16.12.2017

Kontexte 25.12.2009


Alle mütterliche Liebe hat uns umarmt

Hildegard von Bingen auf: http://www.kloster-ingenbohl.ch/meditation/weihnacht.htm


In der Herabkunft des Wortes Gottes
hat uns alle mütterliche Liebe umarmt.
Wir sehen seine Macht und Hoheit,
die ihm der Vater gegeben hat.

In der Menschwerdung seines Wortes
hat Gott uns in mütterlicher Liebe umarmt.
Gottes ewiger Ratschluss war:
Er wollte ein Mensch werden,
in dem die Liebe glüht.

Gottes Menschwerdung
ist die große Mitteilung seiner Liebe.
In ihr schaut der Mensch Gott ins Angesicht.

Gottes Menschwerdung
ist die große Mitteilung seiner Liebe.



Meine Sehnsucht wach halten

Aus: Pierre Stutz, Weihnachten - unserer Sehnsucht folgen. Herder Spektrum, Freiburg Basel Wien 2001.


Aus der Kraft von Bethlehem leben
das göttliche Kind in mir entdecken
in meinen Fähigkeiten
in meinem inneren Feuer
in meiner Lebensaufgabe

Aus der Kraft von Bethlehem leben
den Stall in mir entdecken
in meinen dunklen Seiten
in meinen Grenzen
in meiner Verwandlungskraft

Aus der Kraft von Bethlehem leben
die Krippe in mir entdecken
die heilsame Leere
den heiligen Raum in mir
der durch Gott erfüllt wird

Aus der Kraft von Bethlehem leben
die Weggefährtenschaft schätzen
den Aufbruch vieler Menschen guten Willens
die am Rand die Mitte erkennen

Aus der Kraft von Bethlehem leben
die Engel im Alltäglichen erfahren
in der zärtlichen Geste
im Mut zum Widerstand

Aus der Kraft von Bethlehem leben
Brot und Wein teilen
tiefste verbindende Sehnsucht:
Ich bin der ich da sein werde



Vier Schlüssel

Andreas Pohl auf: http://www.kloster-ingenbohl.ch/meditation/weihnacht.htm


Wenn du wissen willst, was Weihnachten ist,
darfst du nicht nur die Weihnachtsgeschichte lesen.
Du brauchst ein paar Schlüssel,
um dieses Geheimnis in seiner Tiefe zu begreifen.

Du brauchst den Schlüssel der Stille.
Du musst einen stillen Raum haben,
in dem du das Geschehen
im Herzen aufnehmen kannst.

Du brauchst den Schlüssel des rechten Hörens.
Du musst mit dem Herzen hören,
wie Gott in Bethlehem sein Herz
über den Menschen geöffnet hat.
"Der Glaube kommt vom Hören."

Du brauchst den Schlüssel des Aufbrechens.
Nach Bethlehem musst du gehen,
wie die Hirten, wie die Weisen.
Gott will gesucht und gefunden werden.

Du brauchst den Schlüssel der Anbetung,
des liebenden Staunens,
dein ganz persönliches Du gegenüber diesem Kind
und den Glauben an seine göttlich Herkunft.

Diese vier Schlüssel wünsche ich dir.
Sie öffnen das Tor zum Geheimnis der Heiligen Nacht.



Wie uns Gott erscheint

Aus: Joop Roeland, Die Stimme eines dünnen Schweigens. Die Quelle Verlag, Feldkirch 1992.


Die Orte
Die Zeichen
Die Namen

Jabbok
:
Engel, kämpfend
bis zur Morgenröte.
Für die, die aushalten in der Nacht,
Gott von Angesicht zu Angesicht:
Er, der segnet.

Horeb
:
Brennender Dornbusch.
Das Elend gesehen,
den Klageschrei gehört.
Für alle, die weinen:
Ich werde da sein.

Wüste
:
Wolkensäule bei Tag
für die Wegsuchenden.
Feuer in der Nacht
für die in der Finsternis.
Er, der vorangeht.

Horeb, Berghöhle
:
Nicht im Erdbeben oder Sturm,
im Feuer nicht mehr,
sondern ein Säuseln, kaum spürbar.
Für die, die ein leises Zeichen verstehen:
Stimme eines dünnen Schweigens.

Betlehem
:
Glanz in der Nacht,
Worte des Friedens,
Kind in einer Krippe.
Für alle Wartenden:
Immanuel,
Gott mit uns.



Gotteserfahrung

Elizabeth Barrett Browning , The Poetical Works, New York 1910.


Die Erde ist mit Himmel vollgepackt,
ein jeder gewöhnliche Busch brennt mit Gott. -
Aber nur der, der es sieht, zieht die Schuhe aus.
Die anderen sitzen herum und pflücken Brombeeren.



Sich rufen und verwandeln lassen

Herkunft unbekannt


Herr, öffne mir die Augen,
mach weit meinen Blick und mein Interesse,
damit ich sehen kann,
was ich noch nicht erkenne.

Herr öffne mir die Ohren,
mach mich hellhörig und aufmerksam,
damit ich hören kann,
was ich noch nicht verstehe.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,
das sich deinem Wort und deiner Treue überlässt
und zu tun wagt,
was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiß, dass ich nur lebe,
wenn ich mich von dir rufen
und verwandeln lasse.
Amen



Der Anfang des Gebetes

Bischof Klaus Hemmerle


Der Meister versammelte seine Jünger und fragte sie: "Wo ist der Anfang des Gebetes?" Der erste antwortete: "In der Not. Denn wenn ich Not empfinde, dann wende ich mich wie von selbst an Gott." Der zweite antwortete: "Im Jubel. Denn wenn ich jubele, dann hebt sich mir die Seele aus dem engen Gehäuse meiner Ängste und Sorgen und schwingt sich auf zu Gott." Der dritte: "In der Stille. Denn wenn alles in mir schweigend geworden ist, dann kann Gott sprechen." Der vierte: "Im Stammeln des Kindes. Denn erst wenn ich wieder werde wie ein Kind, wenn ich mich nicht schäme, vor Gott zu stammeln, dann ist er ganz groß und ich bin ganz klein, und dann ist alles gut." Der Meister antwortete: "Ihr habt alle gut geantwortet. Aber es gibt noch einen Anfang, und der ist früher als alle jene, die ihr genannt habt. Das Gebet fängt an bei Gott selbst. Er fängt an, nicht wir."