18.08.2017

Kontexte 25.12.2009


Ein Mensch mit Leib und Seele

Frank Greubel, In dieser Zeit Gebet; Würzburg, Vinzenz Druckerei.


Mit Leib und Seele
bist du Mensch geworden.

Warst Flüchtling und Prediger.
Warst Verfolgter und Arzt.
Warst Angeklagter und Freund.

Wurdest verfolgt und geleibt.
Wurdest verachtet und verehrt.
Wurdest geschlagen und umarmt.

Hast gehungert und gefeiert.
Hast geweint und gelacht.
Hast gelitten und triumphiert.

Aber immer bist du geblieben,
was du geworden bist.
Ein Mensch.
Mit Leib und Seele.



Ganz leise

Schwarz, Andrea; Wenn ich meinem Dunkel traue, Auf der Suche nach Weihnachten. Herder, Freiburg 1993.


Meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

die Engel
singen nicht
die Könige gehen vorbei
die Hirten bleiben
bei ihren Herden

meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

von der Öffentlichkeit
unbemerkt
von den Menschen
nicht zur Kenntnis genommen

in einen kleinen Zweizimmerwohnung
in einem Asylantenwohnheim
in einem Krankenzimmer
in nächtlicher Verzweiflung
in der Stunde der Einsamkeit
in der Freude am Geliebten



Noch einmal Mensch werden

Frank Greubel, In dieser Zeit Gebet; Würzburg, Vinzenz Druckerei.


Herr im Himmel,
vielleicht könntest du noch einmal
Mensch unter Menschen werden.
Vielleicht könntest du noch einmal
vorleben und uns erleben lassen,
was es heißt,
es dir nach zu tun
und Mensch zu werden.
Vielleicht könntest du das eine
oder andere Wort noch einmal sprechen
und ein, zwei Gleichnisse erneut erzählen.

Herr im Himmel,
vielleicht verstehen wir dann,
was es heißt zu lieben und zu ehren,
zu teilen und zu heilen,
zu leben und zu beten.

Herr im Himmel,
vielleicht könntest du noch einmal
Mensch werden. Nur noch einmal…



Ein Weg fängt an

Schwarz, Andrea; Wenn ich meinem Dunkel traue, Auf der Suche nach Weihnachten. Herder, Freiburg 1993.


Gott
du großer Gott
ein Kind im Stall

du brichst in mein Dunkel herein
teilst meine Ohnmacht
stellst dich mit Schwache
zur Seite

du weckst meine Sehnsucht
du färbst meine Träume
wartest mir auf den Anbruch
des Morgens

du lehrst mich suchen
machst Mut zum Aufbruch
lädst ein zum Leben
und gehst mit

Weihnachten

ein Weg fängt an



Ungewöhnlich?

Schwarz, Andrea; Wenn ich meinem Dunkel traue, Auf der Suche nach Weihnachten. Herder, Freiburg 1993.


kaum geboren
und schon staunen Hirten

kaum geboren
und schon
verehren weise Männer

kaum geboren
und schon
von den Mächtigen bedroht

kaum geboren
und schon
auf der Flucht

kaum geboren
und schon
mitten im Leben

trotzdem
wird Gott
Mensch

oder
gerade deswegen?



An Weihnachten hat Gott sich verlaufen

Hemmerle, Klaus; Gottes Zeit - unsere Zeit, Gedanken für jeden Tag In dieser Zeit Gebet; München, Neue Stadt, 1994.


Wenn ein Kind sich verläuft, dann geht es dorthin, wohin es nicht gehört.
Ja, an Weihnachten hat Gott sich verlaufen - nicht nur wie ein Kind, sondern als Kind - dorthin, wohin er nicht "gehört". Er ist nicht in der verschlossenen Herrlichkeit seines Himmels geblieben, sondern er hat sich verlaufen zu den Kleinen und Armen, zu den Kranken und Trauerenden, zu jenen, von denen wir wähnen, sie seien fern von Gott und hätten nichts mit ihm zu tun.

Gott hat sich verlaufen dorthin, wohin der verlorene Sohn sich verlaufen hat, weit weg vom Vaterhaus, um in ihm und mit ihm heimzukehren zum Vater.
Gott hat sich verlaufen wie ein Kind - nur dass es eben kein Irrtum war, solches zu tun, sondern das Göttlichste, was Gott tun kann. Gott ist der Gott der Kleinen und der Fernen - oder er ist nicht Gott. Wir finden Gott dort, wohin er sich "verlaufen" hat - oder wir finden ihn nicht.

"Lass uns dich finden, wohin du, Gott, dich verlaufen hast als ein Kind. Ja, lass uns selber Kind sein, in dem du dich verläufst zu den andern zu allen!"



Einfach da

Hemmerle, Klaus; Gottes Zeit - unsere Zeit, Gedanken für jeden Tag In dieser Zeit Gebet; München, Neue Stadt, 1994.


Er ist einfach da -
das ist alles,
was er tut und kann.
Aber indem er da ist,
ohnmächtig und strahlend,
ist eben Gott selber da.
Gott ist da für uns.
Und was sagt dieses Dasein Gottes
im Kind von Bethlehem?
Es sagt mir,
es sagt dir,
es sagt jedem Menschen:
Gut, dass du da bist.



Geburtstag

Ceelen, Petrus; Jeden Tag neu, Anstöße zum Aufstehen; Ostfildern, Schwabenverlag, 1996.


Heute feiern wir
den Geburtstag von einem,
der schon längst gestorben ist.

Heute feiern wir
den Geburtstag von einem,
der für viele längst gestorben ist.

Heute feiern wir
den Geburtstag von dem einen,
der für uns alle gestorben ist -
und unsterblich bleibt.