28.06.2017

Kontexte 06.01.2009


Zuflucht noch hinter der Zuflucht

Reiner Kunze, gespräch mit der amsel (1984) Zitiert im Kalender "der andere advent", 6.1. Dreikönigsfest.


Für Peter Huchel

Hier
ruft nur gott an

Unzählige leitungen läßt er legen
vom dach des leeren kuhstalls
aufs dach des leeren schafstalls
schrillt aus hölzerner rinne
der regelstrahl

Was machst du, fragt gott

Herr, sag ich, es
regnet, was
soll man tun

Und seine antwort wächst
grün durch alle fenster



Der Morgenstern ist aufgedrungen

Strophe 1: 15. Jahrhundert, Strophen 2-4: Daniel Rumpius 1587, bearbeitet von Otto Riehtmüller 1932, in: EG 69.


Der Morgenstern ist aufgedrungen,
er leucht' daher zu dieser Stunde
hoch über Berg und tiefe Tal,
vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.

»Wacht auf«, singt uns der Wächter Stimme
vor Freuden auf der hohen Zinne:
»Wacht auf zu dieser Freudenzeit!
Der Bräut'gam kommt, nun machet euch bereit!«

Christus im Himmel wohl bedachte,
wie er uns reich und selig machte
und wieder brächt ins Paradies,
darum er Gottes Himmel gar verließ.

O heilger Morgenstern, wir preisen
dich heute hoch mit frohen Weisen;
du leuchtest vielen nah und fern,
so leucht auch uns, Herr Christ, du Morgenstern!



O König aller Ehren

Martin Behm 1606, in: EG 71.


O König aller Ehren,
Herr Jesu, Davids Sohn,
dein Reich soll ewig währen,
im Himmel ist dein Thron;
hilf, daß allhier auf Erden
den Menschen weit und breit
dein Reich bekannt mög werden
zur Seelen Seligkeit.

Von deinem Reich auch zeugen
die Leut aus Morgenland;
die Knie sie vor dir beugen,
weil du ihn' bist bekannt.
Der neu Stern auf dich weiset,
dazu das göttlich Wort.
Drum man zu Recht dich preiset,
daß du bist unser Hort.

Du bist ein großer König,
wie uns die Schrift vermeld't,
doch achtest du gar wenig
vergänglich Gut und Geld,
prangst nicht auf stolzem Rosse,
trägst keine güldne Kron,
sitzt nicht im steinern Schlosse;
hier hast du Spott und Hohn.

Doch bist du schön gezieret,
dein Glanz erstreckt sich weit,
dein Güt allzeit regieret
und dein Gerechtigkeit.
Du wollst die Frommen schützen
durch dein Macht und Gewalt,
daß sie im Frieden sitzen,
die Bösen stürzen bald.

Du wollst dich mein erbarmen,
in dein Reich nimm mich auf,
dein Güte schenk mir Armen
und segne meinen Lauf.
Mein' Feinden wollst du wehren,
dem Teufel, Sünd und Tod,
daß sie mich nicht versehren;
rett mich aus aller Not.

Du wollst in mir entzünden
dein Wort, den schönen Stern,
daß falsche Lehr und Sünden
sein meinem Herzen fern.
Hilf, daß ich dich erkenne
und mit der Christenheit
dich meinen König nenne
jetzt und in Ewigkeit.



Licht, das in die Welt gekommen

Rudolf Stier 1827, in: EG 552.


Licht, das in die Welt gekommen,
Sonne voller Glanz und Pracht,
Morgenstern, aus Gott entglommen,
treib hinweg die alte Nacht;
zieh in deinen Wunderschein
bald die ganze Welt hinein.

Gib dem Wort, das von dir zeuget,
einen allgewalt'gen Lauf,
daß noch manches Knie sich beuget,
sich noch manches Herz tut auf,
eh die Zeit erfüllet ist,
wo du richtest, Jesu Christ.

Wo du sprichst, da muß zergehen,
was der starre Frost gebaut;
denn in deines Geistes Wehen
wird es linde, schmilzt und taut.
Herr, tu auf des Wortes Tür,
ruf die Menschen all zu dir!

Es sei keine Sprach noch Rede,
da man nicht die Stimme hört,
und kein Land so fern und öde,
wo nicht dein Gesetz sie lehrt.
Laß den hellen Freudenschall
siegreich ausgehn überall!

Geh, du Bräut'gam, aus der Kammer,
laufe deinen Heldenpfad;
strahle Tröstung in den Jammer,
der die Welt umdunkelt hat.
O erleuchte, ewges Wort,
Ost und West und Süd und Nord!

Komm, erquick auch unsre Seelen,
mach die Augen hell und klar,
daß wir dich zum Lohn erwählen,
vor den Stolzen uns bewahr.
Ja, laß deinen Himmelsschein
unsres Fußes Leuchte sein!



Die Weisen aus dem Morgenland

Maria Luise Thurmair 1952, in: EG 553.


Die Weisen aus dem Morgenland,
die zogen her von fern.
Der Weg war ihnen unbekannt.
Es führte sie ein Stern.

Sie wollten gern das Kindlein sehn,
den König aller Welt.
Der Stern blieb überm Stalle stehn
zu Bethlehem im Feld.

Sie traten ein und sahn das Kind.
Da freuten sie sich sehr.
Sie fielen auf die Knie geschwind
und legten alles her:

Gold, Weihrauch, Myrrhe brachten sie
dem Kind zum Opfer dar,
das da, so arm im Stall beim Vieh,
ihr Gott und König war



Rast auf der Flucht in Ägypten

Rainer Maria Rilke, Rast auf der Flucht nach Ägypten, in: ders., Die Gedichte, itb2246, Frankfurt und Leipzig: Insel 1998, S. 618f.


Diese, die noch eben atemlos
flohen mitten aus dem Kindermorden:
o wie waren sie unmerklich groß
über ihrer Wanderschaft geworden.

Kaum noch dass im scheuen Rückwärtsschauen
ihres Schreckens Not zergangen war,
und schon brachten sie auf ihrem grauen
Maultier ganze Städte in Gefahr;

denn so wie sie, klein im großen Land,
- fast ein Nichts - den starken Tempeln nahten,
platzten alle Götzen wie verraten
und verloren völlig den Verstand.

Ist es denkbar, dass von ihrem Gange
alles so verzweifelt sich erbost?
und sie wurden vor sich selber bange,
nur das Kind war namenlos getrost.

Immerhin, sie mussten sich darüber
eine Weile setzen. Doch da ging -
siehe: der Baum, der still sie überhing,
wie ein Dienender zu ihnen über:

er verneigte sich. Derselbe Baum,
dessen Kränze toten Pharaonen
für das Ewige die Stirnen schonen,
neigte sich. Er fühlte neue Kronen
blühen. Und sie saßen wie im Traum.



Das Leid ist ausgelitten

Heinrich Heine, Zu "Seraphine", in: Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge, hrsg. Klaus Breigleb, Frankfurt und Leipzig: Insel 2005, S. 288f.


Auf diesem Felsen bauen wir
Die Kirche von dem dritten,
Dem dritten neuen Testament;
Das Leid ist ausgelitten.

Vernichtet ist das Zweierlei,
Das uns so lang betöret;
Die dumme Leiberquälerei
Hat endlich aufgehöret.

Hörst du den Gott im finstern Meer?
Mit tausend Stimmen spricht er.
Und siehst du über unserm Haupt
Die tausend Gotteslichter?

Der heilge Gott der ist im Licht
Wie in den Finsternissen;
Und Gott ist alles was da ist;
Er ist in unseren Küssen.



Ich warte auf meinen Stern

Griesbeck, Josef: ankommen : Neue Themen, Text und Meditationen für gottesdienstliche Feiern. Freiburg in Breisgau : Herder, 1999; 99.