23.08.2017

Kontexte 06.01.2010


Im Herzen aller Geschichte

Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.


Gott sei Dank,
dass es immer noch Menschen gibt,
die warten können und glauben,
dass im Herzen aller Geschichte
dein Geist wohnt.

Gott sei Dank,
dass es immer noch solche gibt,
die fest bleiben und wissen,
dass das Licht unseren Schritten nachkommt.

Wir gehn ins Dunkel voran;
die Last des Tages drückt
und längt die Schatten,
kürzt die Dinge.
Nur die Hoffnung wacht und weiß:
Das Licht kommt nach.



Aufbruch

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag, Mainz 2006.


Es wird kommen der Tag,
da verlasse ich, zaghaft
zuerst, dann beherzt
meine einsame Insel.

Wage mich endlich hervor
aus dem bewährten Versteck
und der sicheren Deckung,
fast ohne Angst und ohne
noch einmal mich umzusehn.

Meine Rüstung tue ich
ab und alle die Waffen,
das Wenn und das Aber
und steige ins Boot.

Wehrlos werde ich sein
und verwundbar, ich weiß,
auf dem offenen Meer
und einzig beschützt
von der Liebe.



Lichtstrahlen

Aus: Basil Hume, Selig die Suchenden. Texte für Menschen auf dem Weg. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2001.


Oft scheint eine Wolke zwischen uns und Gott zu liegen. Doch von Zeit zu Zeit bricht ein Lichtstrahl durch die Wolke des Nichtwissens und lässt uns etwas von Gott erfahren - obwohl wir ihn nie direkt sehen oder berühren.
Solche Momente können ganz unterschiedlich sein: Vielleicht ist es ein Augenblick ungetrübten Glücks, die Erfahrung wahrer Liebe, die Entschlüsselung von Rätseln des Universums. Umgekehrt kann es geschehen, dass wir gerade in Sorgen und Traurigkeit Gottes Gegenwart erfahren. Wer gelernt hat, hinzuhören und aufmerksam zu sein, nimmt seine unverkennbare Stimme wahr - in Augenblicken großer Freude und tiefen Leids.

Der Mensch ist geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis. Jeder Mensch, mit dem ich in Kontakt komme, sagt mir darum etwas über seinen Schöpfer. Mehr noch: Er kann mir zeigen, dass Gott mich liebt.
Ich freue mich darüber, dass die Zuneigung und Wertschätzung, die jemand mir erweist, ein Wort der Liebe an mich sind. Wenn einer mir zugetan ist, übermittelt er mir etwas von der Liebe Gottes zu mir.



Gott ist ganz anders

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien o.J.


Vergiss
alle Eigenschaftswörter

verbrenn
alle Bilder

schreib ihn
nicht fest

trau
keinem Namen

feilsche
nicht

rechne nicht
mit dem Berechenbaren

nimm Abschied von deinen Erwartungen
und lass dich überraschen

Gott ist
ganz anders

aber er sucht dich
wenn du dich finden lässt

er findet dich
wenn du ihn suchst



Eines Tages

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003.


füttert der Rambo, kalt erwischt vom Fieber der Gutmütigkeit,
mit seinem letzten Joghurt ein Baby;
erliegt der Hurenbock den Reizen der Monogamie;
löscht Dr Frankenstein (MIT) seinen Quellcode
und geht zum Roten Kreuz nach Burundi;
schmeißt der Schatzbildner aufatmend seinen Schatz,
eine Feldpost-Sammlung, ins Feuer;
hängt dem Tyrannen das ewige Foltern zum Hals heraus,
und fortan zieht er lieber Rübchen. Allerdings,

die andern machen einfach so weiter.