werden.


2. Lesung vom
3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
1 Joh 2,1-5a

Lesung aus der ersten Johannesbrief

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt.
Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater:
Jesus Christus, den Gerechten.
Er ist die Sühne für unsere Sünden,
aber nicht nur für unsere Sünden,
sondern auch für die der ganzen Welt.
Wenn wir seine Gebote halten,
erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben.
Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!,
aber seine Gebote nicht hält,
ist ein Lügner,
und die Wahrheit ist nicht in ihm.
Wer sich aber an sein Wort hält,
in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.



Johannes ist für dichte Gedankenführungen bekannt. In wenigen Sätzen entfaltet er das Panorama christlichen Lebens: Es beginnt damit, Jesus Christus, den Gerechten, als "Beistand" zu bekennen. Er ist der Anwalt und Fürsprecher. Gerade weil er die Sünden der ganzen Welt gesühnt hat. Im Hintergrund ist sein Kreuz zu sehen. Wie Menschen ihn erkennen? Indem sie seine Gebote halten. Johannes formuliert sogar, dass die Gottesliebe in dem Menschen "wahrhaft" vollendet ist, der sich an sein Wort hält. Gebote und Wort sind Synonyme für den Anspruch, den Jesus erheben kann - als der, der die Sünden der ganzen Welt gesühnt hat. Besonders liebt Johannes "Erkenntnis": Sie ist kein theoretischer oder abschließbarer Vorgang, der sich in einem Wissen oder einer Kenntnis erschöpft, sondern ein anderes Wort für Liebe, die sich ganz auf Jesus einlässt und dabei nicht weniger als "Wahrheit" findet - oder, anders formuliert: das ganze Leben. In der johanneischen Sehweise: In dem Menschen, der sich an Jesu Wort hält, wird die Gottesliebe wahrhaft vollendet. Also nicht stückweise, vorübergehend, teilweise - sondern ganz und ohne jeden Vorbehalt.


Die Texte der Johannesbriefe lassen sich schwer systematisieren. Der Verfasser folgt einer eher assoziativen Logik. Schwerpunkte dieses Briefabschnittes ist die Klärung des Verhältnisses des Christen zur Sünde und zu den Geboten. Johannes setzt sich in diesem Abschnitt jedoch auch mit Irrlehren auseinander, die den Hauptakzent ihres Christseins in der Erkenntnis Gottes und in der Erkenntnis Christi sahen und die Beachtung der Gebote nicht für wichtig hielten. Gottesliebe, Gotteserkenntnis und das Halten der Gebote lassen sich jedoch nicht voneinander trennen.


Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Lk 24, 35-48

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten,
trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Sie erschraken und hatten große Angst,
denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt?
Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?
Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst.
Fasst mich doch an, und begreift:
Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben.
Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sprach er zu ihnen:
Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war:
Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.
Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.
Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift:
Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden,
sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
Ihr seid Zeugen dafür.



Mit der Geschichte von den Emmausjüngern bildet unser Sonntagsevangelium einen Nachtrag zur Ostergeschichte. Erzählt werden Begegnungen mit dem Auferstandenen. Das ist eine wichtige Entdeckung: der Auferstandene kommt zu den Menschen, die mit dem, was sie gehört haben, nicht fertig werden. "Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!" Das Evangelium hat zwei Teile: Im ersten (24, 35-42) erleben die Jünger, dass ihr Herr tatsächlich von den Toten auferstanden ist. Sie sehen seine Hände und Füße, werden aber auch zu Zeugen, dass er den Fisch isst, den sie ihm geben. Es ist also kein Geist, der ihnen erscheint - wie die Jünger meinen (Vers 37). Aber auch in diesem Teil ist es Jesus, der die Vorbehalte, Ängste und Zweifel aufnimmt. Er schenkt die Nähe, die die Jünger beim Tod Jesu endgültig verloren glaubten. - Im zweiten Teil (24,43-48) öffnet Jesus seinen Jüngern die Schrift. Waren es in der Geschichte von den Emmausjüngern nur die beiden, die Gottes "Muss" sehen lernen (24, 26-28), werden hier alle Jünger eingewiesen. Es geht in diesem Teil aber nicht mehr nur darum, die Schrift zu verstehen (= AT), sondern Umkehr und Sündenvergebung in Jesu Namen unter allen Völkern zu verkünden. Die Jünger, denen der Auferstandene begegnet und ihnen Gottes Weg auslegt, werden zu Zeugen - und zu Zeugen gemacht! Was sie verkündigen werden, erwächst aus ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen. Umkehr und Sündenvergebung sind österliche Erfahrungen.


Die Ostererzählungen der Evangelisten weichen mit Ausnahme der Erzählungen vom leeren Grab stark von einander ab. Vermutlich greifen die einzelnen Verfasser unterschiedliche Überlieferungen auf. Gleichzeitig lassen die uns vorliegenden Erzählungen erkennen, dass sich die junge Kirche mit massiven Angriffen gegen den Glauben an die Auferstehung auseinandersetzen musste. Lukas überliefert uns die Erzählung von der Auffindung des leeren Grabes, lässt darauf die Emmauserzählung folgen und schließt sein Evangelium mit einer Erscheinung des Auferstandenen vor den versammelten Jüngern und der Himmelfahrt Jesu. Entgegen der Apostelgeschichte, die vom selben Autor stammt, geschieht das alles an einem einzigen Tag. Der Evangelist greift einzelne Motive auf, die auch in anderen Erzählungen vom Auferstandenen vorkommen: Plötzliches Erscheinen Jesu, Angst und Zweifel als Reaktionen der Jünger, Schauen und Berühren zur Vergewisserung, Schriftbeweise. All diese Motive dürften auch im Alltag der jungen Gemeinde eine bedeutende Rolle eingenommen haben. In unserer Erzählung wird das Essen vor den Augen der Jünger besonders betont. Damit soll offenbar einem unkörperlich verstandenen Auferstehungsglauben begegnet werden.