20.04.2018

Lesungen 22.04.2018


1. Lesung vom
4. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Apg 4,8-12  

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen sagte Petrus zu ihnen, erfüllt vom Heiligen Geist:
Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen:
im Namen Jesu Christi, des Nazoräers,
den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat.
Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
Er (Jesus) ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde,
der aber zum Eckstein geworden ist.
Und in keinem anderen ist das Heil zu finden.
Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben,
durch den wir gerettet werden sollen.



Zunächst ist der größere Zusammenhang von Apg 3,1 - 4,31 zu beachten, denn die Stellung einer Perikope im Kontext ist oft der älteste Kommentar, der gegeben wird: Nach dem unmittelbaren Pfingstereignis folgt in diesem Abschnitt die erste große Konfrontation mit dem Judentum. Daraus kommt das Gesamtkonzept des Lukas zu Tage: Lösung aus der judaistischen Mission hin zur Heidenmission. Die Worte des Petrus sind eine Missionsrede; ein öffentliches Wort, eine Komposition, die an "das ganze Volk" gerichtet ist. Die anwesende höchste Behörde des Judentums ist nur Repräsentant für Gesamtisrael zum Zweck der Konfrontation. Die Petruspredigt geht in Wahrheit an die Leser des Lukas-Werkes. In Wendungen aus dem bekannten altchristlichen Sprachschatz erfolgt die Rede und geht über den konkreten Anlaß - die Lahmenheilung - hinaus. Heil und Heilung sind nicht voneinander zu trennen. Daß in der Apostelgeschichte viele Wunder, Geistwirkungen und göttliche Eingriffe erfolgen, will eine Grundaussage dokumentieren: Die Auferstehung Jesu war nicht ein vergangenes Ereignis, sondern ist ein gegenwärtiges. Die Auferstehung greift in die geschichtliche Situation. Die Negation "in keinem anderen" ist urchristliche Grundformel geworden: "Rettung ist durch keine andere Kraft als durch den großen und herrlichen Namen Gottes." Die Heilung ist nicht ein malerischer Wunderbeweis, sondern ein Zeugnis, daß das Jesusheil wirksam ist. Das Heil ist gegenwärtig; es beginnt mit der Auferstehung, noch verborgen im Glauben, wird es aber Schritt für Schritt offenbar bis zum Tag der Wiederkunft.


Antwortpsalm, 4. Sonntag der Osterzeit (B)
Ps 118,1.4. 8-9. 21-22. 23.26. 28-29


R: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden. - R
oder: Halleluja


Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.
So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren:
Denn seine Huld währt ewig. - (R)

Besser, sich zu bergen beim Herrn,
als auf Menschen zu bauen.
Besser, sich zu bergen beim Herrn,
Als auf Fürsten zu bauen. - (R)

Ich danke dir, dass du mich erhört hast;
Du bist für mich zum Retter geworden.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
er ist zum Eckstein geworden. - (R)

Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Wir segnen euch, vom Haus des Herrn her. - (R)

Du bist mein Gott, dir will ich danken;
Mein Gott, dich will ich rühmen.
Danket dem Herr, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. - R


2. Lesung vom 4. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
1 Joh 3,1-2

Lesung aus dem ersten Johannesbrief.

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.
Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.
Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.



Ein Grundthema johannäischer Theologie ist der scharfe Gegensatz zwischen Gott und Unheilswelt, auf die sich die Neugetauften und die von Irrlehren Bedrängten und wohl auch von äußeren Anfeindungen schikanierten Christen an der kleinasiatischen Küste gefaßt machen müssen. Die Vollendung des jetzigen Heilszustandes, die gegenwärtige Verborgenheit und die zukünftige enthüllte Herrlichkeit ist dem Verfasser ein wichtiges Anliegen. Der Christ kann sich nur als ein erwartender richtig verstehen. Seine Kindschaft ist Adoption als täglicher Anruf. Das Ärgernis am Christen ist, daß der Glaube für die Welt undurchsichtig, fremd, rätselhaft macht. Nicht Identität und Apotheose, sondern Ähnlichkeit aufgrund von Berufung ist gemeint. Die Gottähnlichkeit ist nie als Gottgleichheit zugesichert. Auf Erden gibt es keine unmittelbare Gottesschau. Dagegen polemisiert der ganze Brief wie das Johannesevangelium. Aus Gotteskindschaft in der eschatologischen Stunde der Hoffnung die Gottesnähe, das heißt die Gottähnlichkeit.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Sonntag der Osterzeit (B)
Vers: Joh 10,14


Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der gute Hirt.
Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.
Halleluja.


Evangelium vom 4. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Joh 10,11-18

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach jesus:
Ich bin der gute Hirt.
Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören,
läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht;
und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander.
Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist
und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt;
ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne;
und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind;
auch sie muß ich führen,
und sie werden auf meine Stimme hören;
dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater,
weil ich mein Leben hingebe,
um es wieder zu nehmen.
Niemand entreißt es mir,
sondern ich gebe es aus freiem Willen hin.
Ich habe Macht, es hinzugeben,
und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.
Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.



In der altorientalischen Literatur ist "Hirt" Beiwort für den Herrscher, der für seine Untergebenen alle jene Funktionen ausübt, die der Hirte seiner Herde gegenüber hat - weiden, sammeln, stützen und schützen. In gleicher Weise werden auch die Götter als Hirten bezeichnet. Das AT kennt zwar die direkte Bezeichnung Gottes als eines Hirten nur an wenigen Stellen, wendet aber Einzelzüge der Hirtentätigkeit auf Jahwes Verhalten gegenüber seinem Volk an (Ps 68,8). Die wichtigste Ausführung der Hirtenallegorie ist jene in Ez 34. Im Bild des Hirten, zumindest wie es von Ez 34 geprägt ist, steht in erster Linie die im Bund begründete Treue Jahwes seinem Volk gegenüber im Vordergrund. Es ist zu beachten, daß ausschließlich Jahwe selbst die Tätigkeiten des guten Hirten zugeschrieben werden, die im Führen, Sammeln, Stützen, Weiden bestehen, während die "Hirten Israels" fast ausschließlich wegen der Versäumnisse getadelt werden. Auf diesem Hintergrund gewinnt die Selbstbezeichnung des johannäischen Jesus als des "guten Hirten" schlechthin ihr eigentliches Gewicht. Mit der neuen offenbarenden Selbstaussage in Vers 11 wird ein neuer Gedanke aufgegriffen. Auf dem Hintergrund der Kritik an den schlechten Hirten Israels und der Zuschreibung der Hirtentätigkeit des "guten Hirten" auf Jahwe selbst sagt der johannäische Jesus von sich: "Ich bin der gute Hirte", wobei dieses Gutsein des Hirten durch den nächsten Satz besonders spezifiziert wird: Die Lebenshingabe ist das dominierende Kennzeichen des "guten Hirten". Der "Mietling", der auf meist schlechter Lohnbasis die Herde eines anderen weidete, ist der Prototyp eines schlechten Hirten. In den Versen 14-16 wird, gleichsam zur Bekräftigung, die vorhergehende Aussage wiederholt, allerdings mit einem neuen Gedanken verbunden, mit dem des gegenseitigen Kennens von Hirte und Herde. Ein neuer Gedanke wird in V 16 aufgegriffen. Vom Hirten weg wird auf den "Stall" zurückgegangen. Hier liegt aber schon metaphorisch-allegorische Rede vor. Die Hauptfrage geht dahin, wer mit den "anderen Schafen, die nicht aus dieser Herde sind" gemeint sein könnte. Wahrscheinlich wohl, im Blick auf die johannäische Gemeinde, Christusglaubende aus dem Bereich der Heiden. Aus der Lebenshingabe des guten Hirten entsteht dann - so lassen sich die beiden Gedanken verbinden - die eine, neue Gemeinde aus Juden und Heiden. Der Gedanke, daß die eine Gemeinde aus Juden und Heiden Frucht der Lebenshingabe Jesu ist, findet sich auch in Joh 11,52 und schließlich in Eph, wo den Heiden gesagt wird, daß sie durch das Blut Christ von "Fernen" zu "Nahen" geworden sind.