23.02.2017

Kontexte 25.12.2008


...der schaue in die Krippen

Dr. Martin Luther, Christlicher Wegweiser für jeden Tag, Neu zusammengestellt und herausgegeben von Helmut Korinth, Hamburg 1980, Seite 365


Ich hab' s oft gesagt und sag es noch: Wer Gott erkennen und ohne Gefahr von Gott spekulieren will, der schaue in die Krippen, hebe unten an und lerne erstlich erkennen der Jungfrau Maria Sohn, geboren zu Bethlehem, so der Mutter im Schoß liege und säuget; darnach wird er fein lernen, wer Gott sei. Solches wird alsdann nicht schrecklich, sondern auf' s allerliebste und tröstlichste sein. Und hüte dich ja vor den hohen, fliegenden Gedanken, hinauf in den Himmel zu klettern ohne diese Leiter, nämlich des Herrn Christus in seiner Menschheit, wie ihn das Wort einfältig vorschreibt. Bei dem bleibe und lass dich die Vernunft nicht davon abführen. So ergreifst du Gott recht. Weil unser lieber Herr gelitten hat Frost, Hunger und Kummer, sonderlich aber ging' s elend und armselig zu, wie gesagt, da er auf Erden kam und geboren ward; da war weder Gefäß noch Stube, weder Kissen, Windeln noch Bettgewand; er musste in einer Krippe liegen vor den Kühen und Ochsen: - so denn mein Vetter, ja auch mein Bruder, der König Himmels und der Erden und aller Kreaturen drinnen, so elend sich daher legt: pfui dein mal an, warum bin ich so stolz? Warum will ich so herrlich sein und gar nichts leiden? So der König der Ehren um meinetwillen so leidet, wer bin ich denn? Ist' s nicht wahr, ich bin ein armer Sünder und nicht wert, dass ich auf meiner Hechel liegen sollte, liege dennoch da auf meinem weichen Bette, da mein Herr auf dem harten Stroh und in der Krippe liegt.



Mutter Gottes

Wolfgang Bader/ Stefan Leisenfeld, Maria -Vier Wochen mit der Mutter Jesu, München 2006, Seite 21f.


Gottesmutterschaft Marias sagt: Gott hat die "kleine Magd" groß gemacht. Gewiss, Maria bleibt ein Geschöpf Gottes, die "geliebte Tochter des Vaters", wie das Konzil formuliert (Lumen Gentium 53), aber Gott hat sie berufen, seinem Sohn Mutter zu sein. Gott hat Maria groß gemacht - indem er sich selbst klein machte. So ist Gottes Liebe.

Gott hat Maria die Gabe gegeben,
der Welt Gott geben zu können.
Gott nimmt die Gabe Marias an:
Ihr Menschsein, ihr Ja.
Er nimmt sie an als Wurzel,
aus welcher er "von unten und innen
hineinwachsen kann
in unsere Geschichte"
(Klaus Hemmerle).

"In einem Wort
hat man alle ihre Ehre
zusammengefasst,
so hat man sie 'Gottes Mutter' nennt;
niemand kann Größeres von ihr
noch zu ihr sagen,
und wenn er gleich so viel Zungen hätte,
als es Laub und Gras,
Sterne am Himmel und Sand am Meer gibt.
Es will auch im Herzen bedacht sein,
was es heißt, Gottes Mutter zu sein."
(Martin Luther)

Ich denke, dass es … Momente gibt, kurze, flüchtige, in denen Maria gleichzeitig spürt, dass Christus ihr Sohn ist, ihr Kleiner, und dass er Gott ist. Sie betrachtet ihn und denkt: 'Dieser Gott ist mein Kind. Dieses göttliche Leben ist mein Fleisch! Er ist aus mir gemacht, er hat meine Augen, und diese Form seines Mundes ist auch die Form von meinem. Er sieht mir ähnlich. Er ist Gott, und er sieht mir ähnlich.' Und keine Frau hat ihren Gott derart für sich allein gehabt. Einen ganz kleinen Gott, den man in den Arm nehmen kann und mit Küssen bedecken, einen ganz warmen Gott, der lächelt und atmet, einen Gott, den man berühren kann und der lebt. Und in einem dieser Momente würde ich Maria malen, wenn ich Maler wäre. . ." , sagt der "Bänkelsänger" in Sartres Weihnachtsspiel "Bariona".



Selbsterkenntnis

Roland Breitenbach, Sechs - Minuten - Predigt, für die Sonn - und Feiertage im Lesejahr B, Seite 18.


Wenn du dich satt gesehen hast am Kind in der Krippe,
dann mach, bevor du gehst,
seine Augen zu deinen Augen,
seine Ohren zu deinen Ohren,
seine Hände zu deinen Händen.
Dann geh und hilf deinen Brüdern und Schwestern.
Dazu helfe dir der Mensch gewordene Gott.

Wenn du dich satt gesehen hast am Kind in der Krippe,
dann mach, bevor du gehst,
sein Lächeln zu deinem Lächeln,
sein Herz zu deinem Herzen,
sein Denken zu deinen Gedanken.
Dann geh und sprich mit deinen Brüdern und Schwestern.
Dazu stärke dich der Mensch gewordene Gott.

Wenn du dich satt gesehen hast am Kind in der Krippe,
dann mach, bevor du gehst,
seine Heimatlosigkeit zu der deinen,
seine Not zu deiner Not,
sein Angewiesensein zu deinen Bedürfnissen.
Dann erkennst du in jedem Menschen
deine Schwester, deinen Bruder.
Du erkennst in dem Kind Gottes Sohn
und dich selbst.
Dazu segne dich der Mensch gewordene Gott.



Weihnachten ist nicht romantisch

Wolfgang Bader, 24 Türen zum Advent, Türen zum Advent, München 2002, Seite 75f.


In der Erzählung des Lukas fällt kein einziges Wort, niemand spricht. Weihnachten spricht für sich. Und spricht zu uns, für alle Zeiten, für alle Menschen.

Weihnachten ist nicht romantisch. Sich wegen der Finanzverwaltung auf den Weg zu machen, in einem Stall fern von zu Hause ein Kind zur Welt bringen ist kein Idyll. Da rieselt kein Schnee und klingen keine Glocken. Daher heißt Weihnachten auch: In der Normalität und in den Sorgen unseres Lebens, auch wenn wir keine Herberge haben, kann im Stall unseres Alltags neues Leben beginnen.

Weihnachten ist nicht Gedanke, Theorie. Sondern Liebe, die Mensch, Kind wird. Danach sehnen sich auch die Menschen, die nicht an Gott glauben können. Von Jean Paul Sartre stammt das Wort: "Wenn Gott für mich ein Mensch würde, dann würde ich ihn lieben, ihn ganz allein. Dann wären Bande zwischen ihm und mir, und für das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht." Ob er Christen erlebt hat, deren Liebe so konkret wurde wie Gottes Liebe?
Und Weihnachten ist kein "Event", sondern klein wie ein Kind. Wehrlos, obdachlos und gleich darauf heimatlos. So klein, dass es keinen Menschen gibt, der dieses Bild nicht aufnehmen könnte.



Ein Kind wird geboren

Gottfried Hänisch, Für ein paar Minuten, Das neue Andachtsbuch, 24. Dezember, Hamburg 2001.


Ein Kind wird geboren.
Das ist fast immer ein Grund zur Freude,
weil neues Leben beginnt
und ein Kind neue Hoffnung gibt.

Ein Kind wird geboren.
Wir feiern Heiligabend.
Sind darum die Menschen so still und friedlich?
Ist der Grund dazu das Kind?

Ein Kind wird geboren.
Ein Menschenkind wie andere.
Und doch ein anderes Kind.
Kein Wunderkind -
und doch ein Wunder, dieses Kind.

Denn ein Judenkind wird geboren,
in einer elenden Grotte,
zur Welt gekommen
bei einer Volkszählungsaktion,
im arabischen Bethlehem,
vor den Toren Jerusalems.
Es ist, als zittert die Erde,
als hält sie den Atem an.

Denn das Kind soll den Frieden bringen,
den lang ersehnten.