21.08.2017

Kontexte 25.12.2010


Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht

P. Benedikt Grimm OFM http://www.vierzehnheiligen.de/de/gebete-texte-lieder/texte-zum-nachdenken-nr65.php


Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird erfahren, dass es viele kleine Schritte sind, die einen dem Ziel näher bringen.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird entdecken, dass zum Geheimnis der Wüste Durststrecken und Oasen gehören.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird erkennen, dass wir die Sterne nur am nächtlichen Himmel sehen können.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird verspüren, welche stille Kraft in unserer Sehnsucht liegt, die von Gott stammt.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird merken, dass Gott auch heute bei uns Menschen Herberge sucht und Heimat.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird erleben, dass dieser Ort ganz in der Nähe und der Weg dorthin oft so unwahrscheinlich weit ist.

Wer sich auf den Weg nach Bethlehem macht, wird an der Krippe die Armseligkeit des Menschen und zugleich die Menschwerdung Gottes finden.



Lieder und Gebete

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2000 (32002), Topos plus Taschenbücher Nr. 327.


Es gibt Lieder und Gebete
von denen kommen wir her
selbst wenn sie uns nicht mehr passen
(zu klein oder zu groß geworden für uns?):
es waren unsere Gebete und Lieder
wir sollten sie uns nachsagen lassen

Es gibt Lieder und Gebete
zu denen sind wir unterwegs
selbst wenn wir noch nicht so weit sind
(zu klein oder zu groß geworden für uns?):
es werden unsere Gebete und Lieder sein
wir sollten sie uns vorsingen lassen

Und es gibt Lieder und Gebete
von denen kommen wir her und
zu denen sind wir unterwegs in einem
das Credo zum Beispiel:
ich lernte es auswendig in der Schule
ich hoffe es gelernt zu haben inwendig
am Ende meines Lebens
damit ich an dem Anfang stehe
den es markiert



Der Stern ist da und leuchtet

Aus: Karl Rahner, Kleines Kirchenjahr. Ein Gang durch den Festkreis. Herderbücherei, Bd. 901, Freiburg/Basel/Wien: Herder 1981. Karl Rahner, Von der seligen Reise des gottsuchenden Menschen Gedanken zum Fest der Erscheinung des Herrn, in: Geist und Leben 22 (1949).


Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns laufen! Lasst uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können.
Wir wandern durch die Wüsten. Herz, verzage nicht über den Anblick des Pilgerzuges der Menschheit, der Menschen, die gebückt unter der Last ihrer schwerwiegenden Qual weiterziehen, immer weiter, scheinbar alle in die gleiche Ziellosigkeit. Verzage nicht: Der Stern ist da und leuchtet.

Sag' selbst: Steht der Stern nicht still am Firmament deines Herzens? Er ist klein? Er ist fern? Aber er ist da. Er ist nur klein, weil du noch weit zu laufen hast! Er ist nur fern, weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugetan wird. Aber der Stern ist da! Auch die Sehnsucht nach Freiheit des inneren Menschen, nach Güte, nach Seligkeit, auch das Bedauern, ein schwacher, sündiger Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schiebst du selbst die Wolken vor den Stern?

Das Herz muss sich bewegen! Das betende, das verlangende, das schüchtern, aber ehrlich in guten Werken sich übende Herz, das läuft, das wandert Gott entgegen, das Herz, das glaubt und sich nicht verbittern lässt, das Herz, das die Torheit der Güte für gescheiter hält als die Schlauheit des Egoismus, das Herz, das an die Güte Gottes glaubt, das Herz, das seine Schuld sich liebend von Gott vergeben lassen will, das sich von Gott überführen lässt seines geheimen Unglaubens und das sich darüber nicht wundert, sondern Gott die Ehre gibt und bekennt - ein solches Herz hat die abenteuerliche Reise der königlichen Herzen nach Gott angetreten.

Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen.

(Originaltext gekürzt)



Er ist schon da!

Bernhard von Clairvaux


Denk daran,
wo immer du dich niederlässt:
Er ist schon da!
Der dich getragen, geprägt,
geführt und befreit hat.
Er ist schon dort.
Der dich in Ungeahntes,
Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm. Erfahr ihn,
wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Geh - du bist nicht verlassen.
Der Herr zieht mit.



Der Anfang des Gebetes

Bischof Klaus Hemmerle


Der Meister versammelte seine Jünger und fragte sie: "Wo ist der Anfang des Gebetes?" Der erste antwortete: "In der Not. Denn wenn ich Not empfinde, dann wende ich mich wie von selbst an Gott." Der zweite antwortete: "Im Jubel. Denn wenn ich jubele, dann hebt sich mir die Seele aus dem engen Gehäuse meiner Ängste und Sorgen und schwingt sich auf zu Gott." Der dritte: "In der Stille. Denn wenn alles in mir schweigend geworden ist, dann kann Gott sprechen." Der vierte: "Im Stammeln des Kindes. Denn erst wenn ich wieder werde wie ein Kind, wenn ich mich nicht schäme, vor Gott zu stammeln, dann ist er ganz groß und ich bin ganz klein, und dann ist alles gut." Der Meister antwortete: "Ihr habt alle gut geantwortet. Aber es gibt noch einen Anfang, und der ist früher als alle jene, die ihr genannt habt. Das Gebet fängt an bei Gott selbst. Er fängt an, nicht wir."



Gehen

Karl Rahner


Wir gehen, wir müssen suchen.
Aber das Letzte und Eigentliche kommt uns entgegen, wenn wir entgegen gehen.
Und wenn wir gefunden haben werden, weil wir gefunden wurden, werden wir erfahren, dass unser Entgegengehen selbst schon getragen war von der Kraft der Bewegung, die auf uns zukommt, von der Bewegung Gottes zu uns.



Ein Weg fängt an

Schwarz, Andrea; Wenn ich meinem Dunkel traue, Auf der Suche nach Weihnachten. Herder, Freiburg 1993.


Gott
du großer Gott
ein Kind im Stall
 
du brichst in mein Dunkel herein
teilst meine Ohnmacht
stellst dich mir Schwache zur Seite
 
du weckst meine Sehnsucht
du färbst meine Träume
wartest mit mir auf den Anbruch des Morgens
 
du lehrst mich suchen
machst Mut zum Aufbruch
lädst ein zum Leben
und gehst mit
 
Weihnachten
 
ein Weg fängt an



Wohin

Edith Stein


Wohin das Kind in der Krippe
uns auf dieser Erde führen will,
das wissen wir nicht
und sollen wir
nicht vor der Zeit fragen.
Nur das wissen wir,
dass denen, die den Herrn lieben,
alle Dinge zum Guten gereichen.
Und ferner, dass die Wege,
die der Herr führt,
über diese Erde hinausgehen.