17.12.2017

Kontexte 25.12.2007


Ein Weihnachtshymnus

(Der Hymnus "Veni redemptor gentium” wurde im 4. Jh. vom Kirchenvater Ambrosius in Mailand gedichtet. Die hier vorgelegte Übersetzung ins Deut sche stammt von Markus Jenny 1971.) Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.


Komm, du Heiland aller Welt;
Sohn der Jungfrau, macht dich kund.
Darob staune, was da lebt:
Also will Gott werden Mensch.
Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.
Wie die Sonne sich erhebt
Und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.
Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.
Gott dem Vater Ehr und Preis
Und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
Jetzt und ewig. Amen.



Der Glanz des Himmels - in Menschenarme gelegt

Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (P. Karlheinz May, Redemptoristenkloster Kölnstraße 415, D-53117 Bonn).


Der Himmel hat sich aufgetan,
vom Sternenzelt herab steigt Gottes Sohn.
Der Glanz der Ewigkeit
fällt ins Erdendunkel,
legt sich in Menschenarme.
Das Licht kommt in die Finsternis,
erhellt die Menscheneltern,
will geborgen werden und bewahrt sein,
damit es allen leuchte,
die in diese Welt kommen.
Die Sterne tanzen vor Freude.
Nun gibt es keine Distanz mehr.
Nicht mehr oben, in den Lichtern des Himmels,
werden die Menschen
Licht und Erlösung suchen müssen,
nicht mehr nach oben schauen,
weil unter ihnen das Heil erschienen ist:
JESUS CHRISTUS.
Gott schaut uns an
durch die Augen eines Kindes.
Auch heute willst du
neu geboren werden in unsere Herzen,
damit dein Glanz uns hell und heil macht;
damit wir etwas von deinem Licht
zu den Menschen bringen können,
zu denen, die sich selbst
nur eigene Lichter aufsetzen,
die verlöschen werden.
Doch mit dir
ist die Sonne unseres Heiles aufgegangen,
und diese Sonne
kennt keinen Untergang.



Ein Fest gegen den Stolz

Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.


Weihnachten ist ein Fest gegen den Stolz. In einer alten Legende fragt ein Schüler seinen geistlichen Lehrer: Warum haben früher Menschen Gott gesehen und warum sehen sie ihn heute nicht mehr? Der alte Mann antwortet: Weil sich heute keiner mehr tief bücken mag.

Diese Geschichte hat etwas mit Weihnachten zu tun. Wer das Kind, das auf den Weihnachtsbildern in der Krippe liegt oder von Maria in den Armen getragen wird, genau sehen will, der muss sich bücken. Er muss sich kleiner machen und so diesem Kind ähnlicher werden und auch dem Kind, das er selbst vor langer Zeit gewesen ist und das er vielleicht vergessen, ja verraten hat. Und wer Maria, die Mutter dieses Kindes, verstehen will, der muss etwas über ihre Demut wissen, die der Ausdruck von Freiheit ist.

Ein silberner Stern am Boden der Grotte von Betlehem bezeichnet den Ort, wo gemäß alter Überlieferung Jesus geboren wurde und so der Welt ihr Licht aufgegangen ist. Der Raum ist niedrig, und auch in die hohe Geburtskirche, die über dieser Grotte errichtet ist, kommt man nur, wenn man sich etwas bückt. Das große Tor dieser alten Kirche ist nämlich vor Jahrhunderten bis auf eine enge Pforte, ein "Nadelöhr”, zugemauert worden. Man muss sich klein machen, um an den Ort zu gelangen, wo nach ehrwürdiger Tradition Gott als Kind erschienen ist.

Das zum Mann aus Nazaret gewordene Kind von Betlehem hat in die Mitte seiner Jünger, die um ihren Rang im Himmelreich stritten, ein Kind gerufen und gesagt: "Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte” (Mt 18,3-4).



herabgestiegen

Aus: Anton Rotzetter, Wo auf Erden der Himmel beginnt. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.


Gott erträgt das Elend der Menschen nicht, er ist ganz persönlich betroffen, leidet am Leiden der Menschen und - steigt in es hinein, um Freiheit und Leben zu schaffen. Er nimmt dafür Mose in seinen Dienst; Mose wird zum Werkzeug, in dem Gott selbst handelt und wirkt; er soll ganz und gar durchlässig werden, damit Gott seine befreiende Gegenwart zur Geltung bringen kann; Mose spürt in sich eine neue, vorher nie gekannte Mächtigkeit, göttliche Kraft, die ihn drängt und leitet, das Volk Israel einer besseren Zukunft entgegenzuführen.

Besonders betont sei hier das Motiv des Herabsteigens. Gott verlässt seinen Thron, entäußert sich in die Geschichte hinein, ist ein demütiger Gott, der sich mit dem Elend und der Erniedrigung der Menschen verbindet - und zwar so sehr, dass Gott zur revolutionären, geschichtsverändernden Kraft wird.

Besonders dieses Motiv des Herabsteigens Gottes wird nun in der Geschichte vom Kind in der Krippe noch deutlicher.

Tatsächlich ist Weihnachten alles andere als eine Idylle. Der Stall, Ochs und Esel, die Verweigerung der Herberge in der Stadt, HERODES und der Kindermord und vieles noch sind sprachliche Signale für Elend und Not, in die hinein das Kind von Betlehem geboren ist bzw. in die hinein Gott heruntersteigt, »heruntergekommen ist«, ähnlich wie man auch von einem angesehenen reichen Mann, wenn er alles verliert, sagt, er sei heruntergekommen. Der arme, ohnmächtige Gott!



Die Geburt des Herrn

Karl Rahner in: Karl Rahner Lesebuch, hrsg. Von Karl Kardinal Lehmann und Alaber Raffelt. Herder Freiburg Basel Wien 1982/2004.


Geburt in die Enge der Zeit

Wir schauen zunächst auf den Herrn, wie er der Zeit untertan wird. Welch ein Unterfangen, sich mit dem göttlichen Leben in eine bestimmte Zeit und in eine bestimmte Familie hineinzuwagen: Erscheinung Gottes im Fleisch!

Wir leiden oft unter unserer Situation, die durch die vorhergehende Geschichte und ihre Faktoren bestimmt ist. Oft sind wir ein Spielball der Politik, bekommen sie und ihre Folgen zu spüren, schauen mit Furcht in die Zukunft, fragen, wie unter solchen Bedingungen unser Leben, so wie wir es von uns aus planen, möglich sein soll. Geängstigt und mißtrauisch gegen das Leben und sein Daseinsfeld fragen wir uns immer wieder, ob uns die Wirklichkeit das Material bietet, das wir zur Gestaltung unseres Lebens brauchen. In diese verstellte Wirklichkeit hat sich der Logos Gottes hineingewagt, um ein lästiger Vertriebener, Angehöriger einer herabgekommenen Familie, Eingeborener eines versklavten Landes zu werden. Er wird in Armut geboren, im Stall, weil Maria und Josef in der Herberge nicht aufgenommen werden, so daß Paulus von seiner Ekstase der Armut sagen kann: "Um euretwillen ist er arm geworden, da er doch reich war. . .” (2 Kor 8, 9). Aber auch diese Armut ist nichts Außergewöhnliches, sie fällt gar nicht auf. Was Maria und Josef in Bethlehem erleben mußten, war für sie wahrscheinlich gar nicht erschütternd. Sie haben es eher als das selbstverständliche Los kleiner Leute angenommen. Immerhin scheint eine Geburt in so armseligen und durchschnittlichen Verhältnissen, wenigstens nach unserem Geschmack, kaum geeignet als Anfang eines großartigen Lebens. Die ganze Umgebung, in die Jesus hineingeboren wird, mutet eng an, ist sehr gewöhnlich, erstickend alltäglich, weder radikal arm noch so, daß damit ein großzügiges Leben entworfen werden könnte. Es ist auch eine Geburt in die Unbekanntheit: sie passiert irgendwo nebenher, die Menschen von damals haben sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ein paar klägliche Hirten finden sie als ziemlich verklärtes Ereignis; die Weltgeschichte nimmt keine Notiz von ihr.

Aber auch das Geborenwerden an sich besagt schon Enge. Geborenwerden heißt, ungefragt ins Dasein gesetzt zu werden. Das Grundwissen vom ungefragten Gerufensein, die wissend zu sich selbst kommende Kontingenz gehören zum Dasein des endlich Geistigen. Der Anfangspunkt unseres Lebens, der dieses eine Leben in eine Ewigkeit bestimmt, so daß wir nie ganz davon wegkommen können, ist unweigerlich von einem anderen verfügt. Die Annahme dieses ersten Uneinholbaren gehört zu den Grundvollzügen des menschlichen und erst recht des christlichen Daseins.

Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun.. . dazu hin, dass der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich”, Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung an-sehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.



Du Kind

Bernhard Meuser in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


Du -
keine der Antworten,
die wir uns selbst geben könnten,
Du
keine der Erfindungen,
auf die wir noch kommen müssten.
Du -
keiner der Wege,
in die der Fortschritt mündet.
Du -
keine der Befreiungen,
die wir uns eigenhändig verschaffen könnten.
Du Kind,
das der Vater uns erfunden hat
als Antwort, als Weg,
als Befreiung.



Gotteshunger oder

Aus: Ludger Schulte, Gott suchen - Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2005.


Die Suche nach dem wirklichen Leben

Nach einem Vortrag konnte ich einmal, ganz ehrlich gemeint, von einem Zuhörer hören: »Ich fühle mich eigentlich ganz wohl. Ich habe keine Fragen. Zugleich bin ich unbefriedigt, weil ich keine Fragen habe. Sie haben über geistlichen Hunger gesprochen, das hat mich erschreckt. Ich wäre gern hungrig, bin es aber nicht.«

Mit dem geistlichen Hunger ist es so, dass er zwar wie der leibliche immer wieder kommt, dass er aber ganz leicht abgelenkt und umfunktioniert werden kann. Dann vergisst man ihn, schlägt sich den Bauch mit anderen Sachen voll und erklärt: »Ich bin nicht religiös - mir fehlt nichts!« Warum haben so wenige Gotteshunger? Manchmal denke ich, weil sie das Leben nicht wirklich an sich heranlassen mit seiner ganzen Wucht, mit allen Freuden und Absurditäten, Aufbrüchen und Enttäuschungen, mit seinem Augenzwinkern und seinen endlosen Fragen. Viele schlucken einfach. Sie wollen das Leben lieber klimatisiert, gleich bleibend. Sie wollen das Leben bereinigt, das Kaputte ausgemerzt, das Defekte frühzeitig erkannt und beseitigt. Sie fürchten den Behinderten im Urlaub, der die Stimmung im Hotel vermiest. Sie wollen ein klimatisiertes Leben, keine Störungen, immer gut drauf. Sie halten sich das Leben auf Distanz, um vielleicht nicht irre daran zu werden. Wer will schon verbrennen, wer erfrieren an der Temperatur des Lebens. Wer bejaht die Fieberkurve zur Gesundung?

Dorothee Sölle hat einmal geschrieben: »Wir haben Angst davor getröstet zu werden, da ist unsere religiöse Armut, da ist uns die langsame Verwesung schon lieber. Getröstet kann nur einer werden, der die eigene Trostlosigkeit erkennt und der aufgehört hat, sich das eigene Unglück oder die eigene Leere zu verschleiern.« Das ist hart. Aber es ist wahr und deshalb macht es frei. Sehr frei.

Die Gott-Suche beginnt, unter anderem, mit dieser Wahrheit. Sie beginnt, weil einem das Leben auf die Pelle gerückt ist und wir aufhören auszuweichen. In der Regel kaschieren wir, weichen aus, lutschen Tabletten, nuckeln an Longdrinks herum, stellen die Musik lauter, zappeln uns auf Großveranstaltungen ab, fahren schneller mit Autos, vergrößern unsere Schrebergärten, verlängern den Urlaub oder die Arbeitszeit, schaffen uns einen neuen Lebensgefährten an, verfeinern unseren Körper in Studios, begehen eine endlose Reihe von Grill- und Afterwork-Partys. Nichts dagegen, wenn der große Hunger durch all die Häppchen nicht erstickt wird.

Wenn wir dieses Leben wirklich zulassen, mit Höhen und Tiefen, wenn wir Schmerz, Angst, Hilflosigkeit, ja auch Wut und Klage wieder an uns heranlassen, aber auch das Überraschtsein von Freude, die Überwältigung durch eine Landschaft oder musikalische Komposition, das unverdiente Geschenk einer Freundschaft, einer Liebe, die uns genauso wie manche Beengung über uns hinaustreibt, dann kommen wir heraus aus der Anspruchslosigkeit, dass wir vom Leben nicht mehr verlangen als das Butterbrot. Dann entsteht »Gotteshunger«.



wieder da

Philippa Kalkbrenner in : Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


und plötzlich, GOTT,

bist du wieder da...

seit langem habe ich ihn nicht mehr gehört,

den »soundtrack« meiner Geschichte mit

DIR -

unser Lied!



WWW.GOTT.DE

Peter Schott in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


Surfe mit mir
durch die
unendlichen Weiten
meines Lebens.

Hilf mir,
meinen Joystick
so zu halten,
dass mein Lebensspiel
gelingt.