15.12.2017

Kontexte 01.01.2008


Familie, Gesellschaft und Frieden

Botschaft zum Weltfriedenstag, 1.1.2008, Papst Benedikt XVI. (Nr.5)


Wer die Einrichtung der Familie behindert - und sei es auch unbewusst -, macht also den Frieden in der gesamten nationalen und internationalen Gemeinschaft brüchig, denn er schwächt das, was tatsächlich die wichtigste "Agentur" des Friedens ist. Dies ist ein Punkt, der einer besonderen Überlegung wert ist: Alles, was dazu beiträgt, die auf die Ehe eines Mannes und einer Frau gegründeten Familie zu schwächen, was direkt oder indirekt die Bereitschaft der Familie zur verantwortungsbewussten Annnahme eines neun Lebens lähmt, was ihr Recht, die erste Verantwortliche für die Erziehung der Kinder zu sein, hintertreibt, stellt ein objektives Hindernis auf dem Weg des Friedens dar. Die Familie braucht ein Heim, sie braucht die Arbeit bzw. die gerechte Anerkennung der häuslichen Tätigkeit der Eltern, eine Schule für die Kinder und eine medizinische Grundversorgung für alle. Wenn Gesellschaft und Politik sich nicht dafür einsetzen, der Familie auf diesem Gebieten zu helfen, bringen sie sich um eine wesentliche Quelle im Dienst des Friedens.



Zweierlei Liebe

Joseph Ratzinger, Benedikt XVI, Salz der Erde, Ein Gespräch mit Peter Seewald, Wilhelm Heyne-Verlag, München 2004,301.


"Goethe hat … gesagt, die Geschichte sei als Ganze Kampf zwischen Glaube und Unglaube. Augustinus hat das etwas anders gesehen und gesagt, sie sei ein Kampf zwischen zweierlei Liebe, zwischen der Gottesliebe bis zum Selbstverzicht und der Selbstliebe bis zur Gottesverleugnung. Er hat also die Geschichte als Drama des Kampfes von zweierlei Liebe geschildert. Diesen Gedanken hat ich noch etwas zu präzisieren versucht, indem ich sagte, die Gegenbewegung ist nicht eigentlich eine andere Liebe, sie verdient den Namen Liebe gar nicht, sondern es ist die Liebesverweigerung. Die Geschichte ist im Ganzen der Kampf zwischen der Liebe und der Absage an die Liebe. Was wir ja durchaus auch heute wieder erleben, wenn die Unabhängigkeit des Menschen darin getrieben wird, dass er sagt, ich will gar nicht lieben, weil ich mich dann abhängig mache, und das widerspricht meiner Freiheit."



Kindheit Jesu

Leonardo Boff, Jesus Christus, der Befreier, Freiburg-Wien 1986: Herder-Bücherei Bd. 1782, 108f.


Hinter jedem Titel - ob Christus, Menschensohn oder Sohn Gottes usf. - steckt eine lange theologische Reflexion, die bis zur Gedankenspielerei der ausgeklügeltsten rabbinischen Theologie gehen kann. Das wird gerade bei den Berichten von der Kindheit Jesu deutlich. Im allgemeinen Empfinden der Christen bilden die Erzählungen von der Geburt Jesu wie Weihnachten insgesamt ein Fest für das Herz. Der Glaube wird Gefühl. Damit reicht er bis an das heran, was es an Tiefstem und Innigsten in der Persönlichkeit des Menschen gibt; er schafft Begeisterung und Freude und lässt einen das Leben als sinnvoll verspüren. Im Stall, vor der Krippe mit dem Kind zwischen Ochs und Esel, mit Maria und Josef, den Hirten und den Schafen und dem Stern reichen sich Künste und Berufe, die Natur, Berge und Wasser, das Universum der Dinge und die Welt der Menschen die Hand und versöhnen sich unter den Augen des Kindes. An Weihnachten werden wir alle zu Kindern und lassen - dies eine Mal wenigstens - den kleinen Prinzen, der in uns wohnt, die unschuldige Sprache der Kinder sprechen, die der Anblick des Tannenbaumes, der brennenden Kerzen und der glitzernden Kugeln verzückt. Der Mensch taucht ein in die Welt der Kindheit, des Mythos, des Symbols und der Poesie, die nun einmal das Leben ausmachen, die aber von unseren Interessen, Geschäften und Sorgen ums Überleben erstickt werden, so dass sie uns daran hindern, auch als Erwachsene das ewige Kind zu sein, das jeder gleichwohl immer noch ist. Alles sind aber Werte, die es zu schützen und zu pflegen gilt.

Damit es aber christliche Werte bleiben, müssen sie mit dem Glauben in Verbindung stehen. Sonst entarten Gefühl und weihnachtliche Atmosphäre zu Sentimentalität, die leicht zur Beute der bestehenden Produktions- und Konsummaschinerie wird.



Das neue Jahr

Karl Rahner, Meditation zu Neujahr, Das grosse Kirchenjahr, Freiburg 1987, 120f.


Ein neues Jahr kommt. Was wird es bringen? Ich meine nicht: für die Welt, für die Politik und die Kirche. Ich meine: für mich. Gerade für mich. Denn diese Frage und diese Sorge ist berechtigt. Denn bitte: ich werde einmal abtreten und hier nicht mehr sein. Und mein Glaube, nicht meine egoistische Einbildung sagt, dass ich dann erst recht sein werde, dass ich das bin, was ich hier und jetzt geworden bin, dass sich der Ertrag dieser Zeit sammelt in dem, was wir die Ewigkeit, meine und deine einmalige, unvertauschbare, unübertragene Ewigkeit nennen. Also habe ich ein Recht, zu fragen, was mir das neue Jahr bringt.



Unser neues Jahr in Gottes Hand


Der Herr,
der am Anfang
aller unserer Wege steht,
von dem wir
uns entfernen können,
der uns aber niemals aufgeben wird,
segne und behüte uns.
Damit alle
unsere Wege und Irrwege
am Ende doch
bei ihm ankommen.

Der Herr,
der zugesagt hat,
dass er alles neu machen wird,
auch das,
was unter unseren Händen
ungut geworden ist,
lasse sein Angesicht
leuchten über uns,
wenn es dunkel um uns ist,
wenn wir nicht weiter wissen,
wenn wir Schuld auf uns geladen haben.
Er sei uns gnädig.

Der Herr,
der zugesagt hat,
unter uns zu wohnen,
damit wir sein Volk sind
und er unser Gott,
erhebe sein Angesicht auf uns,
damit wir
in allen Veränderungen der Zeit
nicht mitgerissen werden
wie welkes Herbstlaub vom Sturm,
damit wir bewahrt werden
und unser Leben Bestand hat
bei ihm.
Er gebe uns Frieden.